Wirtschaftsausblick

20.05.2019

Wirtschaftsausblick - Indonesien (Mai 2019)

Inhalt

Regierung will verarbeitendes Gewerbe stärken / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Indonesiens Wirtschaft wird wohl auch in den nächsten Jahren mit Raten über 5 Prozent wachsen. Größte Probleme sind der schleppende Infrastrukturausbau und die schwächelnde Industrie.

Wirtschaftsentwicklung: Unternehmen hoffen auf Joko Widodos zweite Amtszeit

Die indonesische Wirtschaft ist in der ersten Amtszeit (2014 bis 2019) von Präsident Joko Widodo (genannt "Jokowi") real um durchschnittlich knapp über 5 Prozent gewachsen. Das ist weitaus weniger als die 7 Prozent, die er in seinem Mid-term Development Plan (2015 bis 2019) erreichen wollte. Dennoch ist der steigende Wohlstand allerorten sichtbar und wird auch als der Hauptgrund für die Wiederwahl Jokowis im April 2019 gesehen.

In den internationalen Business-Rankings hat sich Indonesien unter Jokowi deutlich verbessert. So ging es beispielsweise im Ease-of-Doing-Business-Index von Platz 120 (2014) auf Rang 73 (2018) nach oben. Dennoch klagen ausländische Unternehmen weiterhin über Korruption, überbordende Bürokratie und eine nationalistische Wirtschaftspolitik, die ausländische Unternehmen systematisch benachteiligt.

Der Präsident muss für den eigenen Machterhalt naturgemäß vielfältige Interessen im Land bedienen. Die Hoffnung ausländischer Unternehmen beruht nun darauf, dass Jokowi in seiner zweiten und letzten Amtszeit freier entscheiden kann und die Wirtschaft öffnet. Denn auch im regionalen Vergleich mit den anderen ASEAN-Ländern gilt Indonesien als ausgesprochen protektionistisch.

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Es gibt im Land eine breit geführte Diskussion über die Schwäche der heimischen Industrie. Ihr Anteil an der Wirtschaftsleistung sinkt seit vielen Jahren. Zudem besteht sie aus vielen wertschöpfungsschwachen Branchen, wie dem Textil- und Bekleidungssektor oder der Nahrungsmittelverarbeitung. Technologie und Know-how für die Etablierung höherwertiger Industriezweige ist vor Ort nicht vorhanden. Ausländische Unternehmen können aber nur mit mehr Investitionsanreizen nach Indonesien gelockt werden.

Markenzeichen der Präsidentschaft von Jokowi ist der landesweite Ausbau der Infrastruktur. Zwar verzögern sich viele Projekte, und es gelingt vielfach nicht, dringend benötigtes privates Kapital einzuwerben. Doch auch hier ist der Fortschritt spürbar. Sinnbild der Entwicklung ist die erste Metrolinie in Jakarta. Die gesamtwirtschaftlichen Vorteile der neuen Straßen, Bahnlinien, Häfen und Airports werden sich aber erst in Zukunft einstellen.

Wirtschaftliche Eckdaten Indonesien
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. US$) 1.015,4 1.041,4 4.001,5
BIP pro Kopf (US$) 3.877 3.927 48.269
Bevölkerung (Mio.) 261,9 265,0 *) 82,9
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = IDR 13.382,7 14.247,7 -

*) Schätzung

Quellen: Badan Pusat Statistik; Statistisches Bundesamt; Bundesbank

Investitionen: Ausländische Zuflüsse sinken deutlich

Ende 2018 hatte die Regierung die Liberalisierung der sogenannten Negative Investment List (DNI) angekündigt, die Investitionsbeschränkungen für ausländische Unternehmen definiert. Die Presse hatte die Änderungen bereits verkündet, doch in letzter Minute scheiterte die Reform am Widerstand heimscher Interessengruppen.

Zwei Monate später musste ein Rückgang der für neue Arbeitsplätze so wichtigen ausländischen Direktinvestitionen (FDI) um 9,1 Prozent auf 29,3 Milliarden US-Dollar (US$) im Jahr 2018 verkündet werden. Und damit nicht genug: Im 1. Quartal 2019 blieben die FDI im Vorjahresvergleich in Landeswährung nominal stabil - in US-Dollar gerechnet steht aber ein Minus von 25 Prozent zu Buche. Das zeigt Handlungsbedarf auf.

Ein immer größerer Anteil des FDI in Indonesien kommt aus Asien, vorwiegend aus Singapur, Japan und China. Nicht einmal ein Prozent stammt aus Deutschland. Viele deutsche Unternehmen sind bei Großprojekten aber oftmals als Lieferanten von Komponenten tätig.

Ausgewählte Großprojekte in Indonesien
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mrd. US$) Projektstand Anmerkung
Meikarta, neue Stadt östlich von Jakarta mit 250.000 Apartments circa 20,0 1. Bauphase bis 2022 Finanzierung durch die Lippo Group (http://meikarta.com), teilweiser Baustopp nach Korruptionsskandal
Bahnstrecke Jakarta-Surabaya 6,0 bis 7,5 in Planung Modernisierung der bestehenden 700 km langen Eisenbahnstrecke, Finanzierung und Bau durch Japan
Bau von 600.000 Wohnungen in Jakarta 6,4 in Planung, Fertigstellung bis 2030 subventionierter Wohnungsbau, private Investoren gesucht
Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke Jakarta-Bandung 6,0 Baubeginn 2016, Fertigstellung 2022/23 Bau und Betrieb durch Kereta Cepat Indonesia China (40% chinesische Beteiligung)
Tanjung Priok, Kalibaru Hafen 5,9 im Bau, Fertigstellung bis 2023 Ausbau des Containerhafens bei Jakarta auf 20 Mio. TEU
Ausbau von Vorort-Bahnstrecken (LRT) im Großraum Jakarta 4,3 in Planung, Fertigstellung bis 2030 private Investoren gesucht
U-Bahn (MRT) Jakarta, Verlängerung der 1. Linie 4,0 Baubeginn 2018, Fertigstellung 2022 geplant Japan aussichtsreicher Bieter für die Tunnelarbeiten(http://www.jakartamrt.co.id)
Batang Power Plant 4,0 im Bau 2.000-MW-Kohlekraftwerk, Finanzierung und Bau durch Japan

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/Indonesien, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Verbraucher sind optimistisch

Seit der Asienkrise von 1997/98 boomt Indonesiens Wirtschaft ununterbrochen - mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von mehr als 5 Prozent. Da etwa 50 Prozent der indonesischen Bevölkerung 25 Jahre alt oder jünger sind, hat die Hälfte der Menschen noch nie bewusst eine Wirtschaftskrise miterlebt. Deshalb sind die Verbraucher grundsätzlich optimistisch. Auf den privaten Konsum entfallen mehr als 50 Prozent der Verwendung des Bruttoinlandsprodukts. Er ist damit wichtige Stütze der Wirtschaftsentwicklung. Das jährliche Wachstum der privaten Ausgaben entspricht in etwa dem der Gesamtwirtschaft.

Allerdings ist der Importmarkt für Konsumgüter vergleichsweise klein. Nach Angaben des Handelsministeriums betrug er 2018 nur 17,3 Milliarden US$, verzeichnete aber immerhin ein Wachstum von 22 Prozent gegenüber 2017. Pro Kopf entspricht das allerdings gerade einmal Ausgaben von rund 65 US$ im Jahr.

Außenhandel: Importe halten hohes Niveau

Indonesiens Importe sind 2018 um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen und erreichten mit 188,7 Milliarden US$ den zweithöchsten Wert seit 2013. In nahezu allen Produktgruppen wuchs die Nachfrage deutlich. Die deutschen Lieferungen legten um 11,2 Prozent (in US-Dollar gerechnet) zu.

Mit dieser Entwicklung konnten Indonesiens Exporte allerdings nicht mithalten, sodass für 2018 ein Rekord-Außenhandelsdefizit von 8,5 Milliarden US$ zu Buche steht. Das treibt das medial im Fokus stehende Leistungsbilanzdefizit nach oben und schürt den Ruf nach Importbeschränkungen, der in der Bevölkerung durchaus Zustimmung findet.

Im 1. Quartal 2019 sind die Einfuhren im Vorjahresvergleich um 7,4 Prozent zurückgegangen, und die Außenhandelsbilanz ist nahezu ausgeglichen. Prognosen von Handelsministerium und Statistikamt gehen aber davon aus, dass der Importwert im Gesamtjahr 2019 auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr liegen dürfte.

Außenhandel Indonesiens (in Mrd. US$; Veränderung in Prozent)
2017 2018 Veränderung 2018/2017
Importe 157,0 188,7 +20,2
Exporte 168,8 180,2 +6,7
Handelsbilanzsaldo 11,8 -8,5 -

Quelle: Indonesisches Handelsministerium

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Indonesien

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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