Wirtschaftsausblick

31.10.2018

Wirtschaftsausblick - Indonesien (Oktober 2018)

Inhalt

Währungskrise bremst den Wachstumskurs / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Die indonesische Rupiah hat zwischen Januar und Oktober 2018 gegenüber dem US-Dollar um bis zu 15 Prozent an Wert verloren. Die Wachstumsprognose für 2019 wird daher nach unten korrigiert.

Wirtschaftsentwicklung: Ausbau der Infrastruktur wird länger dauern

Indonesien leidet unter der Abwertung der Rupiah, denn die heimische Industrie ist dringend auf Rohstoffe und Vorprodukte angewiesen. Nach der groben Systematik des Handelsministeriums entfielen darauf 2017 drei Viertel aller Importe. Weitere 16 Prozent waren Investitionsgüter. Für diese beiden Kategorien müssen heimische Unternehmen nun deutlich mehr zahlen als noch 2017. Viele werden ihre Investitionen verschieben müssen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die Wachstumsaussichten der indonesischen Wirtschaft für 2018 von 5,3 auf 5,1 Prozent und für 2019 von 5,5 auf 5,1 Prozent gesenkt. Dennoch sind die Fundmentaldaten des Landes gut: Die Auslandsverschuldung liegt bei nur etwa 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und die Inflation lediglich bei knapp 3 Prozent.

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Die Währungsschwäche betrifft ganz direkt das wichtigste Vorhaben der Regierung von Präsident Joko Widodo: den Ausbau der landesweiten Infrastruktur. Denn dafür müssen massiv Baumaschinen und Ingenieursdienstleistungen im Ausland eingekauft werden, die zwischenzeitlich deutlich teurer geworden sind. Seit die Ausbauziele unter anderem im Medium-Term Development Plan 2015 - 2019 definiert wurden, hat die Rupiah sogar mehr als 20 Prozent an Wert gegenüber dem US-Dollar verloren.

Mit deutlichen Verzögerungen beim Straßen-, Bahn- und Hafenbau ist also zu rechnen. Wenn der Transport von Gütern im Archipel weiterhin so kostspielig bleibt wie heute, behindert dies die weitere wirtschaftliche Entwicklung und drückt auch langfristig die Wachstumszahlen.

Wirtschaftliche Eckdaten Indonesien
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 930,7 1.015,4 3.702,4
BIP pro Kopf (US$) 3.605,1 3.877,4 44.791
Bevölkerung (Mio.) 258,7 261,9 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = IDR) *) 13.310,3 13.382,7 -

*) Wechselkurs Ende Oktober 2018: 1 US-Dollar (US$) = 15.200 Indonesische Rupiah (IDR)

Quellen: Badan Pusat Statistik; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Verbessertes Geschäftsklima

Indonesien hat sich in den vergangenen fünf Jahren in den internationalen Business-Rankings deutlich verbessert. Im Ease-of-Doing-Business-Index der Weltbank belegt der Archipel Platz 72 (2013: 128), im Global Competitiveness Report des Weltwirtschaftsforums Rang 45 (2013: 50) und im Corruption Perceptions Index von Transparency International Position 96 (2013: 118).

Das verbesserte Geschäftsklima schlägt sich in höheren Investitionszahlen nieder. Im 1. Halbjahr 2018 flossen laut indonesischer Investitionsbehörde BKPM ausländische Direktinvestitionen in Höhe von 15,6 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem neuen Höchstwert. Traditionell kommen zwei Drittel der indonesischen Direktinvestitionen aus dem Ausland. Wichtigste Empfängerbranchen sind der Bergbau, die Metall-, Maschinen- und Elektronikindustrie (als eine gemeinsame Kategorie) sowie die Strom-, Gas- und Wasserversorgung.

Ausgewählte Großprojekte in Indonesien
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mrd. US$) Projektstand Anmerkung
Meikarta, neue Stadt östlich von Jakarta mit 250.000 Apartments circa 20,0 1. Bauphase bis 2022 Finanzierung durch die Lippo Group (http://meikarta.com/)
Bahnstrecke Jakarta-Surabaya 6,0 bis 7,5 in Planung Modernisierung der bestehenden 700 km langen Eisenbahnstrecke; Finanzierung und Bau durch Japan
Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke Jakarta-Bandung 6,0 (4,5 von China Development Bank) Baubeginn 2016, Inbetriebnahme 2022/23 Bau und Betrieb durch Kereta Cepat Indonesia China (40% chinesische Beteiligung)
Tanjung Priok, Kalibaru Hafen 5,9 im Bau, Fertigstellung 2. Phase bis 2023 Ausbau des Containerhafens bei Jakarta auf 20 Mio. TEU
Batang Power Plant 4,0 im Bau 2.000-MW-Kohlekraftwerk; Finanzierung und Bau durch Japan
U-Bahn (MRT) Jakarta, Verlängerung der 1. Linie 4,0 Baubeginn für Oktober 2018 geplant aussichtsreiche Bieter aus China und Japan (http://www.jakartamrt.co.id)
Soekarno-Hatta Airport, Jakarta 2,0 im Bau, Inbetriebnahme bis 2020 Bau einer 3. Landebahn und zwei neuer Terminals

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/indonesien, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Nahrungsmittel größter Posten

Der private Konsum spielt eine wichtige Rolle für die Wirtschaftsentwicklung. Er ist für fast 60 Prozent der Verwendung des BIP verantwortlich. Die Pro-Kopf-Einkommen sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Shopping gehört zur Lieblingsbeschäftigung der urbanen Mittelschicht. Man zeigt gerne, was man hat, denn teure Statussymbole steigern das gesellschaftliche Ansehen.

Allerdings sind die finanziellen Ressourcen ungleich verteilt. In ländlichen Regionen können die meisten Menschen nur ihre Grundbedürfnisse befriedigen. Statistisch gesehen entfällt im Landesdurchschnitt die Hälfte der Ausgaben auf Nahrungsmittel. Die schmale Oberschicht hat hingegen praktisch unbegrenzte Mittel.

Im Jahr 2017 wurden nach Systematik des Handelsministeriums Konsumgüter im Wert von lediglich 14 Milliarden US$ importiert. Sie machten damit weniger als 10 Prozent der Gesamteinfuhren aus und entsprachen pro Einwohner nicht einmal 20 US$ per anno.

Außenhandel: Neue Importabgaben

Indonesiens Einfuhren ziehen 2018 deutlich an. Nach den ersten drei Quartalen liegt das Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum bei 23 Prozent. Zum Jahresende könnte sogar der Rekordwert von 192 Milliarden US$ von 2012 erreicht werden. Die wichtigsten Importgüter sind Maschinen und Erdölprodukte.

Die deutschen Exporte nach Indonesien haben nach Angaben von Destatis in den ersten acht Monaten 2018 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 27 Prozent auf 2,4 Milliarden US$ zugelegt. Knapp 60 Prozent der Lieferungen entfallen auf Maschinen, Elektrotechnik und Fahrzeuge.

Die Handelsbilanz Indonesiens ist nach drei Jahren des Überschusses 2018 in ein Defizit gerutscht. Es ist davon auszugehen, dass die Regierung mit Einfuhrbeschränkungen den Trend schnell wieder umkehren will. Ein erster Vorgeschmack darauf sind die im September 2018 verhängten Erhöhungen der Importabgaben auf 1.147 Konsumgüter.

Außenhandel Indonesiens (in Mio. US$; Veränderung in %)
1-9/2017 1-9/2018 Veränderung 1-9 2018/1-9 2017
Importe 112.518,4 138.768,4 23,3
Exporte 123.376,3 134.986,5 9,4
Handelsbilanzsaldo 10.857,9 -3.781,9 -134,83

Quelle: Indonesisches Handelsministerium

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/indonesien

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten

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