Wirtschaftsausblick

12.12.2018

Wirtschaftsausblick - Iran (Dezember 2018)

Inhalt

Massive Auswirkungen der US-Sanktionen / Von Robert Espey

Dubai (GTAI) - Washington hat es geschafft, den Großteil der europäischen, süd-koreanischen und japanischen Firmen zum Rückzug aus Iran zu bewegen. Die Wirtschaft befindet sich nun auf Rezessionskurs.

Wirtschaftsentwicklung: Mehrjährige Rezession droht

Als Folge der im August und November 2018 reaktivierten US-Sanktionen ist Irans Wirtschaft nun wieder auf Talfahrt. Bereits 2017/18 (iranisches Jahr 1396; 21. März bis 20. März) wurde eine deutliche Abschwächung des Wachstums verzeichnet. Es zeigte sich, dass die Anfang 2016 erfolgte Lockerung der Wirtschaftssanktionen allein kein Garant für den gewünschten nachhaltigen Wachstumsschub war.

Die unverändert fortbestehenden erheblichen Strukturprobleme der iranischen Wirtschaft und die fehlende Bereitschaft westlicher Banken, größere Iran-Projekte zu finanzieren, ließen 2017/18 das Wachstum auf unter 4 Prozent sinken. Das 2016/17 erzielte hohe BIP-Plus (Bruttoinlandsprodukt) von 13,4 Prozent wurde vor allem durch die Aufhebungen der Beschränkungen für den iranischen Ölexport verursacht. In vielen anderen Wirtschaftssektoren zeigte sich aber keine oder nur eine schwache Erholung.

MKT201812118001.14

Die Auswirkungen der im Mai 2018 von US-Präsident Donald Trump verkündeten Reaktivierung aller Iran-Sanktionen wurden anfangs unterschätzt. Es war unklar, in welchem Umfang in Iran tätige ausländische Unternehmen den Forderungen der USA, Iran-Aktivitäten einzustellen oder zumindest stark herunterzufahren, folgen würden. Die politischen Erklärungen der Europäischen Union (EU), man werde sich nicht an US-Sanktionen halten, machten Mut. Mittlerweile haben sich aber nahezu alle größeren westlichen Unternehmen und auch viele kleine und mittlere Firmen aus Iran zurückgezogen.

Wirtschaftliche Eckdaten Iran 1)
Indikator 2016/17 (1395) 2) 2017/18 (1396) 2 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 3) 419,0 447,7 3.702,4
BIP pro Kopf (US$) 3) 5.257 5.534 44.791
Bevölkerung (Mio.) 79,7 80,9 82,8
Wechselkurs (Zentralbankrate; Jahresdurchschnitt, 1 US$ = Rial) 31.389 34.214 --
Wechselkurs (freie Marktrate; Jahresdurchschnitt, 1 US$ = Rial) 36.440 40.453 --

1) jeweils iranische Jahre (21. März bis 20. März); 2) vorläufige offizielle Angaben; 3) zu Marktpreisen, Umrechnung zum durchschnittlichen Zentralbankkurs

Quellen: Central Bank of Iran; Statistisches Bundesamt; Deutsche Bundesbank

Die iranische Währung ist stark eingebrochen, die Inflation hat sich rasant beschleunigt. Fast alle Wirtschaftssektoren befinden sich nun auf Rezessionskurs. Der Ölexport ist zwischen April und November 2018 um etwa 40 Prozent zurückgegangen und dürfte weiter sinken. Die Einfuhren schrumpfen erheblich. Die iranische Wirtschaft dürfte vorerst kein Licht am Ende des Tunnels sehen. Eine mehrjährige Rezessionsphase ist zu befürchten.

Der Internationale Währungsfonds geht in seiner Herbstprognose von einer BIP-Schrumpfung 2018/19 und 2019/20 von 1,5 Prozent beziehungsweise 3,6 Prozent aus, es soll dann eine Phase mit schwachem Wachstum folgen. Die Economist Intelligence Unit (EIU) rechnet mit einer dreijährigen Rezession und in den folgenden drei Jahren mit durchschnittlichen BIP-Zuwächsen von 1 Prozent. Eine, derzeit aber eher unwahrscheinliche Verbesserung der Beziehungen zwischen Washington und Teheran würde die Rahmenbedingungen für die Entwicklung der iranischen Wirtschaft entscheidend verbessern.

Investitionen: Rezession und Sanktionen verursachen Rückgang

Der Rückzug der ausländischen Unternehmen lässt die staatliche Entwicklungsplanung nun vollends unrealistisch erscheinen. Es wurde mit einem starken Anstieg der Direktinvestitionen aus dem westlichen Ausland kalkuliert. Angesichts der amerikanischen Sanktionspolitik liegen jedoch die meisten der in den letzten drei Jahren mit europäischen, südkoreanischen und japanischen Unternehmen verhandelten Investitions- und Finanzierungspläne auf Eis.

Nach Angaben der Zentralbank befanden sich die Bruttoanlageinvestitionen zwischen 2012/13 und 2016/17 auf rasanter Talfahrt, unterbrochen durch eine Belebung 2014/15. Das Jahr 2017/18 brachte ein Plus von 1,4 Prozent. Die Bauinvestitionen legten um 0,9 Prozent zu, die öffentliche Bautätigkeit stagnierte, aber im Privatsektor gab es einen Zuwachs von 1,2 Prozent. Die Ausrüstungsinvestitionen erhöhten sich um 2,5 Prozent. Im laufenden Jahr 2018/19 und auch 2019/20 ist mit einem deutlichen Investitionsrückgang zu rechnen. Schon im 1. Quartal 2018/19 wurde eine Schrumpfung um 0,8 Prozent verzeichnet.

Iran: Ausgewählte Großprojekte 1)
Projektbezeichnung Investitions-summe (Millionen US$) Projekt-stand 2) Projektträger
Chabahar Petrochemical Complex (Mokran) 20.000 ST Negin Mokran Development Company
Imam Khomeini International Airport Expansion: New Terminal 2.460 PQ Iran Ministry of Roads & Urban Development
Esfahan Refinery Upgrade 2.000 FEED Esfahan Oil Refining Company (EORC)
Parsian Alumina Refinery 2.000 AP South Aluminum Company
Mokran Steel Complex 1.600 ST Iranian Mines & Mining Industries Development & Renovation Organization
Miyaneh Combined Cycle Power Plant 1.500 ST Ministry of Energy
Rail Electrification Project Tehran to Tabriz 1.340 ST Iran Railways
Iran Oman Gas Pipeline: Onshore (Iran) and Subsea 1.200 FEED Iranian National Gas Export Company / Oman Ministry of Oil
Shiraz International Airport Expansion 1.000 ST Iranian Airports Holding Company
Chabahar Power Plant 1.000 ST Government of Iran / Korea Electric Power Corporation

1) aufgrund des Rückzugs westlicher Firmen sind derzeit keine belastbaren Prognosen über den Fortgang laufender und geplanter Projekte möglich; 2) ST = Studie, PQ = Präqualifizierung, FEED = Front-End Engineering Design, AP = Angebotsprüfung

Quellen: Pressemeldungen; Recherchen von Germany Trade & Invest; MEED Projects

Konsum: Starker Kaufkraftverlust durch Inflation und Arbeitslosigkeit

Der starke Verfall des iranischen Rial, die daraus resultierende rasante Inflation und der weitere Anstieg der bereits hohen Arbeitslosigkeit haben zu einem drastischen Einbruch der ohnehin schwachen Kaufkraft geführt. Nach Angaben der Zentralbank lagen die Verbraucherpreise im Oktober um 40 Prozent höher als im entsprechenden Vorjahresmonat. Viele Beobachter gehen davon aus, dass der tatsächliche Preisanstieg noch erheblich über den offiziellen Angaben liegt. Die erwarteten Gehaltsanpassungen dürften weit unter dem Inflationsniveau liegen.

Die offizielle Beschäftigungsstatistik zeigt noch keinen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit, Beobachter sprechen aber von Entlassungen auf breiter Front. Der Statistikbehörde zufolge lag die Arbeitslosenquote im 2. Quartal 2018/19 (21. Juni bis 20. September) mit 12,2 Prozent lediglich 0,7 Prozentpunkte über dem Wert der entsprechenden Vorjahresperiode. In der Altersgruppe der 15 bis 29-Jährigen erhöhte sich die Arbeitslosenquote auf 24,9 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen wird mit insgesamt 3,3 Millionen angegeben.

Außenhandel: Handelsbilanz bleibt vorerst positiv

Trotz der im Jahresverlauf sanktionsbedingt stark rückläufigen Ölausfuhren, von 2,8 Millionen barrel per day (einschließlich Kondensate) im April auf 1,7 Millionen barrel per day im November, dürften die Einnahmen aus dem Ölexport 2018/19 nicht oder nur leicht sinken. Den geringeren Exportmengen stehen die gestiegenen Ölpreise gegenüber.

Mit deutlich sinkenden Öleinnahmen ist aber 2019/20 zu rechnen. Die Exportmengen werden spätestens ab Mai 2019 weiter schrumpfen, wenn die von der Trump-Administration erteilten befristeten Ausnahmegenehmigungen (Waiver) auslaufen. Einige Länder dürften dann keine neuen Waiver mehr erhalten. Andere Länder (vor allem China und Indien) müssen mit einer weiteren Reduktion der erlaubten Mengen rechnen.

Iran: Außenhandel 2013/14 bis 2017/18 (in Millionen US$; Veränderung in Prozent) 1)
2015/16 (1394) 2016/17 (1395) 2) 2017/18 (1396) 2) Veränderung 1396/1395
Importe (fob) 57.641 63.135 75.546 19,7
.Öl- und .Gaserzeugnisse 1.639 1.388 2.764 99,1
.sonstige .Erzeugnisse 56.003 61.747 72.782 17,9
Exporte (fob) 62.995 83.978 98.142 16,9
.Öl und Gas 31.848 55.752 65.818 18,1
.Nichtöl-.erzeugnisse 31.147 28.226 32.324 14,5
Handelsbilanz-saldo 5.354 20.843 22.596 8,4

Anmerkung: Die Importdaten der Zentralbank liegen deutlich über den von der Zollstatistik registrierten Einfuhren.

1) jeweils iranische Jahre (21. März bis 20. März); 2) vorläufige Angaben

Quelle: Central Bank of Iran

Die Einfuhren zeigen derzeit eine rückläufige Tendenz, die sich auch im nächsten Jahr fortsetzen dürfte. Nach Angaben der Zollbehörde ging der Import in den ersten sieben Monaten 2018/19 (21. März bis 20. Oktober) um 11 Prozent auf 26,3 Milliarden US-Dollar (US$) (cif) zurück. Für China wird eine Schrumpfung um 4 Prozent auf 6,6 Milliarden US$ gemeldet. Die Lieferungen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten fielen um 25 Prozent auf 3,9 Milliarden US$ (vor allem Re-Exporte über Dubai). Die Bezüge aus Südkorea sanken um 21 Prozent auf 1,6 Milliarden US$. Der Import aus Indien stagnierte bei 1,5 Milliarden US$. Die Einfuhren aus Deutschland gingen um 11 Prozent auf 1,4 Milliarden US$ zurück.

Eurostat zufolge schrumpften die Ausfuhren der EU28 Gruppe nach Iran in den ersten neun Monaten 2018 um 9 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro. Die deutsche Ausfuhr ging nur um 4 Prozent auf 2 Milliarden Euro zurück.

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/iran

Dieser Artikel ist relevant für:

Iran Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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