Wirtschaftsausblick

05.07.2018

Wirtschaftsausblick - Irland (Juni 2018)

Inhalt

Konjunktur bleibt robust / Von Torsten Pauly

Dublin (GTAI) - Irlands Wirtschaft soll 2018 real um 5,7 Prozent wachsen. Die Wirtschaftsleistung hat sich bereits in den letzten Jahrzehnten mehr als in jedem anderen EU-Staat erhöht. Dies liegt stark an ausländischen Investoren. Irlands große Offenheit hat aber auch hohe extern hervorgerufene Konjunkturschwankungen zur Folge. Aktuell stellen der Brexit und die von der US-Regierung angestrebte Rückkehr von Investitionen und Produktion in die USA eine Herausforderung für Irlands Erfolgsmodell dar.

Wirtschaftsentwicklung: Brexit und US-Liefererschwernisse stellen Unternehmen vor Schwierigkeiten

Die irische Konjunktur soll 2018 und 2019 breit aufgestellt sein. Die Europäische Kommission hat im Mai 2018 prognostiziert, dass die Investitionen im Gesamtjahr preisbereinigt um 6,5 Prozent steigen werden. Auch der Export von Waren und Dienstleistungen soll um kräftige 5,8 Prozent (2018) und 4,6 Prozent (2019) zulegen. Darüber hinaus weitet sich der Konsum 2018 um 2,5 Prozent aus. Mit der guten Binnenkonjunktur fällt auch der Import 2018 um 4,6 Prozent höher aus als im Vorjahr. Irlands reale Inlandsnachfrage wächst 2018 insgesamt um 2,9 Prozent und 2019 um 2,4 Prozent.

Deutschen Anbietern eröffnen sich auch dank der tendenziell hohen Margen viele Chancen. Im Jahr 2016 war das Preisniveau in Irland um 24,6 Prozent teurer als im Mittel der Europäischen Union (EU) und das zweithöchste in der Gemeinschaft. In Deutschland lagen die Preise nur um 3,6 Prozent über dem Durchschnitt in der EU.

Innerhalb einer Generation hat sich Irland von einer strukturschwachen, stark auf den Binnen- und britischen Markt ausgerichteten Wirtschaft zu einer sehr offenen und exportstarken Ökonomie entwickelt. Von 1997 bis 2017 hat sich Irlands reales Bruttoinlandsprodukt (BIP) fast verdreifacht (+188 Prozent). Der Überschuss im Warenexport lag 2017 bei 14,7 Prozent des BIP und war fast doppelt so hoch wie in Deutschland (7,5 Prozent des BIP). Auch wegen der niedrigen Besteuerung hat sich der Bestand an ausländischen Direktinvestitionen von 1996 bis 2016 verachtzehnfacht (+1.690 Prozent). Die multinationalen, oft US-amerikanischen Firmen haben ihre Wertschöpfung von 2007 bis 2016 stetig und um insgesamt 160 Prozent gesteigert, während irische Firmen 2008 und 2009 einen Gesamteinbruch von 8,9 Prozent hatten.

Die Offenheit führt aber im Zusammenspiel mit der niedrigen Steuer zu Konjunkturausschlägen, da die Abhängigkeit von globalen Finanz-, Waren- und Dienstleistungsströmen groß ist. Das reale BIP war in den Krisenjahren 2008 und 2009 insgesamt um 8,4 Prozent eingebrochen, 2015 dagegen um 27 Prozent gestiegen, unter anderem wegen Verlagerungen von Patenten und Flugzeugen. Der Außenhandel und die Investitionen haben wegen internationaler Transfers in den letzten Jahren besonders stark geschwankt. Der Brexit kann die Wirtschaftsbeziehungen zum zweitgrößten Handelspartner, dem Vereinigten Königreich, und den Transit zum Kontinent beeinträchtigen. Von einer geringeren britischen Exportabnahme wären besonders traditionelle Branchen wie die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie betroffen. Noch problematischer könnte es sich auswirken, wenn die US-Regierung ihr Ziel erreicht, Investitionen und Produktion zurück in die USA zu verlagern. Dies würde Irlands High-Tech-Export schmälern.

MKT201807048005.14

Wirtschaftliche Eckdaten von Irland
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. Euro) 275,6 296,2 3.263,4
BIP pro Kopf (Euro) 58.800 61.700 39.475
Bevölkerung (Mio.) 4,7 4,8 82,7

Quellen: Eurostat; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Öffentliche Aufwendungen erreichen 2020 Rekordniveau

Die Investitionstätigkeit bleibt 2018 mit einem Wachstum von real 6,5 Prozent der stärkste Konjunkturmotor, so die EU-Kommission im Mai diesen Jahres. Dabei steigen die Ausrüstungsbeschaffungen um 4 Prozent und die Bauinvestitionen um 15,3 Prozent. Die Investitionen haben in den letzten Jahren besonders stark geschwankt. Von 2008 bis 2010 hatte es einen Einbruch um insgesamt 37,6 Prozent gegeben. Dennoch war das Niveau 2017 in Irland um 32,4 Prozent höher als vor der Krise 2007, während es im EU-Durchschnitt im selben Zeitvergleich noch um 1,7 Prozent geringer war. Dies liegt an der guten irischen Konjunktur, aber auch an den Patenten, sonstigen Urheberrechten und Flugzeugen, die internationale Konzerne in den letzten Jahren nach Irland verlagert haben und die in der dortigen Statistik als inländische Investitionsgüter fungieren.

Auch die öffentliche Hand investiert in Irland wieder mehr. Im Zuge der Rezession war es ab 2009 zu starken Kürzungen gekommen. Nun will die Regierung von 2018 bis 2027 insgesamt 116 Milliarden Euro für Investitionen bereitstellen. Davon sollen 8,6 Milliarden Euro im Jahr 2018, 10 Milliarden Euro 2019 und 10,5 Milliarden Euro 2020 fließen. Damit erreicht die Summe 2019 erstmals wieder Vorkrisenniveau. Im Jahr 2008 hatte der Staat ebenfalls 10 Milliarden Euro investiert.

Ausgewählte Großprojekte in Irland
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Landesweiter Ausbau des Breitbandnetzes 2.500, davon 275 staatlich Planung Realisierung bis 2020 geplant; http://www.dcenr.gov.ie
U-Bahn Dublin-Nord (Zentrum-Flughafen-Swords) 2.430 Planung Realisierung bis 2026 geplant; Planung entwickelt Konsortium aus der Jacobs Engineering Group Inc. und Idom; http://www.jacobs.com; http://www.swords-dublin.com/metro-north
Autobahn M 20 Cork-Limerick 850-900 Planung Realisierung bis 2027 geplant; http://www.irishmotorwayinfo.com
Umfahrungsstraße in Galway 593 Planung Realisierung ab 2021 bis 2025 geplant; http://www.n6galwaycity.ie
Fernstraße N21/N69 Limerick-Foynes 305 Planung 33 km; Realisierung ab 2021 bis 2025 geplant; http://www.irishmotorwayinfo.com
Fernstraße N5 Westport-Turlough 211 Planung 23 km; Realisierung ab 2021 bis 2023 geplant; http://www.irishmotorwayinfo.com
Fernstraße N28 Cork-Hafen Ringaskiddy 210 Planung 13 km; Realisierung ab 2022 bis 2024 geplant; http://www.irishmotorwayinfo.com
Ausbau der regionalen Gasübertragung und -verteilung 454 Planung EIB-Kofinanzierung; http://www.gasnetworks.ie/corporate/procurement
Kinderkrankenhaus Dublin 916 Planung 39 fachmedizinische Bereiche bis 2021 geplant; http://www.newchildrenshospital.ie
Entbindungsklinik Dublin 295 Planung Realisierung bis 2022 geplant: http://www.nmh.ie

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

In Irland ist das Office of Government Procurement (OGP) für alle öffentlichen Ausschreibungen und Beschaffungen zuständig (http://www.procurement.ie).

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Lohn- und Beschäftigungszuwachs fördert die Kauflaune

Der Verbrauch der irischen Haushalte soll Prognosen der EU-Kommission zufolge 2018 preisbereinigt um 2,5 Prozent und 2019 um 2,4 Prozent steigen. Das Wachstum begünstigt den Reallohnanstieg, der 2018 bei 1,2 Prozent und 2019 bei 1,4 Prozent liegen soll. Zudem erhöht sich die Beschäftigung kräftig um 2,2 Prozent (2018) und 1,8 Prozent (2019). Auch längerfristig belebt der Bevölkerungsanstieg die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen. Laut Eurostat wird Irland wegen der hohen Geburtenrate und dank zuziehender qualifizierter Arbeitskräfte 2028 etwa 7 Prozent mehr Einwohner haben als 2018. Die Kehrseite dessen sind vor allem in Dublin, aber auch in anderen Zentren, stark steigende Wohnkosten, was das zum Konsum verfügbare Einkommen schmälert.

Der Privatverbrauch war in Irland im Zuge der Krise zwischen 2009 und 2013 real um insgesamt 6,7 Prozent zurückgegangen. Dank der Erholung ab 2014 war das Niveau 2017 um 4,4 Prozent höher als 2008. Inzwischen kaufen die irischen Verbraucher wieder verstärkt auf Kredit. Die von den Haushalten weder für Immobilien noch für anderweitige Investitionen aufgenommenen Darlehen waren im Dezember 2018 mit 13,1 Milliarden Euro 4,3 Prozent höher als vor Jahresfrist. Dieser Wert entspricht einer Verschuldung mit Konsumkrediten von 2.722 Euro pro Kopf.

Außenhandel: Deutschland ist drittgrößter Lieferant

Irland erwirtschaftet seit Jahren sehr hohe Exportüberschüsse. Im Jahr 2017 ist dieses Plus zwar leicht um 2,9 Prozent gesunken, doch die Summe war mit 43,7 Milliarden Euro weiterhin sehr hoch. Dies entspricht 9.093 Euro je Einwohner, was mehr als dreimal so viel wie in Deutschland ist (2017: 2.956 Euro pro Kopf). Allerdings fußt Irlands Export nur auf einigen Branchen. Im Jahr 2017 haben allein chemische Erzeugnisse 55,8 Prozent der Ausfuhr gestellt. Darüber hinaus entfielen 9,4 Prozent des Exports auf Nahrungsmittel, 4,8 Prozent auf Mess-, Regel- und Prüftechnik und 2,9 Prozent auf EDV-Technik und Büromaschinen. Bei den meisten Produkten hat Irland dagegen eine Importabhängigkeit, was deutschen Lieferanten viele Chancen bietet.

Die USA sind Irlands wichtigster Handelspartner und haben 2017 etwa 19,6 Prozent der Einfuhr geliefert und 27,2 Prozent der Ausfuhr abgenommen. Viele US-Hersteller verarbeiten importierte Komponenten in Irland zu hochwertigen Exportwaren. Irlands zweitgrößter Handelspartner ist das Vereinigte Königreich mit einem Anteil von 28,6 Prozent an der Einfuhr und von 13,4 Prozent an der Ausfuhr (2017). Deutschland war 2017 mit einer Importquote von 9,5 Prozent erneut Irlands drittstärkster Lieferant. Beim irischen Export lag Deutschland 2017 mit einer Anteil von 8,1 Prozent auf Rang vier.

Außenhandel von Irland (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2016 2017 Veränderung 2017/2016
Importe 73.272,8 77.875,8 6,3
Exporte 118.230,3 121.522,3 2,8
Handelsbilanzsaldo 44.957,5 43.646,4 -

Quelle: Eurostat

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Irland

Dieser Artikel ist relevant für:

Irland Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität, Brexit

Funktionen

Kontakt

Charlotte Schneider

‎+49 228 249 93 279

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche