Wirtschaftsausblick

02.07.2019

Wirtschaftsausblick - Irland (Juni 2019)

Inhalt

Robustes Wachstum hält an / Von Torsten Pauly

Dublin (GTAI) - Irlands Wirtschaft soll 2019 um 3,8 Prozent wachsen. Herausforderungen bleiben der Brexit und die von der US-Regierung gewünschte Rückkehr von Investitionen und Produktion in die USA.

Wirtschaftsentwicklung: Inlandsnachfrage und Außenhandel legen kräftig zu

Irlands Austausch mit dem Ausland wächst weiter sehr dynamisch. Laut Kommission der Europäischen Union (EU) soll der Import von Waren und Dienstleistungen 2019 um 4,6 Prozent und der Export um 4,5 Prozent (2018: +8,9 Prozent) steigen. Die Investitionen sollen 2019 um 4,2 Prozent und der Konsum um 2,4 Prozent zulegen.

Insgesamt erhöht sich die irische Inlandsnachfrage 2019 um 2,5 Prozent, so die EU-Kommission. Zudem eröffnen hohe Margen deutschen Anbietern Chancen. Das irische Preisniveau lag 2018 um 27,3 Prozent über dem EU-Schnitt und war das zweitteuerste aller Mitgliedsstaaten. Im Vergleich dazu zahlten Endverbraucher in Deutschland 4,3 Prozent mehr als im EU-Mittel.

Innerhalb einer Generation hat sich die einst strukturschwache und auf den Binnen- sowie britischen Markt orientierte irische Wirtschaft zu einer äußerst offenen und exportstarken Ökonomie entwickelt. Zwischen 2003 und 2018 verdoppelte sich das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) beinahe (+98 Prozent) und stieg EU-weit am stärksten - trotz der irischen Rezession 2008 und 2009. Irlands Überschuss im Außenhandel entsprach 2018 etwa 15,6 Prozent des BIP, was mehr als doppelt so hoch war wie in Deutschland (6,9 Prozent).

Der Erfolg basiert stark auf ausländischen Direktinvestitionen, deren Bestand von 2012 bis 2017 um 156 Prozent anstieg. Während rein irische Firmen in der Rezession von 2008 bis 2010 einen Einbruch ihrer Wertschöpfung von 18,1 Prozent verzeichneten, haben multinationale Unternehmen ihre Wertschöpfung von 2007 bis 2017 stetig um insgesamt 218 Prozent steigern können.

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Die sehr hohe Abhängigkeit von globalen Finanz-, Waren- und Dienstleistungsströmen birgt aber auch das Risiko starker Konjunkturausschläge. Der Brexit kann nicht nur den Austausch mit dem Vereinigten Königreich, sondern auch Irlands Transit zum Kontinent stark beeinträchtigen. Vor allem für Traditionsbranchen wie die Lebensmittelindustrie ist der britische Markt wichtig. Der High-Tech-Export könnte stark sinken, wenn die US-Regierung ihr Ziel erreicht, Investitionen und Produktion zurück in die USA zu holen.

Wirtschaftliche Eckdaten Irlands
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. Euro) 294 319 3.388,2
BIP pro Kopf (Euro) 61.200 65.500 40.871
Bevölkerung (Mio.) 4,8 4,8 82,9

Quellen: Eurostat; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Höhere Bautätigkeit, geringere Ausrüstungsbeschaffungen

Preisbereinigt steigt die irische Investitionstätigkeit 2019 laut EU-Kommission um 4,2 Prozent. Während die Bauinvestitionen dabei sehr stark um 10,3 Prozent wachsen, gehen die Ausrüstungsbeschaffungen um 3 Prozent zurück (2018: +37,7 Prozent). Generell schwanken Investitionen in Irland sehr stark. Dies liegt unter anderem an Patenten, Urheberrechten und Flugzeugen, die internationale Konzerne dorthin verlagern und die in der irischen Statistik als inländische Investitionsgüter auftauchen. Insgesamt war die reale Investitionstätigkeit in Irland 2018 um 43,2 Prozent höher als vor der Rezession 2008. Dagegen war das Investitionsniveau EU-weit im selben Zeitvergleich nur 1,6 Prozent höher.

Die öffentlichen Investitionen waren ab 2009 rezessionsbedingt stark gesunken. Doch von 2018 bis 2027 will die Regierung 116 Milliarden Euro investieren. Davon fallen 10 Milliarden Euro 2019 an, womit die Summe wieder Vorkrisenniveau entspricht. Im Jahr 2008 hatte der Staat letztmals 10 Milliarden Euro investiert.

Ausgewählte Großprojekte in Irland
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Neue U-Bahn (Dublin Zentrum-Flughafen-Swords) 3.000 Planung Realisierung bis 2027 geplant; Planung erstellt Konsortium der Jacobs Engineering Group Inc. und Idom; http://www.jacobs.com; http://www.swords-dublin.com/metro-north
Modernisierung der Busflotten in Dublin, Cork und Galway 2.400 Planung davon fallen 2 Mrd. Euro in Dublin und je 200 Mio. Euro in Cork und Galway an; http://www.dublinbus.ie; https://busconnects.ie; http://www.buseireann.ie; http://www.citydirect.ie
Ausbau der S-Bahn "Dart" im Großraum Dublin 2.000 Planung Realisierung bis 2027 geplant; http://www.irishrail.ie/about-us/projects-investment/dart-expansion-programme
Neuer Stadtteil "Cherrywood" im Süden Dublins 2.000 Planung Geplant sind 4.300 Wohneinheiten und 53.500 qm Einkaufsfläche; Hauptinvestor ist Hines; http://www.cherrywooddublin.com
Neues Kinderkrankenhaus in Dublin 1.433 Planung 39 fachmedizinische Bereiche bis 2023 geplant; http://www.newchildrenshospital.ie
Ausbau der Wasserversorgung an der Ostküste und deren Hinterland 1.200 bis 1.300 Planung u.a. Bau einer 170 km langen Pipeline samt Becken und Behandlungsanlagen; http://www.watersupplyproject.ie
Ausbau des Flughafens Dublin 1.230 Planung Realisierung bis 2023 geplant; http://www.daa.ie
Seekabel nach Frankreich "Celtic Interconnector" 1.000 Planung Realisierung bis 2026 geplant; http://www.eirgridgroup.com/the-grid/projects/celtic-interconnector/the-project/
Autobahn M 20 von Cork nach Limerick 850 bis 900 Planung Realisierung bis 2027 geplant; http://www.irishmororwayinfo.com
Neue Kläranlage in Dublin 500 Planung Realisierung bis 2026 geplant; http://www.greaterdublindrainage.com

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Öffentliche Ausschreibungen und Beschaffungen obliegen in Irland dem Office of Government Procurement, das die Homepage http://www.procurement.ie betreibt.

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Anstieg bei Löhnen und Beschäftigung fördert Kauflaune

Preisbereinigt legt der Verbrauch der Haushalte 2019 um 2,4 Prozent zu, so die EU-Kommission. Die Kauflaune fördern der Reallohnanstieg, der 1,2 Prozent erreichen soll, und die sich um 2 Prozent ausweitende Beschäftigung. Der Bevölkerungsanstieg wird die Nachfrage nach Angeboten aller Art auch längerfristig beleben. Das EU-Statistikamt Eurostat erwartet, dass Irland 2028 etwa 6 Prozent mehr Einwohner als 2018 haben wird. Dies führt allerdings auch zu stark steigenden Wohnkosten in den Zentren, was das zum Konsum verfügbare Einkommen schmälert.

Der Konsum war in der Krise von 2009 bis 2013 real um 7,4 Prozent zurückgegangen. Dank der seitherigen Erholung lag das Niveau 2018 aber wieder um 6,6 Prozent höher als 2008. Verbraucher kaufen verstärkt auf Kredit. Die weder für Immobilien noch für sonstige Investitionen aufgenommenen Haushaltskredite waren im März 2019 um 4,3 Prozent höher als vor Jahresfrist. Die Verschuldung durch Konsumkredite hat damit 2.862 Euro pro Kopf erreicht.

Außenhandel: Exportüberschuss erreicht neues Rekordniveau

Irlands positiver Handelssaldo ist 2018 auf 49,7 Milliarden Euro gestiegen. Dies entspricht 10.298 Euro je Einwohner und ist damit 3,7-mal so viel wie in Deutschland (2.807 Euro). Irlands Warenausfuhr fußt allerdings auf wenigen Branchen, denn 2018 hatten chemische Erzeugnisse einen Anteil von 61,4 Prozent, Nahrungsmittel 8 Prozent und Mess-, Regel- sowie Prüftechnik 4,4 Prozent. Bei den meisten Waren hat Irland dagegen eine Importabhängigkeit. Dies eröffnet deutschen Lieferanten viele Chancen.

Auf die USA entfielen 2018 etwa 17,5 Prozent der Einfuhr und 27,9 Prozent der Ausfuhr. Viele US-Hersteller verarbeiten nach Irland gelieferte Komponenten zu High-Tech-Exporten. Zweitgrößter Handelspartner Irlands ist das Vereinigte Königreich mit einem Anteil von 26,1 Prozent an den Einfuhren und 11,4 Prozent an den Ausfuhren. Deutschland lag 2018 beim Import mit einem Anteil von 12,1 Prozent auf Rang drei und beim Export mit einer Quote von 7,4 Prozent auf Rang vier. Etwa 13,1 Prozent aller irischen Ausfuhren gingen 2018 nach Belgien.

Außenhandel Irlands (in Mio. Euro; Veränderung in Prozent)
2017 2018 Veränderung 2018/2017
Importe 82.594 89.826 8,8
Exporte 121.760 139.570 14,6
Handelsbilanzsaldo 39.166 49.744 -

Quelle: Eurostat

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/irland

Dieser Artikel ist relevant für:

Irland Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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