Wirtschaftsausblick

29.11.2018

Wirtschaftsausblick - Irland (November 2018)

Inhalt

Robuste Konjunktur trotzt Unsicherheiten im Außenhandel / Von Torsten Pauly

Dublin (GTAI) - Irlands Wirtschaft wird 2019 voraussichtlich um 4,5 Prozent wachsen. Doch der Brexit und die Wirtschaftspolitik der US-Regierung stellen das Land vor Herausforderungen.

Wirtschaftsentwicklung: Wachsende Binnennachfrage und hohe Preise eröffnen viele Geschäftschancen

Die Kommission der Europäischen Union (EU) erwartet, dass Irlands Export 2019 real um 4,5 Prozent zulegen wird, nach einem voraussichtlichen Plus von 6,1 Prozent im Jahr 2018.

Die Investitionen werden der Prognose zufolge 2019 um 5,7 Prozent und der Konsum um 2,9 Prozent steigen. Mit der guten Binnenkonjunktur zieht der Import 2019 um 4,1 Prozent an. Die Inlandsnachfrage wächst 2019 um 2,6 Prozent.

Auch gute Margen eröffnen deutschen Anbietern Chancen. Irlands Preisniveau war 2017 um 25,4 Prozent höher als im EU-Durchschnitt. In Deutschland lagen die Preise um 5 Prozent über dem Durchschnitt.

Irland hat sich innerhalb einer Generation von einer strukturschwachen, stark auf den Binnen- und britischen Markt orientierten Wirtschaft zu einer sehr offenen und exportstarken Ökonomie entwickelt. Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist von 1997 bis 2017 um 181 Prozent und damit EU-weit am stärksten gestiegen - trotz einer zwischenzeitlichen starken Rezession 2008 und 2009. Der Überschuss im Warenexport war 2017 mit einem Beitrag von 14,7 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) fast doppelt so hoch wie in Deutschland (7,6 Prozent).

Der Bestand an ausländischen Direktinvestitionen hat sich auch wegen der niedrigen Besteuerung von 1997 bis 2017 um 1.735 Prozent erhöht. Multinationale, oft US-amerikanische Unternehmen, konnten ihre Wertschöpfung von 2007 bis 2017 um insgesamt 218 Prozent steigern, während irische Firmen von 2008 bis 2010 einen Einbruch von 18,1 Prozent hatten.

Die wirtschaftliche Offenheit des Landes birgt aber das Risiko starker Konjunkturausschläge, da die Abhängigkeit von globalen Finanz-, Waren- und Dienstleistungsströmen groß ist. Dies hat insbesondere hohe Schwankungen bei den Investitionen zur Folge.

MKT201811288007.14

Der Brexit kann je nach Art des Austrittsabkommens auch Irlands Warenaustausch mit dem Vereinigten Königreich und Nordirland sowie den Transit zum Kontinent stark beeinträchtigen. Der britische Markt ist vor allem für Traditionsbranchen wie die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie wichtig. Falls die US-Regierung ihr Ziel erreicht, Investitionen und Produktion zurück in die USA zu holen, würde dies Irlands High-Tech-Export schmälern.

Wirtschaftliche Eckdaten Irland
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. Euro) 273,2 294,1 3.277,3
BIP pro Kopf (Euro) 57.500 61.200 39.649
Bevölkerung (Mio.) 4,8 4,8 82,7

Quellen: Eurostat; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Regierung investiert 116 Milliarden Euro bis 2027

Die Investitionstätigkeit bleibt 2019 laut EU-Kommission mit einem Wachstum von real 5,7 Prozent stärkster Konjunkturmotor. Dabei steigen die Ausrüstungsbeschaffungen um 3,4 Prozent und die Bauinvestitionen um 10,8 Prozent.

Die Investitionen schwanken generell stark, doch alles in allem war das Niveau 2017 real um 30,5 Prozent höher als 2007, während das Niveau EU-weit in diesem Zeitvergleich noch um 1,7 Prozent geringer war. Dies liegt an der zuletzt guten Konjunktur, aber auch an Patenten und Urheberrechten, die internationale Konzerne nach Irland verlagert haben und die in der Statistik als inländische Investitionsgüter auftauchen. Hinzu kommt die Ausflaggung von Flugzeugen nach Irland.

Die Investitionen der öffentlichen Hand waren rezessionsbedingt ab 2009 stark gekürzt worden. Von 2018 bis 2027 stellt die Regierung jedoch 116 Milliarden Euro für Investitionen bereit. Davon sollen 10 Milliarden Euro im Jahr 2019 fließen. Im kommenden Jahr werden die öffentlichen Investitionen damit erstmals wieder das Vorkrisenniveau erreichen, 2008 hatte der Staat ebenfalls 10 Milliarden Euro investiert.

Ausgewählte Großprojekte in Irland
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Neue U-Bahn (Dublin Zentrum-Flughafen-Swords) 3.000 Planung Realisierung bis 2027 geplant; Planung entwickelt Konsortium der Jacobs Engineering Group Inc. und Idom; http://www.jacobs.com; http://www.swords-dublin.com/metro-north
Ausbau der S-Bahn "Dart" im Großraum Dublin 2.000 Planung Realisierung bis 2027 geplant; http://www.irishrail.ie/about-us/projects-investment/dart-expansion-programme
Neuer Stadtteil "Cherrywood" im Süden Dublins 2.000 Planung Geplant sind 4.300 Wohneinheiten und 53.500 qm Einkaufsfläche; Hauptinvestor ist Hines; http://www.cherrywooddublin.com
Ausbau der Wasserversorgung an der Ostküste und deren Hinterland 1.200-1.300 Planung Unter anderem Bau einer 170 km langen Pipeline samt Becken und Behandlungsanlagen; http://www.watersupplyproject.ie
Ausbau des Flughafens Dublin 1.230 Planung Realisierung bis 2023 geplant; http://www.daa.ie
Seekabel nach Frankreich "Celtic Interconnector" 1.000 Planung Realisierung bis 2026 geplant; http://www.eirgridgroup.com/the-grid/projects/celtic-interconnector/the-project/
Neues Kinderkrankenhaus in Dublin 916 Planung 39 fachmedizinische Bereiche bis 2021 geplant; http://www.newchildrenshospital.ie
Autobahn M 20 von Cork nach Limerick 850-900 Planung Realisierung bis 2027 geplant; http://www.irishmororwayinfo.com
Umgehungsstraße N 6 bei Galway 550-600 Planung Realisierung bis 2025 geplant; http://www.n6galwaycity.ie
Neue Kläranlage in Dublin 500 Planung Realisierung bis 2026 geplant; http://www.greaterdublindrainage.com

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Haushalte geben mehr aus

Der Privatkonsum wird laut EU-Kommission 2019 voraussichtlich um real 2,9 Prozent zulegen. Das Wachstum begünstigt der Reallohnanstieg, der 2019 bei 1,6 Prozent liegen soll, nach einem erwarteten Plus von 1,3 Prozent im Jahr 2018.

Gleichzeitig steigt die Beschäftigung 2019 mit einem Plus von 2,6 Prozent stark (2018: +3,1 Prozent), auch das belebt den privaten Konsum. Hinzu kommt, dass die Bevölkerung wächst, laut einer Eurostat-Prognose wird Irland 2028 etwa 7 Prozent mehr Einwohner haben als 2018. Die Kehrseite der Medaille aber sind stark steigende Wohnkosten in den Zentren, was das zum Konsum verfügbare Einkommen schmälert.

Im Zuge der Krise war der Privatverbrauch von 2009 bis 2013 real um 7,4 Prozent gesunken. Doch dank der dann eingetretenen wirtschaftlichen Erholung war das Niveau 2017 um 3,6 Prozent höher als 2008. Irische Verbraucher kaufen auch wieder verstärkt auf Kredit. Die von Haushalten weder für Immobilien noch für sonstige Investitionen aufgenommenen Darlehen waren im Juni 2018 um 3,5 Prozent höher als vor Jahresfrist, die Verschuldung mit Konsumkrediten hat 2.752 Euro pro Kopf erreicht.

Außenhandel: In vielen Sparten ist der Importbedarf hoch

Irlands Exportüberschuss lag 2017 bei 43,1 Milliarden Euro. Dies entspricht 8.962 Euro je Einwohner, was fast dreimal so viel wie in Deutschland ist (3.009 Euro pro Kopf). Allerdings fußt Irlands Ausfuhr auf den Erfolgen weniger Branchen: Im Jahr 2017 haben chemische Erzeugnisse 55,7 Prozent, Nahrungsmittel 9,3 Prozent und Mess-, Regel- sowie Prüftechnik 4,8 Prozent des Exports ausgemacht. Bei den meisten Produkten ist die Importabhängigkeit groß, was deutschen Lieferanten viele Chancen bietet.

Die USA waren 2017 mit 19,5 Prozent der Einfuhr und 27,2 Prozent der Ausfuhr Irlands größter Handelspartner. Viele US-Hersteller verarbeiten importierte Komponenten in Irland zu hochwertigen Exportwaren. Auf Rang zwei lag das Vereinigte Königreich mit 28,6 Prozent aller Einfuhren und 13,3 Prozent aller Ausfuhren. Deutschland war 2017 mit einem Importanteil von 9,4 Prozent der drittgrößte Lieferant. Beim Export lag Deutschland mit einer Quote von 8,2 Prozent auf Rang vier hinter Belgien (10,9 Prozent).

Außenhandel von Irland (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2016 2017 Veränderung 2017/2016
Importe 73.272,8 78.517,6 7,2
Exporte 118.230,3 121.636,6 2,9
Handelsbilanzsaldo 44.957,5 43.119,0 -

Quelle: Eurostat

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/irland

Dieser Artikel ist relevant für:

Irland Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität, Brexit

Funktionen

Kontakt

Charlotte Schneider

‎+49 228 249 93 279

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche