Wirtschaftsausblick

06.02.2019

Wirtschaftsausblick - Island (Januar 2019)

Inhalt

Weniger Importe von langlebigen Konsumgütern / Von Martin Schulte

Bonn (GTAI) - Die isländische Wirtschaft wächst langsamer, aber stabil. Die Investitionen steigen nicht mehr so stark wie bisher. Bei Fahrzeugen und langlebigen Konsumgütern ist eine Marktsättigung erkennbar.

Wirtschaftsentwicklung: Wachstum bleibt stabil

Die isländische Wirtschaft ist 2018 nach Schätzungen des nationalen Statistikamtes Statistics Iceland um real 3,8 Prozent gewachsen. Wesentlicher Konjunkturmotor ist der private Konsum. Für die kommenden zwei Jahre wird ein Wachstum von jährlich rund 2,6 Prozent erwartet.

Das Wachstum der Industrieinvestitionen hat sich verlangsamt. Die Regierung plant 2019 höhere Ausgaben für die Verkehrsinfrastruktur sowie den Gesundheits- und Tourismussektor. Der 2018 von der Regierung verabschiedete Aktionsplan für den Klimaschutz sieht unter anderem eine stärkere Förderung von Elektrofahrzeugen vor. Die Staatsverschuldung soll in den kommenden Jahren unter 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sinken. Im Jahr 2018 lag sie bei rund 24 Prozent des BIP.

Die Inflation wurde im vergangenen Jahr vor allem durch den starken Anstieg der Preise für Importprodukte angeheizt. Die Isländische Krone verlor 2018 nach Angaben der Zentralbank gegenüber dem Euro rund 11 Prozent an Wert.

Viele Arbeitsplätze konnten in den vergangenen Jahren nur durch ausländische Arbeitnehmer besetzt werden. Die Arbeitslosenrate lag 2018 nach Schätzungen des Statistikamtes bei 3,1 Prozent. In den kommenden Jahren dürfte sie nur wenig steigen.

Das Wachstum der für Island sehr wichtigen Tourismusbranche hat sich deutlich verlangsamt. Im Jahr 2018 expandierte sie nach Schätzung der Zentralbank um weniger als 4 Prozent. Die Zahl der Übernachtungen stagnierte. Für 2019 und 2020 wird ein Branchenwachstum von jeweils unter 3 Prozent erwartet.

Auch der Außenhandel wächst langsamer. Die Handelsbilanz hat sich 2018 weiter verschlechtert. Grund dafür sind gestiegene Preise für Erdöl und Aluminiumoxid sowie höhere Kosten für Importprodukte.

MKT201902058004.14

Wirtschaftliche Eckdaten Islands
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. Euro) 18,6 21,6 3.277,3
BIP pro Kopf (Euro) 54.494 62.556 39.649
Bevölkerung (Mio.) 0,3 0,3 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = ... Isländische Kronen) 133,96 120,87 -

Quellen: Statistics Iceland; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Wohnungsbau nimmt weiter zu

In den vergangenen Jahren stiegen die Investitionen stark an. Inzwischen hat sich das Wachstum jedoch deutlich verlangsamt. Im Jahr 2018 lag es nach Schätzungen des Statistikamtes bei 4,5 Prozent. Für 2019 wird mit einem Anstieg der Investitionen von nur noch 2,8 Prozent gerechnet. Die Investitionen in Anlagen der energieintensiven Industrie sowie für Schiffe und Flugzeuge gehen deutlich zurück. Dagegen werden die Investitionen in den Wohnungsbau sowie die öffentlichen Investitionen auch im laufenden Jahr weiter steigen.

Der Staatshaushalt für das Jahr 2019 sieht gegenüber dem Vorjahr 7 Prozent höhere Ausgaben vor. Die Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur sollen um 12 Prozent steigen. Die Ausgaben für die Tourismusbranche werden sich um knapp 9 Prozent erhöhen. Die steigenden Investitionen in den Gesundheitssektor fließen vor allem in den Bau des neuen National University Hospitals und in neue Seniorenheime.

Ausgewählte Großprojekte in Island
Projektbezeichnung Investitionssumme (in Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Bau einer Siliziumproduktionsanlage 855 Bauphase Silicor Materials Inc.; http://www.silicormaterials.com
Neubau des Landspitali National University Hospital 350 Erdarbeiten wurden 2018 aufgenommen; Fertigstellung geplant 2023 Rikiskaup (Central Public Procurement Office); http://www.rikiskaup.is
Sanierung und Ausbau des internationalen Flughafens Keflavik ca. 855 In Planung; Fertigstellung etwa 2026 ISAVIA; http://www.isavia.is

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Konsum: Privater Verbrauch bleibt wichtigster Konjunkturmotor

Der private Konsum stieg 2018 um schätzungsweise 4,9 Prozent. Damit erreichte er nicht mehr ganz das hohe Niveau der beiden vorangegangenen Jahre. Nach den Prognosen von Statistics Iceland wird sich das Wachstum in den kommenden Jahren weiter abschwächen. Dennoch bleibt der private Verbrauch die Hauptantriebskraft für das Wirtschaftswachstum. Für 2019 erwartet das Statistikamt einen Anstieg um 3,8 Prozent. Für die Jahre 2020 bis 2024 wird jeweils ein reales Plus von 2,5 bis 3 Prozent prognostiziert.

Das Wachstum des öffentlichen Konsums wird sich voraussichtlich etwas verlangsamen: Für das Jahr 2018 geht das Statistikamt nur noch von einem realen Plus 3,3 Prozent aus. In den darauffolgenden Jahren könnte der Anstieg bei jeweils etwa 2 Prozent liegen.

Der Inflationsdruck steigt. Das Statistikamt schätzt den Preisanstieg im Gesamtjahr 2018 auf 2,7 Prozent. Damit wäre die von der Zentralbank vorgegebenen Zielmarke von 2,5 Prozent zum ersten Mal seit vier Jahren wieder überschritten worden. Für 2019 erwartet Statistics Iceland eine Inflationsrate von 3,6 Prozent.

Außenhandel: Marktsättigung bei Fahrzeugen und langlebigen Konsumgütern

Nach vorläufigen Angaben des isländischen Statistikamtes stiegen die Warenimporte 2018 um 5,6 Prozent. Hier schlugen vor allem höhere Einfuhren an Treibstoffen und Industriegütern zu Buche. Die Einfuhren von Fahrzeugen und langlebigen Konsumgütern lagen in den vergangenen Jahren auf einem hohen Niveau. Inzwischen ist eine gewisse Marktsättigung eingetreten. Die rückläufige Tendenz dürfte anhalten. Die Prognosen für die Jahre 2019 und 2020 gehen von einem jährlichen Wachstum der Einfuhren von jeweils unter 4 Prozent aus.

Die Exporte stiegen 2018 nach vorläufigen Angaben um mehr als 7 Prozent. Die Exporterlöse für Fischereiprodukte lagen 2018 um rund 10 Prozent höher als im Vorjahr. Der Anstieg ist im Wesentlichen auf den Streik der Fischer im vorangegangenen Jahr zurückzuführen.

Die Handelsbilanz wird in den kommenden Jahren voraussichtlich negativ bleiben. Die isländische Zentralbank geht davon aus, dass sich das Exportwachstum 2019 verlangsamen wird.

Außenhandel Islands (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2017 2018 Veränderung 2018/2017
Importe 5.751 6.072 5,6
Exporte 4.389 4.709 7,3
Handelsbilanzsaldo -1.362 -1.363 -

Quelle: Statistics Iceland

Weitere Informationen zu Island (zum Beispiel SWOT-Analyse) finden Sie unter http://www.gtai.de/Island

Dieser Artikel ist relevant für:

Island Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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