Wirtschaftsausblick

20.11.2018

Wirtschaftsausblick - Israel (November 2018)

Inhalt

Die Wirtschaft wächst - die Probleme bleiben / Von Wladimir Struminski

Jerusalem (GTAI) - Prognosen zufolge wächst die israelische Wirtschaft 2018 und 2019 weiterhin um mehr als 3 Prozent. Positive Zahlen werden für Investitionen und Konsum ebenso wie für den Außenhandel erwartet.

Wirtschaftsentwicklung: Wachstum bleibt stabil

Das israelische Wirtschaftswachstum bleibt 2018 und 2019 stabil. Das prognostiziert die Bank von Israel (Bank von Israel - Zentralbank). Laut ihrer Herbstprognose wächst das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 3,7 Prozent 2018 beziehungsweise um 3,6 Prozent 2019. Bei einem Bevölkerungswachstum von 1,9 Prozent pro Jahr bedeutet diese Prognose, dass das BIP-Wachstum je Einwohner 2018 bei 1,8 Prozent und 2019 bei 1,7 Prozent liegen würde - gegenüber 1,4 Prozent 2017.

Zu den Risiken, mit denen die positive Prognose behaftet ist, gehört die internationale Wirtschafts- und Handelsentwicklung, die für das kleine und hochgradig in die Weltwirtschaft integrierte Israel von großer Bedeutung ist. Angesichts des sich im Laufe des Jahres 2018 verschlechternden Welthandelsklimas hat die Zentralbank ihre Schätzungen für Warenexporte in der Herbstprognose geringfügig gesenkt. Sollte es zu unerwarteten neuen Handelshemmnissen kommen, wäre eine Korrektur der Wachstumsprognose zumindest für 2019 unvermeidlich.

Die geopolitischen Spannungen, denen sich Israel gegenübersieht, haben im Laufe des Jahres 2018 zugenommen. Das gilt sowohl im israelisch-palästinensischen Verhältnis als auch gegenüber dem Iran. Eine Eskalation, vor allem durch größere bewaffnete Konflikte, könnte die Wirtschaft spürbar beeinflussen.

Längerfristig sieht sich Israel mehreren negativen sozialen Entwicklungen gegenüber, die auch die Wirtschaftskraft schmälern. Dazu gehört eine ungenügende Partizipationsrate am Arbeitsleben und das im internationalen Vergleich unzulängliche Niveau des Schulwesens, das die Entwicklung des Hochtechnologiesektors behindert. Auf der positiven Seite sind die Aussichten auf Erdgasexporte zu nennen, wobei Großkunden für einen wirklichen Exportboom allerdings noch fehlen.

MKT201811198007.14

Wirtschaftliche Eckdaten Israels
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$ 317 351 3.702
BIP pro Kopf (US$) 37.188 39.835 44.791
Bevölkerung (Mio.) 8,63 8,80 82,8
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt) 1 US$ = 3,84 NIS 1 EUR = 4,25 NIS 1 US$ = 3,60 NIS = 1 US$1 EUR 4,06 NIS -

Quellen: Zentralamt für Statistik; Bank von Israel; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Gemäßigtes Wachstum

Laut der Zentralbankprognose nehmen die Bruttoanlageinvestitionen 2018 um 3 Prozent und 2019 um 3,5 Prozent zu. Die Prognose der Zentralbank schließt die von starken Ausschlägen behafteten Investitionen in Schiffe und Flugzeuge nicht ein.

In der ersten Jahreshälfte 2018 nahmen die Bruttoanlageinvestitionen gegenüber dem Parallelzeitraum des Vorjahres um 4 Prozent zu. Dabei entwickelten sich die Bauinvestitionen mit einem Minus von 4 Prozent enttäuschend, vor allem wegen der Wohnungsbauinvestitionen, die gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 9 Prozent nachgaben.

Die Maschineninvestitionen verzeichneten im 1. Halbjahr 2018 eine Zunahme um 9,7 Prozent. Bei Investitionen in Kfz zeichnet sich 2018 ein kräftiger Anstieg ab, der aber vor allem als eine technische Reaktion der Pkw-Importe auf einen im Vorjahr verzeichneten Einbruch zu verstehen ist.

Ausgewählte Großprojekte in Israel
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) *) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Ausbau des Abfallrecyclings 1.700 Planung Hauptsächlich Müllverbrennungsanlagen zur Energiegewinnung, Finanzierung auch durch den Staat, Umweltschutzministerium (Ministry of Environment Protection - http://www.sviva.gov.il
Oststrecke der Eisenbahn (östlich des Großraums Tel Aviv) 2.300 Vorbereitungsphase, Baubeginn für 2020 geplant Südteil: Israelische Bahn (Israel Railways) https://www.rail.co.il/en; Nordteil: Verkehrsinfrastrukturgesellschaft Netivei Israel (http://www.iroads.co.il)
Zwei Teilstrecken des viertes Gleises der Ayalon-Bahnstrecke in Tel Aviv 1.100 Planung Israelische Bahn https://www.rail.co.il/en
Zweite Straßenbahnlinie in Jerusalem 2.500 Ausschreibung Strecke zum Teil in 1967 besetzten Stadtteilen / Verkehrsministerium (Ministry of Transportation) http://www.mot.gov.il
Entsalzungsanlage Sorek Kapazität 200 Mio. cbm Meerwasser pro Jahr Vorausschreibung Wasserbehörde (Water Authority) http://www.water.gov.il
Erschließung des Offshore-Erdgasfeldes Leviathan Erstes Stadium: 3.800 Durchführung, Inbetriebnahme für 2019 geplant Energieministerium (Ministry of Energy and Water Resources) http://www.energy.gov.il
Hochhaus "Zwischen den Städten" in Tel Aviv k.A. Genehmigungsverfahren abgeschlossen, Ausschreibung in Planung 100 Stockwerke; erstes Gebäude dieser Höhe in IsraelStadt Tel Aviv (http://www.telaviv.muni.il)
Bau von Privathäfen in Haifa und Ashdod 2,0 Mrd. US$ Bauphase Inbetriebnahme 2021 geplant

*) Umrechnung anhand des Wechselkurses 3,60 NIS/US$

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Konsum: Verbraucher greifen tiefer in die Tasche

Der Konsum nahm 2017 um 3,3 Prozent und im 1. Halbjahr 2018 um 4,9 Prozent zu. Seit Beginn des Jahrzehnts wächst der Privatverbrauch etwas schneller als das BIP. Für das Gesamtjahr 2018 prognostiziert die Bank von Israel eine Konsumzunahme um 4 Prozent und für 2019 um 3,5 Prozent.

Besonders starke Ausschläge weist in den letzten Jahren der Erwerb von Pkw auf, was hauptsächlich mit Änderungen der Pkw-Besteuerung zusammenhängt. So nahmen die Kfz-Käufe durch Privathaushalte 2017 um 20,7 Prozent ab, legten im 1. Halbjahr 2018 aber um 29,3 Prozent zu.

Der Anteil der langlebigen Konsumgüter am Privatverbrauch ist mit rund 8 Prozent relativ niedrig. Allerdings sind diese Güter für ausländische Anbieter von besonderem Interesse, da sie vorwiegend importiert werden.

Der Wettbewerb auf dem israelischen Markt für langlebige und halblanglebige Konsumgüter - zu letzteren gehören insbesondere Kleidung und Schuhe - nimmt sowohl wegen Importerleichterungen als auch wegen des immer beliebteren Online-Einkaufs bei ausländischen Anbietern zu.

Außenhandel: Einfuhr steigt

Bei der Wareneinfuhr zeichnet sich 2018 ein kräftiger Anstieg ab. In den ersten neun Monaten des Jahres lagen die Auslandsbezüge in laufenden Dollarpreisen um 15 Prozent über dem im Parallelzeitraum des Jahres verzeichneten Stand. Im Jahr 2017 waren die Importe gegenüber dem Vorjahr um 5,1 Prozent expandiert.

Die Einfuhr von Konsumgütern verzeichnete in den ersten neun Monaten 2018 ein Plus von 13,3 Prozent, nachdem sie im Gesamtjahr 2017 um nur 2,5 Prozent wachsen konnte. Für das nur langsame Tempo der Einfuhren 2017 ebenso wie für die schnelle Zunahme 2018 waren hauptsächlich Schwankungen beim Erwerb von Pkw für Konsumzwecke verantwortlich.

Auch bei Investitionsgütern wurde die Importstatistik 2017 wie 2018 in hohem Maße von der Pkw-Einfuhr beeinflusst. Insgesamt nahm die Einfuhr von Investitionsgütern 2017 um 3 Prozent und in den ersten neun Monaten 2018 um 24 Prozent zu. Die Maschinenimporte bleiben auf Wachstumskurs und stiegen im Zeitraum Januar bis September 2018 um 13,4 Prozent, nachdem es im Gesamtjahr 2017 gegenüber dem Vorjahr plus 12,3 Prozent waren. Die Importe von Rohstoffen und Produktionsgütern nahmen 2017 um 4,7 Prozent und in den ersten drei Monaten 2018 um 15,2 Prozent zu.

Die Warenausfuhr steigt viel langsamer als die Einfuhr. Im Jahr 2017 ebenso wie in den ersten neun Monaten 2018 lag das Exportwachstum bei jeweils 1 Prozent.

Außenhandel Israels (Mio. US$)
2016 2017 Veränderung 2017/2016 in %
Importe 65.805 69.145 5,1
Exporte 61.152 60.573 1,0
Handelsbilanzsaldo -4.653 -8.572

Quelle: Zentralamt für Statistik

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/israel

Dieser Artikel ist relevant für:

Israel Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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