Wirtschaftsausblick

29.05.2019

Wirtschaftsausblick - Italien (Mai 2019)

Inhalt

Kaum Impulse / Von Oliver Döhne

Mailand (GTAI) - Italiens Wirtschaft wächst nur sehr schwach. Experten tun sich mit genauen Prognosen schwer, da sich die Umstände im In- und Ausland derzeit rasch ändern könnten.

Wirtschaftsentwicklung: Weitgehender Stillstand

Italiens Wirtschaft fand Anfang 2019 aus der technischen Rezession des 2. Halbjahres 2018 zurück zu einem leichten Wachstum. Dennoch fehlt zurzeit jegliche Dynamik. Die privaten Haushalte mäßigen ihre Ausgaben und sparen wieder mehr. Die meisten Branchen stagnieren. Die Industrie hat in den vergangenen Jahren kräftig investiert und zögert neue Anschaffungen in der derzeit unübersichtlichen Lage vorerst hinaus. Auch von den Auslandskäufen, die schon 2018 schwächer ausgefallen waren, sind in diesem Jahr keine besonderen Impulse für die italienische Konjunktur zu erwarten.

Die Prognosen für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) 2019 liegen daher minimal über dem Nullpunkt. Über Italien hängt nach wie vor das Damoklesschwert der Staatsverschuldung sowie steigender Kosten und Risiken für deren Finanzierung. Zudem könnten die sehr unterschiedlichen Positionen der Regierungsparteien, die mittlerweile in offenen Streit umgeschlagen sind, zum baldigen Ende der Koalition führen. Eine mögliche folgende Übergangszeit bis zur nächsten Wahl, ohne roten Faden, langfristige Pläne und deren konsequente Umsetzung sind aber kaum das Rezept, die stagnierende Wirtschaft wieder zu beleben. Auch eine Fortsetzung der Koalition sehen Marktbeobachter kritisch, da sich die beiden Partner in vielen Bereichen blockieren.

Positiv zu erwähnen ist das hohe Privatvermögen, das bei einer dauerhaft stagnierenden Lage für mögliche Entsparungseffekte bereitstünde. Weitere Stellschrauben für mehr Wachstum sind laut Experten eine konsequente Fortsetzung der begonnenen Industrie 4.0-Initiative, inklusive entsprechender Weiterbildung, eine bessere Einbindung von jungen Arbeitnehmern und Frauen, mehr angewandte Forschung sowie ein konsequenterer und schnellerer Ausbau der Infrastruktur.

MKT201905288025.14

Wirtschaftliche Eckdaten Italiens
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. Euro) 1.727,4 1.757,0 3.702,4
BIP pro Kopf (Euro 28.535 29.071 44.791
Bevölkerung (Mio.) 60,5 60,4 82,8

Quellen: Istituto Nazionale di Statistica; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Voraussichtlicher Rückgang

Das Investitionsklima ist in Italien zurzeit nicht das beste. Das Unternehmervertrauen bewegt sich bereits seit Ende 2017 langsam aber stetig nach unten. Nun sorgt ein Bündel von internen und externen Faktoren dafür, dass Unternehmen mit neuen Investitionen vorerst abwarten. Dazu zählen zum einen interne Faktoren wie die Unsicherheit über die künftige Linie der instabilen und zerstrittenen Regierung, die relativ hohe Kapazitätsauslastung in der italienischen Industrie, eine gewisse Marktsättigung nach mehrjähriger Förderung von Kapitalgüterkäufen sowie ein erwartet schlechterer Kreditzugang.

Hinzu kommen externe Faktoren wie mögliche Handelskriege, Zölle und Brexit. Eine gewisse Hoffnung liegt auf einer neuen Initiative zum Infrastrukturausbau. Die Kommission der Europäischen Union rechnet für 2019 mit 0,5 Prozent weniger Ausrüstungsinvestitionen. Der Industrieverband Confindustria erwartet sogar ein Minus von 1,9 Prozent.

Ausgewählte Großprojekte in Italien
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung
Eisenbahnachse Palermo-Catania-Messina 9.177 Fertigstellung nach 2025 Projektbetreiberin: Rete Ferroviaria Italiana (RFI SpA);http://www.rfi.it
Autobahn Salerno-Reggio Calabria 8.335 Fertigstellung nach 2020 Projektbetreiberin: Azienda Nazionale Autonoma delle Strade (ANAS); http://www.stradeanas.it/it
Hochgeschwindigkeitsstrecke Neapel-Bari 6.198 Fertigstellung nach 2025 RFI SpA
Hochgeschwindigkeitsstrecke Genua-Mailand (Terzo Valico dei Giovi) 6.158 Fertigstellung 2023 RFI SpA
Hochgeschwindigkeitsstrecke Mailand-Verona 5.480 Fertigstellung nach 2025 RFI SpA
Hochgeschwindigkeitsstrecke Verona-Padua 5.214 Fertigstellung 2025 RFI SpA
Flutschutzwehr MO.S.E. Venedig 5.384 Fertigstellung 2020 Ministerium für Infrastruktur und Verkehr
Brenner-Basistunnel (55,4 km) 4.400(Anteil Italiens) Fertigstellung 2025 RFI SpA
Strada Statale 106 Jonica, Verbindung Kalabrien-Basilikata-Apulien 4.258 Fertigstellung nach 2020 ANAS SpA
Autobahn Pedemontana Veneta 2.258 Fertigstellung 2020 Region Venetien
City Life, Mailand 2.100 Fertigstellung 2023 http://www.city-life.it
U-Bahn-Bau Mailand M4 (Lorenteggio-Linate) 2.164 Fertigstellung 2023 Stadt Mailand
Einkaufszentrum Westfield, Segrate Mailand 1.400 Fertigstellung 2021 http://www.westfieldmilano-project.com
Milano Innovation District (AREXPO) 1.300 Fertigstellung 2023 http://www.mindmilano.it

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Leicht steigendes verfügbares Einkommen sorgt für etwas Wachstum

Der Inlandskonsum wird 2019 voraussichtlich leicht ansteigen, obwohl er im 1. Quartal 2019 erst einmal zurückging. Im April 2019 fiel das Konsumentenvertrauen den dritten Monat in Folge und auf den niedrigsten Wert seit August 2017. Dabei schätzten die Haushalte sowohl die künftige Lage am Arbeitsmarkt als auch die künftigen Konsummöglichkeiten kritisch ein.

Der Industriedachverband Confindustria erwartet im Lauf des Jahres 2019 zumindest vorübergehende positive Konsumeffekte durch den niedrigeren Ölpreis sowie durch Maßnahmen, die das Volkseinkommen (Reddito Cittadianza) erhöhen. Hinzu kommt eine erwartete Welle von Frühpensionierungen (Quota 100). Zum Jahresende 2019 sollte so ein Plus des privaten Konsums von 0,5 bis 0,6 Prozent möglich sein. Die Inflation wird 2019 mit 0,9 Prozent etwas schwächer wachsen als im Vorjahr. Für 2020 droht dem privaten Konsum eine Bremse, sollte der Regierung kein anderer Weg einfallen die Neuverschuldung zu senken, als die Mehrwertsteuer zu erhöhen, was Experten für wahrscheinlich halten.

Außenhandel: Import und Export im Gleichschritt

Der Außenhandel wird laut Statistikamt 2019 keine Impulse für das Wirtschaftswachstum beisteuern, da Import und Export von Waren und Dienstleistungen voraussichtlich mit ähnlichen Raten um die 1,7 bis 1,8 Prozent zunehmen werden. Besonders der Import, der 2018 noch dynamischer war als der Export, wird laut Prognosen weniger stark zulegen als im Vorjahr. Das liegt nicht zuletzt am eingetrübten Investitionsklima im Land. 2018 war der traditionelle italienische Handelsbilanzüberschuss (Waren) um fast 9 Milliarden Euro zurückgegangen, während der Import um 0,5 Prozentpunkte stärker gewachsen war als der Export.

Die zahlreichen Unwägbarkeiten auf den diversen Auslandsmärkten und die insgesamt schwächere Weltkonjunktur werden sich 2019 im Export wahrscheinlich noch mehr zeigen. Die Tendenz von 2018 mit mehr intra-europäischem Handel und einem stärkeren Gewicht auf Zwischen- und Konsumgütern könnte sich fortsetzen.

Außenhandel Italiens (in Mio. Euro; Veränderung in Prozent)
2017 2018 Veränderung 2018/2017
Importe 401.487 423.998 5,6
Exporte 449.129 462.899 3,0
Handelsbilanzsaldo 47.642 38.901 -

Quelle: ISTAT

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Italien

Dieser Artikel ist relevant für:

Italien Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

Funktionen

Kontakt

Barbara Kussel

‎+49 228 24 993 356

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche