Wirtschaftsausblick

19.06.2019

Wirtschaftsausblick - Kanada (Juni 2019)

Inhalt

Etwas Wachstum nach sechs Monaten Stillstand / Von Daniel Lenkeit

Toronto (GTAI) - Kanadas Wirtschaft wächst wieder - trotz schwächeren Konsums und Risiken im Außenhandel.

Wirtschaftsentwicklung: Konjunktur zieht leicht an

Die kanadische Wirtschaft ist aus ihrem Winterschlaf erwacht. Sowohl die Zentralbank als auch die kanadischen Geschäftsbanken erwarten im 2. und 3. Quartal 2019 ein reales Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von jeweils 2 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Nach zwei unerwartet mageren Quartalen um den Jahreswechsel 2018/2019herum, zieht die Konjunktur nun wieder leicht an. Die BIP-Wachstumsprognosen für das gesamte Jahr 2019 liegen zwischen 1,2 und 1,5 Prozent. Für 2020 sind die Aussichten laut Bank of Canada (BoC) mit einem Plus von 2 Prozent noch positiver.

Die BoC analysiert, dass die Spannungen in der Welthandelspolitik und der Aufbau von Handelsbarrieren sowie Kanadas schwelender Konflikt mit China über den in Gewahrsam bleibenden Huawei Finanzvorstand die Wachstumsaussichten belasten. Hinzu kommen eine schwächere Auslandsnachfrage und geringer als erwartet ausfallende öffentliche Ausgaben in der Provinz Ontario.

Die konservative Regierung Doug Fords in Ontario hat sich, ebenso wie die kürzlich ins Amt gewählte konservative Regierung Jason Kenney's in Alberta, einer umstrittenen Sparpolitik verschrieben. Kürzungen bei Sozialausgaben, bei Förderprogrammen in Verbund mit geplanten Steuersenkungen trüben die Aussichten für öffentliche Investitionen und Wachstum in zwei wirtschaftlich starken Provinzen Kanadas.

Sowohl Unternehmensinvestitionen als auch Exporte wuchsen zudem landesweit zuletzt sehr verhalten und verlangsamten das Gesamtwachstum. Einschnitte erfolgten hauptsächlich im produzierenden Gewerbe, genauer im Energiesektor, und im Baugewerbe. Die BoC erwartet, dass die Energieexporte 2019 zurückgehen - hauptsächlich aufgrund anhaltender Engpässe in der Transportinfrastruktur. Moderates Wachstum sagen die Banken bei den Nicht-Energie-Exporten voraus. Vor allem die Dienstleistungsexporte werden weiterhin stark zulegen.

Die kanadische Wirtschaft lag vor der aktuellen Schwächephase nahe der Kapazitätsauslastung. Die derzeitig geringe Produktionslücke senkt den Erweiterungsdruck bei den meisten Unternehmen, wie die Frühjahrsumfrage 2019 der BoC zeigte.

MKT201906188012.14

Wirtschaftliche Eckdaten Kanada
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. US$) 1.650 1.711 4.002
BIP pro Kopf (US$) 45.224 46.261 48.269
Bevölkerung (Mio.) 36,5 37,0 82,9
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = kan$) 1,299 1,296 -

Quellen: Statistics Canada; Internationaler Währungsfonds ; Statistisches Bundesamt, 2019

Investitionen: Wenig Hoffnung auf einen Anstieg

Zwar besteht unter den Analysten die Hoffnung, dass die zuletzt schwachen Unternehmensinvestitionen im Laufe des Jahres anziehen. Gründe für den Optimismus gibt es aber nur wenige.

Einer ist der kürzlich beigelegte Zollkonflikt zwischen Kanada und den USA und die Aufhebung der Stahl- und Aluminiumzölle. Die Beseitigung der Zölle war für Kanada Bedingung für eine Ratifizierung des USA-Mexiko-Kanada-Abkommens (USMCA), welches, wenn bestätigt, positive Wirkung auf die Investitionstätigkeit kanadischer Unternehmen entfalten sollte.

Weiteren Schub dürften die Investitionsentscheidungen der Unternehmen von den verbesserten Abschreibungsangeboten (Accelerated Investment Incentive) der Regierung erhalten, die seit 2019 und für zehn Jahre gelten.

Noch tragen diese Errungenschaften und Maßnahmen aber keine Früchte. In der Frühjahrsumfrage der Zentralbank gaben nur wenige Unternehmen an, ihre Kapazitäten erweitern zu wollen und begründeten dies hauptsächlich mit einer schwächeren Auftragslage. Auch geht der Anteil der kanadischen Firmen zurück, die erwarten, in nächster Zeit vom US-Wirtschaftswachstum zu profitieren.

Ausgewählte Großprojekte in Kanada
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) *) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Modernisierung und Elektrifizierung eines Nahverkehrsnetzes, Toronto/Hamilton 3,6 Entwurfsphase, Fertigstellung 2025 http://www.metrolinx.com/en/greaterregion/projects/go-expansion.aspx
Erweiterung einer U-Bahnlinie, Montreal 3,0 Planungsstadium, Warten auf den Abschluss der Finanzierung; Ausschreibungen voraussichtlich 2020 http://www.stm.info/en/about/major_projects/blue-line-extension
Erweiterung einer U-Bahnlinie, Vancouver 2,2 Planungsstadium, Fertigstellung 2025 https://www.translink.ca/Plans-and-Projects/Rapid-Transit-Projects/Broadway-Subway-Project.aspx

*) Umrechnung anhand des Wechselkurses 1US$ = 1,296 kan$

Quellen: ReNew Canada, Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Portale für öffentliche Ausschreibungen:

http://www.buyandsell.gc.ca

http://www.merx.com

Konsum: Nach zuletzt verhaltenem Wachstum wieder stärker erwartet

Kanadische Haushalte konsumieren etwas verhaltener als in den letzten Jahren. Das geschieht nicht zuletzt wegen des gefühlt geringeren Wohlstands durch den abflauenden Immobilienmarkt, analysiert die Scotiabank. Jener baut seit etwa zwei Jahren ab und die Nachfrage nach Einfamilienhäusern zeigt weiter nach unten. Die BoC erwartet den Immobiliensektor aber 2020 eine Erholung.

Trotz einer Abschwächung wird der private Konsum wohl auch 2019 wieder den Großteil des Wirtschaftswachstums schultern. Die Banken erwarten den Haushaltskonsum circa 1,5 Prozent stärker als 2018. Gegen Ende des Jahres soll der private Konsum deutlich anziehen.

Des Weiteren sind die Lohnzuwächse der Kanadier und steigendes Verbrauchervertrauen gute Vorzeichen für mehr Konsum in der Zukunft. In Kombination mit der enorm hohen Haushaltsverschuldung (178 Prozent des verfügbaren Einkommens) sind sie auch ein Risiko, vor allem wenn zusätzlicher Konsum durch neue Schulden finanziert würde.

Außenhandel: Aus- und Einfuhren insgesamt weniger dynamisch

Viele kanadische Firmen sind vorsichtig optimistisch bei ihren Exportaussichten. In Umfragen nennen einige Unternehmen die protektionistische Handelspolitik der USA als Wachstumshindernis. Vor allem der politische Druck der US-Regierung, die Beschaffung im Baugewerbe, in der Holz- oder Milchwirtschaft lokal zu gestalten, senkt in Kanada die Erwartungen für das Exportwachstum.

Gleichzeitig glaubt die BoC insgesamt an eine Zunahme des Außenhandels im laufenden Jahr. Vor allem die Dienstleistungsexporte sollen weiter kräftig wachsen. Allen voran Tourismusdienstleistungen, wozu auch Studiengebühren gehören, und Unternehmensdienstleistungen werden das Exportwachstum treiben, während die Energieexporte und die Ausfuhr von Baumaterialien schwächeln dürften.

Nach solidem Wachstum der Einfuhren 2018 (plus 3 Prozent) erwarten die Banken 2019 einen leichten Rückgang der Importe aufgrund einer insgesamt schwächeren Binnennachfrage.

Außenhandel Kanada (in Mio. US$; Veränderung in Prozent)
2017 2018 Veränderung 2018/2017
Importe 432.343 459.923 6,4
Exporte 420.660 450.848 7,2
Handelsbilanzsaldo *) -11.682 -9.075 -

*) Abweichung durch Rundung

Quelle: ISEDC Trade Data Online, 2019

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/kanada

Dieser Artikel ist relevant für:

Kanada Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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