Wirtschaftsausblick

11.02.2019

Wirtschaftsausblick - Katar (Januar 2019)

Inhalt

Wirtschaft wächst trotz diplomatischer Widrigkeiten / Von Katrin Pasvantis

Dubai/Doha (GTAI) - Katar stemmt sich gegen die diplomatische Krise. Neue Infrastrukturprojekte, Ausbau der Gasförderung und die Fußballweltmeisterschaft kurbeln die Nachfrage an.

Wirtschaftsentwicklung: Aussichten hellen sich auf

Das Emirat Katar konnte negative Auswirkungen des Ölpreisverfalls und der diplomatischen Krise seit 2017 abfedern. Hohe Finanzreserven und stete Einnahmen aus Gasexporten ermöglichen eine widerstandsfähige Wirtschaftsentwicklung. Die Aussichten bleiben gut. Neue Infrastrukturprojekte, Ausbau der Gasförderung und die Fußballweltmeisterschaft kurbeln das Wachstum an. Der Internationale Währungsfonds prognostiziert für 2019 eine Zunahme des Bruttoinlandsproduktes von 3,1 Prozent nach geschätzten 2,4 Prozent im Vorjahr.

MKT201902088003.14

Katar ist einer der weltweit größten Exporteure von Liquefied Natural Gas (LNG) und will den Output bis 2024 um 43 Prozent erhöhen. Das Land trat zum 1. Januar 2019 aus der OPEC aus und ist nicht mehr an deren Öl-Förderbegrenzungen gebunden. Die Ölförderung ist allerdings vergleichsweise gering.

Die Regierung verfolgt eine eher vorsichtige Haushaltspolitik. Das Finanzministerium rechnet 2019 mit einem Haushaltsüberschuss von 1,2 Milliarden US$. Es erwartet Mehreinnahmen, unter anderem durch einen höheren Ölpreis.

Die direkten wirtschaftlichen und finanziellen Auswirkungen der diplomatischen Krise haben nachgelassen. Im Juni 2017 hatten Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Bahrain und Ägypten ihre Land-, Luft- und Seegrenzen zu Katar geschlossen. Ein direkter Waren- und Personenverkehr mit diesen Ländern ist seitdem nicht mehr möglich.

Unternehmen haben sich auf diese Situation eingestellt und ihre Vertriebswege angepasst. Viele deutsche Exporteure liefern ihre Waren beispielsweise statt über die VAE direkt von Deutschland aus.

Die Regierung glich auch den Abfluss ausländischen Kapitals mit zusätzlicher Liquidität für Banken und öffentliche Kassen mehr als aus. Die Krise verleiht darüber hinaus den Diversifizierungsbestrebungen neuen Schwung. Produktionen im Inland werden ausgebaut.

Insbesondere in die Lebensmittelfertigung und den Agrarsektor wird investiert. In beiden Bereichen war Katar in hohem Maße von Importen aus Saudi-Arabien abhängig. Einzelhandel und Gastgewerbe leiden jedoch stark unter dem Ausbleiben der saudi-arabischen und emiratischen Besucher. Auch die Mieten und Immobilienpreise sind gesunken.

Wirtschaftliche Eckdaten Katars
Indikator 2017 1) 2018 1) Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 167 187 3.702
BIP pro Kopf (US$) 64.705 71.909 44.791
Bevölkerung (Mio.) 2) 2,6 2,6 82,8
.Inländer 0,3 0,3 73,1
.Ausländer 2,3 2,3 9,7
Wechselkurs (1 $ = QR) 3) 3,64 3,64 -

1) Schätzungen; 2) zur Jahresmitte; 3) der Katar-Rial (QR) ist an den US-Dollar gekoppelt

Quellen: Ministry of Development Planning and Statistics, Qatar Central Bank, Germany Trade & Invest, Statistisches Bundesamt

Investitionen: Große Infrastrukturprojekte im Bau oder in der Planung

Obwohl Katar recht kräftig investiert, liegen die Investitionen unter dem Niveau vor dem Ölpreiseinbruch. Das relativ kleine Emirat verfügt über sehr hohe Finanzreserven und kann Einbußen bei Exporteinnahmen abfangen. Aber Projekte werden weiterhin kritisch evaluiert und nicht unbedingt erforderliche Vorhaben vertagt.

Die Stimmung in der Wirtschaft erscheint Anfang 2019 wieder zuversichtlich. Dem Vernehmen nach sind einige interessante Projekte auch mit deutschen Beteiligung in der Pipeline. Die Datenbank Meed Projects zeigt bisher jedoch keine Verbesserung. Der Wert von Projekten, bei denen der Hauptauftrag 2018 vergeben wurde, blieb mit 11 Milliarden US$ erneut unter dem des Vorjahrs (2017: 13 Milliarden US$, 2016: 15 Milliarden US$).

Ausgewählte Großprojekte
Bezeichnung Budget (Mio. US$) Stand *) Betreiber
Ras Laffan Petrochemical Complex 5.000 ST Qatar Petroleum
Facility E IWPP 3.000 PQ General Electricity & Water Corporation
Hamad International Airport: Main Terminal Extension 2.500 PQ Qatar Airways
North Field Gas Expansion: LNG Trains 2.000 FEED Qatargas
Lusail Development: Lusail Plaza Towers 1.920 DE Lusail Real Estate Development Company
QIRP: Doha Metro : Phase 1A Green Line Extension 1.000 AW Qatar Rail Company
Cultural Village Project - Phase 4 720 DE KATARA
Hamad Port: Phase 2 500 DE New Port Project Steering Committee (NPP)
Pearl Qatar: Four Seasons Hotels and Resorts 500 AW Al Fardan Group
West Bay Automatic People Mover 450 ST Ministry of Transport & Communications

*) AW = Angebotsauswertung; DE = Design>; FEED = Front End & Engineering Design; ST = Studie; PQ = Präqualifizierung

Projekte in Frühstadien (Design/Studie) werden häufig nur in modifizierter Form realisiert, teilweise ganz gestrichen.

Quellen: MEED Projects, Recherchen von Germany Trade & Invest

Im Investitionsfokus stehen Projekte im Vorfeld der WM 2022, insbesondere neue Metros, Straßenbahnen und Straßen. Manche WM-Stadien stehen kurz vor der Fertigstellung, darunter das Al Rayyan Stadion, nach einem Entwurf der deutschen Architekten Albert Speer & Partner.

Der Haushalt 2019 sieht mehrere Vorhaben in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Verkehr und Wohnungswesen vor. Die Selbstversorgung mit Lebensmitteln und die Infrastruktur in Freihandels- und Industriezonen sollen ausgebaut werden. Milliardeninvestitionen in die Gasförderung sind bis 2024 geplant. Die ersten Projekte werden bereits lanciert. Die Diversifizierung der Wirtschaft soll weiter vorangetrieben werden.

Konsum: Diplomatische Krise trübt weiterhin die Stimmung

Das Ausbleiben der saudi-arabischen und emiratischen Touristen trifft den Einzelhandel und das Gastgewerbe stark. In den letzten Jahren wurden zahlreiche neue Malls gebaut. Viele Geschäfte stehen leer oder werben mit Ausverkäufen. Katar zielt mit erleichterten Visabestimmungen und Kreuzfahrttourismus auf neue Gäste. Bislang können diese den Ausfall nicht ausgleichen.

Die Konsumausgaben der Haushalte legen bereits seit dem Einbruch der Ölpreise langsamer zu. Wegen der schwächeren Konjunktur kommen weniger neue Arbeitskräfte ins Land. Einige Unternehmen haben im größeren Umfang Personal entlassen oder ersetzen hochbezahlte durch günstigere Arbeitskräfte. Nachdem die WM-Projekte fertig gestellt sind und Arbeitskräfte das Land verlassen haben, könnte die Bevölkerungzahl in den nächsten Jahren sogar schrumpfen.

Die diplomatische Krise hat die Stimmung gedrückt. Der Staat fängt zwar einen Großteil der Mehrkosten ab, die durch die Blockade entstehen. Die Unsicherheit bleibt. Preise steigen wegen längerer Importwege. Lieferungen aus Saudi Arabien und den VAE bleiben aus. Die Einführung der Mehrwertsteuer (VAT) zum 1. Januar 2018 wurde aufgeschoben und soll auch 2019 ausbleiben. Die finanzielle Belastung der VAT wäre mit 5 Prozent relativ gering. Ihre Einführung könnte sich nicht nur auf die Kaufkraft sondern auch auf die Kauflaune auswirken.

Außenhandel: Deutsche Lieferungen gehen stark zurück

Die wichtigsten Lieferländer waren 2017 nach vorläufigen Angaben die USA (4,9 Milliarden US$), China (3,4 Milliarden US$), Deutschland (2,1 Milliarden US$), die VAE (1,6 Milliarden US$), Japan (1,6 Milliarden US$) und Indien (1,6 Milliarden US$). Die Importe stiegen im Zeitraum Januar bis September 2018 gegenüber der Vorjahresperiode um 14 Prozent auf 24 Milliarden US$.

Außenhandel Katar (in Mio. US$)
2016 2017 Januar bis September 2018 (CIF)
Importe (fob) 31.934 30.766 23.773
Exporte (fob) 57.309 67.498 60.494
.Gas, auch verflüssigt 1) 23.718 27.761 26.928
.Erdöl, roh 2) 8.852 11.706 10.427
.sonstige Exporte 24.739 28.031 23.139
.Re-Exporte 2.350 2.619 1.902
Handelsbilanzsaldo 25.375 36.733 36.721

1) SITC 343; 2) SITC 333; 3) vorläufig

Quellen: Qatar Central Bank, Ministry of Development Planning and Statistics

Katar hat seine Einfuhren aus den VAE und Saudi-Arabien durch lokale Produktion oder Importe aus anderen Ländern ersetzt. Lieferungen aus der Türkei sind sprunghaft gestiegen. Die Öl- und Gasexporte laufen indes auch in die Blockadeländer weiter.

Katar ist unter den Ländern des Golfkooperationsrats der drittgrößte deutsche Exportmarkt nach den VAE und Saudi-Arabien. Die deutsche Statistik meldet für die ersten elf Monate 2018 ein Absinken der deutschen Exporte um 40 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Der Rückgang geht vor allem auf die Lieferposition Yachten und andere Vergnügungs- oder Sportboote (SITC 79319) zurück. Deren deutscher Exportwert lag 2017 noch bei 493 Millionen Euro und verschwand im Folgejahr nahezu komplett aus der Statistik.

Hohe Rückgänge gab es in den ersten elf Monaten 2018 auch bei Ausfuhren, die unter statistische Geheimhaltung fallen (SITC 99) und um 91 Prozent auf nur noch 34 Millionen Euro sanken. Die Lieferungen von Straßenfahrzeugen (SITC 78) kühlten im 31 Prozent auf 193 Millionen Euro ab.

Die deutschen Lieferungen von elektrischen Maschinen (SITC 77) legten indes um 27 Prozent auf 141 Millionen Euro zu, ebenso von chemischen Erzeugnissen (SITC 59, 94 Millionen Euro, +138 Prozent), medizinischen und pharmazeutischen Produkten (SITC 54, 55 Millionen Euro, +17 Prozent), Arbeitsmaschinen für besondere Zwecke (SITC 72, 54 Millionen Euro, +19 Prozent) und von Kraftmaschinen (SITC 71, 46 Millionen Euro, +96 Prozent).

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenchecks) finden Sie unter http://www.gtai.de/Katar

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Katar Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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