Wirtschaftsausblick

04.06.2018

Wirtschaftsausblick - Katar (Mai 2018)

Inhalt

Wachstum trotz Krise / Von Katrin Pasvantis

Dubai/Doha (GTAI) - Katars Wirtschaftswachstum zieht leicht an. Hohe Investitionen in Projekte im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft 2022 und in den Ausbau der Gasförderung kurbeln die Wirtschaft an. Die diplomatische Krise mit unter anderem Saudi-Arabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten hält an. Aber die Unternehmen haben sich an die Situation angepasst.

Wirtschaftsentwicklung: Wachstum legt leicht zu

Katars Wirtschaftswachstum ist trotz diplomatischer Krise positiv geblieben. Hohe Finanzreserven und stete Einnahmen aus Gasexporten halten die Wirtschaft widerstandsfähig. In diesem Jahr könnte das Wachstum leicht anziehen. Große Infrastrukturprojekte im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft (WM) 2022 dürften für eine rege Bautätigkeit sorgen. Geplant sind auch Milliardeninvestitionen in den Ausbau der Gasförderung. Allerdings könnte das Anhalten der diplomatischen Krise die Zuversicht der Unternehmen und Konsumenten belasten. Auch die Entwicklung der Öl- und Gaspreise bleibt kritisch für das weitere Wachstum.

Der Internationale Währungsfonds prognostiziert für dieses Jahr ein Plus von real 2,6 Prozent. Das reale Wirtschaftswachstum wird vom Nicht-Gas- und Ölsektor kommen. Denn Katar hat sich bis Ende 2018 gegenüber der OPEC verpflichtet, die Ölproduktion nicht weiter auszubauen und die Gasförderung läuft bereits am Limit.

MKT201806018001.14

Die direkten wirtschaftlichen und finanziellen Auswirkungen der diplomatischen Krise mit Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Ägypten lassen nach, obwohl eine Besserung der politischen Spannungen nicht in Sicht ist. Katar hat den Abfluss ausländischen Kapitals aus dem Bankensystem mit Liquiditätsspritzen vor allem aus dem Staatsfonds Qatar Investment Authority mehr als ausgeglichen. Gelder aus dem Fonds wurden zudem in öffentliche Budgets gepumpt.

Auch die Unternehmen haben sich mittlerweile auf die Situation eingestellt und ihre Vertriebswege angepasst. Viele deutsche Exporteure, die Katar zuvor von Dubai aus bedient haben, liefern ihre Waren jetzt direkt aus Deutschland. Der Einzelhandel und das Gastgewerbe in Katar leiden jedoch stark unter dem Ausbleiben der saudiarabischen und emiratischen Besucher. Auch Mieten und Immobilienpreise sind gesunken.

Seit Juni 2017 haben die genannten Länder ihre Land-, Luft und Seegrenzen zu Katar geschlossen. Ein direkter Waren- und Personenverkehr ist nicht mehr möglich. Bleibt Katar infolge der Blockade isoliert, könnte dies in den nächsten Jahren das Wirtschaftswachstum behindern.

Wirtschaftliche Eckdaten Katars
Indikator 2016 1) 2017 1) Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 153 168 3.263,4
BIP pro Kopf (US$) 58.247 65.835 39.475
Bevölkerung (Mio.)2) 2,6 2,5 82,7
..Katarer 0,3 0,3 k.A.
..Ausländer 2,3 2,2 k.A.
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = ... QR)3) 3,64 3,64 -

1) Schätzungen zur Jahresmitte; 2) Schätzungen; 3) der Katar-Rial (QR) ist fest an den US-Dollar gekoppelt

Quellen: Ministry of Development Planning and Statistics, Germany Trade & Invest, Statistisches Bundesamt

Investitionen: Pipeline gut gefüllt

Im Fokus stehen weiter Projekte für die WM 2022, insbesondere Transportinfrastruktur wie Metro, Straßenbahn oder Straßen. Die Bauaufträge für zwei Stadien, Ras Abu Aboud und Ninth Precinct, gingen Anfang 2018 an die katarische HBK Contracting. Außerdem plant Katar in den nächsten Jahren Gasprojekte in Milliardenhöhe zu lancieren. Investiert wird auch in eine höhere Selbstversorgung des Landes, vor allem bei Milchprodukten und Geflügel, und die Diversifizierung der Wirtschaft. Katar wirbt verstärkt um private Investoren aus dem Ausland. Alleine in Deutschland hat Katar sich in diesem Jahr schon auf zwei großen Messen präsentiert und plant eine Konferenz in Berlin in der zweiten Jahreshälfte.

Die Stimmung in der Wirtschaft scheint zuversichtlich. Dem Vernehmen nach zieht das Projektgeschäft sektorabhängig wieder etwas an. Einige interessante Projekte mit deutscher Beteiligung sollen in der Pipeline sein.

In den Zahlen zeigt sich die positive Stimmung noch nicht. Der Wert der Projekte, bei denen der Hauptauftrag in den ersten fünf Monaten 2018 vergeben wurde, belief sich der Projektdatenbank Meed Projects zufolge mit knapp 3 Milliarden US-Dollar (US$) nur auf die Hälfte des Werts der vergleichbaren Vorjahresperiode (6 Milliarden US$; Gesamtjahr 2017: 13 Milliarden US$, 2016: 15 Milliarden US$, 2015: 24 Milliarden US$).

Verglichen mit der Zeit vor dem Einbruch der Energiepreise Mitte 2014 hat Katar seine Investitionen deutlich zurückgefahren. Das kleine Emirat verfügt über sehr hohe Finanzreserven und kann Einbußen aus den Exporteinnahmen abfangen. Aber Projekte werden besonders kritisch evaluiert und nicht unbedingt erforderliche Vorhaben werden in der Regel erstmal vertagt.

Ausgewählte Großprojekte in Katar
Projektbezeichnung Budget (Mio. $) Projektstand *) Projektbetreiber
Facility E IWPP 3.000 PQ Qatar General Electricity & Water Corporation (KAHRAMAA)
Hamad International Airport Expansion: Main Terminal Extension 2.500 DE Qatar Airways
Pearl Qatar: Pearl Extension (Island) 1.500 DE United Development Company (UDC)
New Naval Base (Buildings and In-Block Infrastructure) 1.000 A Ministry of Defence
QIRP: Doha Metro : Phase 1A Green Line Extension 1.000 AW Qatar Rail Company (QRAIL)
Cultural Village Project (KATARA) - Phase 4 720 DE Cultural Village Project (KATARA)
Villas in Al Wakrah (2000 nos.) 700 DE Qatar Development Bank
Lusail Development: Lusail Museum 650 DE Lusail Real Estate Development Company (LREDC)
Hamad Port: Phase 2 (NPP / 0086) 500 DE New Port Project Steering Committee (NPP)
LNG Trains (3 Nos) 500 FEED Qatar Petroleum

*) DE = Design, FEED = Front End & Engineering Design, PQ = Präqualifizierung, A = Ausschreibung, AW = Angebotsauswertung. Projekte in Frühstadien (Design/Studie) werden häufig nur in stark modifizierter Form realisiert, teilweise ganz gestrichen.

Quellen: MEED Projects, Recherchen von Germany Trade & Invest

Informationen über öffentliche Ausschreibungen werden auf der "monaqasat" Plattform des katarischen Finanzministeriums veröffentlicht (https://monaqasat.mof.gov.qa unter "Tenders"). Weiterführende Informationen sind teilweise nur auf Arabisch verfügbar.

Konsum: Diplomatische Krise trübt die Stimmung

Der Einzelhandel und das Gastgewerbe sind weiterhin stark betroffen vom Ausbleiben der saudischen und emiratischen Touristen. In den letzten Jahren wurden zahlreiche neue Malls gebaut. Jetzt stehen viele Läden leer und Geschäfte werben mit Ausverkäufen um Kunden. Katar zielt mit erleichterten Visabestimmungen und Kreuzfahrttourismus auf neue Märkte. Bislang können diese den Ausfall aber nicht ausgleichen.

Die Konsumausgaben der Haushalte legen bereits seit dem Einbruch der Ölpreise deutlich langsamer zu. Wegen der schwächeren Konjunktur kommen weniger neue Arbeitskräfte ins Land und einige Unternehmen haben in den letzten beiden Jahren im größeren Umfang Personal entlassen. Zudem werden hochbezahlte Arbeitskräfte durch günstigere ersetzt. Die Bevölkerung könnte in den nächsten Jahren zurückgehen, wenn die WM-Projekte nach und nach fertig gestellt werden und die dort beschäftigten Arbeitskräfte das Land verlassen.

Die diplomatische Krise hat die Stimmung weiter gedrückt. Der Staat fängt zwar den Großteil der Mehrkosten der Blockade ab, aber die Situation hat die Unsicherheit erhöht. Zudem sind die Preise für viele Lebensmittel wegen längerer Importwege gestiegen, seit die Lieferungen aus Saudi Arabien und den VAE ausbleiben. Die Einführung der Mehrwertsteuer (VAT) wurde vom 1. Januar 2018 auf voraussichtlich Ende 2018 verschoben. Die zusätzliche finanzielle Belastung ist mit fünf Prozent zwar relativ gering, könnte aber einen stärkeren negativen psychologischen Effekt auf die Kauflaune haben.

Außenhandel: Neue Lieferländer ersetzen Blockadestaaten

Katars Importe sind 2017 vorläufigen Angaben zufolge um sieben Prozent auf knapp 30 Milliarden US$ gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Seit Beginn der diplomatischen Krise im Juni 2017 ist der Warenverkehr mit wichtigen Lieferländern wie den VAE und Saudi Arabien grundsätzlich ausgesetzt. Mittlerweile hat Katar die Lieferungen durch lokale Produktion (Lebensmittel) und durch Importe aus anderen Ländern ersetzt und die Einfuhren ziehen wieder an. Besonders die Lieferungen aus der Türkei sind sprunghaft gestiegen und der Handel über Flughäfen oder Häfen in Oman und Iran hat zugelegt. Die neuen Lieferbeziehungen könnten sich über die Zeit der Krise hinaus etablieren. Katars Öl- und Gasexporte laufen bislang auch in die Blockadeländer weiter.

Außenhandel Katar (in Mio. US$; Veränderung in %)
2015 2016 Veränderung 2017/2016
Importe (cif) 32.060 29.911 -6,7%
Exporte (cif) 54.959 64.883 18,1%
.Gas, auch verflüssigt 1) 23.718 27.767 17,1%
.Erdöl, roh) 2) 8.852 11.706 32,2%
.sonstige Exporte 22.389 53.177 137,5%
.Re-Exporte 2.350 2.619 11,5%
Handelsbilanzsaldo 22.898 34.972 52,7%

1) SITC 343; 2) SITC 333; 3) vorläufig

Quellen: Qatar Central Bank, Ministry of Development Planning and Statistics

Die wichtigsten Lieferländer 2017 waren laut vorläufigen katarischen Angaben die USA (4,9 Milliarden US$; 2017/2016: +6 Prozent), VR China (3,4 Milliarden US$; +2 Prozent), Deutschland (2,1 Milliarden US$; -30 Prozent), die VAE (1,6 Milliarden US$; -44 Prozent), Japan (1,6 Milliarden US$; -26 Prozent) und Indien (1,6 Milliarden US$; +32 Prozent).

Katar ist nach den VAE und Saudi-Arabien der drittgrößte Exportmarkt für deutsche Produkte unter den Ländern des Golfkooperationsrats. Deutschland meldet für 2017 einen Rückgang der Lieferungen um 14 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Die größte deutsche Lieferposition waren Ruderboote, Kanus, Vergnügungs- und Sportboote (SITC 79319; 493 Millionen Euro), die von einem unbeträchtlichen Wert auf fast ein Viertel der Gesamtlieferungen emporschnellten. Bleibt diese außergewöhnliche Position unberücksichtigt, sind die deutschen Lieferungen sogar um 34 Prozent gesunken. Stark zurück ging der Wert des unter die statistische Geheimhaltung fallenden Handels (SITC 99; 387 Millionen Euro; -55 Prozent). Aber auch bei anderen großen Positionen ging es abwärts, wie bei Straßenfahrzeugen (SITC 78; 305 Millionen Euro; -4 Prozent), Maschinen für verschiedene Zwecke (SITC 74; 149 Millionen Euro; -1 Prozent) und elektrischen Maschinen (121 Millionen Euro, -33 Prozent).

Eine Analyse der Chancen und Risiken, die das Land aufweist, bieten wir Ihnen unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Geschaeftspraxis/swot-analyse,t=swotanalyse--katar-juni-2018,did=1932854.html

Eine Prognose der Entwicklung interessanter Märkte finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=branchencheck--katar-juni-2018,did=1932280.html

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Katar Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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