Wirtschaftsausblick

10.06.2019

Wirtschaftsausblick - Katar (Mai 2019)

Inhalt

Katar bleibt auf einem Wachstumspfad / Von Robert Espey

Dubai/Doha (GTAI) - Die lebhafte Investitionstätigkeit stützt die Konjunktur in Katar. Auch die Gasförderung wird vermutlich ab 2024 kräftige Wachstumsimpulse geben.

Wirtschaftsentwicklung: Wachstum war schwächer als erwartet

Katars Wirtschaftswachstum schwächte sich 2018 ab. Der reale Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ging von 2014 bis 2018 kontinuierlich von 4,0 auf 1,4 Prozent zurück. Analysten erwarten von 2019 bis 2023 ein durchschnittliches reales BIP-Plus von unter 3 Prozent.

Schwankungen der Öl- und Gaspreise verursachen starke Differenzen zwischen der realen und nominalen BIP-Entwicklung. Das nominale BIP legte 2018 um 15 Prozent zu (2017: 10,0 Prozent). Die Öl- und Gaspreise lagen 2018 um etwa ein Drittel unter dem Niveau von 2013.

MKT201906078007.14

Mitte 2017 verhängten Saudi-Arabien, die Vereinigten-Arabischen Emirate, Ägypten und Bahrain gegen Katar einen Wirtschaftsboykott. Er wirkt sich mittlerweile nur noch gering aus. Die Importe wurden reorganisiert. Exporte von Gas und Öl wurden von dem Boykott nicht getroffen. Die Bestrebungen, ein Hub für die Region zu werden, dürften allerdings vorerst keine Chancen mehr haben.

Wirtschaftliche Eckdaten
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Milliarden US$) 167 192 4.002
BIP pro Kopf (US$) 61.264 69.560 48.269
Bevölkerung (Millionen) 1) 2,72 2,76 82,9
.Inländer 0,27 0,28 -
.Ausländer 2,45 2,48 -
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = QR) 2) 3,64 3,64 -

1) jeweils zur Jahresmitte, Angaben über In- und Ausländer sind Schätzungen; 2) der Katar-Rial (QR) ist an den US-Dollar gekoppelt

Quellen: Planning and Statistics Authority, Qatar Central Bank, Statistisches Bundesamt, Germany Trade & Invest

Der Gas- und Ölsektor wird trotz der Bemühungen um eine stärkere Diversifizierung der mit Abstand wichtigste Wirtschaftszweig bleiben. Die Gas- und Ölförderung hatte 2018 einen realen BIP-Anteil von 47 Prozent, zu laufenden Preisen waren es 36 Prozent. Der dominierende Gassektor allein hatte einen realen BIP-Anteil von 34 Prozent, nominal von 26 Prozent. Bis 2023 dürfte die reale BIP-Quote des Gassektors schrumpfen, aber mit der geplanten Erhöhung der LNG-Produktion ab 2024 wieder signifikant steigen.

Der Gas- und Ölsektor hatte seit 2014 real nicht mehr zugelegt, 2018 verbuchte er ein Minus von 2,0 Prozent. Die durch US-Sanktionen gegen Iran und Venezuela verursachten Verringerungen des Ölangebots könnten Katar zu einer leichten Ausweitung seiner Ölproduktion veranlassen. Katar trat Anfang 2019 aus der OPEC (Organization of the Petroleum Exporting Countries) aus.

Die Nicht-Gas/Öl-Wirtschaft zeigt seit Jahren robustes Wachstum (2018 realer Zuwachs von 4,7 Prozent). Die Wertschöpfung in der Bauwirtschaft wuchs sogar um 11,6 Prozent (2017: 17,5 Prozent), der BIP-Anteil der Branche stieg auf 11,9 Prozent. Der verarbeitende Sektor, dessen Wertschöpfung zu etwa zwei Dritteln auf der Downstream-Produktion (Raffinerien und Petrochemie) entfällt, erwirtschaftete ein Plus von 6,2 Prozent, der BIP-Anteil betrug 10,5 Prozent.

Investitionen: Hohes Niveau erreicht, weitere Zuwächse zu erwarten

Die Bruttoanlageinvestitionen legten 2018 nach vorläufigen Angaben nominal um 11,6 Prozent auf 83 Milliarden US$ zu und erreichten einen neuen Spitzenwert. Katar wird sein hohes Investitionsniveau halten bis alle Projekte im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft 2022 abgeschlossen sind. Auch die geplante Expansion der Gas- und Ölförderung sowie der Ausbau der Downstream-Industrien erfordern in den nächsten Jahren erhebliche Investitionen.

Die öffentlichen Investitionen dürften vom positiven Staatshaushalt profitieren. Nach drei Jahren mit roten Zahlen wurde 2018 ein Überschuss von 4,1 Milliarden US$ gemeldet. Der Gas- und Ölsektor machte 2018 über 83 Prozent der Staatseinnahmen aus. Da vorerst kein Einbruch der Gas- und Ölpreise erwartet wird, sollte das Budget auch 2019 ein Plus ausweisen.

Katar: Ausgewählte Großprojekte in der Planung
Projektbezeichnung Investitions-summe (Mio. US$) Projekt-stand *) Projektbetreiber
Airport City 9.000 DE New Doha International Airport
Sharq Crossing (Doha Bay Bridge and Tunnel) 8.000 DE Ministry of Transport & Communications
Ras Laffan Petrochemical Complex 5.000 ST Qatar Petroleum
Facility E Power Plant 3.000 PQ General Electricity & Water Corporation
Doha Metro: Phase 2: Blue Line Tunneling Works 3.000 DE Qatar Rail Company
North Field Gas Expansion: 4 LNG Trains 2.000 A Qatargas
Lusail Plaza Towers 1.800 DE Lusail Real Estate Development Company
Hamad International Airport Expansion: Main Terminal Extension 1.100 PQ Hamad International Airport
Solar PV Plant in Al Kharsaah: Phase 1 (350 MW) 600 A Siraj Solar Energy
Expansion VII (Ammonia and Urea Plant) 500 A Qatar Fertiliser Company

*) DE = Design, ST = Studie, A = Ausschreibung, PQ = Präqualifizierung

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest, MEED Projects, Pressemeldungen

Konsum: Verbraucher optimistisch, aber Konsum wächst langsamer

Die Bevölkerungsentwicklung treibt die Konsumausgaben an. Der kleinere Bevölkerungszuwachs verlangsamt allerdings das Tempo. So stieg die Einwohnerzahl 2014 um 10,6 Prozent auf 2,22 Millionen, der private Konsum wuchs nominal um 12,4 Prozent. Die Bevölkerung wuchs 2018 nur noch um 1,3 Prozent auf 2,76 Millionen, der private Verbrauch erhöhte sich nominal nur noch um 2,8 Prozent.

Die Bevölkerungsentwicklung hängt vor allem von der Migration beziehungsweise dem Arbeitskraftbedarf ab. Nur etwa 10 Prozent der Bevölkerung und lediglich 5 Prozent der Erwerbstätigen sind Einheimische.

Der vom Statistikamt ermittelte Index des Verbrauchervertrauens zeigt eine sehr positive Einschätzung der aktuellen Lage und künftigen Entwicklung. Der Wirtschaftsboykott konnte daran nichts ändern. Die Befragung dürfte sich auf die einheimischen Haushalte konzentrieren, die in der Regel über sehr hohe Einkommen verfügen. Der Optimismus unter der einheimischen Bevölkerung ist auch zusätzliche Stellen für Katarer im sehr gut bezahlenden öffentlichen Sektor zurückzuführen, wo etwa 90 Prozent der Einheimischen beschäftigt sind.

Außenhandel: Überschuss wieder stark gestiegen

Aufgrund höherer Preise für Öl und Gas wuchs der Außenhandelsüberschuss 2018 auf 51,0 Milliarden US$ und hat sich damit gegenüber dem 2016 erreichten Tiefpunkt verdoppelt. Er liegt aber unter den 2014 verbuchten 95,6 Milliarden US$. Katar nahm 2018 mit Gas- und Ölexporten 72,5 Milliarden US$ (2017: 56,8 Milliarden US$) ein.

Katar: Außenhandel (in Millionen US$; Veränderung in Prozent)
2017 2018 *) Veränderung 2017/2018
Importe (fob) 30.766 33.307 8,3
Exporte (fob) 67.498 84.288 24,9
.Gas (SITC 34) 40.276 51.816 28,7
.Erdöl, Erdölerzeugnisse(SITC 33) 16.530 20.693 25,2
.Re-Exporte 2.619 2.718 3,8
Handelsbilanzsaldo 36.733 50.981 -

*) vorläufige Daten

Quellen: Qatar Central Bank, Foreign Trade System

Die Einfuhren legten 2018 um 8 Prozent auf 33,3 Milliarden US$ zu. Der Planning and Statistics Authority zufolge führten die USA mit 6,2 Milliarden US$ (2017: 4,9 Milliarden US$) die Liste an. Es folgten China mit 3,9 Milliarden US$ (3,4 Milliarden US$), Indien 2,0 Milliarden US$ (1,6 Milliarden US$) und Deutschland mit 2,0 Milliarden US$ (2,1 Milliarden US$).

Der Wirtschaftsboykott verschob die Lieferantenstruktur. Die Importe aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten (vor allem Re-Exporte über Dubai), Bahrain und Ägypten summierten sich 2016 noch auf 4,9 Milliarden US$ und sackten 2018 auf 0,1 Milliarden US$ ab. Andere arabische Länder wie Oman legten zu.

Eurostat zufolge stiegen 2018 die Ausfuhren der EU28 Gruppe nach Katar um 3 Prozent auf 10,7 Milliarden Euro. Größter Lieferant mit einem Anstieg von 54 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro war Frankreich, gefolgt vom Vereinigten Königreich (-6 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro), Deutschland (-38 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro), Italien (+17 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro) und den Niederlanden (+3 Prozent auf 0,8 Milliarden Euro). Der Zuwachs der französischen Exporte beruht auf einem Anstieg der Lieferungen von Flugzeugen (Airbus etc.) um 0,9 Milliarden auf 2,3 Milliarden Euro.

Wesentliche Ursachen für den Einbruch der deutschen Exporte 2018 gegenüber dem Vorjahr waren Veränderungen bei den außergewöhnliche Positionen "Yachten und andere Vergnügungs- oder Sportboote" (SITC 793.1; -98 Prozent auf 7 Millionen Euro) sowie "Vertraulicher Handel" (SITC 99; -91 Prozent auf 34 Millionen Euro). Im ersten Quartal 2019 legten die deutschen Lieferungen wieder um 24 Prozent auf 0,4 Milliarden Euro zu.

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/katar

Dieser Artikel ist relevant für:

Katar Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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