Wirtschaftsausblick

16.04.2019

Wirtschaftsausblick - Kenia (April 2019)

Inhalt

Kenianische Gartenbau- und Bergbauprodukte verkaufen sich gut / Von Martin Böll

Nairobi (GTAI) - Ansehnliche Wachstumsraten in Kenia suggerieren Erfolge, sind aber auf Pump gekauft. Derweil bekommt der Staat die steigende Arbeitslosigkeit nicht in den Griff.

Wirtschaftsentwicklung: Schuldenfalle trübt Zukunftsaussichten

Für 2019 erwartet die britische Economist Intelligence Unit (EIU) ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 5,8 Prozent und in den Folgejahren Steigerungsraten von jeweils 5,5 bis 6,5 Prozent. Hintergrund sind eine robuste Verbrauchernachfrage und fortgesetzte Investitionen. Ein Unsicherheitsfaktor bleibt die Landwirtschaft, die nahezu vollständig von guten Niederschlägen abhängig ist.

In der freien kenianischen Presse ist mittlerweile von einer systematischen Plünderung des Staates die Rede: Mindestens ein Drittel der öffentlichen Gelder, so Schätzungen, "verschwinden" regelmäßig. Mittel, die dem Staat für seine Aufgaben fehlen. Hinzu kommen kaum mehr zu bedienende Auslandsschulden, die dem Vernehmen nach auch durch öffentliche Infrastrukturen wie den Hafen von Mombasa gesichert wurden. Ein Wirtschaftswachstum von rund 6 Prozent ist nur aufgrund einer wachsenden Bevölkerung und immer höherer Schulden möglich.

Alleine 2019 wird der Schuldendienst um 64 Prozent auf 3,6 Milliarden US-Dollar (US$) steigen (gegenüber 2016 sind es 278 Prozent). Durch zusätzliche Wirtschaftsleistung lässt sich das nicht bezahlen: Die Industrie schwächelt und kommt gegen Billigimporte schwer an. Auch die Landwirtschaft ist ohne direkte und indirekte Subventionen kaum mehr wettbewerbsfähig. Und mehr als eine Million Menschen verlassen jährlich Schulen und Universitäten - Chancen auf einen formalen Job hat nur jeder Zehnte.

MKT201904158000.14

Wirtschaftliche Eckdaten Kenia
Indikator 2017 2018 *) Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 79,3 89,4 3.702,4
BIP pro Kopf (US$) 1.595 1.753 44.791
Bevölkerung (Mio.) 49,7 51,0 82,8
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = ... Kenia-Schilling (K.Sh.)) 103,2 101,9 -

*) Schätzung

Quellen: EIU; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Wohnungsbau und Infrastrukturprojekte profitieren

Kenias Investitionszuwächse werden für 2018 auf 6,8 Prozent prognostiziert. In den Folgejahren werden es nach Einschätzung der EIU zwischen 6 und 6,8 Prozent sein. Schwerpunkte sind Wohnungsbauvorhaben und Infrastrukturprojekte wie Eisenbahn- und Straßenbau sowie Stromerzeugung. Viele öffentliche Vorhaben leiden unter der Veruntreuung von Mitteln und stagnieren.

Laut UNCTAD-Zahlen aus dem Jahr 2017 lagen die Zuflüsse der ausländischen Direktinvestitionen bei 672 Millionen US$ (zum Vergleich: Äthiopien erhielt 3.586 Millionen US$ und Tansania 1.180 Millionen US$). In der täglichen Praxis haben es Ausländer immer schwerer, ein Arbeitsvisum zu bekommen. Im Klartext: Investitionen sind willkommen, die Investoren aber nicht. Das gleiche gilt für Nichtregierungsorganisationen. Eine staatlich verordnete Deckelung von Kreditzinsen sorgt derweil dafür, dass Banken lieber hochverzinsliche Staatsanleihen kaufen, statt Kredite zu vergeben.

Ausgewählte Großprojekte in Kenia
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mrd. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Lamu Port South Sudan Ethiopia Transport Corridor (LAPSSET) 27,0 Baubeginn bei Einzelprojekten. Langfristiges Vorhaben mit unterschiedlich realistischen Einzelkomponenten (http://www.lapsset.go.ke).
.davon: High Grand Falls Dam, Tana River, ein Stromerzeugungs- und Bewässerungsprojekt 2,0 Streitigkeiten über Ausschreibungsvergabe; antizipierte Bauzeit 6 Jahre. Ausschreibungsgewinner ist das britische GBM Engineering für einen FDBOOT-Vertrag (fund, design, build, own, operate, transfer).
.davon: Beheizte Rohölpipeline (Kenias Öl ist von wachsähnlicher Konsistenz und muss für den Pipeline-Transport erhitzt werden) 2,5 Design-Auftrag vergeben; erhoffte Fertigstellung der Pipeline 2022. Design: britische Wood Group. Technische und politische Herausforderung machen Verzögerungen und Kostenüberschreitungen bei dem Vorhaben höchst wahrscheinlich.
.davon: drei Schiffsliegeplätze und Lamu-Isiolo-Straße 1,9 Erhebliche Verzögerungen. Finanzgeber: Development Bank of South Africa.
Konza Technology City nebst Flughafen 6,3 Erste kleinere Infrastruktur- und Bauarbeiten. Sehr fragwürdiges Industrieentwicklungsvorhaben.
Fortsetzung der Normalspureisenbahn bis zur ugandischen Grenze 5,2 Finanzierungsgespräche mit China über den Abschnitt Naivasha-Kisumu (3,5 Mrd. US$). Chinesische Auftragnehmer; Verzögerungen des Projektes wahrscheinlich.
525 km lange Autobahn Mombasa-Kikuyu/Maai Mahiu (um Nairobi herum) 3,0 Planung. PPP-Projekt der US-amerikanischen Bechtel Corporation.
Wohnungsbauvorhaben Athi River City 2,0 Planung. Promotor: Zuri Group of Companies (ein Unternehmen der Beijing Damei Investment Company).
Mautstraße Nairobi-Nakuru 1,8 Vertragsunterzeichnung. 30-jährige Konzession. Auftragnehmer: Rift Valley Connect (Partner: Vinci Highways SAS, Meridiam Infrastructure Africa Fund, Vinci Concessions SAS).
Commuter Rail Service zwischen Stadtzentrum und Flughafen Nairobi k.A. Absichtserklärung. Ausschreibung der Regierungen von Kenia und Frankreich.

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/kenia, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Steigende Nachfrage nach gehobenen Verbrauchsgütern

Der private Verbrauch dürfte 2019 um 5,5 Prozent zulegen. Für die kommenden Jahre erwartet EIU Zuwächse in einer Bandbreite von 5 bis 5,8 Prozent. Das reale Wachstum des staatlichen Verbrauchs wird vermutlich bei 6,8 Prozent liegen. Die Inflation wird für 2019 auf 6,2 Prozent geschätzt - für die Folgejahre geht EIU von einem Inflationsniveau von 6,4 bis 6,9 Prozent aus.

Vom kenianischen Wirtschaftswachstum profitiert nahezu ausschließlich eine vergleichsweise kleine Mittel- und Oberschicht, bei der westliche Markenprodukte gute Absatzchancen haben. Dank zahlreicher und anspruchsvoll gestalteter Einkaufszentren nach südafrikanischem Vorbild sollten auch deutsche Hersteller eine attraktive Infrastruktur für den Absatz ihrer Waren vorfinden.

Außenhandel: Steigende Exporte von Gartenbau- und Bergbauprodukten

Die kenianischen Exporte von Tee und Gartenbauprodukten sowie von Bodenschätzen entwickeln sich gut. Die größten Deviseneinnahmen verdankt Kenia derweil seinen Landsleuten im Ausland, die 2018 mehr als 2,7 Milliarden US$ nach Hause schickten. Wurde die Einfuhrseite traditionell von Kapitalgütern und Ölprodukten dominiert, so kommen mittlerweile in immer größerem Ausmaß Konsumgüter hinzu, vornehmlich chinesische. Schon seit Längerem gilt: Ein Importgeschäft ist lukrativer als eine Produktion vor Ort. Selbst Zuchtfische wie Tilapia werden mittlerweile im großen Stil aus China importiert und machen den Fischern am Viktoriasee das Geschäft kaputt.

Deutschland spielt mit einem Lieferanteil von nur 2,6 Prozent eine bescheidene Rolle. Nach den noch vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes lieferte Deutschland 2018 für 370 Millionen Euro Waren nach Kenia, 21 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die deutschen Importe summierten sich auf 134 Millionen Euro, ein Minus von 15 Prozent.

Außenhandel Kenias (in Mio. US$; Veränderung in %)
2017 2018 *) Veränderung 2018/2017
Importe, fob 15.994 16.524 3,3
Exporte, fob 5.792 6.313 9,0
Handelsbilanzsaldo -10.202 -10.211 -

*) Schätzung

Quelle: EIU

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/kenia.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kenia Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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