Wirtschaftsausblick

06.06.2019

Wirtschaftsausblick - Kolumbien (Mai 2019)

Inhalt

Wirtschaft entwickelt sich wieder besser / Von Edwin Schuh

Bogotá (GTAI) - Kolumbiens Wirtschaft soll in den kommenden Jahren wieder über 3 Prozent wachsen. Vor allem der Konsum und die Importe legen zu, aber auch die Investitionen in Infrastruktur.

Wirtschaftsentwicklung: BIP soll mittelfristig stärker zulegen

Kolumbiens Wirtschaft expandierte 2018 mit 2,6 Prozent wieder stärker als im Vorjahr, als der Anstieg nur bei 1,4 Prozent gelegen hatte. Vor allem ein kräftiger Konsum -sowohl öffentlich als auch privat - soll auch weiterhin das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ankurbeln. Für 2019 prognostizieren Wirtschaftsexperten insgesamt einen Anstieg des BIP von 3,2 Prozent. In den darauffolgenden Jahren soll sich das Wachstum stetig erhöhen und 2023 rund 4 Prozent erreichen.

Daneben erwartet das lokale Wirtschaftsforschungsinstitut Fedesarrollo bis 2023 einen jährlichen Anstieg der Importe von durchschnittlich 6,5 Prozent. Kolumbien könnte dadurch als Exportmarkt für deutsche Unternehmen weiter an Bedeutung gewinnen.

MKT201906058005.14

Von den zwölf produzierenden Wirtschaftssektoren verzeichneten 2018 elf Branchen ein Wachstum, so das Statistikamt DANE (Departamento Administrativo Nacional de Estadística). Einzig die Aktivität im Rohstoffsektor ging leicht zurück (-0,2 Prozent), verursacht durch eine geringere Förderung von Kohle und Ferronickel. Die Erdölproduktion blieb konstant und profitierte von einem höheren Weltmarktpreis, sie soll aber in den kommenden Jahren von nur noch knappen Ölreserven gebremst werden. Der Rohstoffsektor wird daher laut Fedesarrollo bis 2023 im Schnitt nur um 1,2 Prozent jährlich expandieren.

Das verarbeitende Gewerbe überwand eine Schwächephase und legte 2018 mit 1,8 Prozent stärker zu als erwartet. Vor allem die Produktion von Lebensmitteln und Getränken war wegen der konsumfreudigen Bevölkerung dynamisch. Dank Steuererleichterungen der Regierung können die Unternehmen mittelfristig mehr investieren und dadurch an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen. Das verarbeitende Gewerbe soll daher zwischen 2019 und 2023 durchschnittlich um 2,6 Prozent wachsen.

Wirtschaftliche Eckdaten Kolumbien
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. US$) 312 330 4.001,5
BIP pro Kopf (US$) 1) 6.857 7.253 48.269
Bevölkerung (Mio.) k.A. 45,5 2) 82,9
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = kolumbianische Peso kol$) 2.951 2.957 -

1) Schätzung; 2) Ergebnis der Volkszählung von 2018

Quellen: DANE; Banco de la República; Statistisches Bundesamt

Die stärkste Entwicklung dürfte mittelfristig die Bauwirtschaft erleben. Hier liegt die Prognose für die nächsten fünf Jahre bei einem Plus von 4,6 Prozent jährlich, angetrieben von dem Megaprojekt "Autobahnen Vierte Generation" sowie dem Baubeginn der Metrolinie 1 in Bogotá.

Investitionen: Unternehmen profitieren von Steuersenkungen

Die Investitionen verzeichneten 2018 nach drei rückläufigen Jahren wieder ein Wachstum (+3,5 Prozent). Auch in den kommenden Jahren soll sich dieser Trend fortsetzen, angetrieben von einem kräftigen Anstieg der Investitionen im Hochbau und in der Infrastruktur. Zudem wird die Unternehmenssteuer dank der Steuerreform "Ley de Financiamiento" schrittweise von 33 Prozent auf 30 Prozent gesenkt, was die Unternehmen zu höheren Investitionen anregen dürfte.

Der Nationale Entwicklungsplan der Regierung rechnet für den Zeitraum 2019 bis 2022 insgesamt mit Investitionen von 358 Milliarden US-Dollar (US$), von denen zwei Drittel vom Staat und ein Drittel von privater Hand finanziert werden sollen. Davon sollen 70,7 Milliarden US$ in den Bereich Bildung fließen, 51,1 Milliarden US$ in die Gesundheit, 40 Milliarden US$ in Energie und Bergbau, 28 Milliarden US$ in den Transportsektor, 21,5 Milliarden US$ in den Wohnungsbau und 21,2 Milliarden US$ in den Kreativsektor ("orange economy").

Ausgewählte Großprojekte in Kolumbien
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Vierte Generation von Autobahnkonzessionen 4G 13.400 Alle Strecken als PPP vergeben und größtenteils im Bau; Finanzierung noch nicht abgeschlossen 29 Strecken mit einer Gesamtlänge von 7.000 km; Infrastrukturagentur ANI, http://www.ani.gov.co
Metrolinie 1 Bogotá 4.300 Sechs Konsortien in der Vorauswahl u.a. Siemens; Ausschreibung im Herbst 2019 24 km mit 16 Stationen; hauptsächlich oberirdisch; Metro de Bogotá S.A., http://www.metrodebogota.gov.co
Modernisierung Raffinerie Barrancabermeja 4.000 Modernisierung schon länger geplant, Präsident Iván Duque forciert Projekt Qualität der hergestellten Treibstoffe soll verbessert werden; Ecopetrol, http://www.ecopetrol.com.co
Kläranlage Canoas (Bogotá) 1.510 Finanzierung geklärt; Vergabe im 1. Halbjahr 2020; Inbetriebnahme 2025 Soll 70% des Abwassers der Hauptstadt reinigen; Versorgungsbetriebe Bogotá, http://www.acueducto.com.co
Drei neue Strecken des BRT-Systems Transmilenio (Bogotá) Rund 1.500 Sollen 2019 vergeben werden und 2022 in Betrieb gehen Strecken: Carrera Séptima, Ciudad de Cali, Avenida 68; Transmilenio S.A., http://www.transmilenio.gov.co
Goldmine Gramalote (Bundesstaat Antioquia) 1.200 Wirtschaftlichkeitsstudien Unternehmen AngloGold Ashanti (Südafrika, 51%) und B2Gold (Kanada, 49%)
Goldmine Soto Norte (Bundesstaat Santander) 1.200 Umweltlizenz wurde Anfang 2019 beantragt Minesa, http://www.minesa.com (Eigentümer Mubadala Investment Company, Dubai)
Reaktivierung des Zugnetzes von Antioquia (Strecke Botero - Puerto Berrío) 910 Finanzierung soll 2019 geklärt werden 81 km; 2 weitere Strecken geplant; Promotora Ferrocarril de Antioquia, http://www.ferrocarrilantioquia.com
Hafen Antioquia (Golf von Urabá an der Karibikküste) 700 Finanzierung wird geklärt (evtl. Kfw); Baubeginn Ende 2019 und Inbetriebnahme 2022 geplant Kapazität 10.000 TEU; Sociedad Portuaria Puerto Antioquia, http://www.puertoantioquia.com.co

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Die nationale Ausschreibungsdatenbank der kolumbianischen Regierung findet sich unter https://www.colombiacompra.gov.co/.

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/kolumbien, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Wird beeinflusst von der Zuwanderung aus Venezuela

Der Konsum sowohl der privaten Haushalte als auch der Regierung entwickelte sich 2018 kräftig (+3,6 Prozent beziehungsweise +5,6 Prozent). Dabei kurbelte der niedrige Leitzins, der seit über einem Jahr bei 4,25 Prozent liegt, vor allem den Konsum langlebiger Güter an. So stiegen 2018 die Konsumausgaben für Möbel (+4,6 Prozent) und Kleidung (+3,4 Prozent) deutlich. Die Ausgaben für Gesundheit wuchsen ebenfalls kräftig (+4,2 Prozent), die für Bildung jedoch nur geringfügig (+1,4 Prozent).

Auch die Immigration venezolanischer Flüchtlinge wirkt sich auf den Konsum aus. Mit Stand Februar 2019 kamen laut der UN-Flüchtlingskommission UNHCR bereits 1,1 Millionen Venezolaner nach Kolumbien. Allerdings hat die Arbeitslosenrate - wohl auch wegen der venezolanischen Zuwanderung - im März 2019 10,8 Prozent erreicht. Ein Jahr zuvor hatte sie noch bei 9,4 Prozent gelegen. Dennoch erwartet Fedesarrollo für die kommenden Jahre ein Konsumwachstum von vier bis fünf Prozent jährlich.

Außenhandel: Gute Aussichten für die Importe

Kolumbiens Importe lagen 2018 mit 51,2 Milliarden US$ deutlich über dem Niveau der beiden Vorjahre, waren jedoch noch weit von ihrem historischen Rekord aus dem Jahr 2014 (64 Milliarden US$) entfernt. Dieser Rekord könnte jedoch bald geknackt werden, da mittelfristig hohe Zuwachsraten prognostiziert werden. So stiegen die Einfuhren zwischen Januar und Februar 2019 bereits um 9,4 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr wird ein Plus von mindestens 6,0 Prozent erwartet.

Die Lieferungen aus Deutschland entwickelten sich 2018 überdurchschnittlich gut (+16 Prozent auf 2,2 Milliarden US$), ebenso in den ersten zwei Monaten des Jahres 2019 (+33,6 Prozent). Dabei waren 2018 pharmazeutische Erzeugnisse (428,2 Millionen US$), Maschinen und Anlagen (358,1 Millionen US$), Flugzeuge (280 Millionen US$) sowie Kfz (180,7 Millionen US$) die gefragtesten deutschen Güter. Deutschland belegt bereits seit einigen Jahren den fünften Platz der wichtigsten Lieferländer, hinter den USA, China, Mexiko und Brasilien.

Außenhandel Kolumbien (in Mio. US$; Veränderung in Prozent)
2017 2018 Veränderung 2018/2017
Importe 46.071 51.231 11,2
Exporte 37.881 41.831 10,4
Handelsbilanzsaldo -8.190 -9.400 -14,8

Quelle: DANE

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/kolumbien

Dieser Artikel ist relevant für:

Kolumbien Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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