Wirtschaftsausblick

11.02.2019

Wirtschaftsausblick - Kongo (Dem.) (Februar 2019)

Inhalt

Hoher Kupferpreis sorgt für vorsichtigen Optimismus / Von Carsten Ehlers

Kinshasa (GTAI) - Nach Jahren der Krise blickt die Wirtschaft im Kongo wieder zuversichtlicher in die Zukunft. Noch unklar sind die politischen Aussichten unter dem neuen Präsidenten Tshisekedi.

Wirtschaftsentwicklung: Politische Unsicherheit wiegt schwer

Auch nachdem im Januar 2019 Außenseiterkandidat Félix Tshisekedi zum Präsidenten der Demokratischen Republik Kongo ernannt wurde, herrscht große Ungewissheit über die politische und damit auch wirtschaftliche Zukunft des Landes. Tshisekedis Wahlsieg kam unter umstrittenen Umständen zustande, sodass von anhaltender politischer Instabilität ausgegangen werden muss. Angesichts dieser Unsicherheit sind auch wirtschaftliche Prognosen schwierig, denn private Investoren sowie Geber werden ihr Engagement von der politischen Entwicklung abhängig machen.

Externe Einflussfaktoren auf die kongolesische Wirtschaft, wie die Weltmarktpreise für Kupfer und Kobalt, haben sich zuletzt verbessert und wirken entsprechend positiv auf die wirtschaftliche Perspektive. Economist Intelligence Unit (EIU) prognostiziert für die Jahre 2019 und 2020 immerhin wieder ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von über 4 Prozent.

Das ist zu wenig, um die Lebensverhältnisse im Kongo spürbar zu verbessern. Alleine das Bevölkerungswachstum liegt bei mehr als 2 Prozent. Gleichwohl ist damit die wirtschaftliche Talsohle der Jahre 2016 und 2017 durchschritten. Seinerzeit brachen der Preis für Kupfer und Kobalt ein und damit auch die Deviseneinnahmen des zentralafrikanischen Landes.

Aufgrund des Anstiegs der Rohstoffpreise wird die anglofon geprägte Bergbauregion Katanga mit ihren Städten Lubumbashi und Kolwezi wieder zum wirtschaftlichen Motor des riesigen Landes. Die derzeit dort stattfindenden Bergbauinvestitionen dürften weitere Aktivitäten in den Bereichen Infrastruktur und Konsum nach sich ziehen. Ebenfalls leicht aufgehellt hat sich das Geschäftsklima in der circa 1.600 Kilometer nordwestlich gelegenen frankofonen Hauptstadt Kinshasa sowie in der im Ostkongo gelegenen Kivu-Region.

MKT201902088004.14

Wirtschaftliche Eckdaten Kongo (Dem.)
Indikator 2017 2018 *) Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 37,6 41,2 3.702,4
BIP pro Kopf (US$) 478,2 *) 477,8 44.791
Bevölkerung (Mio.) 81,3 84,0 82,8
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = x Kongo-Franc) 1.654 2.194 -

*) Schätzungen

Quellen: EIU; Internationaler Währungsfonds; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Kinshasas Konsumgüterindustrie kauft regelmäßig Maschinen

Im Kupfer- und Kobaltbergbau nehmen die Investitionen seit dem Jahr 2018 wieder deutlich zu. Dies zieht Infrastrukturvorhaben und Dienstleistungen nach sich und sorgt damit vorerst für ein positives Investitionsklima in Katanga. Ebenfalls verbessert hat sich das Investitionsumfeld in Kinshasa. Dort ansässige Produzenten von Konsumgütern bauen ihre Fertigung aus und kaufen dabei auch Maschinen aus Deutschland. Hingegen fließt von Seiten des Staates kaum Geld in neue Projekte.

Noch unklar ist, wie sich wichtige Geberstaaten zur neuen Regierung unter Tshisekedi positionieren. Die Geber werden voraussichtlich die politische Entwicklung abwarten. Ihre Zuschüsse spielen traditionell eine wichtige Rolle bei der Finanzierung staatlicher Infrastrukturvorhaben. Bereits seit dem Jahr 2017 haben die Geber ihre Aktivitäten reduziert. Nur China engagiert sich noch in größerem Umfang.

Ausgewählte Großprojekte Kongo (Dem.)
Projektbezeichnung Investitionssumme (in Mrd. US$) Projektstand Anmerkung
Inga 3-Basse Chute-Wasserkraftwerk (Public Private Partnership, PPP) 14 Geplant, verzögert sich immer wieder. Baubeginn jetzt 2021 vorgesehen. Bei dem auf 11.000 Megawatt (MW) angelegten Wasserkraftwerk wollen die spanische ACS und die chinesische Three Gorges kooperieren.
Brücke über den Kongo-Fluss von Kinshasa nach Brazzaville circa 0,5 Geplant. Übereinkunft zwischen Republik Kongo und Kongo (Dem.) wurde im November 2018 unterzeichnet. Finanzierung soll von der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB) kommen. Mautbrücke soll für Kfz, Bahn und Fußgänger nutzbar sein.
Port of Banana 1,2 (über vier Bauphasen) Geplant. Dubai Ports World hat die Konzession für Bau und Betrieb des Tiefseehafens erhalten. Geplante Kapazität: 350.000 Twenty Foot Equivalent Unit (TEU) und 1,5 Mio. jato für Massengut.
Kamoa-Kupfervorkommen 2,5 Geplant. Konzessionär ist Ivanhoe Mining, angestrebte Kapazität: 300.000 jato.
Wasserkraftwerk Rusisi 3 rund 0,4 Geplant. Das Kraftwerk soll 145 MW erhalten und auch Burundi und Ruanda mit Strom versorgen. Finanzierung unter anderem durch die EU.
Wasserkraftwerk Zongo 2 rund 0,4 Im Bau. Das Kraftwerk soll 150 MW erhalten und wird von Sinohydro gebaut. Finanziert durch China EximBank.

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/demokratische-republik-kongo, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Verbessertes Konsumklima in Katanga

Das Konsumklima hat sich insbesondere in Katanga aber auch in Kinshasa und der Kivu-Region seit 2018 aufgehellt. Dies liegt unter anderem daran, dass sich der Wert der Währung Kongo-Franc stabilisiert hat. Da fast sämtliche Konsumgüter importiert werden müssen, spielt dies eine wichtige Rolle. In Katanga werden gerade hochwertige Konsumgüter stark nachgefragt durch die zahlreich zurückkommenden ausländischen Arbeitskräfte. Lieferanten von Nahrungsmitteln dürfen bei anhaltender Stabilität der Währung auch weiterhin mit guten Geschäftsmöglichkeiten rechnen.

In Kinshasa wird ein kleiner Teil der Verbrauchsgüter hergestellt. Die dort ansässige Leichtindustrie rechnet in den kommenden Jahren mit zunehmender Nachfrage und baut daher ihre Kapazitäten aus. Produziert werden Nahrungsmittel, Getränke und Kosmetika. Deutsche Unternehmen verfügen in diesen Bereichen über sehr gute Zulieferchancen von Chemikalien und Maschinen.

Außenhandel: Deutsche Ausfuhren dürften 2018 gestiegen sein

Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes erreichten die deutschen Exporte in den Kongo von Januar bis November 2018 einen Umfang von 84,3 Millionen Euro. Dies ist immerhin eine Zunahme im Vergleich zum Vorjahr um rund 24 Prozent. In guten Jahren kann der Kongo ein innerhalb Subsahara-Afrikas relevanter Importmarkt sein. So betrug das Einfuhrvolumen aus Deutschland im sehr positiv laufenden Jahr 2015 etwa 147,9 Millionen Euro. Damit zählte das zentralafrikanische Land zu den größeren Absatzmärkten.

Der Export in den Kongo ist ein schwieriges Unterfangen. Über den kongolesischen Atlantikhafen Matadi kann nur Kinshasa und sein Umland beliefert werden. Hingegen wird Katanga meist von Durban in Südafrika aus versorgt und der Ostkongo von Daressalam (Tansania) oder Mombasa (Kenia).

Außenhandel Kongo (Dem.) (in Mio. US$; Veränderung in %)
2017 2018 *) Veränderung 2018/17
Importe 12.870 13.771 7,0
Exporte 13.280 14.874 12,0
Handelsbilanzsaldo 410 1.103 -

*) Schätzung

Quelle: EIU

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/demokratische-republik-kongo

Dieser Artikel ist relevant für:

Kongo, Demokratische Republik Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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