Wirtschaftsausblick

06.06.2019

Wirtschaftsausblick - Kroatien (Mai 2019)

Inhalt

Wirtschaftswachstum setzt sich weiter fort / Von Waldemar Lichter

Zagreb (GTAI) - Kroatiens Wirtschaft setzt ihr moderates Wachstum fort. Angetrieben wird es vor allem durch den privaten Verbrauch und die Investitionen. Die Importe steigen.

Binnennachfrage treibt das Wirtschaftswachstum an

Kroatiens Wirtschaft wird ihren Aufwärtstrend in den nächsten Jahren fortsetzen. Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) legt 2019 zum sechsten Mal in Folge zu. Das Wachstum hat sich auf leicht über 2,5 Prozent pro Jahr stabilisiert. Nach Prognosen der Kommission der Europäischen Union (EU) wird das BIP sowohl 2019 als auch 2020 deutlich höher ausfallen als in der EU-27, in der es nur um 1,4 beziehungsweise 1,7 Prozent steigt.

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Vor allem der private Verbrauch sorgt für Impulse. Dazu tragen steigende Löhne und Beschäftigung, sinkende Arbeitslosigkeit und höhere Haushaltseinkommen bei. Die Investitionen nehmen zu. Das ist vor allem EU-Fördergeldern, mit denen die Vorhaben finanziert werden, zu verdanken. Das Investitionsvolumen lag aber 2018 immer noch ein Viertel unter dem Niveau des Vorkrisenjahres 2008.

Risiken für die Konjunkturentwicklung und für die Güterexporte gehen von einer möglichen Wachstumsabschwächung oder sogar Rezession bei wichtigen Handels- und Wirtschaftspartnern wie etwa Italien aus. Ein positiver Beitrag wird vom Fremdenverkehr (Dienstleistungsexporte) erwartet. Allerdings könnte der derzeitige Boom des Sektors durch die Erholung des Tourismus in den wichtigsten Wettbewerberländern wie etwa in der Türkei ausgebremst werden. Unwägbarkeiten für die Binnenkonjunktur und für den Staatshaushalt birgt die Krise der Werften.

Wirtschaftliche Eckdaten Kroatiens
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. Euro) 49,0 51,5 3.388,2
BIP pro Kopf (Euro) 11.900 - 40.871
Bevölkerung (Mio.) 4,1 - 82,9
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = ... Kuna) 7,46 7,42 -

Quellen: Eurostat; Europäische Zentralbank; Statistisches Bundesamt

Investitionen: EU-Fördermittel von großer Bedeutung

Die Investitionen werden 2019 und 2020 spürbar zulegen. Das dürfte auf die erwartete Nutzung von Geldern aus den EU-Kohäsions- und Strukturfonds zurückzuführen sein. Ein großer Teil der Mittel wird für Infrastrukturvorhaben, etwa im Transportsektor (vor allem Bahn) sowie in der Abfall-, Wasser- und Abwasserwirtschaft verwendet. Die Möglichkeiten des Staates zur Finanzierung öffentlicher Investitionsprojekte werden durch die Probleme in einigen bedeutenden Industriezweigen (so etwa im Schiffbau) eingeschränkt. Der Staatshaushalt wird beispielsweise durch die Insolvenz der großen kroatischen Werft Uljanik in Pula und die Aktivierung staatlicher Garantien belastet. Sie kosten den Steuerzahler nach Angaben von Finanzminister Zdravko Maric umgerechnet rund 605 Millionen Euro..

Ausgewählte Großprojekte in Kroatien
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Peljesac-Brücke: Wegfall des Transits durch Bosnien und Herzegowina 526 (inkl. Mehrwertsteuer); Fördergelder der EU von 357 Mio. Euro gewährt Ausschreibungsgewinner: Konsortium unter Führung von China Road and Bridge Corporation (CRBC), Fertigstellung 2022 geplant Hrvatske ceste d.o.o.; http://www.hrvatske-ceste.hr
Modernisierung und Ausbau der Eisenbahninfrastruktur 2.300 im Zeitraum 2016 bis 2020; Rijeka - Karlovac: geschätzte Gesamtkosten: 1.700 Zahlreiche Vorhaben in der Planungsphase; neue schnelle Bahnstrecke Rijeka - Karlovac mit Weiterführung Richtung Ungarn geplant (nizinska pruga) HZ-Infrastruktura; http://www.hzinfra.hr; Finanzierung aus EU-Kohäsionsfonds und Connecting Europe Facility (CEF); nizinska pruga: Interesse aus der VR China
Schwimmendes LNG-Terminal Omisalj/Insel Krk 250, davon 100 von der EU; in späterer Phase Bau eines Festlandterminals im Gespräch - geschätzte Kosten von mindestens 500 Vorhaben von der Regierung als strategisches Projekt und von der EU-Kommission als Project of Common Interest definiert; Spezialgesetz zu Beschleunigung des Projektes verabschiedet; Beteiligung Ungarns am Projekt im Gespräch LNG Hrvatska d.o.o.; http://www.lng.hr; CEF-Kofinanzierung

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Amtsblatt für öffentliche Ausschreibungen: https://eojn.nn.hr/Oglasnik/

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/Kroatien,"Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Privater Verbrauch bleibt treibende Kraft

Die Konjunktur wird in den nächsten Jahren vom weiteren Anstieg des privaten Verbrauchs profitieren. Dazu tragen steigende Löhne, die günstige Entwicklung der Beschäftigung und hohe Überweisungen von Auslandskroaten an ihre Familien in der Heimat bei. Die Konsumneigung ist nach Einschätzung von Experten deutlich höher geworden. Hielten sich die Verbraucher mit ihren Ausgaben unter dem Eindruck der jüngsten Wirtschaftskrise bisher stark zurück, so scheint die Stimmung jetzt zu drehen. Die Bereitschaft, den Konsum bei Bedarf auch mit Krediten zu finanzieren, ist gestiegen.

Die Bruttolöhne stiegen 2018 (2017) im Vergleich zum Vorjahr im Durchschnitt nominal um 4,9 (5,3) und real um 3,3 (4,2) Prozent. Im 1. Quartal 2019 belief sich der Anstieg auf 3,9 beziehungsweise 3,4 Prozent. Die Arbeitslosigkeit bleibt auch im EU-Vergleich immer noch recht hoch. Die Arbeitslosenquote betrug im März 2019 Angaben von Eurostat zufolge 7,4 Prozent, in der EU waren es 6,4 Prozent. Höher war die Arbeitslosigkeit in der EU nur in Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland.

Außenhandel: Starke Binnennachfrage treibt das Importwachstum an

Der kroatische Außenhandelsumsatz stieg 2018 auf ein neues Rekordniveau, das 2019 überboten werden dürfte. Die Importe nehmen wegen der wachsenden Binnennachfrage stärker zu als die Exporte, das Defizit in der Handelsbilanz steigt. Einen positiven Beitrag in der Zahlungsbilanz liefern die Dienstleistungen. Insbesondere die Einnahmen im Tourismussektor sorgen für einen Ausgleich.

Auf der Ausfuhrseite stiegen 2018 vor allem Nahrungsmittel (6; Anteil an Exporten: 7,9), Koks und Mineralölprodukte (19; 8,4) sowie Chemieerzeugnisse (9; 5,2 Prozent). Einen starken Einbruch erlitten die Exporte von Pharmaprodukten (-19; 6,4 Prozent). Auf der anderen Seite stiegen 2018 am stärksten die Einfuhren von Chemieerzeugnissen (13,3), elektrotechnischen Ausrüstungen (18,5) und Straßenfahrzeugen (17,9 Prozent). Wichtigste Handelspartner des Landes sind traditionell Deutschland, Italien und Slowenien.

Außenhandel Kroatiens (in Mio. Euro; Warenimporte und -exporte, Veränderung in Prozent)
2017 2018 Veränderung 2018/2017
Importe 22,0 23,8 8,2
Exporte 14,2 14,7 3,5
Handelsbilanzsaldo -7,8 -9,1 -

Quelle: Eurostat

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Kroatien

Dieser Artikel ist relevant für:

Kroatien Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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