Wirtschaftsausblick

19.12.2018

Wirtschaftsausblick - Kuba (November 2018)

Inhalt

Zahlungsengpässe belasten das Geschäftsklima / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Deutsche Unternehmen brauchen in Kuba weiterhin Geduld. Nicht nur die Bürokratie behindert das Engagement vor Ort, auch die leeren kubanischen Kassen machen das Geschäft schwierig.

Wirtschaftsentwicklung: Zahlungskrise verschärft sich

Die wirtschaftlichen Aussichten Kubas sind weiter durchwachsen. Zwar gelingt es dem Land, neue Investitionsprojekte anzuziehen, aber diese können den Einnahmerückgang in anderen Bereichen nicht auffangen. Besonders das schleppende Tourismusgeschäft drückt auf die Konjunktur. Aufgrund von im November 2017 verhängten Restriktionen der US-Regierung und entsprechend weniger US-Touristen nehmen die Besucherzahlen 2018 voraussichtlich nur leicht zu. In den ersten drei Quartalen des Jahres war gar ein Minus von 3 Prozent zu verzeichnen.

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Hinzu kommen niedrige Weltmarktpreise für kubanische Exportgüter wie Nickel und Zucker, eine überaus schlechte Zuckerernte und schwindende Unterstützung aus Venezuela. Auch Brasilien hat unter seiner neuen Regierung angekündigt, das Ärzteprogramm Mais Médicos zu überprüfen, das Kuba jährlich 400 Millionen US-Dollar (US$) einbringt. Entsprechend schlecht ist es um die kubanischen Staatsfinanzen bestellt. Die Währungsreserven, die 2018 laut Schätzungen noch bei knapp 11 Milliarden US$ liegen, werden bis 2020 auf voraussichtlich unter 10 Milliarden US$ fallen.

Die Zahlungsverzögerungen scheinen so akut zu sein, dass sich der kubanische Minister für Außenhandel Rodrigo Malmierca auf der diesjährigen Universalmesse Fihav gezwungen sah, für die Rückstände um Entschuldigung zu bitten und Geduld bei den Gläubigern einzufordern. Deutsche Unternehmen bekommen die Engpässe zu spüren. Kubanische Staatsfirmen fragen mittlerweile vielfach Zahlungsziele von bis zu 720 Tagen an. Bestehende Verpflichtungen werden in vielen Fällen nicht rechtzeitig bedient. Das führte dazu, dass die Hermes-Deckung 2018 nicht wie angedacht verdoppelt, sondern auf ihrem bisherigen Stand belassen wurde (kurzfristig: 25 Millionen Euro; mittel- bis langfristig: 50 Millionen Euro).

Wirtschaftliche Eckdaten Kubas
Indikator 2018 2019 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. US$) 104,9 110,9 3.702,4
BIP pro Kopf (US$, in Kaufkraftparität) 13.298 13.661 44.791
Bevölkerung (Mio.) 11,4 11,4 82,8
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = CUC) 1,000 1,000 -

Quellen: EIU; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Weiter auf kleiner Flamme

Nach vergleichsweise hohen Ausgaben 2018, die zum Teil auf die Folgen des Hurrikans Irma im Vorjahr zurückzuführen sind, wird die Investitionstätigkeit ab 2019 wieder nachlassen. Das heißt, dass der Staat nur die nötigsten Ausgaben tätigen wird, um Infrastrukturleistungen wie Elektrizität, Wasser und Straßennetz bereitzustellen. Neue Projekte sind von öffentlicher Seite jedoch nicht zu erwarten.

Etwas freundlicher sieht es hinsichtlich privater Kapitalaufwendungen aus. In der Sonderwirtschaftszone Mariel sind 2018 laut Regierungsangaben zehn Projekte hinzugekommen. Zu den Firmen gehören TGT Caribe, Resa Caribe und CTB Group aus Spanien, die vietnamesischen Unternehmen Tuchel TBV und Viglacera sowie mit Innovative Immunotherapy Alliance erstmals ein Joint Venture unter US-Beteiligung. Ein weiterer Schwerpunkt der Investitionstätigkeit liegt auf dem Tourismussektor und der Energiewirtschaft. Derzeit sind zahlreiche neue Hotels und Ressorts im Bau, unter anderem mit deutscher Beteiligung.

Ausgewählte Großprojekte in Kuba
Vorhaben Investitionssumme (in Mio. Euro) Projektstand Anmerkungen
Ressort Punta Colorada Golf & Marina 1.000 Abschluss erste Phase bis 2025 Joint Venture Punta Colorado des katalanischen Geschäftsmanns Jaume Roma Rodríguez und der kubanischen Staatsfirma Cuba Golf
Fünf Golfprojekte k.A. Im Aufbau bzw. in Vorbereitung Jeweils Joint Venture von Cuba Golf mit Beijing Entreprises Holdings, Yantai Golden Mountain, Esencia Hotels and Resorts, Globalia und deutsche CON-IMPEX
Dieselkraftwerke von MTU Friedrichshafen k.A. Im Aufbau bzw. in Vorbereitung Anlagen in Cabaiguán (33,6 MW), Cienfuegos (84 MW) und Matanzas (67,2 MW)
Hotel- und Gastroprojekte in Varadero k.A. Fertigstellung 2019 bzw. 2020 3.000 Zimmer; Hotel Internacional, Hotel Oasis, Centro Extrahotelero, Factoría Varadero und Mansión Xanadú
Hotelprojekte in Matanzas k.A. Fertigstellung 2019 bzw. 2020 Expansionsprogramm anlässlich der 325-Jahr-Feier; Hotels Louvre, Encanto, Río, San Juan, Diana und Yara

Quelle: Recherche von Germany Trade & Invest

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/kuba, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Neue Lizenzen für Selbstständige

Mitte 2018 gab die Regierung bekannt, das Moratorium für neue Lizenzen an Selbstständige aufzuheben. Allerdings geht die Wiederaufnahme mit einer stärkeren Regulierung einher. Demnach können Selbstständige ab Dezember nur noch eine Lizenz für eine bestimmte Tätigkeit halten. Außerdem kann nur eine Lizenz pro Haushalt vergeben werden.

Dadurch bleibt die Anzahl der Werktätigen in der vergleichsweise gut bezahlten Privatwirtschaft und mit ihr das zusätzliche Konsumpotenzial beschränkt. Laut offiziellen Angaben arbeiten mittlerweile rund 1,3 Millionen Personen und damit knapp ein Drittel der Arbeitnehmer auf eigene Rechnung oder als Angestellte in privaten Betrieben. Die Dunkelziffer dürfte noch weitaus höher liegen.

Für den Staatssektor bereitet die Regierung derzeit eine Lohnreform vor, da die Unzufriedenheit in der Bevölkerung über die niedrigen Einkommen wächst. Staatliche Löhne lagen 2017 im Schnitt bei nur rund 31 US$ pro Monat. Eine signifikante Erhöhung ist jedoch unwahrscheinlich, da diese die Inflation anheizen würde.

Außenhandel: Schlechte Aussichten für 2019

Nachdem die Warenimporte Kubas 2018 voraussichtlich mit einem leichten Plus schließen, werden sie Prognosen zufolge 2019 um 3,3 Prozent sinken. Grund dafür sind die Zahlungsschwierigkeiten der Regierung, die sich tendenziell verschlimmern werden. Zudem führen die ausländischen Investitionen in der Sonderwirtschaftszone Mariel dazu, dass einige Importe substituiert werden können, darunter Baumaterial, Sanitärprodukte und verarbeitete Nahrungsmittel. Die Ausfuhren werden angesichts einer besseren Zuckerernte hingegen zulegen können.

Außenhandel Kubas (in Mio. US$; Veränderung in %)
2018 2019 2) Veränderung 2019/2018
Importe 1) 11.321 10.951 -3,3
Exporte 1) 2.193 2.347 7,0
Handelsbilanzsaldo -9.128 -8.604 -5,7

1) nur Warenhandel, fob; 2) Prognose

Quelle: EIU

Deutsche Lieferungen lagen 2017 bei rund 246 Millionen Euro (271 Millionen US$). Damit stellt Deutschland rund 12 Prozent der Exporte der Europäischen Union nach Kuba. Wichtigste Produkte waren Maschinen und Nahrungsmittel mit einem Anteil von 31 Prozent beziehungsweise 23 Prozent. Besonders deutsche Anbieter von Kraftwerkstechnik sind stark in Kuba vertreten.

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/kuba.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kuba Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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