Wirtschaftsausblick

13.06.2019

Wirtschaftsausblick - Kuwait (Juni 2019)

Inhalt

Nicht-Öl-Wirtschaft ist Hoffnungsträger, aber schwächelt / Von Robert Espey

Dubai/Kuwait Stadt (GTAI) - Kuwait ist mit vielen Großprojekten im Verzug. Die angestrebte Diversifizierung der Wirtschaft macht nur geringe Fortschritte, der Ölsektor wird vorerst dominant bleiben.

Wirtschaftsentwicklung: Anhaltende Wachstumsschwäche

Vorläufigen Angaben zufolge hat Kuwaits Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2018 real (preisbereinigt) nur um magere 1,2 Prozent zugelegt. Die Wirtschaft zeichnet sich seit Jahren durch eine Wachstumsschwäche aus. Das reale BIP lag 2018 nur um 1,7 Prozent über dem 2013 erreichten Wert. Die National Bank of Kuwait (NBK) prognostiziert für 2019 ein BIP-Plus von 1,5 Prozent. Deutlich optimistischer sind der Internationale Währungsfonds mit 2,5 Prozent und der Economist mit 2,9 Prozent.

MKT201906128009.14

Die Anfang 2017 verkündete "New Kuwait Vision 2035", die vor allem auf eine starke Diversifizierung der Wirtschaft durch eine lebhafte Entwicklung des Nicht-Öl-Sektors hofft, zeigt bislang noch keine großen Fortschritte. Der BIP-Anteil des Öl- und Gassektors lag 2018 unverändert gegenüber dem Vorjahr bei real 55 Prozent (einschließlich Raffinerieproduktion). Die leichte Ausweitung der Ölförderung 2018 auf durchschnittlich 2,74 Millionen bpd (barrel per day; 2017: 2,70 Millionen bpd) hat die Wertschöpfung des Ölsektors um 1,3 Prozent ansteigen lassen.

Ob der Ölsektor 2019 erneut einen leichten Wachstumsbeitrag leisten kann, ist derzeit schwer prognostizierbar. Für das erste Halbjahr 2019 zeichnet sich eine Stagnation oder ein leichte Schrumpfung der Ölförderung ab. Die Ölmarktentwicklung in der zweiten Hälfte 2019 könnte Kuwait eventuell eine signifikante Produktionssteigerung ermöglichen. Kuwait verfügt aktuell über eine Förderkapazität von rund 3 Millionen bpd (ohne Kondensate).

Mittelfristig wird der Öl- und Gassektor kräftiges Wachstums zeigen. Die im Bau befindlichen Raffineriegroßprojekte werden möglicherweise schon ab 2020 in den Teilbetreib gehen können. Zudem soll die Öl- und Gasförderung erheblich erhöht werden. Der BIP-Anteil des Öl- und Gassektors dürfte deshalb vorerst eher steigen als sinken.

Wirtschaftliche Eckdaten Kuwait
Indikator 2016 2017 2018 1) Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Milliarden US$) 2) 109,4 119,5 141,7 4.002
BIP pro Kopf (US$) 24.608 26.137 30.659 48.269
Bevölkerung (Millionen) 3) 4,41 4,50 4,62 82,9
.Kuwaiter 1,34 1,37 1,40 --
.Ausländer 3,07 3,13 3,22 --
Wechselkurs (1 US$/Kuwait Dinar) 0,302 0,303 0,302 --

1) vorläufig; 2) zu Marktpreisen; 3) jeweils zur Jahresmitte

Quellen: Kuwait Central Statistical Bureau, Public Authority for Civil Information, Central Bank of Kuwait, Statistisches Bundesamt, Bundesbank

Die Nicht-Öl-Wirtschaft hat 2018 ihr ohnehin schwaches Wachstum weiter auf 1,2 Prozent verlangsamt (2017: 2,1 Prozent; 2016: 1,4 Prozent). Für die verarbeitende Industrie wird ein Minus von 0,3 Prozent gemeldet, die Bauwirtschaft schrumpfte um 0,8 Prozent. Die Finanzdienstleistungsbranche stagnierte, aber die größte Dienstleistungssparte, die öffentliche Verwaltung (einschließlich Verteidigung), legte um 0,9 Prozent zu.

Im Nicht-Öl-Sektor wäre mehr Wachstum unter anderem durch den Ausbau der Downstream-Industrien möglich. Der seit Jahren geplante Bau des 10 Milliarden US$ Az Zour Petrochemical Complex könnte 2020 vergeben werden, mit einer Inbetriebnahme wäre frühestens 2025 zu rechnen.

Investitionen: Projektvergaben weiterhin enttäuschend

Kuwait Investitionstätigkeit ist von einer großen Diskrepanz zwischen der langen Liste geplanter Projekte und der schleppenden Vergabe gekennzeichnet. Trotz einer deutlich verbesserten Haushaltssituation und hohen Reserven leidet die Umsetzung staatlicher Investitionsprojekte weiterhin unter bürokratischen Hindernissen und den traditionellen internen politischen Konflikten, vor allem zwischen Regierung und Parlament.

Die Projektvergabe ist 2018 mit 5,6 Milliarden US$ auf den niedrigsten Wert seit 2009 gesunken, so die Angaben der Projektdatenbank MEED Projects. Es war das dritte Jahr in Folge (2016 bis 2018) mit einer rückläufigen Projektvergabe. Gegenüber 2015, als Projektverträge im Gesamtwert von 28,5 Milliarden US$ unterzeichnet wurden, ergibt sich ein Minus von 81 Prozent.

Ausgewählte Großprojekte Kuwait

Projektbezeichnung Investitions-summe (Mio. US$) Projekt-stand *) Projektträger
Kuwait City Metropolitan Rapid Transit (MRT) 18.000 ST Kuwait Authority for Partnership Projects / Public Authority for Roads and Transportation
Az Zour Petrochemical Complex: Packages 1,2 and 3 9.500 PQ Kuwait Integrated Petrochemical Industries Company
Shagaya Renewable Energy Complex: Phase 2, 3 and 4 5.000 ST Ministry of Electricity & Water / Kuwait Institute for Scientific Research
Az Zour North Power & Desalination Plant: Phasen 2 and 3 3.941 ST Kuwait Authority for Partnership Projects
Al Khairan 1.800 MW Power Plant 3.500 PQ Kuwait Authority for Partnership Projects / Ministry of Electricity & Water
Bubiyan Alumina Refinery 1.000 ST Kuwait Industries Holding
New Pediatric Hospital in Al-Sabah Medical Area 850 DE Ministry of Public Works
Upgrading the Existing & Developing North Kabd Sewage Treatment Plant 700 FEED Ministry of Public Works
Sabah al-Salem University: Medical Campus: Hospital 635 DE Kuwait University

*) ST = Studie, PQ = Präqualifizierung, DE = Design, FEED = Front End Engineering & Design

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest, MEED Projects, Pressemeldungen

Die Analysten der National Bank of Kuwait (NBK) zeigen sich für 2019 vorsichtig optimistisch. Da viele Projekte nun eigentlich nicht weiter aufgeschoben werden könnten, müsse es 2019 zu einer verstärkten Vergabe kommen, so die Hoffnung. Dabei wird unter anderem an Vorhaben in den Bereichen Straßenbau, Wohnungsbau, Wasserwirtschaft, Stromerzeugung oder Petrochmie gedacht. Der Regierungsplanung zufolge soll ein Großteil der zur Realisierung der "New Kuwait Vision 2035" notwendigen Investitionen privat beziehungsweise auf PPP-Basis (Private Public Partnership) finanziert werden.

Konsum: Positive Arbeitsmarktsituation stützt privaten Verbrauch

Der private Konsum wird auch weiterhin stabiles Wachstum zeigen. Prognosen erwarten in den nächsten Jahren reale Zuwächse von durchschnittlich etwa 3 Prozent. Insbesondere die für die einheimische Bevölkerung gute Arbeitsmarktsituation und das hohe Einkommensniveau sicheren die Konsumbereitschaft der aktuell 1,4 Millionen Kuwaiter. Nach Angaben der Public Authority for Civil Information waren Ende 2018 rund 84 Prozent der erwerbstätige Kuwaiter im sehr gut bezahlenden Staatsdienst beschäftigt. Der Privatsektor beschäftigt 1,68 Millionen Personen, davon sind nur 4 Prozent Kuwaiter.

Trotz der ölpreisbedingt hohen Haushaltsdefizite 2015 bis 2017 wurde das Stellenangebot im öffentlichen Sektor für Kuwaiter kontinuierlich ausgeweitet. Es werden neue Stellen geschaffen und im Rahmen der Kuwaitisierungspolitik bisher mit Ausländern belegte Positionen mit Einheimischen besetzt. Im Zeitraum 2015 bis 2018 hat sich die Zahl der im öffentlichen Sektor tätigen Kuwaiter um 40.000 erhöht. Das (steuerfreie) Durchschnittseinkommen eines Kuwaiters liegt derzeit bei monatlich 5.900 US$, eine Kuwaiterin kommt nur auf 4.200 US$.

Der Verbrauch der ausländischen Bevölkerung könnte schrumpfen. Die ausländische Bevölkerung wächst langsamer und der Zuwachs besteht vor allem aus asiatischen Niedriglöhnern (vor allem Bauarbeiter). Die Zahl der Ausländer mit mittleren bis hohen Einkünften dürfte zukünftig stagnieren oder sinken.

Außenhandel: Überschuss steigt wieder deutlich

Die wieder höheren Ölpreise haben 2018 zu einem starken Anstieg des Außenhandelsüberschusses auf 41 Milliarden US$ geführt, der bisherige Höchstwert wurde 2013 erreicht (90 Milliarden US$). Die Handelsbilanzentwicklung 2019 ist unklar. ln der ersten Hälfte 2019 lag der Ölpreis nicht über Vorjahresniveau, die Preisentwicklung im zweiten Halbjahr wird vor allem davon abhängen, ob sich die Krise in der Golf-Region weiter verschärft. Kuwait erwirtschaftet etwa 90 Prozent seiner Export-Erlöse durch Öl-Ausfuhren.

Nach Angaben der Statistikbehörde haben Kuwaits Importe auch 2018 wieder deutlich zugelegt, um 6,4 Prozent auf 35,9 Milliarden US$ (cif). Im ersten Quartal 2019 wurde ein Rückgang um 4 Prozent auf 8,5 Milliarden US$ verzeichnet. Die wichtigsten Importpositionen waren 2018: Maschinen und Anlagen (HS 84; 4,8 Milliarden US$; Veränderung gegenüber 2017: -6,5 Prozent), elektrische Maschinen (HS 85; 4,2 Milliarden US$; +1,2 Prozent), Fahrzeuge (HS 87; 4,1 Milliarden US$; +8,2 Prozent), Waren aus Eisen und Stahl (HS 73; 2,2 Milliarden US$; +11,2 Prozent) und pharmazeutische Erzeugnisse (HS 30; 1,3 Milliarden US$; -3,3 Prozent).

Die Hauptlieferanten waren China (6 Milliarden US$; +8,2 Prozent), die USA (3,1 Milliarden US$; -10,3 Prozent), die Vereinigten Arabischen Emirate (vor allem Re-Exporte über Dubai; 3,1 Milliarden US$; +5,4 Prozent), Saudi-Arabien (2 Milliarden US$; +10,7 Prozent), Japan (2,1 Milliarden US$; +21,7 Prozent), Deutschland (2 Milliarden US$; +2,1 Prozent) und Saudi-Arabien (2 Milliarden US$; +10,7 Prozent).

Außenhandel Kuwait (in Millionen US$; Veränderung in Prozent)

2016 2017 2018 *) Veränderung 2018/2017
Importe (fob) 26.988 29.504 31.337 6,2
Exporte (fob) 46.509 55.197 72.285 31,0
.Öl 41.461 49.560 65.393 31,9
.Nicht-Öl-Erzeugnisse 5.048 5.637 6.892 22,3
Handelsbilanzsaldo 19.521 25.693 40.948 59,4

*) vorläufig

Quelle: Central Bank of Kuwait

Eurostat zufolge zeigen die deutschen Lieferungen nach Kuwait keinen Wachstumstrend. Im Zeitraum 2013 bis 2018 schwankte der deutsche Kuwait-Export zwischen 1,3 Milliarden und 1,4 Milliarden Euro. Mit 1,27 Milliarden Euro wurde 2018 ein Tiefpunkt erreicht (2017: 1,32 Milliarden Euro.) Die EU28 Gruppe meldet für 2018 einen leichten Rückgang der Ausfuhren nach Kuwait auf 5,64 Milliarden Euro.

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/kuwait

Dieser Artikel ist relevant für:

Kuwait Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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