Wirtschaftsausblick

30.05.2018

Wirtschaftsausblick - Kuwait (Mai 2018)

Inhalt

Abhängigkeit vom Ölsektor bleibt dominant / Realisierung der "New Kuwait Vision 2035" ungewiss / Von Robert Espey

Kuwait Stadt/Dubai (GTAI) - Die Drosselung der Ölförderung hat 2017 zu einer realen Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts geführt. In diesem Jahr könnte Kuwaits Ölsektor wieder zulegen, falls die iranischen Exporte sinken sollten. Die Nicht-Öl-Wirtschaft zeigt kontinuierliches, aber nur mäßiges Wachstum. Kuwaits "New Vision 2035" wartet auf private Investoren. Wichtige Großprojekte stecken in der Planungsphase fest. Die wieder zunehmenden internen politischen Spannungen behindern die Wirtschaftsentwicklung.

Wirtschaftsentwicklung: Nicht-Öl-Sektor zeigt Wachstum

Kuwaits hohe Abhängigkeit vom Öl- und Gassektor hat 2017 eine reale Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verursacht und wird auch mittelfristig das Wachstum dämpfen. Die Anfang 2017 verkündete "New Kuwait Vision 2035", die auf eine starke Diversifizierung der Wirtschaft zielt, dürfte vorerst nur geringe Wirkungen zeigen. Zudem gibt es erhebliche Zweifel hinsichtlich der Realisierungschancen des Programms, das den Ölstaat zu einem regionalen Finanz-, Handels- und Kulturzentrum verwandeln möchte. Die "Vision 2035" aus dem Jahr 2010 wurde bereits 2011 zu den Akten gelegt wurde. Die aktuelle "New Kuwait Vision" ähnelt der Vorgängerin.

MKT201805298005.14

In Kuwait wird das reale BIP-Wachstum wesentlich von den Öl- und Gasfördermengen bestimmt: Die Öl-und Gasproduktion erwirtschaftet etwa die Hälfte des BIP. Aufgrund der seit Anfang 2017 geltenden OPEC-Quoten musste Kuwait die Ölförderung um über 8 Prozent auf 2,7 Millionen barrel per day herunterfahren. Die BIP-Rechnung weist für 2017 eine reale Schrumpfung des Öl- und Gassektors (einschließlich Raffinerien) um 8 Prozent aus, der Nicht-Ölsektor erzielte hingegen ein Plus von 3,3 Prozent. Insgesamt schrumpfte das BIP zu konstanten Marktpreisen um 2,9 Prozent.

Die aktuellen BIP-Prognosen für 2018, die ein Plus von 1 bis 2 Prozent erwarten, gehen entsprechend der bis Ende 2018 gültigen OPEC-Quoten von einer Stagnation der Ölförderung und einem Wachstum des Nicht-Ölsektors von 3 bis 4 Prozent aus. Ein steigender Ölpreis oder ein sanktionsbedingter Rückgang der iranischen Ölexporte könnten aber in der zweiten Jahreshälfte zu einer Ausweitung der Förderung führen.

Wirtschaftliche Eckdaten
Indikator 2016 2017 1) Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Milliarden US$) 2) 110,9 120,2 3.687
BIP pro Kopf (US$) 25.147 26.721 44.595
Bevölkerung (Millionen) 3) 4,41 4,50 82,7
.Kuwaiter 1,34 1,37 --
.Ausländer 3,07 3,13 --
Wechselkurs (1 US$/Kuwait Dinar) 0,302 0,303 --

1) vorläufig; 2) zu Marktpreisen; 3) jeweils zur Jahresmitte

Quellen: Kuwait Central Statistical Bureau; Public Authority for Civil Information; Central Bank of Kuwait; Economist Intelligence Unit; Statistisches Bundesamt; Bundesbank

Die verarbeitende Industrie verbuchte nach vier Jahren mit realen Schrumpfungen 2017 einen Zuwachs von 1,5 Prozent. Dies wurde durch einen Zuwachs im 4. Quartal 2017 von über 18 Prozent gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode möglich. Die 2017 erreichte industrielle Wertschöpfung lag noch 22 Prozent unter dem Niveau von 2012. Der BIP-Anteil der verarbeitenden Industrie lag 2017 bei 5 Prozent. Der Raffineriesektor und die Petrochemie hatten 2016 einen Anteil an der Wertschöpfung der verarbeitenden Industrie von 57 Prozent (zu konstanten Preisen von 2010).

Der Dienstleistungssektor expandierte 2017 real um 4 Prozent und kam auf einen BIP-Anteil von 42 Prozent. Die größte Sparte, die öffentlichen Dienstleistungen (einschließlich Militär), legte nur 2 Prozent zu. Kräftige Zuwächse gab es in den Bereichen Kommunikation (15 Prozent) sowie Transport und Handel (jeweils 6 Prozent). Die Bauwirtschaft verzeichnete ein Minus von 4 Prozent.

Investitionen: Hohe Investitionen geplant, aber Realisierung unklar

Trotz deutlich geschrumpfter Einnahmen und hoher Haushaltsdefizite (2015 und 2016 jeweils über 17 Prozent des BIP; 2017: 10 Prozent) ist die staatliche Investitionstätigkeit relativ robust geblieben. Auch mittel- und langfristig bleibt Kuwaits Investitionsniveau wesentlich von der Entwicklung staatlicher oder öffentlich geförderter Projekte abhängig. Nach einem kräftigen Anstieg der Bruttoanlageinvestitionen 2015 um real 15,5 Prozent (2014: 4,5 Prozent) wurde 2016 nur noch ein Plus von 2 Prozent verzeichnet. Eine leichte Beschleunigung des Investitionswachstums auf 3 Prozent wird für 2017 geschätzt. Im laufenden und in den beiden nächsten Jahren erwarten Prognosen Zuwächse zwischen 2 und 4 Prozent.

Die Realisierung der "New Kuwait Vision 2035" würde einen kräftigeren Anstieg der Investitionstätigkeit erfordern. Die Regierung erwartet deutlich mehr Engagement privater in- und ausländisches Investoren. Es ist aber zweifelhaft, ob sich diese Hoffnungen erfüllen. Die internen und regionalen politischen Spannungen, aber auch die administrativen und regulatorischen Rahmenbedingungen sind derzeit Investitionshemmnisse. Nach den Vorstellungen der Regierung sollen die zur Realisierung der "New Kuwait Vision 2035" notwendigen Investitionen zu 60 bis 70 Prozent privat finanziert werden. Bislang liege aber die private Beteiligung bei lediglich 10 Prozent, so der Supreme Council for Planning and Development.

Kuwait: Ausgewählte Großprojekte
Projektbezeichnung Investitions-summe (Mio. US$) Projekt-stand *) Projektträger
Kuwait City Metropolitan Rapid Transit (MRT) 18.000 ST Kuwait Authority for Partnership Projects / Public Authority for Roads and Transportation
North Kuwait Airport 12.000 ST Directorate General of Civil Aviation
Kuwait National Rail Road: Phase 1 8.000 ST Kuwait Authority for Partnership Projects
Subiya Urban Mixed-use Development (Al-Sabriya Project) 5.000 DE Kuwait Public Authority for Housing Welfare
Shagaya Renewable Energy Complex: Phase 2, 3 and 4 5.000 ST Ministry of Electricity & Water / Kuwait Institute for Scientific Research
Mubarak Al-Kabeer Seaport Project: Phase 2 and 3 4.000 ST Ministry of Public Works
Doha East Power & Desalination Plant 2.000 ST Kuwait Authority for Partnership Projects
Az Zour North Power & Desalination Plant: Phase 2 & 3 1.749 ST Kuwait Authority for Partnership Projects
Az Zour Petrochemical Complex: Catalytic Cracking Unit, Polypropylene Unit, Propane Dehydrogenation 1.500 FEED Kuwait Integrated Petrochemical Industries Company
Police Hospital 780 PQ Ministry of Public Works
Upgrading the Existing & Developing North Kabd Sewage Treatment Plant 700 DE Ministry of Public Works

*) ST = Studie, DE = Design, PQ = Präqualifizierung, FEED = Front End Engineering & Design

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; MEED Projects; Pressemeldungen

Konsum: Private Haushalte bleiben Konjunkturstütze

Die ab 2015 ergriffenen Sparmaßen haben zwar die Konsumentenstimmung gedämpft. Dennoch stieg 2015 und 2016 der private Verbrauch um 3,4 und 5,9 Prozent. Die negative Verbraucherstimmung hat offensichtlich den Konsum der kaufkräftigen kuwaitischen Haushalte nicht gebremst. Auch für 2017 sowie im laufenden und in den nächsten Jahren wird von einer positiven Konsumentwicklung ausgegangen.

Der monatlich von ARA Marketing Research & Consultancy ermittelte Consumer Confidence Index (CCI) erreichte im Frühjahr 2013 mit 128 Punkten einen Höchstwert und zeigte dann einen negativen Trend. Die Talsohle wurde im September 2016 mit 83 Punkten durchschritten, seither geht es aufwärts. Im März 2018 lag der Index bei 113 Punkten. Zur Ermittlung des Indexes werden nur einheimische Haushalte befragt.

Die Verbesserung der Stimmung wird unter anderem mit einem Abklingen der Sparpolitik, der Verschiebung der ursprünglich für 2018 geplanten Einführung einer Mehrwertsteuer von 5 Prozent sowie mit der für Kuwaiter unverändert guten Arbeitsmarktsituation erklärt. Der öffentliche Sektor beschäftigt 84 Prozent der rund 385.000 kuwaitischen Erwerbstätigen (Stand Ende 2017) und schafft neue Stellen. Der Privatsektor beschäftigt 1,6 Millionen Personen, davon sind nur 4 Prozent Kuwaiter.

Außenhandel: Importe erreichen neuen Höchststand

Nach drei Jahren mit starken Rückgängen stieg Kuwaits Handelsbilanzplus 2017 auf 26 Milliarden US$. Dies ist aber nur etwa ein Viertel des 2012 erreichten Höchstwertes. Trotz einer gesunkenen Ölexportmenge ließ die Preisentwicklung die Gesamtausfuhr 2017 um 19 Prozent auf über 55 Milliarden US$ ansteigen. Der weiter anziehende Ölpreis könnte 2018 zu einer Erhöhung der Erlöse auf über 65 Milliarden US$ führen.

Kuwait: Außenhandel (in Mio. US$; Veränderung in Prozent)
2016 1) 2017 2) Veränderung 2017/2016
Importe (fob) 27.000 29.561 9,4
Exporte (fob) 46.530 55.234 18,7
.Öl 41.480 49.343 19,0
.Nicht-Öl-Erzeugnisse 5.050 5.891 16,7
Handelsbilanzsaldo 19.530 25.673 31,5

1) revidiert; 2) vorläufig

Quelle: Central Bank of Kuwait

Nach Angaben der Zentralbank stiegen die Einfuhren 2017 um 9 Prozent und erreichten mit 29,6 Milliarden US$ (fob) einen neuen Spitzenwert. Weitere Zuwächse halten einige Beobachter für möglich. Auf Maschinen und Fahrzeuge (SITC 7) entfielen 2017 rund 39 Prozent der Einfuhren, auf bearbeitete Waren nach Beschaffenheit gegliedert (SITC 6) 16 Prozent und auf Chemikalien (SITC 5) 11 Prozent.

Der kuwaitischen Zollstatistik zufolge lieferte China 2017 für 5,5 Milliarden US$ (cif), gefolgt von den USA (3,4 Milliarden US$) und den Vereinigten Arabischen Emiraten (vor allem Re-Exporte über Dubai; 2,9 Milliarden US$). Infolge starker Einbußen bei den japanischen Lieferungen kletterte Deutschland auf Rang 4 (2 Milliarden US$).

Eine Prognose der Entwicklung interessanter Märkte finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/branchencheck,t=branchencheck--kuwait-mai-2018,did=1920876.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Kuwait Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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