Wirtschaftsausblick

09.11.2018

Wirtschaftsausblick - Madagaskar (November 2018)

Inhalt

Textilindustrie erholt sich nur langsam / Von Martin Böll

Nairobi (GTAI) - Madagaskar zählt zu den zehn ärmsten Ländern der Welt - und zu den Dauerkunden der internationalen Entwicklungsindustrie. Eine nachhaltige Trendwende ist nicht in Sicht.

Wirtschaftsentwicklung: Nickel und Textilien treiben das Wachstum

Die madagassische Volkswirtschaft dürfte 2018 und 2019 um 4,6 Prozent beziehungsweise 5 Prozent wachsen, was für eine nachhaltige Armutsbekämpfung allerdings zu wenig ist. Hintergrund ist ein hohes Bevölkerungswachstum und eine zunehmende Bergbauproduktion bei robusten internationalen Metallpreisen. Die Landwirtschaft hat derweil die Zyklon-Schäden von 2017 weitgehend aufgearbeitet und kann wieder zulegen.

Auch die Textilindustrie, die seit 2015 erneut von den US-Handelsprivilegien unter dem African Growth and Opportunity Act (AGOA) profitieren kann, kommt langsam wieder in die Gänge. Produktionserweiterungen sind geplant, aber mit dem Risiko eines wenig berechenbaren US-Präsidenten Donald Trump verbunden, der die Privilegien jederzeit aufkündigen kann. Hinzu kommt das ständige Risiko von Zyklonen, die schwere Schäden verursachen können.

Auch die in der Vergangenheit unbeständige Politik nimmt Einfluss auf die Wirtschaftsentwicklung. Aktuell ist die demokratisch gewählte Regierung von Präsident Hery Rajaonarimampianina im Amt, muss sich aber im November 2018 neuen Präsidentschaftswahlen stellen. Als chancenreicher Herausforderer gilt Marc Ravalomanana, der schon von 2002 bis 2009 auf dem Präsidentenstuhl gesessen hat. Sollten die Wahlergebnisse von unterlegenen Bewerbern angefochten werden, sind gewalttätige Proteste geradezu vorprogrammiert, sagen Landeskenner.

Eine sich verschlechternde politische Landschaft hätte direkte Auswirkungen auf die Beziehungen zur internationalen Gebergemeinschaft, auf deren Hilfe die Madagassen entscheidend angewiesen sind. In den internationalen Indizes belegt Madagaskar unverändert schlechte Plätze, sei es im Korruptionswahrnehmungsindex (Rang 155 unter 180 Ländern) oder im Ease of Doing Business Ranking (Rang 161 unter 190 Ländern). Das Länder- und Geschäftsrisiko gilt als sehr hoch und ist deshalb nicht versicherbar (Coface: schlechteste Risikoeingruppierung).

MKT201811088002.14

Wirtschaftliche Eckdaten Madagaskar
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 10,00 11,50 *) 3.702,4
BIP pro Kopf (US$) 408 456 *) 44.791
Bevölkerung (Mio.) 24,5 25,2 82,8
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = ... Ariary; Ar) 3.177 3.116

*) Schätzung

Quellen: EIU; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Geber finanzieren "Sofortprojekte"

Investitionen konzentrieren sich in Madagaskar auf geberfinanzierte "Quick Impact Projects", um die Schaffung von Arbeitsplätzen anzukurbeln. Im Textilsektor richtet sich das Augenmerk auf mauritische Unternehmen, die von den niedrigen madagassischen Löhnen und dem privilegierten US-Marktzugang profitieren wollen. Den Bergbau dominiert das Unternehmen Ambatovy, das eine der weltweit größten Minen für lateritisches Nickelerz betreibt.

Alleine die Erweiterungsinvestitionen von Ambatovy sorgen für einen stetigen Zufluss von Kapitalgüterimporten. Die Ölsuche einiger internationaler Ölgesellschaften, darunter der US-amerikanischen ExxonMobil, verliefen bislang enttäuschend, während das Onshore-Projekt Tsimiroro Heavy Oil angesichts fehlender Zwischenlager keine nennenswerten Fortschritte macht. Die ausländischen Direktinvestitionen summierten sich 2017 nach UNCTAD-Zahlen auf 389 Millionen US-Dollar (US$). Zum Vergleich: In Somalia waren es 384 Millionen US$ und in Äthiopien 3.586 Millionen US$.

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/madagaskar, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Bitterarme Bevölkerung ohne Ausgabenspielraum

Madagaskar hat nur eine sehr kleine Mittel- und Oberschicht, die sich im Wesentlichen auf die Hauptstadt Antananarivo konzentriert, wo sie von französischen und südafrikanischen Supermärkten vergleichsweise gut versorgt wird. Eine Politik, die sich an den Bedürfnissen des Gros der bitterarmen Bevölkerung orientiert, ist kaum erkennbar.

Die Inflation dürfte 2019 von 8 Prozent auf 7 Prozent sinken. Die beiden größten Einflussfaktoren sind die landwirtschaftliche Erzeugung und die Ölimportpreise. Die Landwirtschaft hängt von Niederschlägen ab und ist immer wieder von Trockenheit und Zyklonen bedroht, während eine eigene Ölförderung keine Fortschritte macht und die 100-prozentige Importabhängigkeit fortbesteht. Die Zentralbank des Landes hat mit ihren monetären Mitteln nur begrenzte Möglichkeiten, die Inflation zu beeinflussen. Potenziell inflationstreibend ist das Bestreben, staatliche Subventionen, zum Beispiel bei Strom und Wasser, zu reduzieren.

Außenhandel: Deutschland kauft mehr als es liefert

Madagaskar exportiert vornehmlich Textilien aus seinen Exporthandelszonen, Mineralien (Nickel, Kobalt) und Vanille. Die Textilindustrie ist auf einem langsamen Erholungspfad, tut sich aber schwer, mit der großen Konkurrenz aus Asien Schritt zu halten. Die Vanilleproduktion und deren Preise steigen. Die Förderung der Ambatovy-Mine kann ausgeweitet werden.

Auf der Importseite machen sich steigende internationale Commodity-Preise bemerkbar, aber auch eine verstärkte Hilfe von Gebern, mit deren Geld Lebensmittel und Kapitalgüter finanziert werden können. Laut Comtrade spielte Deutschland 2017 mit einem zuletzt auf 2,8 Prozent gestiegenen Lieferanteil nur eine bescheidene Rolle. Das bevorzugte Lieferland ist China. Deutschland lieferte 2017 nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes für 42 Millionen Euro Waren nach Madagaskar und importierte für 230 Millionen Euro.

Außenhandel Madagaskars (in Mio. US$; Veränderung in %) *)
2018 2019 Veränderung 2019/18
Importe, fob 3.394 3.630 7,0
Exporte, fob 2.593 2.682 3,4
Handelsbilanzsaldo -801 -948 -

*) Prognose

Quelle: EIU

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.gtai.de/madagaskar

Dieser Artikel ist relevant für:

Madagaskar Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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