Wirtschaftsausblick

14.01.2019

Wirtschaftsausblick - Malawi (Dezember 2018)

Inhalt

Malawi bleibt Dauergast am Tropf der Entwicklungsindustrie / Von Martin Böll

Nairobi (GTAI) - In Malawi zählt die Regierung sowie eine kleine Elite zu treuen Kunden der internationalen Entwicklungshilfe. Und daran möchten beide Seiten auch nichts ändern.

Wirtschaftsentwicklung: Es bleibt, wie es ist - den Akteuren scheint das zu reichen

Das malawische Wirtschaftswachstum dürfte 2018 mit lediglich 2,1 Prozent enttäuschen. Für die Folgejahre werden 3,9 Prozent bis 4,9 Prozent prognostiziert. Nach einem guten Agrarjahr 2017 hatte die Regierung den Farmern verboten, ihre Mais-Überschüsse zu exportieren. Logische Konsequenz: Für die Ernte 2018 wurde weniger angebaut. Hinzu kamen Probleme mit Pflanzenschädlingen und wenig ergiebigem Regen, was unter dem Strich zu 28 Prozent geringeren Maiserträgen führte. Nun soll eine Diversifizierung in verschiedene Cash Crops wie Sojabohnen, Tee und Zucker an Fahrt gewinnen.

Auch von anderen Wirtschaftssektoren Malawis gibt keine wirklich guten Nachrichten: Die Stromversorgung ist erratisch, geplante Abschaltungen sind nahezu an der Tagesordnung und teure Dieselgeneratoren können das Problem der Industrie nur unzureichend mildern. Die Bauwirtschaft wird indirekt durch den Zustrom von Entwicklungsgeldern und staatlichen Infrastrukturprojekten alimentiert.

Auch vom Bergbau sind keine Impulse zu erwarten: Der Tabaksektor, der ein großer Nachfrager von Kohle ist, stagniert, und andere Bergbaubetreibe sind regional und international kaum wettbewerbsfähig. Unter dem Strich kann Malawi für 2019 lediglich ein bescheidenes Wirtschaftswachstum erwarten - für ein so armes Land mit einer schnell wachsenden Bevölkerung viel zu wenig. Daran wird auch die traditionelle Entwicklungshilfe mit ihrer "Almosenpolitik" nichts ändern können, so Kritiker.

MKT201901118001.14

Wirtschaftliche Eckdaten Malawi
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 5,4 6,3 3.702,4
BIP pro Kopf (US$) 298 339 44.791
Bevölkerung (Mio.) 18,1 18,6 *) 82,8
Wechselkurs 3) (1 US$ = ... Malawi-Kwacha; MK) 728,6 732,0 -

*) Schätzung

Quellen: EIU; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Ausländische Investoren kaum erwünscht

Die Investmentzuwächse dürften 2018 bei etwa 3,1 Prozent liegen. Für die Folgejahre erwartet die EIU Steigerungsraten von 5,7 bis 6,1 Prozent dank verschiedener Projekte der internationalen Gebergemeinschaft. Für ausländische Investoren ist, wenn überhaupt, nur der malawische Bergbausektor interessant. Laut UNCTAD lagen die ausländischen Direktinvestitionen 2017 bei 277 Millionen US-Dollar (US$). Zum Vergleich: Der regionale Wirtschaftsmatador Kenia sammelte 2017 rund 672 Millionen US$ ein.

Zu einem Investitions-Magneten wird sich Malawi nicht entwickeln: Ausländisches Geld ist zwar willkommen, nicht aber Konkurrenten, die das lukrative Geflecht von Kartellen und Monopolen stören könnten. Einem ökonomischen Aufschwung steht zudem der unzureichende Zugang zu ausländischen Märkten im Wege. Der finanzielle Spielraum des aufgeblähten und korrupten Staatsapparats ist derweil viel zu gering, um in die Zukunft investieren zu können.

Ausgewählte Großprojekte in Malawi *)
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Shire-Zambezi-Kanal 6.000 Wunschprojekt, technisch machbar, finanziell wohl nicht. Deutsche Durchführbarkeitsstudie (Hydroplan). Im Juni 2018 hat Malawis Präsident Peter Mutharika angekündigt, mit Mosambik über eine Wiederbelebung des Projektes zu sprechen.
Songewe River Basin Programme (Staudamm, 180-MW-Kraftwerk, Bewässerungsanlagen) 829 Unterzeichnete Absichtserklärung. Gemeinschaftsprojekt von Tansania und Malawi. Federführend sind das Malawi Ministry of Agriculture, Irrigation and Water Development (psegov@opc.gov.mw) und das Tanzania Ministry of Water and Irrigation (psmw@maji.go.tz).
320-MW-Mpatamanga-Wasserkraftwerk k.A. Vorbereitung einer Ausschreibung. Durchführbarkeitsstudie liegt vor. In Vorbereitung einer Ausschreibung sucht die International Finance Corporation nach einem Berater (specialist developer).
300-MW-Kohlekraftwerk im Süden Malawis 667 Durchführbarkeitsstudie; erhebliche Projektverzögerungen. Auftragnehmer: China Gezhouba Group International Engineering, ein Unternehmen der staatlichen China Energy Engineering Group. Angestrebte Finanzierung: China Exim Bank.
Wasserpipeline vom Malawi-See nach Lilongwe 500 Finanzierungsfrage noch offen. Als Auftragnehmer sind Khato Civils Ltd. und South Zambezi Engineering Services im Gespräch (beide aus Südafrika).
200-MW-Kholombidzo-Wasserkraftwerk 435 Durchführbarkeitsstudie liegt vor. Keine weiteren Projektfortschritte erkennbar. Auftraggeber: Electricity Generation Company Malawi Ltd.; Durchführbarkeitsstudie: Coba Consultores de Engenharia (Portugal).
200-MW-Solarkraftwerke k.A. Absicht. Unterstützung durch US-Grant
100-MW-Ausbau der Kapichira Falls Power Station k.A. Absicht. Bislang reines Wunschdenken.
Neuer Flughafen in Blantyre 285 Absicht; Finanzgeber gesucht. Angeblich chinesisches Finanzierungsinteresse.

*) Anmerkung: Malawi ist ein begehrter Tummelplatz von Mitgliedern der internationalen Entwicklungsindustrie nebst Beraterunternehmen. Immer neue Ideen und Studien werden entwickelt, können aber mangels Finanzierung nicht umgesetzt werden. Neuer Wunschpartner Malawis: China.

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/malawi, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Keine nennenswerte Kaufkraft für deutsche Produkte

Der private Verbrauch ist 2018 wegen Defiziten in der Nahrungsmittelerzeugung rückläufig (-3,3 Prozent). Werden die Ernten wieder besser, sind Steigerungen von 4 bis 5,2 Prozent möglich, prognostiziert die EIU. Der staatliche Verbrauch dürfte 2018 um magere 1,1 Prozent zulegen und in den beiden Folgejahren um 4,3 beziehungsweise 3,8 Prozent - mehr ist wegen leerer Kassen nicht drin.

Die Inflation lag 2018 bei durchschnittlich 9,7 Prozent. Für 2019 werden 12,7 Prozent erwartet. Zu den Haupteinflussgrößen zählen das Wetter beziehungsweise die Ernten sowie die Ölpreise. Malawi hat vermutlich das drittniedrigste Pro-Kopf-Einkommen der Welt - nur Burundi und Südsudan schneiden schlechter ab. Als Käufer hochwertiger Konsumgüter kommen nur die politische Elite sowie Repräsentanten der internationalen Entwicklungshilfe und des Diplomatencorps in Frage, die durch moderne südafrikanische Shoppingcenter in Lilongwe und Blantyre gut versorgt werden.

Außenhandel: Deutsches Interesse beschränkt sich auf Tabakimporte

In der Landwirtschaft kann für 2018 nur mit einem marginalen Exportwachstum gerechnet werden. Bei Tabak, dem traditionellen Exporterzeugnis, setzt Malawi auf einen begrenzten Anbau, um die Preise zu stärken. Auf der Importseite fallen immer mehr Nahrungsmittel für die rasch wachsende Bevölkerung sowie Kapitalgüter für einzelne Infrastrukturprojekte ins Gewicht.

Deutschland spielt als Lieferland mit einem Anteil von etwa 1 Prozent an den Gesamtimporten so gut wie keine Rolle, wenngleich angenommen werden kann, dass deutsche Waren auch über Dubai und Südafrika ihren Weg nach Malawi finden. Die wichtigsten Lieferländer sind Südafrika, China und Indien. Deutschland lieferte 2017 für 24,3 Millionen Euro Waren nach Malawi und importierte solche im Wert von 125,2 Millionen Euro (nahezu ausschließlich Tabak).

Außenhandel Malawis (in Mio. US$; Veränderung in %)
2016 2017 Veränderung 2017/2016
Warenimporte (fob) 2.088 2.144 2,7
Warenexporte (fob) 1.103 1.106 0,3
Handelsbilanzsaldo -985 -1.038 -

1) Schätzung; 2) Prognose

Quelle: EIU

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Malawi können Sie unter http://www.gtai.de/malawi abrufen. Unter http://www.gtai.de/afrika erhalten Sie weitere Informationen zum Land Ihrer Wahl in Afrika.

Dieser Artikel ist relevant für:

Malawi Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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