Wirtschaftsausblick

08.07.2019

Wirtschaftsausblick - Malta (Juni 2019)

Inhalt

Hohes Wirtschaftswachstum mit negativen Begleiterscheinungen / Von Oliver Döhne

Valletta (GTAI) - Malta wird in den kommenden beiden Jahren vermutlich das höchste Wirtschaftswachstum in der Europäischen Union aufweisen. Aber auch die Herausforderungen nehmen zu.

Wirtschaftsentwicklung: Höhenflug setzt sich fort

Malta wird 2019 sehr wahrscheinlich Irland als Land mit dem höchsten Wirtschaftswachstum in der Europäischen Union (EU) ablösen und etwa 5,5 Prozent zulegen. Motor ist die Inlandsnachfrage. Sowohl Investitionen als auch Konsum entwickeln sich äußerst dynamisch. Die Arbeitslosigkeit liegt bei unter 4 Prozent und sinkt weiter. Die Staatsfinanzen sind solide, der öffentliche Haushalt erwirtschaftet Überschüsse, die Staatsverschuldung liegt stabil bei 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Doch das starke Wachstum bedeutet nicht automatisch auch eine entsprechende Zunahme der Lebensqualität der Bevölkerung. Der überwältigende Zustrom von Touristen und Kreuzfahrtschiffen, der Wildwuchs im Bausektor sowie ungelöste Fragen im Personentransport und in der Abfallwirtschaft schmälern Maltas eindrucksvolle wirtschaftliche Erfolgsgeschichte. Die Regierung konzentriert sich - neben dem Infrastrukturausbau - darauf, Malta als Ziel für internationalen Gesundheitstourismus sowie als Vorreiter für innovative digitale Dienstleitungen wie Blockchain und Kryptowährungen zu positionieren.

MKT201907058009.14

Wirtschaftliche Eckdaten Maltas
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. Euro) 11,3 12,3 3.388,2
BIP pro Kopf (Euro) 24.148 25.556 40.871
Bevölkerung (Mio.) 0,4 0,4 82,9

Quellen: National Statistics Office Malta; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Starkes Wachstum in den kommenden zwei Jahren

Für 2019 und 2020 rechnen Experten mit einer deutlichen Zunahme der Investitionen. Grund sind besonders die geplanten Ausgaben für Infrastruktur, Tourismus und das Gesundheitswesen. Im Zentrum steht ein großes Investitionspaket für den Ausbau der Straßen. Der Verkehr ist eine von Maltas dringendsten Herausforderungen. Kontrovers diskutiert wird ein Unterseetunnel zwischen Malta und Gozo sowie ein schienengebundener Personentransport. Der bislang explosiv gewachsene Wohnungsbau soll weiter zulegen, wenn auch etwas moderater als in den vergangenen Jahren.

Ein weiteres immer dringenderes Problem ist die Abfallwirtschaft. Maltas Bewohner produzieren laut der EU-Kommission mehr Haushaltsmüll pro Kopf als jedes andere EU-Land und liegen trotz des sehr limitierten Raumes auch bei der Deponierungsquote ganz vorne. Da Maltas Hauptdeponie inzwischen aber an ihre Grenzen stößt, besteht erheblicher Handlungsdruck.

Ausgewählte Großprojekte in Malta
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Investitionen in das öffentliche Straßennetz 700 Zeitraum 2018-2024 http://mtip.gov.mt
Sechs-Sterne Hotel in St. Julian 400 Verkündet 2015 http://www.Corinthia.com
Malta-Sizilien Pipeline 350 Beginn: 2022; Fertigstellung 2024 https://energy.gov.mt
Bau einer Wohnanlage und eines Einkaufszentrums in Pembroke 300 Planung DB San Gorg Property Limited
Müllverbrennungsanlage 150 Fertigstellung 2023 http://www.wasteservmalta.com
Sozialer Wohnungsbau (500 Einheiten) 1.000 Planung Pressemeldungen
Marsa Multi Level Junction 700 Fertigstellung 2020 https://mtip.gov.mt/en
Malta Logistics Hub in Hal Far 80 k.A. https://economy.gov.mt/en/Malta_Logistics_Hub/Pages/Malta%20Logistics%20Hub.aspx
Central Business District in Mriehel 70 Fertigstellung k.A. http://cbdmalta.org
Tunnel Malta-Gozo k.A. Frühstadium Umstrittenes Projekt

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Ausgaben der Privathaushalte legen weiter zu

Die Ausgaben der Privathaushalte sind ein wichtiger Pfeiler des Wirtschaftswachstums. Im Jahr 2019 werden sie erneut deutlich zulegen. Grund ist unter anderem die gestiegene Kaufkraft. Auf dem angespannten Arbeitsmarkt herrscht praktisch Vollbeschäftigung. Die Löhne ziehen entsprechend an. Unternehmen aus der verarbeitenden Industrie haben bereits Probleme, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden, da viele Beschäftigte in den besser bezahlten Dienstleistungssektor wechseln. Für die kommenden Jahre wird der Privatkonsum weiter solide zulegen, wenn auch mit leicht rückläufigen Wachstumsraten, analog zum Wirtschaftswachstum. Die Zentralbank rechnet damit, dass die Haushalte über die nächsten Jahre damit beginnen, schrittweise die hohen Ersparnisse für den Konsum einzusetzen.

Außenhandel: Investitionen beleben den Warenimport

Der Warenexport bleibt 2019, wie schon im Vorjahr, schwach und wird voraussichtlich erneut deutlich zurückgehen. Der Dienstleistungsexport entwickelt sich nach den hohen Wachstumsraten der vergangenen Jahre moderater. Die wichtigsten Absatzmärkte für maltesische Waren sind Deutschland und Italien. Der Warenimport könnte angesichts der dynamischen Investitionslage in Malta 2019 und 2020 deutlich zulegen. Der Dienstleistungsexport wird dagegen laut Prognosen der Zentralbank etwas nachlassen. Wichtigste Lieferländer sind Italien, das Vereinigte Königreich und Deutschland.

Außenhandel Maltas (in Mio. Euro; Veränderung in Prozent)
2017 2018 Veränderung 2018/2017
Importe 6.120 6.115 -0,1
Exporte 3.665 3.256 -11,2
Handelsbilanzsaldo -2.455 -2.859 -

Quelle: NSO Malta

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Malta

Dieser Artikel ist relevant für:

Malta Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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