Wirtschaftsausblick

11.12.2018

Wirtschaftsausblick - Malta (November 2018)

Inhalt

Einheimische Nachfrage zieht an / Von Oliver Döhne

Valletta (GTAI) - Maltas Wirtschaft wächst mit über 5 Prozent pro Jahr. Wichtiger Konjunkturmotor ist die Inlandsnachfrage. Die Investitionen werden 2019 wieder deutlich steigen.

Wirtschaftsentwicklung: Fortgesetztes Wachstum mit abnehmender Dynamik

Maltas Wirtschaft legt weiter deutlich zu. Im 2. Quartal 2018 war das Wachstum doppelt so hoch wie das der Eurozone. Nach dem besonders starken Jahr 2017 lässt die Dynamik etwas nach. 2020 wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) voraussichtlich nur noch um etwa 4,4 Prozent steigen.

Die Inlandsnachfrage übernimmt seit kurzem die Rolle des Konjunkturmotors. Sowohl Konsum als auch Investitionen werden sich laut Marktbeobachtern mittelfristig durchweg positiv entwickeln. Bis 2017 gingen die wichtigsten Impulse noch vom Export aus. Es kommen mehr Touristen als erwartet ins Land und die Investitionen des Privatsektors sowie von der Europäischen Union (EU) kofinanzierte Projekte mit öffentlicher Beteiligung tragen ihren Teil zum Wirtschaftswachstum bei.

Die makroökonomischen Rahmendaten sind stabil, die Staatsfinanzen solide. Malta fragt verstärkt Arbeitskräfte nach. Die Arbeitslosigkeit ist mit rund 4,3 Prozent sehr niedrig. In den vergangenen Jahren sind rund 40.000 EU- und Drittstaatenbürger nach Malta gezogen. Dies erzeugt einen gewissen Druck auf den Markt für Mietwohnungen. Auch der Ölpreis und steigende Löhne erhöhen die Preise.

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Laut Business Conditions Index (BCI), der monatlichen Konjunkturumfrage der maltesischen Zentralbank, beurteilten die meisten Wirtschaftsakteure die zukünftige Geschäftsentwicklung im Oktober 2018 skeptischer als im bisherigen Jahresverlauf. Der Gesamtindikator lag allerdings noch immer über dem Langzeitdurchschnitt.

Das Konsumentenvertrauen hielt sich in der Umfrage auf konstant hohem Niveau. In Handel, Industrie und Bau war dagegen Ernüchterung zu erkennen. Der Handel erwartet höhere Preise ohne neu einzustellen, während die Industrie sich um sinkende Verkaufspreise sorgt. Die Bauindustrie gab den vierten Monat in Folge weniger Aufträge als im Vormonat zu Protokoll. Der Dienstleistungssektor war zwar im Oktober etwas weniger zuversichtlich als im September, lag aber weiterhin sehr deutlich über dem Langzeitdurchschnitt.

Wirtschaftliche Eckdaten Maltas
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. Euro) 10,2 11,1 3.277,3
BIP pro Kopf (Euro) 22.366 23.778 39.649
Bevölkerung (Mio.) 0,4 0,4 82,7

Quellen: NSO Malta; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Private und EU-Projekte treiben Konjunktur an

Zentralbank und EU-Kommission rechnen für 2019 mit einer stark anziehenden Investitionstätigkeit. Im Zentrum stehen dabei zahlreiche größere Projekte der Gesundheitswirtschaft. Malta will sich als Anbieter im internationalen Gesundheitstourismus etablieren. Auch der Kapitalzufluss in den Tourismus und den Immobilienbau bleibt erhalten. Investitionen in Wohnungen sollen weiter robust wachsen, wenn auch etwas weniger stark als bisher, da der starke Zuzug von EU- und Drittstaatenbürgern nach Malta voraussichtlich nachlassen wird. Eine große Rolle spielen auch EU-Projekte, insbesondere beim Ausbau des Straßennetzes im Rahmen des TEN-T-Programms. Weitere Schwerpunkte von Investitionsprojekten werden der Ausbau des intermodalen Transports, des Land- und Seetransports sowie die Bereiche Forschung und Entwicklung, Energieeffizienz, Wasser und Abfall sein.

Ausgewählte Großprojekte in Malta
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Investitionen in das öffentliche Straßennetz 700 Zeitraum 2018-2024 http://mtip.gov.mt
Sechs-Sterne Hotel in St. Julian 400 Verkündet 2015 http://www.Corinthia.com
Malta-Sizilien Gaspipeline 350 Beginn: 2022; Fertigstellung 2024 https://energy.gov.mt
Bau einer Wohnanlage und Einkaufszentrum in Pembroke 300 Planung DB San Gorg Property Limited
Müllverbrennungsanlage 150 Fertigstellung 2023 http://www.wasteservmalta.com; umstrittenes Projekt
Sozialer Wohnungsbau (500 Einheiten) 100 Planung Pressemeldungen
Marsa Multi Level Junction 85 Fertigstellung 2020 https://mtip.gov.mt/en
Malta Logistics Hub in Hal Far 80 k. A. https://economy.gov.mt/en/Malta_Logistics_Hub/Pages/Malta%20Logistics%20Hub.aspx
Central Business District in Mriehel 70 Fertigstellung k. A. http://cbdmalta.org
Tunnel Malta-Gozo k.A. Frühstadium Umstrittenes Projekt

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Staatliche Ausschreibungen:

https://www.gov.mt/en/Government/Government%20Gazette/tendersnew

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Positive Kaufstimmung

Gute Aussichten bestehen für den Privatkonsum, der rund die Hälfte des maltesischen Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Die Zahl der Beschäftigten steigt. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig. Das knappere Angebot verschiedener qualifizierter Arbeitskräfte erhöht tendenziell die Löhne. Die Zentralbank rechnet zudem für die kommenden Jahre damit, dass die Privathaushalte ihre überdurchschnittlich hohen Ersparnisse abschmelzen, zumal die maltesische Bevölkerung spürbar altert.

Das Konsumentenvertrauen lag im Oktober 2018 laut Umfrage der Zentralbank 24 Punkte über dem Langzeitdurchschnitt. Dabei wurde die finanzielle Situation der kommenden 12 Monate noch positiver bewertet als im Vormonat. Die gesamtwirtschaftliche Situation bewerteten die Haushalte konstant bei 30 Punkten über dem Langzeitdurchschnitt. Lediglich bei den Ersparnissen über die nächsten 12 Monate sank die Erwartung.

Außenhandel: Import könnte wieder stärker zulegen

Malta senkte im 1. Halbjahr 2018 sein Handelsbilanzdefizit gegenüber dem 1. Halbjahr 2017 um 200 Millionen Euro. Die Importe, insbesondere von Maschinen, gingen zurück. Gleichzeitig legten die Exporte zu. Besonders halbfertige Industriegüter wurden verstärkt ausgeführt. Für 2019 rechnen Marktbeobachter jedoch damit, dass der Import stärker wachsen wird als der Export, da zahlreiche Investitionen anstehen. Der Überschuss in der Leistungsbilanz wird sich dank des starken Dienstleistungsexports auf hohem Niveau behaupten.

Außenhandel Maltas (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2016 2017 Veränderung 2017/2016
Importe 6.448 6.069 -5,9
Exporte 3.927 3.608 -8,1
Handelsbilanzsaldo -2.521 -2.461 -

Quelle: NSO Malta

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/malta

Dieser Artikel ist relevant für:

Malta Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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