Wirtschaftsausblick

11.03.2019

Wirtschaftsausblick - Marokko (März 2019)

Inhalt

Industriewachstum schafft nicht genügend Arbeitsplätze / Von Peter Schmitz

Tunis (GTAI) - Marokko profitiert weiterhin von ausländischen Investitionen in die Industrie. Dennoch bleibt die Arbeitslosigkeit hoch und die Landwirtschaft ein wichtiger Faktor.

Wirtschaftsentwicklung: Wachstum vorerst stabil, Risiken bleiben bestehen

Das Bruttoinlandsprodukt Marokkos dürfte nach Schätzungen von Economist Intelligence Unit (EIU) 2019 real um 3 Prozent wachsen. Ausländische Investitionen in die Automobil- und Flugzeugteileindustrie zeigen Wirkung, könnten aber etwas weniger zum Wachstum beitragen als 2018, als die Industrie mit 2,8 Prozent wesentlich stärker zulegte als in den Vorjahren. Marokko hat sich inzwischen als Investitionsstandort einen Namen gemacht und dürfte weiter im Blickfeld von Investoren liegen.

Das liegt auch am fortlaufenden Ausbau der Infrastruktur. Nach der Eröffnung der ersten Hochgeschwindigkeitseisenbahnlinie des Kontinents im November 2018 steht 2019 die Eröffnung des Hafens Tanger Med II auf dem Programm, die einige Impulse geben dürfte. Unsicherheiten birgt die Konjunktur Europas und der Weltwirtschaft, von der Marokko durch die exportorientierte Industrie abhängig ist. Auch im wichtigen Tourismussektor bleibt abzuwarten, ob das sehr gute Vorjahr wiederholt werden kann. Neben Logistik und Tourismus möchte sich Marokko auch als Finanzstandort insbesondere für das westliche Afrika etablieren, einige marokkanische Banken haben ihr Geschäft in diese Richtung bereits ausgebaut.

Voraussichtlich besser als im vergangenen Jahr wird sich die Landwirtschaft 2019 entwickeln, die Prognose der EIU von 5,5 Prozent Wachstum würde jedoch noch den geschätzten Rückgang des vergangenen Jahres nicht ganz kompensieren. Die Regenfälle im Winter waren jedenfalls vielversprechend und stimmen die Landwirte optimistisch. Das wäre auch hinsichtlich der vor allem unter jungen Menschen hohen Arbeitslosigkeit wichtig. Mehr als ein Drittel der Arbeitsplätze sind in der Landwirtschaft, die nach wie vor stark witterungsabhängig ist.

MKT201903088001.14

Wirtschaftliche Eckdaten Marokkos
Indikator 2018 2019 *) Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 118,5 125,5 3.702,4
BIP pro Kopf (US$, in Kaufkraftparität) 8.579 *) 8.875 *) 44.791
Bevölkerung (Mio.) 36,2 36,6 82,8
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro/US$ = x Dirham, DH) 9,39 9,30 -

*) Schätzung beziehungsweise Prognose

Quellen: Economist Intelligence Unit; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Industrie zieht weitere Investitionen an

Die Bruttoanlageinvestitionen werden nach Schätzung der EIU 2019 um 3,1 Prozent wachsen, 2018 waren es etwa 3 Prozent. Die ausländischen Direktinvestitionen lagen 2018 um mehr als ein Viertel über denen des Vorjahres und erreichten etwa 3,3 Milliarden US-Dollar (US$). Zuletzt meldete beispielsweise Thyssen Aerospace die Eröffnung eines Materialbearbeitungs- und Logistikzentrums; Anfang 2019 verkündete Le Piston Français, 5 Millionen Euro in eine zweite Fabrik in Marokko investieren zu wollen. 2009 betrug der Anteil des verarbeitenden Gewerbes an den ausländischen Direktinvestitionen gerade einmal 10,8 Prozent, 2018 dürfte es etwa ein Drittel gewesen sein.

Laut Haushaltsplanung sind für 2019 staatliche Investitionen von 40 Milliarden Dirham (rund 3,67 Milliarden Euro, 1 Euro = 10,8 DH) vorgesehen. Schwerpunkt ist der Straßen- und Autobahnbau (etwa 1,3 Milliarden Euro), vor allem deren Instandhaltung und Ausstattung mit Signal- und Sicherheitstechnik. Etwa 1,2 Milliarden Euro sollen in den Hafenbau fließen.

Marokko gilt mit Südafrika als attraktivster Investitionsstandort des afrikanischen Kontinents. Im Geschäftsindex der Weltbank konnte sich das Königreich auf Platz 60 von 190 steigern, vor allem aufgrund schneller und günstiger Geschäftseröffnung und Vergabe von Baugenehmigungen. Eine Senkung der Unternehmenssteuer soll privaten Unternehmen weitere Investitionen erleichtern.

Ausgewählte Großprojekte in Marokko
Projektbezeichnung Investitionssumme (in Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Gas to power Projekt in Jorf Lasfar/ONEE 1) 5.300 Vorstudie Combined Cycle Kraftwerk 2.400 Megawatt (MW) und LNG Terminal; Hauptauftragsvergabe 3. Quartal 2019
Moroccan Solar Plan: Solarkraftwerke/ MASEN 2) 3.605 Vorstudie Foum Al Ouad südlich Tarfaya (500 MW)und Sebkhat Tah in Laayoune (500 MW); Hauptauftragsvergabe 1. Quartal 2019
Untersee-Bahnverbindung Marokko- Spanien/SECEGSA-SNED 3.000 Vorstudie 38,7 Kilometer, davon 27,7 Kilometer Unterwasser; Hauptauftragsvergabe 2. Quartal 2020
Moroccan Solar Plan: Noor Midelt Independent Power Producer (IPP)/MASEN 2) 2.400 Ausschreibung Kapazität 800 MW; Hauptauftragsvergabe: 4. Quartal 2018
Düngemittelfabrik/OCP 3) 1.739 Ausschreibung In Phospucraa (Laayoune); Hauptauftragsvergabe 1. Quartal 2019
Wasserkraftwerke/ONEE 1) 444 Vorstudie - El Menzel 2: 300 MW; in Imezdilfane, Taskdert und Tajemout insgesamt 128 MW; Hauptauftragsvergabe: 3. Quartal 2020
Aluminiumradbearbeitungsanlage/ MOI-CITIC DICASTAL 4) 409 Vorstudie In Rabat: 6 Millionen Stück pro Jahr
Solar-Fotovoltaik-Anlage Noor Argana/ONEE 1) 385 Vorstudie 200 MW; Hauptauftragsvergabe 1. Quartal 2019
Entsalzungsanlagen/ONEE 1) 370 Ausschreibung In Dakhla; Hauptauftragsvergabe 2. Quartal 2018 und in Sidi Ifni (Meerwasser), Kapazität 17,3 Kubikmeter pro Tag; Hauptauftragsvergabe 4. Quartal 2018
Werk für Elektrobusse/ CSR-SIE-Marita Group 103 Entwurf In Tangier; Hauptauftragsvergabe 1. Quartal 2019

1) Office National de l'Electricité et de l'Eau; 2) Moroccan Agency for Sustainable Energy; 3) Office Chérifien des Phosphates; 4) Marokkanische Regierung und Citic Dicastal

Quellen: MEED Projects; Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/marokko, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Soziale Situation schränkt das Potenzial ein

Sollte Marokkos Landwirtschaft wie erhofft ein gutes Jahr haben, dürfte das positive Effekte auf die Konsumentwicklung haben. Prognosen gehen von einer Zunahme des privaten Verbrauchs von etwa 3 Prozent aus, was etwas mehr wäre als 2018 . Die Inflation wird voraussichtlich etwas zurückgehen. Auch hier spielt die Landwirtschaft eine Rolle, da Marokko Nettoimporteur von Nahrungsmitteln und damit abhängig von den internationalen Preisen ist.

Die hohe Arbeitslosigkeit und insgesamt immer noch weit verbreitete Armut setzen dem Konsummarkt auch bei guter Entwicklung gewisse Grenzen. Dies kann auch die wachsende Bevölkerung nur zum Teil ausgleichen. Neben dem Mittelstand und der Oberschicht bieten auch Touristen eine potenzielle Zielgruppe, die für steigende Nachfrage sorgen könnte. Die Einkommen der marokkanischen Oberschicht fallen im regionalen Vergleich besonders hoch aus. Eine Untersuchung zu Einkommen und Konsum ergab, dass die reichsten 10 Prozent der marokkanischen Bevölkerung 12-mal höhere Konsumausgaben haben als die ärmsten 10 Prozent.

Außenhandel: Weiterer Bedarf an Kapitalgütern

In den Jahren 2017 und 2018 legten die marokkanischen Exporte nochmals zu. Die Produktion der Industrie (Bekleidungs-, Kfz- und Luftfahrtindustrie) profitierten von ausländischen Investitionen und guter Nachfrage besonders in Europa. Auch der Phosphatsektor konnte seine Exporte 2018 abermals steigern. Das Warenbilanzdefizit bleibt aber hoch. Die 2018 insgesamt wieder etwas gestiegenen Energiepreise leisteten einen wesentlichen Beitrag. Die anhaltenden Investitionen in die Industrie dürften den Bedarf an Kapitalgütern aufrecht erhalten.

Im Jahr 2018 gingen die deutschen Ausfuhren nach Marokko um etwa ein Prozent zurück, die deutschen Einfuhren legten dagegen um etwa 10 Prozent zu. Deutschland importiert vor allem Textilien, Nahrungsmittel und elektrotechnische Erzeugnisse. Die Ausfuhren werden von Kfz- und Kfz-Teilen, Maschinen und chemischen Erzeugnissen dominiert. Die wichtigsten Handelspartner Marokkos sind Spanien und Frankreich, die jeweils etwa 15 Prozent der Waren liefern und etwa 20 Prozent der Exporte abnehmen. Deutsche Unternehmen tätigen ihr Marokkogeschäft oftmals über Töchter in Frankreich.

Außenhandel Marokkos (in Mio. Euro 1); Veränderung in %)
2016 2017 2017 2) 2018 2) 2017/16 2018/17 2)
Importe 37,8 39,8 36,2 40,9 5,3 12,9
Exporte 20,7 22,7 20,7 23,1 9,6 11,5
Handelsbilanzsaldo -17,1 -17,1 -15,5 -17,8 - -

1) berechnet nach den Durchschnittwechselkurs Euro = DH der Bundesbank für 11 Monate; 2) 11 Monate

Quelle: Office des Changes, Indicateurs Mensuels des Echanges Exterieurs, Februar 2019

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/marokko

Dieser Artikel ist relevant für:

Marokko Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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