Wirtschaftsausblick

15.03.2019

Wirtschaftsausblick - Mauritius (März 2019)

Inhalt

Vorzeigeinsel kann sich Qualität leisten / Von Martin Böll

Nairobi (GTAI) - Mauritius' Wirtschaft sucht seinesgleichen in Afrika und bietet sich als "Business Center" zwischen Afrika und Asien an. Trotz seiner geringen Größe sollten deutsche Firmen den Markt im Auge behalten.

Wirtschaftsentwicklung: Liberaler Ausnahmestaat ein Vorbild für Afrika

Die britische Economist Intelligence Unit (EIU) schätzt das mauritische Wirtschaftswachstum 2018 auf 3,7 Prozent. Der kleine, offene und handelsaktive Inselstaat ist in hohem Maße von der Weltwirtschaft und insbesondere von Europa und China abhängig. Verlangsamt sich dort das Wachstum, verlangsamt es sich auch in Mauritius. Der Einfluss der mauritischen Zentralbank, die zuletzt mit einer Lockerung der Geldpolitik versucht hat, die Wirtschaft anzukurbeln, ist gering.

Ein positiver Stimulus kommt derweil von Investitionen in die Hafeninfrastruktur und in neue Fischverarbeitungsanlagen, die unter dem Schlagwort "Ocean Economy" propagiert werden. Die mauritische Textilindustrie, ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, profitiert unverändert vom African Growth and Opportunity Act (AGOA) der USA. Befürchtungen, US-Präsidenten Donald Trump könnte diese zollfreie Vergünstigung kippen, haben sich bislang nicht bewahrheitet.

Die Bauindustrie ist nach einer längeren Schwächephase dank staatlicher Infrastrukturvorhaben wieder im Aufwind. Auch der Tourismussektor ist weiter auf Erfolgskurs, obwohl die Abhängigkeit von europäischen Gästen nur langsam mithilfe neuer Urlaubergruppen gemindert werden kann. Selbst kleinere Schwankungen des Euro-Kurses haben direkte Auswirkungen auf die Besucherzahlen.

Unverändert auf Erfolgskurs sind die Bereiche Finanzdienstleistungen, Informations- und Telekommunikationstechnologien sowie die Sparte "Business Outsourcing". Die kleine Insel im Indischen Ozean bleibt ein Vorzeigestaat: Wie kein anderes Land in Afrika konnte eine kleine Agrarökonomie, die nicht mehr als Rohrzucker aufzuweisen hatte, in einen modernen Staat mit diversifizierter Wirtschaft umgewandelt werden.

Der Schlüssel zum Erfolg waren und sind politisch geschaffene Rahmenbedingungen, die Unternehmern und Investoren den nötigen Freiraum geben. Egal bei welchen Indizes, Mauritius steht sowohl international als auch im afrikanischen Vergleich hervorragend da: Das Land ist die einzige afrikanische Volldemokratie, belegt Spitzenplätze im Economic Freedom Index, im Ease of Doing Business Ranking und beim Korruptionswahrnehmungsindex.

Im internationalen Tourismus ist Mauritius eine Topadresse und kann mit Know-how und Qualität punkten wie kein anderes Land in Afrika. In Zukunftssparten wie dem "business process outsourcing" und IKT kann Mauritius von seiner Zeitzone zwischen Afrika und Asien profitieren und sich als weltoffener, militärloser Multikulti-Staat empfehlen.

MKT201903148000.14

Wirtschaftliche Eckdaten Mauritius
Indikator 2018 1) 2019 2) Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 13,8 14,4 3.702,4
BIP pro Kopf (US$) 10.952 11.339 44.791
Bevölkerung (Mio.) 1,26 1,27 82,8
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = ... Mauritius-Rupien; MR) 34,48 34,57 -

1) Schätzung; 2) Prognose

Quellen: EIU; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Ambitionierte Infrastrukturprojekte

Die Zuwächse bei den mauritischen Investitionen dürften 2017 bei 4,6 Prozent gelegen haben, so die EIU. Die Regierung will mit einer Reihe von ambitionierten Investitionsplänen das Wirtschaftswachstum anheizen. So sollen die Hafeninfrastrukturen kräftig ausgebaut werden, um Mauritius zu einem attraktiven Trans-Shipment-Zentrum zu machen. Die Regierung propagiert zudem eine "Ocean Economy", welche den Fischereisektor stimulieren und private Investoren für eine Fischverarbeitung anlocken soll.

Eine Reihe weiterer öffentlicher Bauvorhaben wie neue Straßen, eine neue Stadtbahn sowie Strom- und Wasserprojekte beleben den Bausektor. Ehrgeizig sind auch Pläne für eine digitale Infrastruktur, die zusammen mit privaten Interessenten entwickelt werden soll. Alle diese Pläne sind eher mittel- und langfristig und sollen insbesondere einen Anstoß geben. Zu den Hürden zählen eine schwerfällige Staatsbürokratie und die selbst gesetzte Obergrenze für eine staatliche Verschuldung, die seit 2018 gilt und bei 50 Prozent des BIP liegt, eine Marke, die allerdings auf absehbare Zeit nicht einzuhalten ist.

Ausgewählte Großprojekte in Mauritius
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Port Louis Smart City Concept Plan 1.500 Planung; verschiedene Einzelprojekte. Unterschiedliche private und öffentliche Stakeholder
Umfangreicher Ausbau des Hafens von Port Louis k.A. Verschiedene Einzelaufträge. Mauritius Ports Authority
Ölraffinerie (modular near shore mobile refinery) k.A. Planung. Ministry of Commerce
Wave Energy Project k.A. Feasibility-Studie. *) Carnegie Wave Energy Ltd., Australien
26 km lange Stadtbahn 583 Baubeginn: Februar 2018. Inbetriebnahme der ersten 13 km 2019, Fertigstellung 2021. Antizipierte Verlängerung um 11 km. 353-Mio.-US$-Kredit der indischen Regierung. Auftragnehmer: Larsen & Toubro (Mumbai)
8-jähriges "Renewable Energy Project" 191 Offizieller Start Mitte November 2017. 1. Phase: Stärkung des Stromnetzes; 2. Phase: Ausbau der solaren Stromerzeugung auf der Insel Agalega. *) Finanzierungszusagen vom Green Climate Fund (GCF) und dem United Nations Development Programme (UNDP)
National Sewerage Master Plan k.A. Planung. Mauritius Wastewater Management Authority
Unterseekabel 150 Auftragsvergabe. IOX Cable Ltd.
67-MW-Schwerdieselkraftwerk 120 Im Bau. Auftragnehmer: Burmeister & Wain Scandinavian Contractor
10.000 Solar-Photovoltaik-Systeme für ländliche Haushalte 20 Finanzierung gesichert. *) 10-Mio.-US$-Vorzugskredit des Abu Dhabi Fund for Development (ADFD) und der International Renewable Energy Agency (Irena)

*) Bis 2025 sollen erneuerbare Energien 35 Prozent des nationalen Energie-Mix stellen.

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/mauritius, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Mindestlöhne im Januar 2018 verdoppelt

Der Privatverbrauch dürfte 2018 real um schätzungsweise 2,9 Prozent zulegen. In den Folgejahren sind nach Einschätzung der EIU Konsumzuwächse bis zu 3,2 Prozent möglich. Bei den realen Veränderungen im staatlichen Verbrauch rechnet die EIU für 2018 mit einem Zuwachs von 2,3 Prozent und in den Folgejahren mit Raten von 2,7 bis 3,2 Prozent.

Die Inflation war 2017 auf 3,7 Prozent angezogen, dürfte bis 2020 aber auf antizipierte 0,9 Prozent sinken. Die Geldentwertung geht in Mauritius nahezu vollständig auf das Konto von Wechselkursveränderungen und globalen Commodity-Preisen zurück. Die mauritische Regierung ist bemüht, mit Preiskontrollen gegenzusteuern.

Mauritische Verbraucher genießen einen bemerkenswerten Wohlstand: Für afrikanische Verhältnisse verfügen sie über eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen und eine fortschrittliche Sozialpolitik. Im Januar 2018 wurde beispielsweise ein Mindestlohn eingeführt, was politisch wohl auch dem Wahljahr 2019 zu verdanken ist. Ökonomen warnen derweil, dass der Zuwachs nicht durch Produktivitätsfortschritte abgedeckt ist.

Außenhandel: Deutscher Marktanteil legt zu

Eine leistungsfähige mauritische Industrie kann ausländische Märkte bedienen und im afrikanischen Kontext bessere Gehälter bezahlen. Damit steht Mauritius allerdings in Konkurrenz zu Ländern, die viel weniger bezahlen. Auf der Importseite braucht das Land für seine Infrastrukturprogramme immer mehr Kapitalgüter. Damit steigt das Handelsbilanzdefizit. Die Dienstleistungsbilanz ist positiv: Die Exporte von Versicherungen, Telekommunikations- und Finanzdienstleistungen sowie das Tourismusgeschäft entwickeln sich sehr gut. Das unter dem Strich verbleibende Leistungsbilanzdefizit kann durch ausländische Direktinvestitionen und eine private Kreditaufnahme ausgeglichen werden.

Deutschland spielte 2016 mit einem Lieferanteil von 3,1 Prozent (2015: 2,4 Prozent) zwar nur eine bescheidene Rolle, hat aber einen deutlich höheren Marktanteil als in den meisten anderen Ländern südlich der Sahara, von Südafrika einmal abgesehen. Bevorzugte Lieferländer sind China (17,7 Prozent) und Indien (16,5 Prozent). Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes lieferte Deutschland 2016 für 120,8 Millionen Euro Waren nach Mauritius (gegenüber 2015: +37 Prozent). Die deutschen Importe summierten sich auf 62,9 Millionen Euro (+31 Prozent).

Außenhandel Mauritius (in Mio. US$; Veränderung in %)
2017 2018 *) Veränderung 2018/17
Importe, fob 4.990 5.088 2,0
Exporte, fob 2.362 2.422 2,5
Handelsbilanzsaldo -2.628 -2.666 -

*) Schätzung

Quelle: EIU

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mauritius können Sie unter http://www.gtai.de/mauritius abrufen. Unter http://www.gtai.de/afrika erhalten Sie weitere Informationen zum Land Ihrer Wahl in Afrika.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mauritius Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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