Wirtschaftsausblick

31.07.2019

Wirtschaftsausblick - Mongolei (Juli 2019)

Inhalt

Gelungene Rückkehr zu robuster Dynamik / Von Jan Triebel

Ulan Bator/Almaty (GTAI) - Die mongolische Wirtschaft setzt ihren Aufschwung temporeich fort. Für 2019 gilt ein Wachstum um 7 Prozent als möglich. Für die Hauptimpulse sorgt das Investitionsgeschehen.

Wirtschaftsentwicklung: Gestiegene Rohstoffpreise stützen die Konjunktur

Der Aufschwung der mongolischen Wirtschaft hat wieder deutlich Tempo aufgenommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs 2018 real um 6,9 Prozent und somit stärker als ein Jahr zuvor. Noch dynamischer ging es im 1. Quartal 2019 mit einem BIP-Anstieg von 8,6 Prozent weiter. Die Wachstumserwartungen verschiedener internationaler Institutionen für das Gesamtjahr 2019 reichen von 6,3 Prozent (Internationaler Währungsfonds, IWF) bis hin zu 7,2 Prozent (Weltbank). Die mongolische Zentralbank prognostiziert zwischen 6,9 und 7,3 Prozent.

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Nach einer Wachstumsflaute in den Jahren 2015 und 2016 profitiert die Mongolei bei der Rückkehr zu dem beachtlichen Tempo vor allem von der anhaltend robusten Ertragslage bei ihren Hauptausfuhrgütern Kohle und Kupfer. Trotz der in letzter Zeit wieder stärker schwankenden Rohstoffnotierungen auf den Weltmärkten legten die Exporterlöse 2018 und in den ersten fünf Monaten 2019 um jeweils gut 13 Prozent zu.

Hinzu kommt, dass das überwiegend auf Engagements ausländischer Akteure beruhende Investitionsgeschehen wieder unter Volldampf steht. Eine dominierende Rolle spielen vor allem mehrere Vorhaben zur Gewinnung und Verarbeitung von Bodenschätzen. Als Zugpferd schlechthin gilt das milliardenschwere Megaprojekt Oyu Tolgoi für den Abbau von Kupfer und Gold im Süden des Landes mit zuletzt mehr als 17.000 Beschäftigten.

Auch auf mittlere Sicht gilt das Wachstumspotenzial des Landes als recht hoch. Während die Weltbank im Zeitraum 2020 bis 2021 ein BIP-Wachstum von durchschnittlich 6,7 Prozent erwartet, rechnet der IWF mit einem gemäßigteren Konjunkturverlauf im Bereich von 5 Prozent pro Jahr.

Klar ist, dass für die Mongolei dabei viel von der weiteren Entwicklung der Rohstoffpreise sowie vom Konjunkturverlauf in China abhängen wird. Als weitere Risiken sieht die Weltbank zudem politische Instabilität im Umfeld der 2020 anstehenden Parlamentswahlen sowie Klimaextreme, die dem wichtigen Wirtschaftsfaktor Landwirtschaft die Bilanz verhageln könnten.

Wirtschaftliche Eckdaten der Mongolei
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. US$) 11,4 13,0 4.001,5
BIP pro Kopf (US$) 3.598 4.026 48.269
Bevölkerung (Mio.) 3,2 3,2 82,9
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = Togrog) 2.441 2.467 -

Quellen: Nationales Statistikamt; Mongolische Zentralbank; Internationaler Währungsfonds; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Intensives Engagement des Auslands

Die Investitionstätigkeit, die derzeit der wichtigste Impulsgeber der mongolischen Wirtschaft ist, bleibt auf Wachstumskurs. Nachdem die Bruttoanlageinvestitionen 2018 mit real 22,5 Prozent deutlich anzogen, sieht es 2019 sogar nach einer weiteren Tempoverschärfung aus. Für das 1. Quartal 2019 meldete das nationale Statistikamt einen Anstieg um 42 Prozent. Für das Gesamtjahr prognostiziert die Weltbank ein Plus von 33,5 Prozent.

Kapitalanlagen des Auslands gelten weiterhin als Dreh- und Angelpunkt des Investitionsgeschehens. Auf diese entfielen 2018 circa zwei Drittel aller neu investierten Mittel. Das ausländische Engagement erreichte 2018 netto gut 2,1 Milliarden US-Dollar (US$), womit das Vorjahresniveau um 48 Prozent übertroffen wurde. Zwischen Januar und Mai 2019 machten die ausländischen Direktinvestitionen 721 Millionen US$ aus. Die Zentralbank bezifferte deren Gesamtbestand Ende 2018 auf 19,8 Milliarden US$, woran Kanada und China am stärksten beteiligt waren.

Ausgewählte Großprojekte in der Mongolei
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
2. Ausbaustufe der Kupfer- und Goldmine Oyu Tolgoi 6.500 bis 7.200 Erschließungsarbeiten; Investitionen und Zeitrahmen Mitte Juli 2019 wegen unvorhersehbarer Stabilitätsrisiken unter Tage angepasst; Beginn der Kupferförderung unter Tage nun erst zwischen Mai 2022 und Juni 2023 federführend: Rio Tinto Group als Projektmanager; Projektgesellschaft: Oyu Tolgoi (http://ot.mn/underground-en/?eoi;http://ot.mn/procurement/eoi-expression-of-interest-new/; E-Mail: procurement@ot.mn)
Bau der Eisenbahnverbindung Tavan Tolgoi-Züünbajan (415 km) ca. 3.000 Grundsteinlegung Ende Mai 2019 erfolgt Anbindung der Kohlelagerstätte Tavan Tolgoi an die Transmongolische Eisenbahn in Sainshand; Betreibergesellschaft mit Mehrheitsbeteiligung der staatlichen Eisenbahn der Mongolei; Finanzierung bis zuletzt nicht geklärt
Bau der Eisenbahnverbindung Erdenet-Ovoot-Arts Suuri (780 km) ca. 2.000 im Herbst 2018 offiziell als Projekt für den Ausbau des Schienennetzes bestätigt; Baubeginn für das 574 km lange Teilstück Erdenet-Ovoot demnächst zu erwarten federführend als Konzessionär für Teilstück Erdenet-Ovoot: Northern Railways (https://aspiremininglimited.com/northern-railways-llc/); bauausführend: China Gezhouba International Engineering Co. und China Railway 20 Bureau Group Corp.
Bau eines Kraftwerks bei der Kohlelagerstätte Tavan Tolgoi (Tavan Tolgoi Power Project; 300 MW) 1.000 bis 1.500 Ende 2018 neues Rahmenabkommen zwischen Oyu Tolgoi und mongolischer Regierung zur Stromversorgung von Oyu Tolgoi und des Aimags Omnnö-Gobi; Baubeginn für 2020 erwartet; Fertigstellung 2023 federführend: Oyu Tolgoi/Rio Tinto gemeinsam mit Tavantolgoi Tsakhilgaan Stants; hauptsächlich zur Stromversorgung von Oyu Tolgoi
Erdölraffinerie in Altanshiree (Aimag Dorno-Gobi; 1,5 Mio. t jährlich) 1.250 Erschließungsarbeiten seit Juni 2018; Mitte Mai 2019 Vergabe des Auftrags zur Projektleitung; Fertigstellung 2022 federführend: Mongol Refinery (http://mongolrefinery.mn/Default.aspx?page=66&menu=238; E-Mail: info@mongolrefinery.mn); Projektleitung: Engineers India Ltd. (https://engineersindia.com); Co-Finanzierung: Export-Import Bank of India mit 1 Mrd. US$; Projekt umfasst Ölpipeline, Kraftwerk sowie Anbindungen an Eisenbahn- und Straßennetz
Verlängerung der Eisenbahnverbindung Sainshand-Züünbajan bis Changi (281 km) ca. 1.000 2018 als Projekt für den Ausbau des Schienennetzes bestätigt; Absichtserklärung Ende September 2018 unterzeichnet; Machbarkeitsstudie wird derzeit erstellt federführend: Erdenes Mongol (mongolische Staatsholding) und China Railway 20 Bureau Group Corp.; voraussichtliche Co-Finanzierung: China Development Bank
Erschließung der Goldmine Gatsuurt und Bau einer BIOX-Aufbereitungsanlage am Standort Boroo 245 in Vorbereitung federführend: OZT Asia (Singapur); wahrscheinliche Reserven: 1,3 Mio. Unzen Gold
Bau der neuen Fernstraße Ulan Bator-Darchan (202 km) 193 Präqualifizierungsphase für Bauleistungen im April/Mai 2019; Verfahren zur Interessensbekundung für Bauaufsicht im Juni 2019; Baubeginn geplant für Herbst 2019 federführend: Ministry of Roads and Transport Development (Sugarmaa Chadraabal, E-Mail: sugarmaa@mrtd.gov.mn); Co-Finanzierung: EBWE (175 Mio. US$)
Bau einer Stadt nahe des neuen internationalen Flughafens von Ulan Bator k.A. in Planung; überarbeiteter Bebauungsplan von der Regierung im Frühjahr 2019 bestätigt Größe des für "Aerocity" vorgesehenen Areals rund 50 km südlich von Ulan Bator: 12.000 ha

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Staatliches Ausschreibungsportal: http://www.tender.gov.mn/en/index/

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/mongolei "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Verbrauchsplus dank höherer Einkommen

Neben den Investitionen weist der private Verbrauch 2019 nach oben. Die Kaufkrafteinbußen des Jahres 2016, die Folge einer Abwertung des Togrog waren, sind überwunden. Der Konsum der Bevölkerung legte 2018 mit 3,9 Prozent das zweite Jahr in Folge zu. Recht dynamisch geht es auch 2019 weiter: Laut Statistikamt wuchs der private Verbrauch im 1. Quartal um 4,1 Prozent. Für das Gesamtjahr 2019 prognostiziert die Weltbank 6,2 Prozent.

Ein Träger des Aufwärtstrends ist die Erholung auf dem Arbeitsmarkt. Die Erwerbslosenquote nahm zwischen 2016 und 2018 von 10 auf 7,8 Prozent ab. Zur Stärkung des Konsumentenvertrauens tragen steigende Realeinkommen bei. Ein Haushalt erzielte im 1. Quartal 2019 Einkünfte von etwa 478 US$ pro Monat, ein reales Plus von 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Parallel dazu nahm das Interesse für Verbraucherkredite auf Jahressicht um rund 40 Prozent zu, was die monatlichen Ausgaben eines Privathaushalts um real 8,3 Prozent auf 507 US$ steigen ließ.

Außenhandel: Weiterhin starke Bindung an China

Im Außenhandel setzt sich 2019 die positive Entwicklung des Vorjahres fort. Importseitig sorgen vor allem im Bergbau benötigte Investitions- und Verbrauchsgüter wie etwa Ausrüstungen zum Abbau und zur Aufbereitung von Erzen und Kohle sowie Dieselkraftstoff für Impulse. Außerdem fallen dank der robusten Privatnachfrage die Pkw-Einfuhren höher aus. Das Gros ihres Importbedarfs deckte die Mongolei im 1. Halbjahr 2019 über Lieferungen aus China (Anteil: 32 Prozent) und Russland (27 Prozent). Wichtige Herkunftsländer waren außerdem Japan (11 Prozent), die USA (6 Prozent), Südkorea (5 Prozent) und Deutschland (3 Prozent).

Demgegenüber kennen die Ausfuhren weiterhin fast nur eine Richtung: Der Anteil Chinas machte in den ersten sechs Monaten 2019 wertmäßig knapp 91 Prozent aus. Gleichzeitig dominierten mineralische Stoffe sowie Edel- und andere Metalle mit einem Beitrag von zusammen 90 Prozent. Den Ton gaben darunter Steinkohle (Anteil: 39 Prozent) und Kupferkonzentrate (27 Prozent) an.

Außenhandel der Mongolei (in Mio. US$; Veränderung in Prozent)
2017 2018 1. Halbjahr 2019 Veränderung 1. Halbjahr 2019/1. Halbjahr 2018
Importe 4.337 5.875 2.894 4,9
Exporte 6.201 7.012 3.939 10,0
Handelsbilanzsaldo 1.864 1.137 1.045 -

Quelle: Nationales Statistikamt

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/mongolei

Dieser Artikel ist relevant für:

Mongolei Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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