Wirtschaftsausblick

25.09.2019

Wirtschaftsausblick - Montenegro (September 2019)

Inhalt

Konjunkturschub durch Autobahnbau lässt nach / Von Christian Overhoff

Bonn (GTAI) - Montenegros Wirtschaft wird in diesem und in den kommenden zwei Jahren solide wachsen. Risiken bilden das externe Umfeld und eine hohe Verschuldung für den Autobahnbau.

Wirtschaftsentwicklung: Tourismus und Industrie geben Impulse

Kräftige Investitionen, ein weiteres Rekordhoch im Tourismus und eine deutlich gestiegene Industrieproduktionen haben das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2018 real um knapp 5 Prozent angehoben. Der Konsum profitierte von niedrigerer Arbeitslosigkeit und mehr Krediten. Das Wirtschaftswachstum wird - wenn auch weniger dynamisch - voraussichtlich 2019 und 2020 anhalten.

Der Tourismus glänzte 2018 mit einem Plus von 8,2 Prozent bei den Übernachtungen, berichtete das Statistikamt Monstat. Insgesamt legten die Dienstleistungen real um 4,7 Prozent zu. Die Industrie produzierte 5 Prozent mehr. Mehr Aufträge generierten vor allem Arbeiten im Straßenbau.

Montenegro lässt sich den ersten 41 Kilometern langen Abschnitt der Autobahn Bar - Boljare durch das Gebirge rund 1 Milliarde Euro kosten. Die restlichen 136 Kilometer dürften ähnlich viel kosten, schätzt der Internationale Währungsfonds (IWF). Chinas Exim Bank finanziert rund 85 Prozent der Baukosten für den ersten Abschnitt. Die Rückzahlung beginnt 2021 und erfordert Einsparungen an anderer Stelle.

Der Staat reduzierte 2018 das Haushaltsdefizit im Rahmen eines Konsolidierungsprogramms weniger stark als geplant. Höhere Ausgaben verzögern das Ziel eines ausgeglichenen Haushaltes. Die Höhe der öffentlichen Schulden inklusive Garantien hat 2018 rund 79 Prozent am BIP erreicht, nach 74 Prozent im Vorjahr. Der IWF prognostizierte im September 2019 für 2020 einen weiteren Anstieg dieser Quote auf 82 Prozent. Der Autobahnbau lastet schwer. Ohne ihn wären die Schulden auf 59 Prozent vom BIP gesunken.

Die hohen öffentlichen Schulden begrenzen den Spielraum, auf mögliche Konjunkturabschwünge zu reagieren. Risiken sind, abgesehen von externen Faktoren, eine steigende politische Unsicherheit vor den Parlamentswahlen 2020, die Verletzlichkeit einiger Banken ausufernde Kosten für den Autobahnbau. Für die Jahre 2019 bis 2021 erwartet die Weltbank ein durchschnittliches BIP-Wachstum von 2,5 Prozent.

MKT201909248000.14

Wirtschaftliche Eckdaten Montenegro
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. Euro) 4,0 4,3 3.277,3
BIP pro Kopf (Euro) 6.354 6.908 39.649
Bevölkerung (Mio.) 0,6 0,6 82,7

Quellen: Statistikamt Montenegros (Zavod za statistiku Crne Gore, Monstat); Statistisches Bundesamt

Investitionen: Nach Autobahnfertigstellung wird ein Hauptimpuls fehlen

Das Investitionswachstum schwächt sich in diesem und im nächsten Jahr ab. Die Anlageinvestitionen werden 2019 nur relativ gering zulegen. Gründe sind der Basiseffekt nach bereits sehr hohen Zuwächsen 2017 und 2018 und eine Reduzierung der öffentlichen Ausgaben. Der erste Abschnitt der Autobahn Bar - Boljare wird 2020 fertig. Die EU-Kommission erwartet für 2020 nur noch ein Plus von 2 Prozent der Bruttoanlageinvestitionen. Die Weltbank rechnet gar mit einer Schrumpfung von 2,8 Prozent.

Montenegro sah 2018 einen starken Anstieg von privaten und öffentlichen Investitionen; angeführt von Tourismus und Energiewirtschaft und gestützt vom Autobahnbau. Die privaten Investments hatten einen positiven Impuls durch den NATO-Beitritt des Landes im Juni 2017 erhalten. Diese Westintegration hat die Chancen auf einen EU-Beitritt deutlich erhöht. Die ausländischen Direktinvestitionen nahmen 2018 um 7,1 Prozent ab. Dies liegt an Sondereffekten wie der Rückzahlungen von Schulden innerhalb von Firmen und dem staatlichen Rückkauf von Anteilen an einem Energieerzeuger, berichtet die Weltbank.

Ausgewählte Großprojekte in Montenegro
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Mittelmeerkorridor: Ausbau der Straßenverbindung von Kroatien - Montenegro - Albanien (R1) und Umgehungsstraße Budva 293 Studien abgeschlossen, Projekt-Design und Implementation folgen Finanzierung über EBRD-Darlehen und WBIF/KfW; Ministerium für Transport und Maritime Angelegenheiten - Direktorat für Straßen http://www.msp.gov.me/kontakt
Bau des Solarparks Briska Gora (Gemeinde Ulcinj) Über 200 Ende 2018 Bauvertrag mit Fortum und Sterling & Wilson unterzeichnet; geplanter Baubeginn 2020 Leistung mindestens 250 MW; Zuständig EPCG http://www.epcg.com/o-nama/djelovi-epcg/izvrsni-direktor/igor-noveljic; Beteiligung u.a. Fortum Finnland 49 %; http://www.fortum.com/products-and-services/smart-energy-solutions/solar-solutions/solarplus;
Ausbau und Modernisierung der Flughäfen in Podgorica und Tivat - Konzession Mindestens 200 Konzession ausgeschrieben http://www.msp.gov.me/ministarstvo/Koncesije-Aerodroma-Crne-Gore/vijesti/; Ausschreibungsverfahren leitet WB-IFC Ministerium für Transport und Maritime Angelegenheiten - Direktorat für Luftverkehr http://www.msp.gov.me/kontakt
Bau des Windparks Brajici (Gemeinde Budva-Bar) Mindestens 100 Pacht des Baulandes vom 12. August bis 11. Oktober 2019 ausgeschrieben: http://www.mek.gov.me/en/ministry/208530/PUBLIC-CALL-FOR-A-LONG-TERM-STATE-PROPERTY-LAND-LEASE-FOR-THE-CONSTRUCTION-OF-WIND-POWER-PLANT-AT-THE-SITE-BRAJIcI-MUNICIPALITIE.html?alphabet=lat Mögliche Leistung mindestens 75 MW; Ministerium für Wirtschaft - Direktorat für Energie http://www.mek.gov.me/kontakt;
Ausbau der Hauptstraße von Scepan Polje (Grenze zu Bosnien und Herzegowina)-Pluzine 75 Projektdokumentation für Montenegro abgeschlossen (zweiter Teil des Projektes in Bosnien und Herzegowina) Finanzierung über EBWE-Darlehen und WBIF; Ministerium für Transport und Maritime Angelegenheiten - Direktorat für Straßen http://www.msp.gov.me/kontakt
Bau des Windparks Gvozd (Gemeinde Niksic) Mindestens 70 Interessensbekundung mit Ivicom Holding GmbH aus (?) Österreich unterzeichnet: http://www.ivicom-holding.com ; Baubeginn Ende 2020, Bauzeit 2 Jahre Mögliche Leistung mindestens 50 MW; Finanzierung über internationale Darlehen geplant; zuständig Ministerium für Wirtschaft - Direktorat für Energie http://www.mek.gov.me/kontakt;
Bau der Kläranlage in Podgorica 51 Ausschreibungen in Vorbereitung KfW-Darlehen; Wasser- Abwasser Podgorica http://www.vikpg.me/investicije
Mittelmeerkorridor: Modernisierung, Elektrifizierung der Eisenbahnverbindung Podgorica - Grenzübergang zu Albanien 38,5 Dokumentation des Streckenabschnitts Podgorica - Tuzi in Vorbereitung Finanzierung über KfW-Darlehen; WBIF Ministerium für Transport und Maritime Angelegenheiten - Direktorat für Eisenbahnen http://www.msp.gov.me/kontakt; Eisenbahninfrastruktur Montenegro http://www.zicg.me/piu/PG-ALB/buduci/1.html
Ausbau der Wasserversorgung in den Adria-Gemeinden Tivat, Budva und Herceg Novi (Teil des Gesamtprojektes Verbesserung der regionalen Wasserversorgung und Abwasserentsorgung) 30 (Gesamtprojekt 142) Derzeit Finanzierung von 30 Mio. im Genehmigungsverfahren der EBRD Regionale Wasserversorgung http://www.regionalnivodovod.me; Bau von 1) Anschluss an die regionale Wasserleitung, Wasserpipeline nach Herceg Novi; 2) Wasserpipeline von Budva nach Tivat; 3) Wasserversorgungsnetz in Bar
Weiterer Ausbau der Breitband Infrastruktur in Montenegro 27,6 in Vorbereitung Finanzierung über EBWE-Darlehen und WBIF; Agentur für elektronische Kommunikation und Post Montenegro http://www.ekip.me/eng

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu nationalen Ausschreibungen unter http://www.ujn.gov.me

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/Montenegro , "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: 2019 lässt Dynamik nach

Der private Verbrauch legte 2018 deutlich zu. Ein starkes Kreditwachstum und sinkende Arbeitslosigkeit erhöhten das Tempo. Die Beschäftigung stieg um 4,3 Prozent. Die Arbeitslosenrate fiel auf ein historisches Tief (14,8 Prozent). In Folge legte der Einzelhandel um 3,4 Prozent zu. Dieser Kaufkraftschub lässt künftig nach. Der Konsum dürfte sich 2019 und 2020 nur moderat entwickeln. Politische und wirtschaftliche Unsicherheit trüben das Konsumklima. Haushaltskonsolidierungen bremsen 2019, eventuell unterbrochen durch die Parlamentswahlen 2020. Positiv wirkt ein Anstieg des Mindestlohnes um 15 Prozent seit April 2019.

Eine geringe Inflation von 1,3 Prozent wird für 2019 erwartet. Für 2020 prognostizieren Ökonomen der EU-Kommission eine Rate von 1,9 Prozent. Höhere Verbrauchssteuern und eine angekündigte Erhöhung der Strompreise (ab Ende 2019) sowie die Mindestlohnerhöhung beschleunigen die Geldentwertung. Zwei Ereignisse schwächen 2020 Beschäftigung und Konsum: die geplante Einsparung von Mitarbeitern in der öffentlichen Verwaltung und die Fertigstellung des ersten Abschnitts der Autobahn Bar - Boljare. Beides wird zur Entlassungen führen und die Arbeitslosigkeit moderat auf 15 Prozent anheben.

Außenhandel: Importe wachsen stärker als Exporte

Montenegro steigerte seine Ausfuhren 2018 von Waren und Dienstleistungen um 9,5 Prozent deutlich - beflügelt durch den wachsenden Tourismus. Vorläufige Daten für die erste Jahreshälfte 2019 signalisieren einen weiteren Anstieg der Dienstleistungsexporte. Zusätzlich dürften neu errichtete Kapazitäten in den Branchen Aluminium, Tabak und Pharmazeutik die Exporte stützen, wodurch etwa die EU-Kommission für den gesamten Export mit einem Plus von 4,1 Prozent rechnet.

Das Handelsbilanzdefizit hat sich 2018 trotz kräftigem Exportwachstums ausgeweitet, da die Importe noch deutlicher zugelegt haben. Der Importanstieg basierte auf verteuertem Öl und mehr Investitionsgütern. Die Einfuhren dürften 2019 im Zuge der geringeren Investitionszunahme schwächer zunehmen und so die Exporte netto zu einem Wachstumsfaktor für die Gesamtwirtschaft machen. Die große Unbekannte bei dieser Prognose ist der Handelsstreit zwischen China und den USA und die infolge gebremste Weltwirtschaft.

Warenaußenhandel Montenegros (in Mio. Euro; Veränderung in Prozent)
2017 2018 Veränderung 2018/2017
Importe 2.303,5 2.553,6 10,9
Exporte 371,5 400,1 7,7
Handelsbilanzsaldo -1.932,0 -2.153,5 -

Quelle: Monstat

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/montenegro.

Dieser Artikel ist relevant für:

Montenegro Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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‎+49 228 24 993 321

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