Wirtschaftsausblick

10.01.2019

Wirtschaftsausblick - Mosambik (Januar 2019)

Inhalt

Erdgasfeld kann Trendwende bringen / Von Fausi Najjar

Johannesburg (GTAI) - Das rohstoffreiche, aber bitterarme Mosambik ist überschuldet und hofft auf die Erschließung eines riesigen Offshore-Gasfeldes. Wie stehen die Chancen?

Wirtschaftsentwicklung: Höheres Wachstum keine Garantie für Entwicklung

Im Jahr 2019 ist in Mosambik mit einem Realwachstum von rund 3,4 Prozent zu rechnen. Die für das Land schwache Steigerungsrate des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ist insbesondere einer schweren Liquiditäts- und Vertrauenskrise seit 2016 geschuldet. Immerhin sind erste Anzeichen einer Überwindung der Schuldenkrise zu verzeichnen. Ende November 2018 lobte der Internationale Währungsfonds (IWF) die Fortschritte bei der Konsolidierung der Wirtschaft und erste Schritte, die hohe Staatsverschuldung zu reduzieren.

Ziehen ab circa Mitte 2019 die Investitionen in die Erschließung der drittgrößten Erdgasvorkommen Afrikas im Rovuma-Becken an, dürfte das Wachstum ab 2020 auf rund 5 Prozent steigen. Mit Produktionsbeginn ab etwa 2024 dürfte das BIP-Plus bei mehr als 7 Prozent liegen. Ob dadurch der Entwicklungsstand des Landes gehoben wird, bleibt allerdings ungewiss. Die hohen realen Zuwachsraten 2001 bis 2015 mit einem Jahresdurchschnitt von 7,8 Prozent haben für das Gros der Bevölkerung kaum eine nennenswerte Verbesserung der wirtschaftlichen Lage gebracht.

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Vor allem Zahlungsschwierigkeiten belasten die Wirtschaft und erschweren die Finanzierung von Großprojekten. In den Jahren 2012 und 2013 haben ausländische Banken Kredite in Höhe von insgesamt 1,1 Milliarden US-Dollar (US$) offenbar an Briefkastenfirmen vergeben, die vom mosambikanischen Geheimdienst SISE kontrolliert wurden. Trotz des nicht-rechtswirksamen Zustandekommens staatlicher Bürgschaften scheint die Regierung die Kredite, wenn auch zögerlich, bedienen zu wollen; dies offenbar, um das Vertrauen der Geldgeber wieder zu stärken.

Das scheint schrittweise zu gelingen. Im Februar 2017 konnte Mosambik allerdings die Zinszahlung der einzigen Staatsanleihe von 727 Millionen US$ nicht bedienen. Die Regierung versucht nun im Rahmen einer Umstrukturierung, die Gläubiger an den erwarteten Gaseinkommen zu beteiligen. Die Verhandlungen scheinen gut zu verlaufen. Der Anteil der Staatsschulden am BIP war 2016 auf 121,5 Prozent hochgeschnellt (2015: 88,1 Prozent). Im Jahr 2018 waren es rund 102 Prozent.

Wirtschaftliche Eckdaten Mosambik
Indikator 2017 2018 *) Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 12,6 14,6 3.702,4
BIP pro Kopf (US$) 426 *) 481 44.791
Bevölkerung (Mio.) 29,5 *) 30,3 82,8
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = x Metical (MT)) 63,5 60,0

*) Schätzung

Quellen: IWF; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Projekte ziehen an, Risiken bleiben

Die Signale für einen Projektstart des Rovuma Area 1-Gasfeldes sind positiv. Mitte 2019 ist mit der endgültigen Investitionsentscheidung zu rechnen. Vorausgesetzt, die geplanten Gasprojekte werden umgesetzt, rechnet EIU bei den Bruttoanlageinvestitionen nach einem Minus von 12,5 Prozent im Jahr 2018 mit einem Plus von 8,2 Prozent 2019 und dann von 60 und 55 Prozent in den Folgejahren. Schwache Weltmarktpreise für Rohstoffe könnten allerdings Investitionen in den Kohle- und Titanabbau sowie selbst den Erdgasexport (nochmals) verzögern.

Die Zinswende in den USA und der damit verbundene Rückzug risikofreudiger Investoren aus den Entwicklungs- und Schwellenländern sowie die Abwertung des mosambikanischen Metical sind weitere Risiken. Darüber hinaus ist der Aussöhnungsprozess zwischen den ehemaligen Bürgerkriegsparteien - der regierenden Frelimo und Renamo - noch nicht abgeschlossen. Schließlich sind Zahlungsausfälle staatlicher Auftraggeber weiterhin nicht auszuschließen.

Ausgewählte Großprojekte Mosambik
Projektbezeichnung Investitionssumme (in Mio. US$) Projektstand Anmerkung
Rovuma Area 1 Gas Field 18.500 Entwurf Anteile: Anadarko Mozambique Area 1 (26,5%), Empresa Nacional de Hidrocarbonetos E.P. (15%), Mitsui E&P Mozambique Area 1 (20%), ONGC Videsh (16%), Bharat PetroResources (10%), PTTEP Mozambique Area 1 (8,5%), Oil India (4%). Offshore-Förderung und Verflüssigung von Erdgas anhand zweier LNG-Anlagen mit jeweils 7,6 Millionen Tonnen im Jahr. Förderbeginn frühestens 2024.
Rovuma Area 4 Gas Field/ Coral South FLNG Plant 6.330 im Bau, Plattform wird in Korea hergestellt Anteile: Eni (25%), ExxonMobil (25%), China National Petroleum Corporation (20%), Empresa Nacional de Hidrocarbonetos E.P. (10%), Kogas (10%) and Galp Energia (10%). Förderung und Verflüssigung von 3,4 Millionen Tonnen Erdgas im Jahr. Förderbeginn voraussichtlich 2024.
Ncondezi Coal Power Plant in Tete 2.200 Engineering, Procurement and Construction (EPC) Verträge für das 1. Quartal 2019 vorgesehen 1. Einheit 300 Megawatt (MW), fünf weitere Einheiten für maximal insgesamt 1.800 MW geplant. Investor: Ncondezi. Betrieb 1. Einheit ab 2023 vorgesehen.
Jangamo Mineral Sands Project 1.000 Entwurf Partnerschaft zwischen Savannah und Rio Tinto. Abbau von 600.000 Tonnen Schwermetallsande pro Jahr. Inhambane Province im Süden Mosambiks. Produktionsbeginn geplant ab 2020.
Maxixe Provincial Hospital 700 Entwurf Aufgrund fehlender Finanzierung noch nicht mit dem Bau gestartet. Sollte 2019 fertiggestellt werden. Auftrag erteilt durch mosambikanische Regierung an Castanheira & Soares Mozambique Ltd. / 500 Betten.
Temane 400 MW Power Project 500 Vorentwurf Anteile bisher: Electricidade de Moçambique E.P. EDM (51%) und Sasol aus Südafrika (49%). Temane Energy Consortium (TEC) wird 60 Prozent der EDM-Anteile übernehmen. Globelc (zu TEC) hat im Juli 2018 mit EDM ein Abkommen zur Entwicklung des Projektes geschlossen.
Beira Port Essar Coal Terminal 500 Vorentwurf Im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft mit Essar Ports (Indien). 20 Millionen Tonnen im Jahr.
Scatec Solar (PV) Power Plant Project 76 Machbarkeitsstudie 40 MW (Fotovoltaik); Mocuba in der Zambezi Region. Scatec Solar (52,5%), KLP Norfund Investments (22,5%) und EDM (25%).
Trans-Zambezi Rail Project 2.500 Vorentwurf China Railways hat den Bau einer rund 2,5 Milliarden US$ teuren Trasse zwischen Mosambik, Sambia, Malawi und Simbabwe vorgeschlagen. Zunächst 400 km Shamva (Simbabwe) nach Moatize (Mosambik) und weiter 900 km durch Malawi zum Hafen Nacala.
Maputo Ports 1.200 Planung / teils im Bau Ausbau des Container-Terminals auf 250.000 Twenty Foot Equivalent Unit (TEU) im Gange. Nächste Bauphase 450.000 TEU. Bis 2033 sind 30 Mio. TEU/Jahr avisiert. Planmäßige Umsetzung ist unsicher.

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/mosambik, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Steigerung von niedrigem Niveau aus

Die Konsumausgaben legen 2018 und 2019 jährlich um 4 bis 5 Prozent zu, jedoch von einem sehr niedrigen Ausgangsniveau aus. Trotz Fortschritten bei der Armutsbekämpfung in den Wachstumsjahren 2001 bis 2014 gehört Mosambik weiterhin weltweit zu den ärmsten Ländern. Der kaufkräftige Konsumentenkreis beschränkt sich auf gut bezahlte Expatriates sowie auf eine kleine mosambikanische Elite. Nach einer Steigerung von 26 Prozent Ende 2016 gegenüber Ende 2015 konnte die Teuerungsrate 2017 und 2018 auf jeweils unter 6 Prozent gesenkt werden. Dies vor allem dank einer straffen Geldpolitik, moderat steigender Lebensmittelpreise und eines stabileren Wechselkurses.

Im Jahr 2019 dürfte die Inflationsrate mit etwas mehr als 6 Prozent wieder höher ausfallen. Dafür sprechen ein sich abzeichnender schwächerer Metical und weitere Subventionskürzungen bei den Energiepreisen. Dürren und Überschwemmungen bilden ein erhebliches Risiko für die wichtige Preisentwicklung bei Nahrungsmitteln.

Außenhandel: Kapitalimporte werden zulegen

Mit wenig Industrie und einem nur kleinen gehobenen Verbrauchermarkt bleibt die Nachfrage nach deutschen Maschinen und haltbaren Konsumgütern äußerst begrenzt. Lieferchancen für deutsche Unternehmen ergeben sich bei der Umsetzung von Großprojekten in der Energieversorgung und im Bergbau.

Außenhandel Mosambik (in Mio. US$; Veränderung in %)
2017 2018 *) Veränderung 2018/17
Importe 5.223 6.104 16,9
Exporte 4.725 5.395 14,2
Handelsbilanzsaldo -498 -709

*) Schätzung

Quelle: EIU

Mosambik hat 2017 Kohle (35,7 Prozent), Aluminium (23,3 Prozent), Erdgas (7,6 Prozent) und Strom (7,6 Prozent) ausgeführt. Hinzu kommen die Exporte von Schwermetallsanden (4,4 Prozent) sowie von Edelsteinen und Gold. Der Agrarexport umfasst Tabak (6,2 Prozent), Hölzer, Zucker, Garnelen und Nüsse. Bis circa 2022 ist mit schwächeren Kohle- und Aluminiumausfuhren zu rechnen. Hinzu kommen steigende Importe von Kapitalgütern für die Erschließung der Gasfelder.

Deswegen wird der Anteil des Leistungsbilanzdefizits am BIP von gegenwärtig 23 Prozent auf 33 Prozent im Jahr 2020 steigen und selbst danach weiter zulegen. Erst mit dem Export von Erdgas verbessern sich die externen Bilanzen. Die bestehenden Lücken werden teils durch Schuldenerlasse und Entwicklungshilfe geschlossen.

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/mosambik

Dieser Artikel ist relevant für:

Mosambik Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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