Wirtschaftsausblick

19.06.2019

Wirtschaftsausblick - Myanmar (Juni 2019)

Inhalt

Westliche Investoren halten sich mit Engagement zurück / Von Frauke Schmitz-Bauerdick

Hanoi (GTAI) - Myanmars Wirtschaftsentwicklung zeigt Licht und Schatten. Nach einem schwachen Jahr 2018 zieht die Produktion wieder an. Ausländische Investoren profitieren von Marktöffnungen.

Wirtschaftsentwicklung: Erholung der wirtschaftlichen Lage

Myanmar wuchs im Transitionszeitraum 2018 (1. April bis 30. September 2018) um lediglich 6,2 Prozent und bleibt damit unter seinem vom Internationalen Währungsfonds (IMF) auf sieben bis acht Prozent geschätzten Wachstumspotential. Politische Unwägbarkeiten, hier vor allem die Rohingya-Krise, lasten auf der Wirtschaft des Landes.

Für das Finanzjahr 2018/19 (1. Oktober bis 31. September) erwarten Analysten der Asian Development Bank (ADB) eine Erholung der wirtschaftlichen Lage und eine Wachstumssteigerung auf 6,6 Prozent. Im August 2018 in Kraft getretene Reformen des Investitions- und Gesellschaftsrechts erleichtern den Markteintritt für ausländische Unternehmen. Vor allem ostasiatische Investoren, allen voran aus China und Japan, verstärken ihr Engagement in Myanmar.

Auch nimmt die Industrieproduktion an Fahrt auf. Der Nikkei Purchasing Manager Index (PMI) erreichte im Mai 2019 mit 54,2 Punkten den höchsten Wert seit 13 Monaten. Betriebe berichten von steigenden Auftragseingängen und fahren Investitionen und Herstellung hoch. Ebenfalls auf Wachstumskurs befindet sich der Dienstleistungssektor, für den die ADB ein Wachstum von 9 Prozent für 2018/19 prognostiziert.

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Der Agrarsektor wird aufgrund der Überschwemmungen im Jahr 2018 nach ADB-Prognosen hingegen um lediglich 0,5 Prozent wachsen. Auch der private Verbrauch entwickelt sich verhalten. Inflationsraten von durchschnittlich 7,5 Prozent (Prognose) im Finanzjahr 2018/19 verringern die Kaufkraft.

Wirtschaftliche Eckdaten Myanmar 2017 bis 2019
Indikator 2017/18 1) 2018 2) 2018/19 3) 4) Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. US$) 66,7 23,7 65,7 4.001,5
BIP pro Kopf (US$) 1.267 1.254 1.242 48.269
Bevölkerung (Mio.) 53,4 53,9 54,3 82,9
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = ? Kyat) 1.336,5 1.551,5 - -

Quellen: IMF; Economic Intelligence Unit; Statistisches Bundesamt

1) Finanzjahr 2017/18 vom 1. April 2017 bis 31. März 2018; 2) Transitionszeitraum 1. April bis 30. September 2018; 3) Finanzjahr 2018/19 vom 1. Oktober bis 30. September; 4) Schätzung

Mittelfristig sehen Analysten starke Wachstumspotentiale. Aktuell aber bleiben die nationalen und globalen Rahmenbedingungen schwierig. Die exportabhängige Wirtschaft steht vor der Herausforderung, weltwirtschaftliche Nachfrageeintrübungen auszubalancieren. Zudem dürfte der Exportsektor hart getroffen werden, wenn die Europäische Union (EU) Überlegungen umsetzt, aufgrund der anhaltenden humanitären Krise im Rakhine-Staat die Zollpräferenzen für myanmarische Produkte zu suspendieren. Exporte in die EU machen rund zehn Prozent des Gesamtexportvolumens des südostasiatischen Landes aus.

Investitionen: Sonderwirtschaftszone Thilawa setzt Maßstäbe

2018 in Kraft getretene Markteintrittserleichterungen dürften in Zukunft zunehmend Investoren anziehen. So hat Myanmar unter anderem die Bereiche Versicherung, Finanzdienstleistungen und Handel für ausländische Investoren geöffnet. Auch der expandierende Bereich Telekommunikation sieht hohe Zuflüsse ausländischer Investitionen.

Zwar bleiben gerade westliche Investoren aus den USA oder der EU aufgrund der politischen Unsicherheiten mit einem Engagement zurückhaltend. Gleiches gilt für internationale Geberinstitutionen. Insbesondere China aber springt in die Lücke und möchte mit Großprojekten im Rahmen der Seidenstraßeninitiative wichtige wirtschaftliche Positionen in der strategisch günstig gelegenen Region belegen. Auch Unternehmen aus Singapur, Thailand und Japan engagieren sich stark. Die japanisch finanzierte, 2015 eröffnete Sonderwirtschaftszone Thilawa bei Yangon entfaltet landesweit Vorbildfunktion.

Die Regierung plant umfangreiche Investitionen vor allem in die Infrastruktur, ist finanziell aber schwach aufgestellt. Daher wird auf die Beteiligung privater Investoren im Rahmen von Public Private Partnership (PPP) und Unterstützung durch internationale Geber gesetzt.

Ausgewählte Großprojekte in Myanmar
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) Projektstand Anmerkung
Japan International Cooperation Agency (JICA) Masterplan Yangon 2040 4.500 Laufender Langzeitplan Schwerpunkte in Wasser, Abwasser, Verkehr, Transport, Stromversorgung und Abfallmanagement
National Transport Master Plan 2.600 Langzeitplan bis 2030 Modernisierung der Infrastruktur in Straße, Schiene, Wasser und Lufttransport
Yangon Central Station 2.500 Auftragsvergabe, Vertragsverhandlungen laufen Konsortium aus Oxley Holdings, Sino Great Wall und Min Dhama (Mottama)
Ayeyarwady Region Gaskraftwerk, Ahlone, Region Yangon 2.500 Genehmigt, Baubeginn wegen laufender Power Purchase Agreement (PPA)-Verhandlungen verzögert; Fertigstellung bis 2021/2022 geplant Kapazität 1390 Megawatt (MW); Projektentwicklung durch Zhefu Holding Group Co.Ltd. (VR China) und Supreme Group (Myanmar)
Gaskraftwerk in in Kanbauk, Region Taninthary 2.100 Genehmigt, Baubeginn wegen laufender PPA-Verhandlungen verzögert Kapazität 1.230 MW; Konsortium zwischen Total (Frankreich) und Siemens (Deutschland)
Kyaukpyu Tiefseehafen, Rakhine 1.700 (erste Phase Memorandum of Understanding (MoU) im November 2018 unterzeichnet Investor ist CITIC (China) mit Investitionen im Rahmen der Belt and Road Initiative
Hanthawaddy International Airport 1.500 Baubeginn avisiert für 2019/2020 Finanzierung durch japanische Entwicklungsgelder
Wasserkraftwerk Shweli-3 in Moe Meik (1.050 MW) 1.400 Genehmigungsphase läuft Erstes europäisches PPP durch Électricité de France
Nationalplan zur Elektrifizierung 480 Finanzierung Darlehen von ADB, Weltbank, JICA und Kreditanstalt für Wiederaufbau

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/myanmar, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Urbane Malls mit westlichem Flair

Der private Konsum schwächelte 2018. Langsamer steigende Einkommen und eine hohe Inflation dämpften die Kauflaune. Mittelfristig aber dürfte die Kaufkraft der überwiegend jungen Bevölkerung steigen und nicht nur den stationären Handel, sondern auch den bislang noch in den Kinderschuhen steckenden Bereich E-Commerce beleben.

Wichtigste Verkaufskanäle sind bislang noch traditionelle Märkte und einfache Geschäfte. Der moderne Einzelhandel beginnt vor allem im wirtschaftlichen Zentrum des Landes, Yangon, Fuß zu fassen. Vorreiter ist hier die myanmarische City Mart Holding. Westliche Marken und Ketten etablieren sich in den modernen Shopping Malls. Außerhalb Yangons sind Supermärkte oder Einkaufszentren noch wenig verbreitet.

Der Tourismussektor sah 2018 verhältnismäßig geringe Zuwächse. Die Zahl ausländischer Gäste stieg um 3,2 Prozent auf knapp 3,6 Millionen. Während westliche Besucher das Land mieden, zieht es immer mehr asiatische Gäste nach Myanmar. Auch die wachsende urbane Mittelschicht beginnt, Urlaubsreisen im eigenen Land zu unternehmen.

Außenhandel: Sonderwirtschaftszone treibt die Exporte

Das Handelsvolumen stieg 2018 um 8,7 Prozent auf 36 Milliarden US-Dollar (US$). Die Exporte legten um 20 Prozent zu, während die Importe mit einer Steigerung von lediglich 0,5 Prozent konstant blieben. Damit gelang es, das Handelsdefizit gegenüber dem Vorjahr auf 2,7 Milliarden zu halbieren. Eine steigende, für den Export bestimmte Industrieproduktion vor allem in der Sonderwirtschaftszone Thilawa wird die Ausfuhren in Zukunft weiter treiben. Allerdings bleibt Myanmar auf die Zulieferung von Vorprodukten angewiesen.

Wichtigste Importgüter sind entsprechend Maschinen, Chemie, Elektronik, Stahl sowie Baumaterialien. China ist stärkstes Lieferland, Singapur steht dank wachsender Re-Exporte an zweiter Stelle. Dahinter folgen Thailand, Indien, Indonesien und Südkorea.

Myanmars wichtigste Exportgüter sind Erdgas, Agrar- und Tierprodukte, Bekleidung und Mineralien. China und Thailand beziehen die meisten Waren. Auf dem dritten Rang folgt die EU, die 2018 Güter im Wert von 2,7 Milliarden US$, vorwiegend Bekleidung (74 Prozent der Gesamteinfuhren) und Nahrungsmittel, importierte.

Außenhandel Myanmar (in Mio. US$; Veränderung in Prozent)
2017 2018 Veränderung
Importe 19.253 19.345 0,5
Exporte 13.879 16.672 20,1
Handelsbilanzsaldo -5.374 -2.673 -

Quelle: US-Comtrade

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/myanmar. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Myanmar Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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