Wirtschaftsausblick

07.11.2018

Wirtschaftsausblick - Myanmar (November 2018)

Inhalt

Wachstum unter Unsicherheit / Von Waldemar Duscha

Bangkok (GTAI) - Myanmars Entwicklung zeigt Licht und Schatten. Das Investitionsklima erhielt einen Dämpfer, doch dürfte das Interesse der asiatischen Wirtschaftspartner den Kurs weiter stützen.

Wirtschaftsentwicklung: Langwierige Aufholjagd

Die wirtschaftlichen Wachstumsperspektiven bleiben auch auf lange Sicht vielversprechend - unter dem Vorbehalt weiterer Fortschritte im Kurs der Liberalisierung und Marktöffnung. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll 2018 um 6,2 Prozent zulegen, hauptsächlich getragen von der Industrie und den Dienstleistungen, während die Landwirtschaft aufgrund des Monsumregens nur gering zulegte. Auf längere Sicht liegen die Prognosen in der gleichen Größenordnung.

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Ein wesentlicher Wachstumsfaktor besteht im anhaltenden Zufluss ausländischer Direktinvestitionen, das offizielle Ziel sind jährlich 6 Milliarden US-Dollar (US$). Führend sind die Länder China, Singapur, Thailand und Hongkong mit zusammen 834 Projekten und damit drei Viertel des Investitionswertes von 77 Milliarden US$. Aus Europa sicherte sich das Vereinigte Königreich eine größere Präsenz mit 92 Projekten mit einigem Abstand vor den Niederlanden (21), Frankreich (20) und Deutschland (4).

Wirtschaftliche Eckdaten Myanmar
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 68,0 72,3 3.687
BIP pro Kopf (US$) 1.250 1.319 44.595
Bevölkerung (Mio.) 54,4 54,8 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = Kyat, K) 1.163 1.302 --

Quellen: Economist Intelligence Unit, Statistisches Bundesamt

Trotz internationalem Investitionsgesetz und modernem Gesellschaftsrecht lässt das Geschäftsklima noch zu wünschen übrig. Im "Ease of Doing Business" der Weltbank verbesserte sich Myanmar bislang nur marginal auf Rang 171 von 190 Ländern - meist bedingt durch die schwerfällige Bürokratie und die mangelnde Abstimmung der wirtschaftlichen Ministerien. Auch in punkto Korruption stellt Transparency International mit einem Rang 130 von 175 Ländern kein rühmliches Zeugnis aus.

Die makroökonomischen Grundlagen bleiben labil: neben der hohen Inflation von über 6 Prozent und der latent hohen Volatilität der nationalen Währung Kyat drücken die Defizite in Staatsfinanzen und Außenverhältnis. Im Finanzhaushalt kletterte das Defizit kontinuierlich bis auf 3 Prozent des BIP, während das Defizit in der Leistungsbilanz sich auf 4,9 Prozent des BIP verschlechterte. Gravierende Engpässe bestehen zudem in Energie, Infrastruktur, Bildungswesen und Gesundheit.

Investitionen: Thilawa setzt Maßstäbe

Die ausländischen Direktinvestitionen belaufen sich bei insgesamt 1.535 Projekten auf akkumulierte 77,3 Milliarden US$. Nach Sektoren dominiert anzahlmäßig die Warenproduktion mit 918 Projekten vor Erdöl & Erdgas (154) und dem Gastgewerbe (75). Wertmäßig führen Erdöl & Erdgas (29 Prozent) und der Energiesektor (27 Prozent) vor der Warenproduktion (13 Prozent), Transport & Kommunikation (12 Prozent), Immobilien (7 Prozent) und dem Tourismus (4 Prozent).

Eine Modellfunktion für die Industriestruktur gebührt der mit japanischer Hilfe entwickelte Sonderwirtschaftszone Thilawa. Die Zone A ist abgeschlossen mit 78 Unternehmen aus 17 Ländern und Investitionen von 1,4 Milliarden US$. Produziert werden Bekleidung, Verpackungen, Baumaterialien, Autoteile, Stahlprodukte, Nahrungsmittel, Agrarmaschinen, Arzneimittel und Medizintechnik. Die 2018 eröffnete Zone B ist auf 150 Fabrikanten mit Investitionen von über 1,7 Milliarden US$ ausgerichtet.

Ausgewählte Großprojekte in Myanmar
Projektbezeichnung Investitionssumme (US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Hanthawaddy International Airport 1,5 Mrd. Finanzierung Japanische Interessen nach dem Rückzug von Yongnam Holdings Singapur
National Transport Master Plan 22,7 Mrd. Langzeitplan bis 2030 Modernisierung der Infrastruktur in Straße, Schiene, Wasser und Lufttransport
JICA Masterplan Yangon 2040 4,5 Mrd. Laufender Langzeitplan Schwerpunkte in Wasser, Abwasser, Verkehr, Transport, Stromversorgung und Abfallmanagement
Erdgaskraftwerk in Thanlyin Yangon (400 MW) 1 Mrd. Feasibility Study Konsortium unter Leitung von Marubeni
Erdgaskraftwerk in Myangyan (225 MW) 300 Mio. Inbetriebnahme IPP von Sembcorp Industries aus Singapur mit einem PPA über 22 Jahre
Wasserkraftwerk Shweli-3 in Moe Meik (1.050 MW) 1,4 Mrd. MOU Erstes europäisches PPP durch Électricité de France
Solaranlage in Minbu (170 MW) 350 Mio. Bewilligung Green Earth Power (Thailand)
Nationalplan zur Elektrifizierung 480 Mio. Finanzierung Darlehen von ADB, Weltbank, JICA und KfW
Zementfabrik 400 Mio. Durchführung Anlage der Siam Cement Group mit einer Jahreskapazität von 2,0 Mio. t
Yangon Central Station 2,5 Mrd. Auftragsvergabe Kosortium aus Oxley Holdings, Sino Great Wall und Min Dhama (Mottama)

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/myanmar, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Urbane Malls mit westlichem Flair

Signifikant für die Entwicklung des Einzelhandels ist die rasche Expansion der City Mart Holding mit 37 Supermärkten unter den Marken City Mart, Ocean und Market Place. Die Gruppe will ihren Geschäftsumfang bis 2020 verdoppeln und den E-Commerce stärken. Westliche Marken halten zunehmend Einzug dank eine Reihe moderner Shopping Malls wie John City Mall, Junction Square, Golden Link, Fortune Plaza und The One Shopping Mall. Dank dieser Prestigeobjekte wuchs die Einzelhandelsfläche Yangons 2017 um 47 Prozent.

Signifikant für Myanmars rasante Aufholjagd ist vor allem die Informations- und Kommunikationstechnologie. Die Marktöffnung für Ooredoo und Telenor bewirkte einen wahren Boom im Mobilfunk, während die staatliche MPT den Trendsettern nunmehr mit japanischen Partnern nacheifert. Der Sektor Transport & Kommunikation repräsentiert mit 9,3 Milliarden US$ allein schon 12,1 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen. Ein starkes Engagement im Cloud Service zeigt Chinas Huawei.

Außenhandel: Handelsbilanz zunehmend defizitär

Das Handelsvolumen stieg 2017 um beachtliche 21,1 Prozent auf 33,1 Milliarden US$, wobei das Defizit um fast 34 Prozent auf 5,4 Milliarden US$ kletterte. Für die höhere Importrechnung waren vor allem raffinierte Erdölprodukte und Autos verantwortlich, während agrarische "Cash Crops" durch den Monsunregen beeinträchtigt wurden. Langfristig zur Besserung beitragen könnten die Exporte der SWZ Thilawa oder Re-Exporte aus der Verarbeitung von Zucker, Chili, Erdnüssen und Baumwolle.

Außenhandel Myanmar (in Mio. US$; reale Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
2016 2017 Veränderung
Importe 15.696 19.253 22,7
Exporte 11.673 13.879 18,9
Handelsbilanzsaldo -4.023 -5.374 33,6

Quelle: UN Comtrade

China bleibt stärkstes Lieferland, stark zugewinnen konnte Singapur dank wachsender Re-Exporte. Dahinter folgen Japan, Thailand, Malaysia, Indonesien, Indien und Südkorea. Die größten Absatzmärkte Myanmars sind China (Hydroenergie) und Thailand (Erdgas). Die meisten Deviseneinnahmen erwirtschaften Erdgas, Agrar- und Tierprodukte, Bekleidung und Mineralien. Der Import konzentriert sich auf Nahrungsmittel, Autos, Maschinen, Chemie, Elektronik, Stahl und Baumaterialien.

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/myanmar

Dieser Artikel ist relevant für:

Myanmar Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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