Wirtschaftsausblick

18.09.2019

Wirtschaftsausblick - Namibia (September 2019)

Inhalt

Regierung verspricht bessere Rahmenbedingungen / Von Fausi Najjar

Windhuk (GTAI) - Die wirtschaftliche Erholung in Namibia lässt auf sich warten. Neben Sparmaßnahmen des Staates bremsen die schwierige weltwirtschaftliche Lage, das regionale Umfeld sowie eine Dürre das Wachstum.

Wirtschaftsentwicklung: Bestenfalls langsame Erholung zu erwarten

Die Zahlen der namibischen Zentralbank vom Juni 2019 haben die Hoffnung auf eine zügige Erholung nach einer seit 2017 anhaltenden Rezession zunichtegemacht: Im 1. Quartal 2019 ist die Wirtschaft gegenüber dem gleichen Quartal des Vorjahres um 2 Prozent geschrumpft. Die Gründe für das schwache Wachstum sind vielfältig.

Wegen der Schließung von Bergwerken sind 2019 Rückgänge bei der wichtigen Diamantenproduktion zu verzeichnen. Ebenso wenig sind Wachstumsimpulse aus den Nachbarländern Angola und - weitaus wichtiger - aus Südafrika zu erwarten. Zudem setzt eine Dürre der Landwirtschaft und - wegen niedriger Pegelstände - den heimischen Wasserkraftwerken stark zu. Nicht zuletzt verfügt die Regierung kaum über finanzielle Spielräume, um gegenzusteuern. Ein Großteil des Wachstums vor 2017 war einer kaum nachhaltigen Ausgabenpolitik geschuldet.

MKT201909178000.14

Sollten Regenfälle über die zweite Jahreshälfte 2019 wieder zulegen, dürfte der Agrarsektor (vor allem Viehzucht) nach einer Erholungsphase bei den Beständen wieder zulegen.

Den - oben genannten - negativen Faktoren stehen 2019 und 2020 ein anziehender Abbau von Uran, Zink und möglicherweise auch Kupfer gegenüber. Diese Entwicklung alleine wird die Wirtschaft nur schwach anschieben. Die von Chinesen kontrollierte größte Uranmine Husab des Landes wird im Laufe 2019 seine volle Kapazität erreichen. Der Abbau von Diamanten wird wegen schließender Minen deutlich zurückgehen. Erst ab 2022 wird der Diamantenabbau wieder zulegen, sobald ein neues Förderschiff der Debmarine zum Einsatz kommt.

Nennenswerte Impulse durch die Entwicklung des Lithiumabbaus sind erst in einigen Jahren zu erwarten. Die Position Namibias als regionaler Logistikstandort wird erst dann stärker zum Tragen kommen, sobald das Wachstum in Südafrika wieder anzieht.

Wirtschaftliche Eckdaten Namibia
Indikator 2018 2019 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. US$) 13,8 14,5 4.001,5
BIP pro Kopf (US$) 5.727 5.675 48.269
Bevölkerung (Mio.) 2,6 2,6 82,9
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = x Namibia-Dollar (N$)) 0,07605 0,07045 -

Quellen: EIU 2019; Bank of Namibia 2019

Investitionen: Regierung will Unsicherheiten ausräumen

Während des Namibia Economic Growth Summit 2019 vom 30. Juli bis 1. August hat die Regierung Verbesserungen bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen versprochen. Die im Gesetzesentwurf NEEEF bei Geschäften mit dem Staat und bei der Lizenzvergabe für die Ausbeutung natürlicher Ressourcen vorgesehene Pflicht, historisch benachteiligte Bevölkerungsgruppen in Höhe von 25 Prozent am Eigentum zu beteiligen, soll wegfallen und nunmehr im Rahmen eines Punktesystems Berücksichtigung finden.

Zudem hat die Regierung den Bürokratieabbau und die Beschleunigung von Ausschreibungen zugesagt. Wie weit die Unsicherheiten gemindert werden, wird sich erst nach Umsetzung der Vorhaben herausstellen. Laut Investitionskomitee der Konferenz seien ernst zu nehmende Projekte im Wert von 1,4 Milliarden US Dollar (US$) vorgeschlagen worden. Knappe Kassen dürften ihre Umsetzung deutlich einschränken. Im Jahr 2020 werden die Bruttoanlageinvestitionen wieder anziehen. Hier wirkt vor allem die Nachfrage im Bergbau und im Energiesektor.

Ausgewählte Großprojekte Namibia
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Trans-Kalahari-Railway 15.000 Auf Halt Bau einer 1.500 km langen Eisenbahnlinie von Kohlefeldern in Botsuana nach Walvis Bay, Bau und Betrieb durch private Investoren. http://www.transnamib.com.na
SADC Gateway Port 4.470 Planung / im Bau Neubau eines Hafens bei Walvis Bay mit einer Fläche von 1.300 ha. Ölterminal fast abgeschlossen (Stand August 2019). Geplant ist unter anderem ein Kohleterminal für 100 Mio. t pro Jahr, Erdgasentlade-Terminal, Schiffswerft. http://www.namport.com.na
Comsar Energy Group 1.500 Planung 1,6 Mio. t pro Jahr raffiniertes Erdöl, Kraftwerk mit 600 MW, Meerwasserentsalzung (10.000 Kubikmeter am Tag). http://comsar.com
Walvis Bay Power Plant 800 Planung Die Xaris Holding plant für Walvis Bay ein Flüssiggas-Abnahme-Terminal in Kombination mit einem modular konzipierten Kraftwerk von bis zu 600 MW. http://www.walvisbaypowerplant.com/the-team
Norasa Uranium Project 430 Planung Zwei große und zwei kleine Tagebaue; Jahresproduktion 5,3 Mio. Pfund; Minenlizenz erteilt. http://www.forsysmetals.com
Marine Phosphate Project 400 Planung Ökologisch umstrittene Phosphatförderung vom Meeresgrund, Kapazität zunächst 3 Mio. t pro Jahr. http://www.namphos.com
Nampower - Kraftwerksprojekte 330 Planung 20 MW Omburu PV Power Project (36 Mio. US$); 40 MW Otjikoto Biomass Power Project (135 Mio. US$); 40 MW Luderitz Wind Power Project (78 Mio. US$); 50 MW Firm Power (Anixas II) Project (85 Mio. US$). http://www.nampower.com.na
Nampower - Projekte in der Stromübertragung 273 In Planung 400 kV Auas-Gerus (71 Mio. US$), Verbindung: Windhuk nach Otjiwarongo; 400 kV Auas-Kokerboom 2 (126 Mio. US$), Verbindung: Windhuk nach Keetmanshoop; 400 kV Obib nach Oranjemond (76 Mio. US$), Verbindung: Obib - Oranjemond (Südafrika). https://www.nampower.com.na
Nampower - Kraftwerksprojekte im Rahmen von ÖPP (Öffentlich-private Partnerschaft) 116 Planung 20 MW Solar PV IPP (Independent Power Producer) Project (28 Mio. US$); 50 MW Wind IPP Project (88 Mio. US$). https://www.nampower.com.na
Erweiterung der Tsumeb-Kupferschmelze 50 Planung Erweiterung der Kapazität von 240.000 auf 370.000 t pro Jahr. http://www.dundeeprecious.com

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest 2019; Pressemeldungen

Ausschreibungsdatenbanken: http://www.namibiatenders.com; http://www.cpb.org.na

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/namibia, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Flaute voraussichtlich erst 2021 überwunden

Bei einem Bevölkerungswachstum von 1,9 Prozent im Jahr und deutlich darunterliegenden Wachstumsraten in den Jahren 2019 und 2020 ist mit fallenden Pro-Kopf-Einkommen zu rechnen. Wichtige Faktoren für die Konsumflaute sind die anhaltende Dürrephase vor allem im Norden des Landes und die Ausgabenkürzungen des Staates. Trotz mittlerweile geringerer Risiken können Importpreise wegen der Abwertung des an den südafrikanischen Rand gekoppelten Namibia-Dollars steigen.

Die Inflationsrate liegt 2019 bis 2020 bei rund 5,5 Prozent. Bei Regenfällen in der zweiten Jahreshälfte 2019 dürfte sich der Konsum vor allem in der unteren Einkommensgruppe stabilisieren. Im 1. Quartal 2019 ist der ohnehin schwache Umsatz im Groß- und Einzelhandel gegenüber dem gleichen Quartal des Vorjahres inflationsbereinigt um 3,4 Prozent zurückgegangen. Erst 2021 dürfte der Konsum - mit zunehmendem Realwachstum - wieder spürbar zulegen.

Außenhandel: Perspektiven wegen wieder anziehender Diamantenexporte

Aufgrund steigender Uran-Ausfuhren und - dem schwachen Wachstum geschuldet - wegen sinkender Importe dürfte die Warenbilanz einen Überschuss generieren. Für 2020 ist wiederum mit einem Defizit zu rechnen, da der Abbau von Rohdiamanten zurückgehen und erst 2022 wieder zulegen wird. Einkommen aus dem Tourismus bleiben stabil. Mögliche Zuwächse bei Fisch und im Schiffsbau fallen für eine Trendumkehr zu wenig ins Gewicht. Im Jahr 2019 liegt der externe Schuldenstand mit mehr als 7 Milliarden US Dollar kritisch bei über 50 Prozent des BIP.

Außenhandel Namibias (in Mio. US$; Veränderung in Prozent)
2017 2018 1. Quartal 2019 Veränderung 1. Quartal 2019/18
Importe 6.692 8.382 1.740 -2,3
Exporte 4.800 7.060 1.530 -0,2
Handelsbilanzsaldo -1.892 -1.322 210 -

Quelle: Namibia Statistics Agency, 2018 trade statistics bulletin and quarterly Trade Statistics, Quartal 1/2019 und Quartal 1/2018

Die Einfuhren von Ausrüstungsgütern für die Bergbauindustrie werden moderat zulegen. Aufgrund der anhaltenden Dürre dürfte der Importbedarf von Nahrungsmitteln hoch bleiben. Namibia hat das African Continental Free Trade Agreement ratifiziert, das die Errichtung der Afrikanischen Freihandelszone AfCFTA regelt. 2018 hat Deutschland nach Namibia Waren im Wert von 57 Millionen Euro ausgeführt. Die deutschen Ausfuhren sind seit 2014 im Jahresschnitt um 18,8 Prozent gesunken.

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/namibia

Dieser Artikel ist relevant für:

Namibia Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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