Wirtschaftsausblick

16.01.2019

Wirtschaftsausblick - Niederlande (Dezember 2018)

Inhalt

Wachstum weiterhin solide / Starke Nachfrage aus dem Inland / Von Inge Kozel

Den Haag (GTAI) - Die niederländische Wirtschaft floriert dank des privaten Konsums und der Investitionstätigkeit der Unternehmen. Auch der Außenhandel wächst beständig.

Wirtschaftsentwicklung: Aufschwung stärker als in vielen EU-Ländern

Das Wirtschaftswachstum in den Niederlanden wird sich auch 2019 fortsetzen, wenn auch mit prognostizierten 2,4 Prozent nicht mehr so stark wie 2018. Die Arbeitslosigkeit wird nach Schätzung der Europäischen Kommission (EU) 2019 auf 3,6 Prozent zurückgehen, die Löhne werden steigen. Der Haushaltssaldo soll 2018 und 2019 voraussichtlich ausgeglichen sein, dies bei sinkender Staatsverschuldung. Der hohe Außenhandelsüberschuss wird der Prognose zufolge nur minimal sinken.

Das Wachstum wird vom privaten Verbrauch getragen, den öffentlichen Ausgaben sowie Unternehmens- und Bauinvestitionen. Trotz sinkender Vertrauensindikatoren bleiben Verbraucher- und Produzentenvertrauen über dem Durchschnitt der letzten Jahre. Nach Angaben des Central Plan Burreau steigt die Beschäftigung und sinkt die Arbeitslosigkeit weiter. Das CPB ist eine unabhängige Regierungsbehörde, die zum Wirtschaftsministerium des Landes gehört und Analysen und Prognosen liefert. Allerdings wird aufgrund des bestehenden Fachkräftemangels die Lage auf dem Arbeitsmarkt angespannt bleiben. Ferner ist mit einem Anziehen der Inflation zu rechnen. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit schont die Sozialkassen, die öffentlichen Ausgaben sinken.

MKT201901158000.14

Wirtschaftliche Eckdaten der Niederlande
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. Euro) 702,6 737,0 3.277,3
BIP pro Kopf (Euro) 40,941 43,002 39.649
Bevölkerung (Mio.) 17,0 17,1 82,7

Quellen: CPB; CBS; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Unternehmen sind ausgabefreudig

Die Kapazitätsauslastung der Unternehmen erreichte 2018 ihren höchsten Wert seit 2009. Die positiven Erwartungen der Hersteller, niedrige Kapitalkosten und hohe Gewinne lassen Unternehmen verstärkt investieren. Die EU-Kommission erwartet bei den Bruttoanlageinvestitionen für 2018 ein Plus von 5,4 und für 2019 eines von 3,8 Prozent. Der Zuwachs bei Ausrüstungsinvestitionen dürfte bei 6,1 beziehungsweise 5,2 Prozent (2019) liegen.

Auch die Wohnungsbauinvestitionen dürften 2018 mit 8,5 Prozent weiter zulegen, 2019 wird der Anstieg auf 5,9 Prozent leicht zurückgehen. Gebremst wird das Wachstum durch den angespannten Arbeitsmarkt. Es wird weiter mit steigenden Immobilienpreisen gerechnet. Die öffentlichen Investitionen sollen an Dynamik zulegen.

Ausgewählte Großprojekte in den Niederlanden
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Amphia Neubau und Umbau 100 Bau Neubau des Amphia-Krankenhaus in Breda auf 76.000 qm https://www.amphia.nl/over-ons/nieuwbouw
Waterschap Rivierenland 400 Planung, Bau Investitionsprogramm für die Jahre 2015 bis 2020,der Fokus liegt auf Schutz vor Flut, Wasser-Management, Infrastruktur zwischen Rhein/Lek und Maas https://www.waterschaprivierenland.nl/index.html
Dunea, Duinwaterbedrijf Zuid-Holand III 100 Planung, Bau Investitionsprogramm für die Jahre 2016 bis 2020 in der Region Den Haag, Verbesserung der Trinkwasserversorgung und der Verteilungsanlagen https://www.dunea.nl
Waterschap Friesland 252 Planung, Bau Investitionsprogramm für die Jahre 2017 bis 2021 in Friesland, Hochwasserschutz, Wassermanagement, Infrastruktur zur Abwasserbehandlung https://www.wetterskipfryslan.nl
Vrije Universiteit Amsterdam 70 Planung, Bau Campusmodernisierung der Universität Amsterdam, neues Forschungsgebäude, Energieversorgung soll effizienter werden
Bau und Sanierung von Sozialwohnungen in Amsterdam 200 Bau bis Ende 2020 Nachhaltigkeit soll verbessert werden https://www.eigenhaard.nl
Rotterdamsebaan 640 Bau bis Ende 2020 Verbindungsstraße zwischen Ypenburg (A4/ A13) und Binckhorst-Centrum-Scheveningen)
Offshore Windenergie-Parks Wird auf 15 bis 20 Milliarden geschätzt Bau 2024 bis 2030 Die Regierung will, dass zwischen 2024 und 2030 Windparks mit einer Leistung von 7 Gigawatt realisiert werden https://www.rijksoverheid.nl/actueel/nieuws/2018/03/27/kabinet-maakt-plannen-bekend-voor-windparken-op-zee-2024-2030

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen, EIB

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Höhere Beschäftigung und Löhne fördern die Kauflaune

Der Privatkonsum liefert mit 2,9 Prozent 2018 und 2,4 Prozent 2019 einen entscheidenden Beitrag zum Wirtschaftswachstum. Impulse kommen von steigenden Reallöhnen, einer geringeren Steuerbelastung und der zunehmenden Beschäftigung. Die Arbeitslosenquote sinkt und soll laut Prognosen der EU-Kommission 2019 bei 3,6 Prozent (2018: 3,9 Prozent) liegen. Das real verfügbare Einkommen stieg 2018 um 2,9 Prozent.

Auch niederländische Konsumenten blicken optimistisch in die Zukunft. Ausschlaggebend für das hohe Konsumentenvertrauen ist der boomende Wohnungsmarkt. Steigende Häuserpreise sorgen dafür, dass immer weniger Haushalte Hypothekenschulden haben, die den Immobilienwert überschreiten. Etwa 1,5 Millionen der insgesamt 7,6 Millionen Haushalte waren 2014 noch überschuldet, da ihre Kredite deutlich höher als der Marktwert ihrer Wohnungen war.

Außenhandelswachstum schwächt sich etwas ab

Wegen der guten weltwirtschaftlichen Konjunktur steigen auch die niederländischen Ausfuhren weiter. Die Herbstprognose der EU geht für 2018 von einem realen Plus von 3 Prozent aus, für 2019 werden 3,6 Prozent erwartet. Die Ausfuhren von im Inland produzierten Waren und Dienstleistungen wachsen wegen des starken Euro weniger stark als die Reexporte. Das Land reexportiert viele Importe, da es aufgrund seiner zentralen Lage in Europa und der Tatsache, dass es mit dem Hafen Rotterdam über den größten Seehafen Europas verfügt, ein Transitland ist. Die Einfuhren werden laut Schätzungen der EU-Kommission etwas stärker zunehmen als die Ausfuhren (2018: +3,4 Prozent, 2019: +4,1 Prozent). Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes Destatis sind die deutschen Einfuhren 2017 um 9,7 Prozent auf 91,2 Milliarden Euro gestiegen.

Deutschland bleibt der mit Abstand wichtigste Handelspartner und ist sowohl bedeutendstes Lieferland (18,5 Prozent) als auch Abnehmerland (21,9 Prozent). Weitere wichtige Lieferländer waren 2017 China und Belgien. Die Hauptexporte gehen nach Belgien, in das Vereinigte Königreich und nach Frankreich.

Außenhandel der Niederlande (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2016 2017 Veränderung 2017/2016
Importe 456.290 508.372 11,4
Exporte 516.249 577.714 11,9
Handelsbilanzsaldo 59.959 69.342 -

Quelle: Eurostat

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Niederlande.

Dieser Artikel ist relevant für:

Niederlande Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

Funktionen

Kontakt

Ingeborg Kozel

‎+49 228 24 993 365

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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