Wirtschaftsausblick

18.06.2019

Wirtschaftsausblick - Niederlande (Juni 2019)

Inhalt

Wachstumsboom geht auf normales Niveau über / Von Marte-Marie van den Bosch

Den Haag (GTAI) - Die niederländische Wirtschaft wird 2019 moderat weiter wachsen. Der Immobilienmarkt bleibt überhitzt. Konsumausgaben und Exporte sinken.

Wirtschaftsentwicklung: Niederländische Wirtschaft schaltet einen Gang runter

Nach zwei Boomjahren in Folge wächst die niederländische Wirtschaft 2019 nicht mehr ganz so stark. Nachdem das Bruttoinlandsprodukt 2017 und 2018 um je 2,9 Prozent und 2,5 Prozent zunahm, wird es 2019 und 2020 um je 1,6 Prozent zulegen, erwartet die Europäischen Kommission (EU) in ihrem Frühjahrsausblick. Damit fällt das Wachstum 2019 immer noch stärker aus als das der Nachbarländer Deutschland und Belgien. Die Aussichten bleiben positiv, die Kaufkraft steigt weiter und auch die Inlandsnachfrage ist stabil. Abkühlung kommt vor allem aus dem Ausland: die Ausfuhren wachsen weniger stark als in den Vorjahren.

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt spannt sich an. Die Beschäftigung ist 2018 stark gewachsen, soll aber 2019 und 2020 etwas weniger kräftig zulegen. Die größte Zunahme wird im öffentlichen Bereich und im Gesundheitswesen erwartet. Die Arbeitslosigkeit bleibt niedrig. Die Löhne können 2019 und 2020 durch den Arbeitskräftemangel steigen. Die Inflationsrate pendelt sich 2019 bei 2,3 Prozent ein.

MKT201906178001.14

Wirtschaftliche Eckdaten der Niederlande
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. Euro) 737,0 771,0 3.388,2
BIP pro Kopf (Euro) 43.146 44.874 40.871
Bevölkerung (Mio.) 17,1 17,2 82,9

Quellen: Statistikamt CBS; Centraal Planbureau; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Unternehmensinvestitionen gehen leicht zurück

Die Investitionen dürften auch 2019 und 2020 stabil bleiben. Unternehmens- und Wohninvestitionen liefern weiter einen positiven Wachstumsbeitrag, allerdings schwächer als in den Vorjahren. Ein niedrigeres Produktionswachstum und die steigende Unsicherheit über die Wirtschaftsentwicklung dämpfen die Ausgaben der Unternehmen. Sie dürften 2019 und 2020 um je 2,2 Prozent und 2 Prozent zunehmen, nachdem das Plus 2018 noch bei 4,6 Prozent lag. Trotz historisch hoher Kapazitätsauslastungen und niedriger Kapitalkosten wird eine Abschwächung des Wachstums erwartet.

Die Nachfrage nach Wohnimmobilien lag in den letzten Jahren deutlich über dem Angebot und ließ die Preise steigen. Bei zurückgehenden Wohninvestitionen bleiben die Engpässe groß und lassen die Preise stärker steigen als die Einkommen.

Ausgewählte Großprojekte den Niederlanden
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Waterschap Rivierenland 568 Planung Investitionsprogramm für die Jahre 2019 bis 2023. Fokus auf Deichverstärkung (555km bestehende Deiche) http://www.waterschaprivierenland.nl/index.html
Nahverkehr Rotterdam 262 Planung Investitionsprogramm zu Flottenerneuerung und Infrastrukturausbau des öffentlichen Nahverkehrs in Rotterdam
Krankenhaus Amphia Neubau und Umbau, Breda 100 Planung, Bau Krankenhausneubau auf 76.000 qm http://www.amphia.nl/over-ons/nieuwbouw
Waterschap Friesland 252 Planung, Bau Investitionsprogramm für die Jahre 2017 bis 2021 in Friesland, Hochwasserschutz Wassermanagement, Infrastruktur zur Abwasserbehandlung http://www.wetterskipfryslan.nl
Rotterdamsebaan 640 Bau bis Ende 2020 Verbindungstraße zwischen Ypenburg (A4/A13) und Binckhorst-Centrum-Scheveningen)
Offshore Windenergie-Parks Schätzung 15.000 bis 20.000 Bau 2024 bis 2030 Zwischen 2024 und 2030 sollen Windparks mit einer Leistung von 7 Gigawatt realisiert werden http://www.rijksoverheid.nl/documenten/kamerstukken/2018/03/27/kamerbrief-routekaart-windenergie-op-zee-2030

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen, Europäische Investitionsbank

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Kauflaune der Niederländer etwas abgeschwächt

Nachdem der private Konsum 2018 einen erheblichen Wachstumsbeitrag geliefert hat, werden die Ausgaben der niederländischen Haushalte in den nächsten Jahren leicht zurückgehen. Die Realeinkommen werden 2019 und 2020 nicht mehr so stark wie 2018 zulegen. Die Arbeitslosigkeit wird auch 2019 und 2020 auf niedrigem Niveau bleiben, während die Beschäftigung weiter moderat wächst.

Auf der anderen Seite sinkt das Vertrauen der Konsumenten. Die wohnungsbezogenen Konsumausgaben werden 2019 und 2020 deutlich unter dem Niveau der letzten Jahre liegen, da die Wohnungstransaktionen zurückgehen. Eine Abkühlung des Immobilienmarktes wird den Privatkonsum voraussichtlich unter Druck setzen. Unter dem Strich ist zu erwarten, dass die Binnennachfrage 2019 und 2020 das Niveau aus 2018 halten kann, Grund ist die expansive Haushaltspolitik.

Außenhandel: Export bremst die Konjunktur

Die Konjunkturabschwächung ist großenteils der sinkenden Nachfrage aus dem Ausland zuzuschreiben. Während die niederländischen Exporte in den letzten fünf Jahren durchschnittlich um die 4,3 Prozent jährlich zulegten, soll der Zuwachs 2019 und 2020 nur bei 1,1 Prozent und 2,3 Prozent liegen. Gebremst werden die Ausfuhren durch abnehmende Einfuhren aus Westeuropa, dem bedeutendsten Absatzgebiet für Reexporte und in den Niederlanden gefertigte Ausfuhren. Das Land reexportiert viele Importe, da es aufgrund seiner zentralen Lage und des Seehafens Rotterdam ein Transitland ist.

Deutschland bleibt der mit Abstand wichtigste Handelspartner und ist sowohl bedeutendstes Lieferland (14,9 Prozent) als auch Abnehmerland (24,0 Prozent).

Außenhandel der Niederlande (in Mio. Euro; Veränderung in Prozent)
2017 2018 Veränderung 2018/2017
Importe 508.373 547.010 7,6
Exporte 577.087 613.240 6,3
Handelsbilanzsaldo 38.637 66.230 -

Quelle: Eurostat

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/niederlande

Dieser Artikel ist relevant für:

Niederlande Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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‎+49 228 24 993 365

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