Wirtschaftsausblick

10.05.2019

Wirtschaftsausblick - Nigeria (Mai 2019)

Inhalt

Wiederwahl des Präsidenten wird von Unternehmen begrüßt / Von Carsten Ehlers

Lagos (GTAI) - Nigerias Wirtschaft erholt sich nur langsam von ihrer seit 2016 andauernden Krise. Gleichwohl blicken die Unternehmen inzwischen wieder optimistischer in die Zukunft.

Wirtschaftsentwicklung: Die Metropole Lagos hebt sich vom Rest ab

Die wirtschaftlichen Aktivitäten dürften in Nigeria in naher Zukunft auf eher niedrigem Niveau verharren. Im Jahr 2016 sorgte der Ölpreissturz für den Beginn einer Flaute. Economist Intelligence Unit (EIU) prognostiziert für das Jahr 2019 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,1 Prozent. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet mit 2,1 Prozent ein ähnliches Resultat. Obwohl Nigeria versucht, seine Wirtschaft auf eine breitere Basis zu stellen, ist das westafrikanische Land nach wie vor massiv vom Rohölexport abhängig. Zuletzt stabilisierte sich der Ölpreis wieder und einige Mineralölunternehmen treiben nach Jahren des Abwartens wieder größere Investitionen voran. Dies könnten Vorboten eines wirtschaftlichen Aufschwungs sein.

Gegenwärtig ist die wirtschaftliche Tätigkeit in vielen Landesteilen nach wie verhalten. Nur in der Metropole Lagos ist die Stimmung deutlich besser. Durch die vergleichsweise hohe Kaufkraft in der Stadt, ist die dortige wirtschaftliche Dynamik ein Stück weit vom Rest des Landes abgekoppelt. Zwar flaute die Geschäftstätigkeit auch hier ab, jedoch verzeichnen die Unternehmen seit 2017 wieder zunehmendes Engagement.

Dieser Aspekt ist gerade für deutsche Unternehmen von Bedeutung, welche sich mit wenigen Ausnahmen in Lagos angesiedelt haben. Die deutschen Unternehmen sind auch mittelfristig vom Geschäftspotenzial der Stadt überzeugt. Das zeigt sich darin, dass in den vergangenen Jahren niemand seine Präsenz geschlossen hat.

Politisch stehen die Zeichen dank der Wiederwahl des Präsidenten Muhammadu Buhari im Februar 2019 auf Stabilität und Kontinuität in ansonsten schwierigen Zeiten. Aus diesem Grund wird seitens der Unternehmen Buharis Wiederwahl auch überwiegend positiv gesehen. Der 76-Jährige ist zwar gesundheitlich angeschlagen und gilt nicht als Hoffnungsträger. Jedoch steht hinter ihm mit dem Vizepräsidenten Yemi Osinbajo jemand, der von den Unternehmen äußerst geschätzt wird und großen Einfluss auf die Politik der kommenden Jahre ausüben dürfte.

MKT201905098000.14

Wirtschaftliche Eckdaten Nigerias
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 376,4 422,5 3.702,4
BIP pro Kopf (US$) 1.995 2.050 44.791
Bevölkerung (Mio.) 190,9 195,9 82,8
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = ... Nigerianische Naira (N)) 305,3 305,6 -

Quellen: EIU; IWF; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Infrastrukturstau wird immer länger

Die Investitionstätigkeit ist in Nigeria seit Jahren insgesamt schwach ausgeprägt. Dem Staat fehlt aufgrund des niedrigen Ölpreises Geld für Infrastrukturinvestitionen. Bereits seit Längerem wird nur das Nötigste gebaut, was den Investitionsstau weiter anwachsen lässt. Zuletzt verzeichneten die Baufirmen eine leicht zunehmende Anzahl staatlicher Projekte. Größere Vorhaben, wie der Bau der Flughafenterminals und neuer Bahntrassen werden zum Teil von China finanziert, aber auch hier kommt es regelmäßig zu Verzögerungen.

Von privater Seite fließt Geld in den Konsumgütersektor. Insbesondere in der Nahrungsmittelindustrie sowie im Mobilfunk engagieren sich Unternehmen. Auch in der Landwirtschaft kam es in letzter Zeit zunehmend zu Investitionen, wenn auch auf niedrigem Niveau. Großprojekte werden im Umfeld des Ölsektors durchgeführt: Dangote errichtet bei Lagos eine Raffinerie und Shell und Total bauen vor der Küste ihre Ölproduktion aus.

Ausgewählte Großprojekte in Nigeria
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mrd. US$) Projektstand Anmerkung
BongaSouth West Aparo (BSWA) von Shell 10 Ausschreibungen für EPC-Contractor (Engineering, Procurement and Construction) im Januar 2019 veröffentlicht. Kapazität: 225.000 barrels per day (bpd), FPSO*) wird vor der Küste installiert.
Egina von Total 3,3 Produktionsbeginn 2019. Kapazität: 200.000 bpd, FPSO wird vor der Küste installiert.
Bahntrasse Lagos-Calabar 11,1 Geplant. Finanzierung und Bauausführung der 1.400 km langen Trasse soll aus China kommen. Baudurchführung durch CCECC (China Civil Engineering Construction Corporation).
Bau der Bahntrasse Lagos-Kano 6,7 Geplant. Im Mai 2018 hat CCECC den Zuschlag für den Bau eines Teilstücks der Strecke (Ibadan-Kaduna) erhalten.
Second Niger Bridge 2 Im Bau, Verzögerungen. Julius Berger führt den Bau durch.
Dangote-Ölraffinerie 9 Im Bau. Geplante Kapazität: 400.000 bpd
Tiefseehafen in Lekki 1,5 Vorbereitungsarbeiten. Terminal soll von Schiffen mit bis zu 10.000 Twenty Foot Equivalent Unit (TEU) angelaufen werden, jährliche Kapazität 2,5 Mio. TEU (größter Terminal in Subsahara-Afrika).
Eko Atlantic Project 6 Im Bau. Erweiterung von Victoria Island in Lagos mit eigener Infrastruktur für circa 250.000 Bewohner.
Qua Iboe Power Plant 1 Geplant. Baubeginn verzögert sich. In Akwa Ibom soll von den privaten Investoren Black Rhino und Globaleq ein 540-MW-Kraftwerk gebaut werden.

*) FPSO = Floating Production Storage and Offloading Unit (schwimmende Produktions- und Lagereinheit)

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/nigeria, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Weiterhin Flaute bei hochpreisigen Verbrauchsgütern

Der Konsum leidet bereits seit einigen Jahren unter der wirtschaftlichen Flaute. Insbesondere der bis 2016 kräftig wachsende formelle Einzelhandel klagt über schwierige Zeiten. Supermarktketten stoppen ihre Expansion derzeit. Gleichwohl hegen Einzelhandelsmanager keine Zweifel, dass mittelfristig die Geschäfte wieder laufen werden. So plant bereits jetzt die südafrikanische Kette Shoprite den nächsten Schritt ihrer Expansion in Nigeria.

Auch die vor allem in Lagos ansässige Konsumgüterindustrie investiert weiter. In den vergangenen Jahren kam es zu zahlreichen Übernahmen, was das Vertrauen der Investoren in das Marktpotenzial belegt. Kürzlich wurde der Getränkehersteller Chi von Coca-Cola für 750 Millionen US-Dollar (US$) übernommen. Der Mutterkonzern TGI will einen Großteil des erhaltenen Kapitals in die Produktionsausweitung anderer Tochterunternehmen im Konsumgüterbereich fließen lassen.

Außenhandel: Deutsche Exporte gingen 2018 zurück

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes exportierten deutsche Unternehmen im Jahr 2018 Waren im Wert von rund 865,1 Millionen Euro nach Nigeria. Das sind etwa 7,5 Prozent weniger als im Vorjahr. In wirtschaftlich besseren Zeiten, wie zum Beispiel 2014, wurde noch ein Wert von 1,33 Milliarden Euro erreicht. Sobald die Konjunktur wieder anspringt, dürften auch die deutschen Exporte große Steigerungen erfahren. Dies erklärt auch die Geduld, welche Nigeria-erfahrene Unternehmen in der Krise aufzubringen bereit sind.

Ausgeführt werden aus Deutschland vor allem Kfz, Maschinen, Chemikalien und Nahrungsmittel. Nigeria exportiert wertmäßig in der Regel deutlich mehr nach Deutschland als umgekehrt. Im Jahr 2018 lag der Wert bei fast 2,4 Milliarden Euro, ein um rund 50 Prozent höheres Ergebnis als 2017. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Rohöl.

Außenhandel Nigerias (in Mio. US$; Veränderung in %)
2017 2018 Veränderung 2018/2017
Importe 32.669 40.754 24,7
Exporte 45.818 63.090 37,7
Handelsbilanzsaldo 13.149 22.336 -

Quelle: EIU

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/nigeria.

Dieser Artikel ist relevant für:

Nigeria Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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