Wirtschaftsausblick

25.06.2019

Wirtschaftsausblick - Norwegen (Juni 2019)

Inhalt

Zweistellige Zuwachsraten bei Unternehmensinvestitionen / Von Michal Wozniak

Stockholm (GTAI) - Für die norwegische Wirtschaft wird 2019 zum Rekordjahr. In den Folgejahren wird allerdings eine rückläufige Wachstumsdynamik erwartet.

Wirtschaftsentwicklung: Dynamisches Wachstum nur von kurzer Dauer

Entgegen der globalen Wirtschaftstrends beschleunigt sich das norwegische Wirtschaftswachstum. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll 2019 je nach Prognose zwischen 2 und 2,6 Prozent zulegen. Die Prognosen für das Folgejahr zeichnen hingegen ein unklares Bild. Die norwegische Regierung prognostiziert in ihrem ersten Entwurf des Haushaltsplans für 2020 ein Wachstum von mehr als 3 Prozent. Die Danske Bank und die DNB Bank erwarten für die Festlandwirtschaft hingegen nur Zuwächse von weniger als 2,5 Prozent.

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Nach zweistelligen Zuwächsen 2019 könnten sich die Unternehmensinvestitionen 2020 abschwächen. Die Braubranche erholt sich nur langsam. Nach Preisrückgängen im Jahr 2018 hat sich die Lage zwar stabilisiert, aber vor allem neue Wohnprojekte werden nur zögerlich angegangen.

Die öffentliche Hand kurbelt Investitionen hingegen weiter an, finanziert werden unter anderem zahlreiche Vorhaben im Gesundheitswesen. Nahezu 8 Milliarden Euro werden 2019 in Infrastrukturprojekte fließen. Vor allem im Straßenbau sind dabei schwierige Projekte zu meistern, wie Tunnel und Brücken an der Fjord-gesäumten Westküste.

Die größtenteils staatlichen Energieerzeuger bekommen durch den Ausbau von Untersee-Stromtrassen ins Vereinigte Königreich sowie nach Kontinentaleuropa neue Absatzchancen. Die gestiegene Auslandsnachfrage könnte die Strompreise weiter erhöhen und dadurch die auslaufende Förderung von Windkraftanlagen für Betreiber ausgleichen.

Wirtschaftliche Eckdaten Norwegens
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. Euro) 354,3 368,5 3.388,2
BIP pro Kopf (Euro) 67.100 69.400 40.871
Bevölkerung (Mio.) 5,3 5,3 82,9
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = ... nkr) 9,3270 9,5975 -

Quellen: Eurostat; Deutsche Bundesbank

Die Entwicklung der Weltmärkte hat Auswirkungen auf die offene norwegische Wirtschaft. Die Öl- und Gasindustrie macht etwa 16 Prozent der norwegischen Wirtschaftsleistung aus. Die globale Preis- und Nachfrageentwicklung bei Brennstoffen ist daher ein wichtiger Faktor für die gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Auch die prognostizierte Aufwertung der Norwegischen Krone (nkr) könnte sich negativ auf das gesamte Exportgeschäft auswirken: bis Mitte 2019 verlor die Landeswährung merklich an Wert gegenüber dem Euro. Die seit Herbst 2018 steigenden Zinssätze könnten den Trend aber umkehren.

Investitionen: Prognosen für 2020 weniger optimistisch

Die Investitionsausgaben der Öl- und Gasindustrie steigen 2019 um 3 Milliarden Euro auf rund 19 Milliarden Euro an. Die größten Projekte sind Johan Svedrup 2 und Castberg. Das Investitionswachstum beflügelt auch die Festlandwirtschaft. Laut Umfragen des norwegischen Statistikamtes (SSB) will die verarbeitende Industrie im Gesamtjahr 2019 rund 3,3 Milliarden Euro in Ausbau und Modernisierung stecken, ein Drittel mehr als 2018. Die Investitionsabsichten der Energieversorger für 2019 summieren sich auf etwa 4,3 Milliarden Euro, rund 4 Prozent mehr als noch im Vorjahr.

Die Prognosen für 2020 sind allerdings weit weniger optimistisch. Allein der Bergbau will als einziger Sektor seine Investitionen steigern: Das Investitionsvolumen soll 2020 mit 230 Millionen Euro fast die Hälfte mehr umfassen als noch im Vorjahr. Öl- und Gasförderer planen mit 5 Prozent kleineren Investitionsbudgets, Energieversorger mit 20 Prozent und die verarbeitende Industrie mit über 30 Prozent weniger.

Ausgewählte Großprojekte Norwegen
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) *) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Ausbau Universitätskrankenhäuser Oslo HF, Aker und Gaustad 2.776,8 Fertigstellung Konzeptionsphase: 2018 Auftraggeber: Helse Sor-Ost RHF, Projektleitung: Sykehusbygg (sykehusbygg.no)
Neues Regierungsviertel, Oslo 1.565,8 Vorprojekt 2019/2020, Baustart 2020, Fertigstellung 2028 Statsbygg (http://www.statsbygg.no), Projektleitung: Knut Jorgensen (Tel. + 47 90086050)
Campus As; Ausbau Veterinärinstitut, As 752 Fertigstellung 2020 Statsbygg, Projektleitung: Erik Antonsen (Tel. +47 97794982)
UiO, Neubau Life Science-Bau, Oslo 710 Baustart 2019, Fertigstellung Herbst 2024 Statsbygg, Projektleitung: Per Roger Johansen (E-Mail-Adresse: prjo@statsbygg.no)
Sjukehuset Nordmore og Romsdal (SNR); Neubau Krankenhaus, Hjelset 459 Fertigstellung 2023 Auftraggeber: Helse More og Romsdal (helse-mr.no), Projektleitung: Sykehusbygg; Projektleiter: Knut Ragnar Heimdal
Nye Hammerfest Sykehus (NHS), Neubau Krankenhaus, Vest-Finnmark 251 Vorprojektierung Auftraggeber: Universitetssykehuset i Nord-Norge HF (unn.no), Projektleitung: Sykehusbygg (Projektleiter: Christian Brodreskift)
UNN Narvik; Neubau Krankenhaus, Narvik 230 Vorprojektierung bis Ende 2019, Fertigstellung Ende 2022/Anfang 2023 Auftraggeber: Universitetssykehuset i Nord-Norge HF, Projektleitung: Sykehusbygg (Projektleiter: Christian Brodreskift)
Vorprojekt Modernisierung Nationaltheater, Oslo 198 Fertigstellung Vorstudie Frühjahr 2020 Statsbygg; Projektleiter: Arnold Pedersen (Tel. +47 97163880)
Tromso museum; Neubau Universitätsmuseum 188 Fertigstellung Vorstudie Ende 2018 Statsbygg, Projektleiterin: Marte Kollstrom (Tel. +47 90062930)
Vikingtidsmuseet; Aus- und Neubau Wikingermuseum, Oslo k.A. Detailprojektierung 2019, Fertigstellung frühestens 2024 Statsbygg

*) Umrechnung nach Jahresdurchschnittskurs der Bundesbank 2018: 1 Euro = 9,5975 Norwegische Kronen (nkr)

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Steigende Löhne befeuern Kauflaune

Die Arbeitslosenquote sinkt weiter und erhöht den Druck auf die Gehälter. Laut Prognosen werden die Löhne 2019 und 2020 um jeweils über 3 Prozent zulegen. Durch die sich zeitgleich beschleunigende Inflation erhöht die Norwegische Zentralbank regelmäßig die Zinssätze und motiviert somit zu höheren Sparquoten. Nichtsdestotrotz wird sowohl für 2019 als auch 2020 ein dynamisches Wachstum der Konsumausgaben um etwa 2,5 Prozent erwartet.

In den ersten vier Monaten 2019 wuchsen Ausgaben für Nahrungsmittel und Getränke um durchschnittlich 0,4 Prozent gegenüber dem jeweiligen Vormonat. Andere schnelllebige Konsumgüter verzeichneten knapp doppelt so hohe Zuwächse. Laut SSB steigerte der Einzelhandel seine Umsätze im gleichen Zeitraum um etwa 2,5 Prozent gegenüber dem entsprechendem Vorjahreszeitraum. Die Umsätze von Supermärkten und Anbietern von Möbeln und Heimtextilien wuchsen überdurchschnittlich. Negativ entwickelte sich hingegen die Nachfrage nach Informations- und Kommunikationstechnik sowie der Umsatz von Läden, die auf Camping- und Freizeitbedarf spezialisiert sind.

Außenhandel: Deutsche Anbieter profitieren kaum vom Nachfragewachstum

Norwegen importierte 2018 Waren im Wert von 74 Milliarden Euro. Auf Basis der Landeswährung entsprach dies einem Zuwachs von knapp vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die höchsten Zuwächse verbuchten die USA (plus 24 Prozent), das Vereinigte Königreich (plus 19 Prozent) und Schweden (plus 9 Prozent). Deutschland als zweitwichtigstes Bezugsland legte um 2 Prozent zu.

In den ersten vier Monaten 2019 stiegen Importe im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres um knapp 7,5 Prozent. Die Dynamik ist allerdings rückläufig.

Mehr als drei Viertel des Zuwachses an Ausfuhrumsätzen 2018 sind auf den Export von Erdöl und Erdgas zurückzuführen. Insgesamt werden über 55 Prozent der norwegischen Exportumsätze mit fossilen Brennstoffen generiert.

Außenhandel Norwegens (in Milliarden Euro; Veränderung in %) 1)
2017 2018 Veränderung 2018/2017 2)
Importe 73,4 74,0 3,8
Exporte 92,6 103,9 15,5
Handelsbilanzsaldo 19,2 29,9 -

1) Umrechnung nach Jahresdurchschnittskurs der Bundesbank 2018: 1 Euro = 9,5975 Norwegische Kronen (nkr); 2) auf Basis Landeswährung

Quelle: SSB

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Norwegen

Dieser Artikel ist relevant für:

Norwegen Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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