Wirtschaftsausblick

21.01.2019

Wirtschaftsausblick - Österreich (Januar 2019)

Inhalt

Wirtschaftswachstum in Österreich bleibt kräftig / Von Axel Simer

Bonn (GTAI) - In Österreich hielt die gute wirtschaftliche Entwicklung des Jahres 2017 auch 2018 an. Die Aussichten bei Investitionen, Konsum und Außenhandel sind positiv.

Wirtschaftsentwicklung: Konjunktur weiter dynamisch

Die österreichische Wirtschaft befindet sich zum Jahresbeginn 2019 noch in der Hochkonjunktur. Im Jahr 2018 wird das Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) mit voraussichtlich 2,7 Prozent deutlich höher ausfallen als im Durchschnitt des Euro-Raumes. Verantwortlich dafür ist vor allem die rege Industriekonjunktur. Aber auch die meisten anderen Wirtschaftsbereiche expandieren kräftig. Der Produktionszyklus hat seinen Höhepunkt zwar überschritten, die Industriebetriebe schauen aber überwiegend optimistisch in die Zukunft. Nur langsam drosseln sie die Expansion ihrer Investitionstätigkeit. Für 2019 wird mit einem nach wie vor robusten Wirtschaftswachstum von 2 Prozent gerechnet.

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Die private Nachfrage bleibt expansiv. Auch die Auslandsnachfrage liefert weiterhin wesentliche Impulse für die heimische Produktion. Das Wachstum verläuft im Euro-Raum zwar zäh, aber stetig. In den USA wird die Wirtschaft, gestützt vom Staatshaushalt, auch 2019 kräftig expandieren. In Osteuropa bleibt die Konjunktur ebenfalls dynamisch. Selbst von einem ungeregelten Brexit wäre die Wertschöpfung in Österreich nur geringfügig betroffen. Das Risiko einer Wirtschaftskrise in Italien scheint sich zuletzt verringert zu haben.

Der Haushaltssaldo war im Jahr 2018 mit großer Wahrscheinlichkeit ausgeglichen. Diese Entwicklung ist den sprudelnden Steuereinnahmen sowie einem weiteren Rückgang der öffentlichen Zinsausgaben zu verdanken. Aufgrund des anhaltend günstigen Konjunktur- und Zinsumfeldes wird für 2019 von allen Beobachtern eine weitere leichte Verbesserung des Budgetsaldos erwartet. Diese wird sich in den Jahren 2020 und 2021 fortsetzen. Ab 2019 ist erstmals seit Beginn der 1970er Jahre von gesamtstaatlichen Budgetüberschüssen auszugehen. Die Schuldenquote wird bis 2021 auf unter 65 Prozent des BIP zurückgehen und damit wieder das Vorkrisenniveau des Jahres 2007 erreichen.

Wirtschaftliche Eckdaten Österreichs
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. Euro) 369,6 387,3 3.277,3
BIP pro Kopf (Euro) 41.932 43.597 39.649
Bevölkerung (Mio.) 8,8 8,9 82,7

Quellen: Wifo; Statistik Austria; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Industrieinvestitionen steigen langsamer

Die heimische Industrie weitet ihre Investitionen angesichts der guten Absatzmöglichkeiten auf den internationalen Märkten seit Jahren kräftig aus. Für das Jahr 2018 zeichnet sich mit einem Wachstum der Ausrüstungsinvestitionen von schätzungsweise 4 bis 5 Prozent eine Fortsetzung dieses Trends ab. Damit ist der Investitionszyklus im historischen Vergleich außergewöhnlich stark. Ab 2019 ist allerdings mit einer graduellen Abschwächung zu rechnen.

Der Wohnbau wächst zum Jahreswechsel 2018/2019 ebenfalls. Für das Gesamtjahr 2018 wird der Anstieg der Wohnbauinvestitionen auf real 3 Prozent geschätzt. Im Jahr 2019 dürfte sich diese Entwicklung kaum verlangsamen. Für das Jahr 2020 deuten die im 1. Halbjahr 2018 rückläufigen Baubewilligungen jedoch auf eine schwächere Dynamik der Bautätigkeit hin. Der Tiefbau profitiert 2018 von einer Reihe öffentlicher Infrastrukturmaßnahmen, die sich auch in den folgenden Jahren positiv auswirken werden.

Ausgewählte Großprojekte in Österreich
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Koralmbahn, neue Bahntrasse von Graz nach Klagenfurt, Ausbau der sogenannten Südstrecke Wien-Villach Bis zu 15.000 Bauphase einzelner Teilstrecken; kompletter Abschluss voraussichtlich 2023 Streckenlänge 130 km; umstritten wegen hoher Kosten, insbesondere für den Koralmtunnel mit rund 5,4 Mrd. Euro; http://infrastruktur.oebb.at
Brenner Basistunnel Über 8.000 Bauphase; Fertigstellung 2027 64 km Länge, Herzstück der Bahnverbindung Berlin-Palermo bzw. München-Innsbruck-Bozen; Prioritäres EU-TEN-Projekt; http://www.bbt-se.com
Hauptbahnhof Wien 4.000, davon 1.000 für den Bahnhof Umsetzung bis 2020; Arbeiten am Bahnhof 2015 abgeschlossen. Bahnhof plus neues Stadtviertel (Sonnwendviertel);http://www.hauptbahnhof-wien.at
Semmering-Basistunnel, Teil der europäischen Baltic-Adriatic-Achse 3.300 In Bau; Fertigstellung 2026 Tunnel mit 27,3 km Länge; Bauherr: Österreichische Bundesbahn; http://infrastruktur.oebb.at
Nordost-Umfahrung Wien mit Lobau-Tunnel und Spange Aspern 1.850 Umweltverträglichkeitsprüfung läuft; Baubeginn 2020/2021, Fertigstellung 2025 Teil der Ostumgehung Wien über die Bundesstraße S1, mit 9 km Tunnel; Bauherr Asfinag
Ausbau und Neubau von Wasserkraftwerken in Tirol Über 1.200 Rund 10 Projekte im Genehmigungsverfahren; größte Vorhaben: Kaunertal und Kühtai Weitere Infos: Tiwag, http://www.tiwag.at oder https://www.tiwag.at/ueber-die-tiwag/kraftwerke/wasserkraftausbau/
Gemeinschaftskraftwerk Inn (Wasserkraft) 480 Bauphase; Fertigstellung Herbst 2020 beteiligt ist Hochtief Infrastructure; https://www.gemeinschaftskraftwerk-inn.com
Wiener Nordbahnhof Unbekannt; mehrere Teilprojekte Bauphase; Fertigstellung 2025 75 ha großes innerstädtisches Entwicklungsgebiet, auf dem Wohnungen und Gewerbeflächen entstehen sollen; https://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/projekte/nordbahnhof/

Anmerkung: Aktuelle neue Bauvorhaben unter http://www.auftragsnetz.at; öffentliche und beschränkte Bauausschreibungen unter: http://www.ausschreibungen.at

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Private Nachfrage stützt die Konjunktur

Die Einkommen der privaten Haushalte entwickeln sich 2019 günstig. Die Abschlüsse der Herbstlohnrunde 2018 lagen etwas über den Erwartungen. Die expansive Fiskalpolitik dämpft die Abgabenbelastung. Dies stärkt den privaten Konsum, der in den Jahren 2019 und 2020 zu einer Stütze des Wirtschaftswachstums wird. Der zum 1.1.2019 eingeführte Familienbonus wird seine volle Wirkung in Höhe von 0,5 Prozent des Haushaltseinkommens laut Prognosen allerdings erst 2020 entfalten. Wie in den letzten Jahren, trägt zum positiven Konsumtrend die sehr dynamische Beschäftigungsentwicklung bei.

Die Inflation ist im Verlauf des Jahres 2018 aufgrund höherer Rohstoffpreise leicht angestiegen und wird für das Gesamtjahr 2018 bei 2,1 Prozent liegen. Im Jahr 2019 dürfte sie auf demselben Niveau verharren. In Übereinstimmung mit der erwarteten Konjunkturabschwächung prognostizieren Konjunkturinstitute einen Rückgang der Inflation auf 2 beziehungsweise 1,9 Prozent in den Jahren 2020 und 2021.

Außenhandel expandiert dank guter Industriekonjunktur

Die Wareneinfuhr stieg im Zeitraum Januar bis Oktober 2018 nominal um 5,9 Prozent. Ursächlich dafür war vor allem die boomende Industrie, die ihre Exporte um 6,4 Prozent steigerte. Etwa zwei Drittel des Exportwerts bestehen aus weiterverarbeiteten Vorleistungen oder Rohstoffen. Die ausgeprägte Investitionsneigung kurbelt die Maschineneinfuhr an. Maschinen und Fahrzeuge waren die wertmäßig bedeutendsten Importprodukte. 2019 wird die Wareneinfuhr voraussichtlich noch einmal um 4 bis 5 Prozent zulegen.

Aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Union bezieht Österreich über 70 Prozent seiner Waren. Die beiden wichtigsten Handelspartner waren 2018 erneut Deutschland und Italien. Im Zeitraum Januar bis Oktober entfielen auf Deutschland 36 Prozent der Gesamteinfuhr - etwa sechsmal so viel wie auf das Lieferland Nummer zwei, Italien. Platz drei im Lieferranking belegte China vor der Schweiz auf Rang vier sowie Tschechien und den USA.

Außenhandel Österreichs (in Mio. Euro; Veränderung in %)

2016 2017 Veränderung 2017/2016
Importe 135.667 147.542 8,8
Exporte 131.125 141.940 8,2
Handelsbilanzsaldo -4.542 -5.603 -

Quelle: Statistik Austria

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/oesterreich

Dieser Artikel ist relevant für:

Österreich Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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