Wirtschaftsausblick

10.07.2019

Wirtschaftsausblick - Österreich (Juli 2019)

Inhalt

Konjunkturabkühlung in Sicht / Von Axel Simer

Bonn (GTAI) - Österreichs Wirtschaft befindet sich in einer Phase mäßigen Wachstums. Die meisten Impulse kommen aus der Binnenwirtschaft. Der Außenhandel verliert an Kraft.

Wirtschaftsentwicklung: Schwache internationale Konjunktur belastet

Österreichs Wirtschaftswachstum hat sich nach einer Phase der Hochkonjunktur abgekühlt. Zwar sind die binnenwirtschaftlichen Auftriebskräfte weiterhin intakt, doch die Industrie leidet unter der Exportflaute und erlebt einen Abschwung. Die Ausfuhren entwickeln sich im Einklang mit der Abschwächung der internationalen Konjunktur. Ursächlich sind beispielsweise der Handelskonflikt zwischen China und den USA, die instabile Lage im Nahen Osten und die durchwachsenen Perspektiven der deutschen Automobilindustrie. Der Konsum der privaten Haushalte wächst dagegen robust. Er wird von einem anhaltenden Beschäftigungs- und Lohnwachstum gestützt.

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Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) expandiert 2019 voraussichtlich um 1,5 Prozent und damit deutlich weniger als im Vorjahr. 2020 dürfte der Anstieg des BIP mit 1,6 Prozent in etwa dem Vorjahr entsprechen.

Wirtschaftliche Eckdaten Österreichs
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. Euro) 369,6 387,4 3.388,2
BIP pro Kopf (Euro) 41.932 43.598 40.871
Bevölkerung (Mio.) 8,8 8,9 82,9

Quellen: Wifo; Statistik Austria; Statistisches Bundesamt

Für die Schuldenentwicklung der öffentlichen Hand findet auch die Europäische Kommission lobende Worte: Der gesamtstaatliche Budgetsaldo war im Jahr 2018 mit 0,1 Prozent des BIP zum ersten Mal seit langer Zeit im Plus. Dies ist dem sehr guten konjunkturellen Umfeld, das zu sprudelnden Steuereinnahmen führte, sowie einem weiteren Rückgang der öffentlichen Zinsausgaben zu verdanken. Dank des anhaltend günstigen Konjunktur- und Zinsumfelds wird für 2019 eine weitere leichte Verbesserung des Budgetsaldos erwartet, die sich in den Jahren 2020 und 2021 fortsetzen soll. Die EU-Kommission rechnet für 2019 mit einer staatlichen Bruttogesamtschuld von 69,7 Prozent und für 2020 mit 66,8 Prozent des BIP.

Investitionen: Ausrüstungsinvestitionen schwächeln, Wohnbau bleibt expansiv

Neben dem privaten Konsum wird die Binnenkonjunktur vom Wachstum der Bruttoanlageinvestitionen getragen. Während zu Jahresbeginn 2019 die Beiträge der Ausrüstungsinvestitionen zunehmend schwächer wurden, trugen die Bauinvestitionen deutlich über dem langjährigen Durchschnitt zum Wachstum der gesamten Bruttoanlageinvestitionen bei. Dieser Trend wird sich bis zum Jahresende fortsetzen. Damit verlängert sich der - im historischen Vergleich bereits überdurchschnittlich lang andauernde - Investitionszyklus weiter. Insgesamt wird ein Investitionsplus von mindestens 2 Prozent im Jahr 2019 erwartet. In den Jahren 2020 und 2021 dürfte das Wachstum etwas geringer ausfallen.

Als überdurchschnittlich dynamisch gilt weiterhin die Bauwirtschaft, vor allem der Wohnungsneubau. Die Österreichische Nationalbank rechnet in diesem Segment der Bauinvestitionen für 2019 mit einem Plus von 4 und für 2020 mit einem Plus von 3 Prozent. Der Tiefbau profitiert 2019 weiterhin von einer Reihe öffentlicher Infrastrukturmaßnahmen, die sich auch in den Folgejahren positiv auswirken werden.

Ausgewählte Großprojekte in Österreich
Projektbezeichnung Investitionssumme (Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Koralmbahn, neue Bahntrasse von Graz nach Klagenfurt, Ausbau der sog. Südstrecke Wien-Villach Bis zu 15 Mrd. Bauphase einzelner Teilstrecken, kompletter Abschluss voraussichtlich 2023 Streckenlänge 130 km, umstritten wegen hoher Kosten, insbesondere für den Koralmtunnel mit rund 5,4 Mrd. Euro; https://infrastruktur.oebb.at
Brenner Basistunnel Über 8 Mrd. Bauphase, Fertigstellung 2027 64 km Länge, Herzstück der Bahnverbindung Berlin-Palermo bzw. München-Innsbruck-Bozen, Prioritäres EU-TEN-Projekt; https://www.bbt-se.com
Hauptbahnhof Wien 4 Mrd., davon 1 Mrd. für den Bahnhof Umsetzung bis 2020, Arbeiten am Bahnhof 2015 abgeschlossen. https://www.hauptbahnhof-wien.at; Bahnhof plus neues Stadtviertel (Sonnwendviertel)
Semmering-Basistunnel, Teil der europäischen Baltic-Adriatic-Achse 3,3 Mrd. Euro In Bau, Fertigstellung 2026 Tunnel mit 27,3 km Länge; Bauherr: Österr. Bundesbahn; https://infrastruktur.oebb.at
Nordost-Umfahrung Wien mit Lobau-Tunnel und Spange Aspern 1,85 Mrd. Umweltverträglichkeitsprüfung läuft, Baubeginn 2020/2021, Fertigstellung 2025 Teil der Ostumgehung Wien über die Bundesstraße S1, mit 9 km Tunnel, Bauherr Asfinag.
Ausbau und Neubau von Wasserkraftwerken in Tirol über 1,2 Mrd. Rund 10 Projekte im Genehmigungsverfahren; größte Vorhaben: Kaunertal und Kühtai Weitere Informationen: Tiwag, https://www.tiwag.at oder https://www.tiwag.at/ueber-die-tiwag/kraftwerke/wasserkraftausbau/
Gemeinschaftskraftwerk Inn (Wasserkraft) 480 Mio. Bauphase, Fertigstellung Herbst 2020 https://www.gemeinschaftskraftwerk-inn.com; beteiligt ist Hochtief Infrastructure
Wiener Nordbahnhof Unbekannt, mehrere Teilprojekte Bauphase, Fertigstellung 2025 75 ha großes innerstädtisches Entwicklungsgebiet, auf dem Wohnungen und Gewerbeflächen entstehen sollen; https://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/projekte/nordbahnhof/

Anmerkung: Aktuelle neue Bauvorhaben unter http://www.auftragsnetz.at; öffentliche und beschränkte Bauausschreibungen unter: http://www.ausschreibungen.at

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Private Nachfrage bleibt eine wichtige Stütze der Konjunktur

Die positive Auswirkung des privaten Konsums ist einem starken Wachstum des real verfügbaren Haushaltseinkommens zu verdanken. Dieses wurde von drei Faktoren getragen: Erstens von der Entlastung der privaten Haushalte im Rahmen der Steuerreform 2016, zweitens von den vergleichsweise hohen Lohnabschlüssen seit 2018 und drittens vom starken Beschäftigungswachstum. Dieses beschleunigte sich seit 2014 von Jahr zu Jahr und wies 2018 den höchsten Wert seit der Einführung des Euro auf.

Im Jahr 2019 wird die Beschäftigungsdynamik etwas an Kraft verlieren, das Beschäftigungswachstum wird aber weiterhin über dem langfristigen Durchschnittswert liegen. Im Gegensatz dazu fallen die Lohnabschlüsse im Jahr 2019 mit einer Steigerung von voraussichtlich 2,9 Prozent sogar höher aus als im Vorjahr (2,6 Prozent). Auch für 2020 und 2021 wird mit einem deutlichen Nominallohnwachstum von jeweils über 2 Prozent gerechnet. Zudem wirkt die Einführung des Familienbonus ab der Jahresmitte 2019 positiv auf das verfügbare Haushaltseinkommen. Der Familienbonus ist der erste Schritt einer geplanten mehrstufigen Steuerreform.

Außenhandel: Wachstum verlangsamt sich

Die internationale Konjunktureintrübung schlägt sich auch in den Erwartungen der Industrie, insbesondere der Exportindustrie, nieder. So sind die Auftragseingangs- und damit die Absatz- und Produktionserwartungen seit Jahresbeginn 2019 von zunehmendem Pessimismus gekennzeichnet. Sie signalisieren damit eine weitere Abschwächung der Exportentwicklung bis zur Jahresmitte. Laut Einschätzung der Österreichischen Nationalbank wird es für die österreichische Exportwirtschaft erst ab dem 3. Quartal 2019 zu einer moderaten Verbesserung der Dynamik kommen. Die Exporte, und in deren Gefolge auch die Importe, werden deshalb in diesem Jahr nur mäßig wachsen. Im Jahr 2020 wird sich das Wachstum aber beschleunigen.

Außenhandel Österreichs (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2017 2018 Veränderung 2018/2017
Importe 147.542 156.056 5,8
Exporte 141.940 150.071 5,7
Handelsbilanzsaldo -5.603 -5.985 -

Quelle: Statistik Austria

Aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Union bezieht Österreich knapp 71 Prozent seiner Waren. Die beiden wichtigsten Handelspartner waren 2018 erneut Deutschland und Italien. Dabei entfielen auf Deutschland 36 Prozent der Gesamteinfuhr - etwa sechsmal so viel wie auf das Lieferland Nummer zwei, Italien. Platz drei im Lieferranking belegte China vor der Schweiz auf Rang vier.

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/oesterreich

Dieser Artikel ist relevant für:

Österreich Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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