Wirtschaftsausblick

25.06.2018

Wirtschaftsausblick - Österreich (Juni 2018)

Inhalt

Importe steigen kräftig / Von Axel Simer

Bonn (GTAI) - Das Bruttoinlandsprodukt Österreichs stieg 2017 in etwa doppelt so stark wie im Vorjahr. Auch 2018 dürfte der konjunkturelle Aufschwung anhalten. Wachstumsmotoren sind in erster Linie die Industriebranchen. Die Auftragsbücher der Hersteller sind dank boomender Exporte und gestiegener Ausrüstungsinvestitionen gut gefüllt. Davon profitieren auch die Importe, die stärker expandieren als die Wirtschaft insgesamt.

Wirtschaftsentwicklung: Der Konjunkturhöhepunkt ist erreicht

Nach einem fulminanten Jahr 2017, mit dem höchsten Wirtschaftswachstum seit sechs Jahren, bleibt die österreichische Konjunktur auch 2018 weiterhin dynamisch. Das robuste internationale Umfeld kommt der exportorientierten Industrie zugute: In den USA hält der Aufschwung an, im Euro-Raum ist die Konjunktur lebhaft und die Produktion wächst. Auch in den mittelosteuropäischen Ländern und den meisten Schwellenländern expandiert die Wirtschaft rasch.

Angesichts dieses günstigen Panoramas werden Produktion und Beschäftigung in Österreich zulegen. Die Kapazitätsauslastung erreicht Höchstwerte. Auch die Ausrüstungsinvestitionen dürften 2018 noch einmal deutlich ansteigen. Zudem unterstützt der private Konsum das Wachstum der österreichischen Wirtschaft. Die Einfuhren nehmen weiterhin stärker zu als das Bruttoinlandsprodukt (BIP), denn rund zwei Drittel des Ausfuhrwerts bestehen aus importierten Vorleistungen.

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Zur Jahresmitte 2018 ist das Konjunkturhoch erreicht. Im Laufe des zweiten Halbjahres dürfte eine allmähliche Abkühlung der Weltkonjunktur auch das Wachstum in Österreich leicht dämpfen. Die nachlassende Exportdynamik wird sich auf die Ausrüstungsinvestitionen auswirken, vor allem im Jahr 2019. Aufgrund der hohen Kapazitätsauslastung werden die Investitionen jedoch noch eine Zeitlang hoch bleiben. Die Konsumausgaben wachsen weiter moderat. Sie werden daher der Konjunktur in diesem und im nächsten Jahr keine besonderen Impulse verleihen können. Während das BIP im 1. Halbjahr 2018 noch sehr kräftig expandiert, wird es im weiteren Jahresverlauf zu einer Abschwächung kommen. Die meisten Prognosen sehen daher das reale Wirtschaftswachstum 2018 bei knapp unter 3 Prozent, im Jahr darauf nur noch bei gut 2 Prozent.

Wirtschaftliche Eckdaten Österreichs
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. Euro) 368,9 383,6 3.263
BIP pro Kopf (Euro) 41.877 43.244 39.475
Bevölkerung (Mio.) 8,8 8,9 82,7

Quellen: Wifo, Statistik Austria; Statistisches Bundesamt

Positive wie negative Konjunkturrisiken können die Prognosen in beide Richtungen verändern. Auf der negativen Seite drohen vor allem Konsequenzen aus der verschärften handelspolitischen Diskussion mit den USA. Zudem ist die politische Situation beim wichtigen Handelspartner Italien wenig vertrauensbildend. Auf der Habenseite versprechen sich österreichische Unternehmen gute Geschäfte von der im Koalitionsvertrag der deutschen Bundesregierung vereinbarten Erhöhung öffentlicher Investitionen. Und möglicherweise hält der Konjunkturaufschwung in den USA länger an als gedacht.

Investitionen: Warenexportboom heizt die Ausrüstungsinvestitionen an

Aufgrund hoher Kapazitätsauslastung und positiver Aussichten für Produktion und Export nehmen die Ausrüstungsinvestitionen bereits seit Mitte 2016 kräftig zu. Ab 2017 hat es darüber hinaus einen merklichen Ausbau der Produktionskapazitäten gegeben. An ein zweistelliges Umsatzwachstum des Jahres 2017 knüpfen die Branchen Metallerzeugung und -verarbeitung, elektrische Ausrüstungen, Optik/Elektronik sowie der "sonstiger Fahrzeugbau" (ohne Kfz) an. Deutlich stärker als das BIP konnten zudem die Bereiche Nahrungsmittel, Textilien, Pharma, Metallerzeugnisse und Maschinenbau zulegen. Aufgrund einer zu erwartenden Abschwächung der Exportkonjunktur dürften im 2. Halbjahr die Investitionen tendenziell zurückgehen. Ab 2019 sollten sich diese dann wieder auf dem Niveau der BIP-Expansion bewegen. Für 2018 wird bei den Ausrüstungsinvestitionen ein Wachstum von 6 Prozent erwartet.

Ausgewählte Großprojekte in Österreich
Projektbezeichnung Investitionssumme (Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Koralmbahn, neue Bahntrasse von Graz nach Klagenfurt, Ausbau der sogenannten Südstrecke Wien-Villach Bis zu 15 Mrd. Bauphase einzelner Teilstrecken, kompletter Abschluss voraussichtlich 2023 Streckenlänge 130 km, umstritten wegen hoher Kosten, insbesondere für den Koralmtunnel mit rund 5,4 Mrd. Euro; http://infrastruktur.oebb.at
Brenner Basistunnel Über 8 Mrd. Bauphase, Fertigstellung 2025 55 km Länge, Herzstück der Bahnverbindung Berlin-Palermo sowie Innsbruck-Bozen, Prioritäres EU-TEN-Projekt; http://www.bbt-se.com
Hauptbahnhof Wien 4 Mrd., davon 1 Mrd. für den Bahnhof Umsetzung bis 2020, Bahnhofarbeiten 2015 abgeschlossen http://www.hauptbahnhof-wien.at; Bahnhof plus neues Stadtviertel (Sonnwendviertel)
Semmering-Basistunnel, Teil der europäischen Baltic-Adriatic-Achse 3,3 Mrd. In Bau, Fertigstellung 2026 Tunnel mit 27,3 km Länge; Bauherr: Österreichische Bundesbahn; http://infrastruktur.oebb.at
Tunnel Donau-Lobau 1,85 Mrd. Umweltverträglichkeitsprüfung läuft, Baubeginn 2018, Fertigstellung 2025 Teil der Ostumgehung Wien über die Bundesstraße S1, Bauherr Asfinag
Ausbau und Neubau von Wasserkraftwerken in Tirol über 1,2 Mrd. Rund 10 Projekte im Genehmigungsverfahren; größte Vorhaben: Kaunertal und Kühtai Weitere Infos: Tiwag, http://www.tiwag.at oder http://wasserkraftausbau.tiwag.at
Gemeinschaftskraftwerk Inn (Wasserkraft) 480 Mio. Bauphase, Fertigstellung 2020 http://www.gemeinschaftskraftwerk-inn.com; beteiligt ist Hochtief Infrastructure
Wiener Nordbahnhof Unbekannt, mehrere Teilprojekte Bauphase, Fertigstellung 2025 75 ha großes innerstädtisches Entwicklungsgebiet, auf dem Wohnungen und Gewerbeflächen entstehen sollen;https://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/projekte/nordbahnhof/

Anmerkung: Aktuelle neue Bauvorhaben sind unter http://www.auftragsnetz.at zu finden, öffentliche und beschränkte Bauausschreibungen unter: http://www.ausschreibungen.at

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Die Bauinvestitionen sind 2017 ebenfalls stärker als das BIP gewachsen. Das dürfte sich 2018 und 2019 ändern. Die niedrigen Darlehenszinsen und die dadurch anziehende Nachfrage haben die Baupreise in den letzten zwei Jahren stark ansteigen lassen. Im Wohnbau ist aufgrund stagnierender Baubewilligungen mit einer Konsolidierung - auf hohem Niveau - zu rechnen. Dem Tiefbau fehlen neue Impulse.

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/oesterreich, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum profitiert von guter Beschäftigungsentwicklung

Die konsumtreibenden Effekte der Steuerreform von 2016 sind mittlerweile verpufft. Aktuell profitiert die Konsumnachfrage von der rückläufigen Arbeitslosigkeit und dem damit verbundenen Kaufkraftgewinn sowie Umfragehochs bei der Konsumentenstimmung. 2018 wird die günstige Beschäftigungsentwicklung anhalten und mit realen Einkommenszuwächsen einhergehen. Nach 5,5 Prozent im Jahr 2017 wird die Arbeitslosenquote 2018 auf 5,2 Prozent fallen und 2019 auf 5 Prozent zurückgehen. Die Zahl der Beschäftigten wird 2018 um fast 2 Prozent wachsen, 2019 um etwas mehr als 1 Prozent.

Der Anstieg der Verbraucherpreise hat im 1. Halbjahr deutlich nachgelassen. Die Inflationsrate ist in Österreich allerdings immer noch um einen halben Prozentpunkt höher als im EU-Durchschnitt. 2018 wird die Inflation bei 2,1 Prozent liegen, 2019 voraussichtlich leicht unter der 2-Prozent-Marke. Preistreiber sind derzeit Rohölprodukte sowie erhebliche Preissteigerungen bei Industriegütern, Wohnungsmieten und Bewirtungsdienstleistungen.

Außenhandel: Der Warenhandel blüht im Kielwasser der guten Konjunktur

Die Wareneinfuhr stieg 2017 nominal um 8,8 Prozent. Ursächlich dafür war vor allem die boomende Industrie, die ihre Exporte um 8,2 Prozent steigerte. Denn etwa zwei Drittel des Exportwertes bestehen aus weiterverarbeiteten Vorleistungen oder Rohstoffen. Hinzu kommt das gute Investitionsklima, das wiederum die Maschineneinfuhr ankurbelt. Maschinen und Fahrzeuge (SITC 7) waren 2017 die wertmäßig bedeutendste Produktgruppe. 2018 wird die Wareneinfuhr weiter zulegen, jedoch nicht mehr so stark wie im Ausnahmejahr 2017. Nominal 7 Prozent dürften es allerdings schon werden. Der leichte Rückgang 2018 ist der nachlassenden Exportkonjunktur geschuldet, wozu sich 2019 noch eine schwächere Investitionsneigung gesellt.

Außenhandel Österreichs (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2016 2017 Veränderung 2017/2016
Importe 135.667 147.615 8,8
Exporte 131.125 141.918 8,2
Handelsbilanzsaldo -4.542 -5.697 -

Quelle: Statistik Austria

Aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) bezieht Österreich über 70 Prozent seiner Waren. Die beiden wichtigsten Handelspartner waren 2017 erneut Deutschland und Italien. Dabei entfielen auf den deutschen Einfuhranteil bereits 37 Prozent der Gesamteinfuhr - etwa sechsmal so viel wie auf das Lieferland Nr. 2, Italien. Platz drei im Lieferranking belegte China vor der Schweiz auf Rang vier sowie Tschechien und den USA.

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Oesterreich

Dieser Artikel ist relevant für:

Österreich Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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