Wirtschaftsausblick

11.06.2018

Wirtschaftsausblick - Oman (Mai 2018)

Inhalt

Nur mäßiges Wachstum erwartet / Mehr private Investitionen erforderlich / Von Robert Espey

Dubai/Muscat (GTAI) - Die gestiegenen Ölpreise haben Omans Wirtschaft 2017 nominal kräftig wachsen lassen. Preisbereinigt gab es aber kein oder nur ein schwaches Plus. In diesem Jahr soll vor allem eine steigende Gasförderung das Wachstum sichern. Die Bemühungen um eine stärkere Diversifizierung der Wirtschaft dürften erst mittelfristig Wirkung zeigen. Industrielle Großprojekte werden zukünftig Impulse geben. Der Staat will seine Rolle als Wirtschaftsmotor herunterfahren, der Privatsektor soll übernehmen.

Wirtschaftsentwicklung: Wieder stärkeres Wachstum erwartet

Nach vorläufigen Angaben führten die anziehenden Ölpreise 2017 zu einem nominalen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 8 Prozent. Der durchschnittliche Barrel-Preis für omanisches Öl erhöhte sich 2017 um 28 Prozent auf 51,3 US-Dollar (US$), allerdings schrumpfte die Ölförderung um 3 Prozent auf 0,97 Millionen bpd (barrel per day). Der BIP-Anteil der Öl- und Gasförderung stieg auf 30 Prozent (2016: 27 Prozent).

MKT201806088022.14

Der steigende Ölpreis verteuerte Raffinerie- und petrochemische Produkte. Diese Bereiche hatten 2017 einen Anteil von 55 Prozent an der industriellen Wertschöpfung. weshalb die nominale Wertschöpfung der verarbeitenden Industrie 2017 um 9 Prozent zulegte. Die sonstige verarbeitende Industrie dürfte 2017 nur wenig zugelegt haben.

Die Bauwirtschaft schrumpfte 2017 nominal um 8 Prozent. Der Dienstleistungssektor verbuchte ein Plus von 3 Prozent, allerdings ging mit der öffentlichen Verwaltung die größte Sparte um 2 Prozent zurück. Positiv entwickelten sich unter anderem die Bereiche Transport, Lagerwesen und Kommunikation (Anstieg um 10 Prozent), Finanzdienstleistungen (4 Prozent) und Immobiliendienstleistungen (7 Prozent).

Wirtschaftliche Eckdaten Oman
Indikator 2016 1) 2017 1) Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Milliarden US$) 2) 66,7 72,1 3.687
BIP pro Kopf (US$) 15.139 15.811 44.595
Bevölkerung (Millionen) 3) 4,41 4,56 82,7
.Omaner 2,43 2,50 --
.Ausländer 1,99 2,06 --
Wechselkurs (1 US$/R.O.) 4) 0,385 0,385 --

1) vorläufig; 2) zu Marktpreisen; 3) jeweils zur Jahresmitte; 4) der Omani Rial ist fest an den US-Dollar gekoppelt

Quellen: Central Bank of Oman, National Center for Statistics and Information, Directorate General of Civil Status, Statistisches Bundesamt, Bundesbank

Es liegen noch keine Angaben zur realen (preisbereinigten) BIP-Entwicklung 2017 vor. Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht in seiner im April 2018 veröffentlichen Schätzung von einer Schrumpfung des BIP um 0,3 Prozent aus und erwartet 2018 und 2019 Zuwächse um 2,1 und 4,2 Prozent, in den folgenden vier Jahren (2020 bis 2023) rechnet der IWF mit durchschnittlich 2,1 Prozent. Die EIU (Economist Intelligence Unit) ist optimistischer und geht für 2017 von einem BIP-Plus von 1,0 Prozent aus und rechnet für 2018 bis 2022 mit einem kontinuierlichen Anstieg von 2,5 auf 3,2 Prozent. Die staatliche Oman International Development and Investment Company prognostiziert für 2018 ein Wachstum von 3 Prozent.

Die positiven Prognosen für das reale BIP-Wachstum 2018 basieren vor allem auf der Annahme einer nicht weiter sinkenden Ölfördermenge und Produktionssteigerungen in zwei, 2017 in Betrieb genommenen Gasfeldern (Khazzan & Makarem). Zudem soll durch den im März 2018 neu eröffneten Flughafenterminal in Muscat die Transport- und Tourismusbranche Impulse bekommen. Die Zahl der Gäste in den 3 bis 5 Sterne Hotels ging 2017 um 4 Prozent auf 1,53 Millionen zurück, die Einnahmen sind aber leicht gestiegen. Mittelfristig werden im Bau befindliche oder geplante industrielle Großprojekte (Raffinerien, Petrochemie etc.) wesentlich zum Wachstum beitragen. Der Privatsektor soll die weitere Diversifizierung der Wirtschaft vorantreiben.

Investitionen: Hoffnungen auf steigendes privates Engagement

Eine Belebung der Investitionstätigkeit setzt verstärkte private in- und ausländische Investitionen voraus, die aber erst mittelfristig zu erwarten sind. Offiziellen Angaben zufolge zeigten die Bruttoanlageinvestitionen 2015 und 2016 keinen Wachstumstrend. Ob es 2017 zumindest ein leichtes Plus gab, ist zweifelhaft. Die starke Schrumpfung der Bautätigkeit müsste 2017 zu einem Rückgang der gesamten Investitionen geführt haben, auf Bauinvestitionen entfallen etwa drei Viertel der Bruttoanlageinvestitionen.

Der Haushaltsplan hatte für 2017 eine Absenkung der öffentlichen Investitionen gegenüber 2016 um 9 Prozent vorgesehen. Nach vorläufigen Angaben wurde aber das Niveau etwa gehalten. Das Budget für 2018 sieht eine Verminderung der Investitionen gegenüber 2017 um 7 Prozent vor. Insbesondere laufende Infrastrukturprojekte sollen finanziert werden, darunter verschiedene Vorhaben in der neuen Wirtschaftssonderzone Duqm und mehrere unvollendete Autobahnprojekte (Muscat-Salalah, Sharqiyah Expressway, Batinah Expressway).

Der im August 2017 veröffentlichte Bericht der Statistikbehörde zur Entwicklung der ausländischen Direktinvestitionen bezieht sich auf 2014. Der Bestand lag bei 19,8 Milliarden US$. Die Öl- und Gasförderung hatte dabei einen Anteil von 53 Prozent.

Ausgewählte Großprojekte in Oman
Projektbezeichnung Investitions-summe (Millionen US$) Projekt-stand *) Projektträger
Duqm Petrochemical Complex 9.000 ST Duqm Refinery and Petrochemical Industries
Methanol to Olefins Plant 2.800 ST Duqm Special Economic Zone Authority / Mingyuan Holdings Group
Acetic Acid Plant 1.000 FEED Government of Oman / BP Global
1800 MW Duqm Coal Fired IPP (Independent Power Plant) 1.000 ST Oman Power & Water Procurement Company
Muscat Airport City 1.000 DE Oman Airports Management Company (OAMC)
Duqm Cement Plant 582 ST Al Wusta Cement Company
Musandam Airport 500 ST Oman Ministry of Transport & Communication
Solar PV Ibri IPP 500 PQ Oman Power & Water Procurement Company
Oman National Railway: Segment 4D (Mineral Rail Line) 500 DE Oman Rail
Oman Sugar Refinery 500 FEED Oman Sugar Refinery Company

*) ST = Studie, FEED = Front End Engineering and Design, DE = Design, PQ = Präqualifizierung

Quellen: MEED Projects, Recherchen von Germany Trade & Invest

Konsum: Arbeitsmarktsituation dämpft Konsum

Der private Verbrauch stagnierte 2016, Schätzungen gehen für 2017 nicht von einer wesentlichen Besserung aus. Die weitere Dynamik des privaten Konsums wird von den Arbeitsmarktchancen der einheimischen Bevölkerung abhängen. Von den im März 2018 geschätzten 453.000 omanischen Erwerbstätigen sind etwa 46 Prozent im sehr gut zahlenden öffentlichen Sektor beschäftigt. Proteste veranlassten die Regierung, in den ersten drei Monaten 2018 im öffentlichen Sektor zusätzliche 13.000 Stellen zu schaffen. Dies steht im Widerspruch zur erklärten Sparpolitik, die eher einen Abbau oder zumindest keine weitere Steigerung der öffentlichen Beschäftigung vorsieht.

Auf die heftigen Proteste im Januar 2018 gegen die hohe Arbeitslosigkeit insbesondere unter jungen Omanern reagierte die Regierung auch mit einer Verschärfung der Regelungen zur Beschäftigung von Ausländern im Privatsektor. Firmen, die zu wenige Omaner beschäftigen, drohen die Arbeitsgenehmigungen für ihre ausländischen Mitarbeiter zu verlieren. Omaner erhalten wegen Mindestlohnbestimmungen deutlich höhere Löhne als ausländische Arbeitskräfte, dennoch ist der Verdienst im Vergleich zum öffentlichen Sektor erheblich niedriger. Nur 12 Prozent der 2 Millionen im Privatsektor Beschäftigten sind Einheimische.

Außenhandel: Starke Expansion bei Ein- und Ausfuhren

Nachdem die Importe 2016 um über 20 Prozent eingebrochen waren, erhöhten sie sich 2017 um 19,5 Prozent auf 27,6 Milliarden US$ (cif), lagen aber immer noch 19,4 Prozent unter dem 2013 erreichten Spitzenwert (34,3 Milliarden US$). Für 2018 und 2019 werden moderate Zuwächse erwartet.

Das 2017 verbuchte Plus beruht wesentlich auf Zuwächsen bei Beförderungsmitteln (HS 17; Anstieg um 55 Prozent auf 4,5 Milliarden US$, vor allem höhere Importe von Flugzeugen), bei Maschinen und Elektrotechnik (HS 16; 27 Prozent auf 6,1 Milliarden US$) sowie bei Metallen und Metallwaren (HS 15; 20 Prozent auf 3,6 Milliarden US$). Als Folge der höheren Ölpreise stiegen die Exporte um 23 Prozent auf 32,8 Milliarden US$, der Höchstwert wurde 2013 mit 56,4 Milliarden US$ erreicht.

Außenhandel Oman (in Millionen US$; Veränderung in Prozent)
2016 1) 2017 1) Veränderung 2017/2016
Importe (cif) 23.117 27.620 19,5
Exporte (fob) 26.741 32.811 22,7
.Öl 2) 13.308 16.054 20,6
.Gas (LNG) 3) 1.862 3.029 62,7
.andere Waren 6.230 8.250 32,4
.Re-Exporte 5.341 5.478 2,6
Handelsbilanzsaldo 3.624 5.192 43,3

1) vorläufig; 2) einschließlich Raffinerieprodukte 3) LNG = Liquefied Natural Gas

Quellen: National Center for Statistics and Information

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind Omans führender Lieferant (2017: 11,0 Milliarden US$, vor allem Re-Exporte über Dubai). Es folgten die USA (2,3 Milliarden US$), Indien (1,4 Milliarden US$) und Japan (1,0 Milliarden US$), so der omanische Zoll. Gemäß Eurostat lieferte die EU 28 Gruppe 2017 für 5,8 Milliarden Euro (2016: 4,2 Milliarden Euro). Das Vereinigte Königreich kam durch hohe Flugzeugauslieferungen (1,3 Milliarden Euro) auf 2,04 Milliarden Euro (2016: 0,58 Milliarden Euro), gefolgt von Deutschland mit 0,91 Milliarden Euro (0,83 Milliarden Euro).

Eine Prognose der Entwicklung interessanter Märkte finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/branchencheck,t=branchencheck--oman-mai-2018,did=1920878.html

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Oman Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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