Wirtschaftsausblick

13.06.2019

Wirtschaftsausblick - Oman (Mai 2019)

Inhalt

Wachstumsbeschleunigung in den nächsten Jahren erwartet / Von Robert Espey

Dubai/Maskat (GTAI) - Eine steigende Gasförderung und Inbetriebnahmen industrieller Großprojekte werden ab 2020 die Konjunktur in Oman antreiben. Expansive Staatsausgaben werden nicht erwartet.

Wirtschaftsentwicklung: Derzeit mäßiges Wachstum

Nachdem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Oman 2017 real (preisbereinigt) geschrumpft war, brachte 2018 die positive Entwicklung der Öl- und Gasförderung sowie ein expansiver Nicht-Öl-Sektor wieder leichtes Wachstum. Daten über die reale BIP-Entwicklung liegen für 2018 aber noch nicht vor. Das nominale BIP wuchs 2018 nach vorläufigen Angaben um 12 Prozent, dazu trugen die gestiegenen Energiepreise wesentlich bei.

Der BIP-Anteil des Öl- und Gassektor soll 2018 bei 41 Prozent gelegen haben. Der Sektor schrumpfte 2017 real um 3 Prozent und dürfte 2018 wieder um geschätzte 1,5 Prozent gewachsen sein. Die Ölförderung (Rohöl und Kondensate) wuchs 2018 um 0,8 Prozent auf 0,98 Millionen bpd (barrel per day), die Gasförderung um 12,4 Prozent auf 120 Millionen Kubikmeter/Tag.

MKT201906128003.14

In den ersten vier Monaten 2019 legte die Gasförderung um 1,8 Prozent zu. Die Gasförderung wird 2019 deutlich langsamer expandieren als 2018, weil keine neuen Gasfelder in Produktion gehen und dadurch der Zuwachs bei Kondensaten (Leichtöl, das bei der Gasförderung als Nebenprodukt anfällt) geringer ausfällt.

Die Steigerung der Ölproduktion wurde 2018 durch eine Erhöhung der Kondensatförderung um 25,3 Prozent möglich. Der Rohölausstoß sank hingegen um 1,6 Prozent. Mit der Inbetriebnahme großer Gasprojekte, die zusätzliches Kondensat liefern, ist frühestens ab 2020 zu rechnen.

Die Rohölproduktion wird mittelfristig kaum wachsen, weil zusätzliche Förderungen hohe Investitionen in EOR-Technologien (Enhanced Oil Recovery) und die Erschließung neuer Ölfelder erfordern.

Wirtschaftliche Eckdaten Oman
Indikator 2017 2018 1) Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Milliarden US$) 2) 70,7 79,2 4.002
BIP pro Kopf (US$) 16.015 17.198 48.269
Bevölkerung (Millionen) 3) 4,6 4,6 82,9
.Omaner 2,5 2,6 --
.Ausländer 2,1 2,0 --
Wechselkurs (1 US$/R.O.) 4) 0,385 0,385 --

1) vorläufig; 2) zu Marktpreisen; 3) jeweils zur Jahresmitte; 4) der Omani Rial ist fest an den US-Dollar gekoppelt

Quellen: Central Bank of Oman, National Center for Statistics and Information, Directorate General of Civil Status, Statistisches Bundesamt, Bundesbank

Das Wachstum des Nicht-Öl-Sektors hatte sich 2017 auf real 0,9 Prozent verlangsamt (2016 noch 4,9 Prozent). Auch 2018 dürfte der reale Zuwachs nur bei 1 bis 1,5 Prozent gelegen haben.

Das nationale Statistikzentrum verzeichnete für die Bauwirtschaft 2018 ein nominales Minus von -6,1 Prozent. Die verarbeitende Industrie wuchs nominal um 2,7 Prozent, hauptsächlich weil die Preise für Raffinerie- und petrochemische Produkte zulegten. Der Dienstleistungssektor legte um 2,8 Prozent zu.

Auch 2019 wird im Nicht-Öl-Sektor keine wesentliche Beschleunigung erwartet. Große Industrieprojekte werden ab 2020 fertiggestellt und erst danach Impulse verleihen. So sollen das 4,5 Milliarden US$ Petrochemieprojekt in Sohar (Liwa Steam Cracker & Polyethylene Project) und ein 443 Millionen US$ Ammoniak-Projekt in Salalah 2020 in Betrieb gehen. Die Inbetriebnahme einer Ölraffinerie in Duqm wird 2022 erwartet.

Investitionen: Privatsektor soll in Diversifizierung investieren

Die Regierungsplaner haben die fünf Sektoren verarbeitende Industrie, Logistik, Tourismus, Fischerei und Bergbau für eine Diversifizierung der Wirtschaft identifiziert. Sie werden im Rahmen des Programms National Program for Enhancing Economic Diversification staatlich gefördert. In die Branchen sollen aber vor allem private Investitionen fließen.

Im verarbeitenden Gewerbe dominiert wohl auch künftig die staatlich finanzierte Petrochemie. Auch die Perspektiven in der Logistik hängen wesentlich von öffentlichen Investitionen in Häfen, Flughäfen und Straßen ab. Für Schienenprojekte werden indes private Investoren gesucht. Ebenfalls in die Stromerzeugung und -verteilung sowie die Wasserversorgung und -entsorgung soll privates Kapital fließen.

Die niedrigen Ölpreise von 2015 bis 2017 führten zu einem deutlichen Rückgang der öffentlichen Investitionstätigkeit. Die staatlichen Investitionen sanken von 2014 bis 2017 um 26 Prozent.

In den ersten elf Monaten 2018 sanken die staatlichen Investitionen gegenüber der Vorjahresperiode um weitere 8 Prozent. Auch mittelfristig ist nicht mit einer signifikanten Belebung der staatlichen Investitionstätigkeit zu rechnen. Finanzierungspielräume dürften vorrangig für laufende Ausgaben genutzt werden.

Ausgewählte Großprojekte in Oman
Projektbezeichnung Investitions-summe (Millionen US$) Projekt-stand *) Projektträger
Madinat Al-Irfan Mixed-Use Community: Western Area 13.000 ST Omran (Oman Government) / Majid Al Futtaim (UAE)
Sur Refinery And Petrochemicals Complex 10.000 ST Public Establishment for Industrial Estates
Duqm Petrochemical Complex 9.000 ST Duqm Refinery & Petrochemical Industries
Refinery in Duqm 5.650 ST Oman Wanfang
2700 MW Gas-Fired Power Plant 3.000 ST Oman Power & Water Procurement Company
Methanol to Olefins (MTO) Plant in Duqm 2.800 ST Mingyuan Holdings Group
Port in Sur 2.500 DE Public Establishment for Industrial Estates
Yiti Riviera Project 2.000 DE Ministry of Tourism
Chloralkali Polyvinyl Chloride Plant 1.500 FEED Projects Development & Management International
Sohar Aluminium Smelter Expansion 1.200 ST Sohar Aluminium Company

*) ST = Studie, DE = Design, FEED = Front End Engineering and Design

Quellen: MEED Projects, Recherchen von Germany Trade & Invest

Konsum: Haushalte halten sich zurück

Der private Verbrauch stieg 2017 real um 0,9 Prozent und auch 2018 dürfte die 1 Prozent-Marke nicht überschritten worden sein. Für 2019 und 2020 wird ebenfalls nur ein schwaches Wachstum erwartet. Die Kauffreude der einheimischen Haushalte ist getrübt und der Konsum der ausländischen Bevölkerung dürfte angesichts der nicht mehr wachsenden oder sogar zurückgehenden Zahl der Nicht-Omaner stagnieren.

Die Einkommen der einheimischen Haushalte haben sich infolge der staatlichen Sparpolitik negativ entwickelt. Zwar schafft der Staat weiterhin neue Stellen. Aber die Quote der Einheimischen, die im Staatsdienst beschäftigt sind, sank zwischen 2013 und 2018 von 50 auf unter 45 Prozent. Der deutlich schlechter zahlende Privatsektor erhöhte 2018 die Beschäftigung von Omanern um 6 Prozent auf 0,25 Millionen. Unternehmen sind per Gesetz zur Erhöhung der Stellen für Einheimische gezwungen.

Den jüngsten Arbeitsmarktdaten zufolge müssten im Januar 2019 mehr als 8 Prozent der einheimischen Erwerbsbevölkerung arbeitslos gewesen sein. Die Arbeitslosenquote in der Altersgruppe bis 29 Jahre ist überdurchschnittlich. Der Staatshaushalt sieht 2019 rund 5.000 zusätzliche öffentliche Stellen vor. Zudem sollen aufgeschobene Beförderungen nachgeholt werden.

Positiv auf die Verbraucherstimmung könnte sich die erneute Verschiebung der Einführung einer Mehrwertsteuer von 5 Prozent auswirken. Auch beim Subventionsabbau dürfte die Regierung vorsichtig bleiben.

Spätestens ab 2020 werden die Konsumenten allerdings für Tabak, Alkohol, Schweinefleisch, Energy Drinks eine Verbrauchsteuer von 100 Prozent zahlen und für andere mit Kohlensäure versetzte Getränke 50 Prozent. Die entsprechende Oman Excise Tax Law wurde am 13. März 2019 veröffentlicht und tritt im Juni 2019 in Kraft. Spätestens im Dezember müssen die Durchführungsbestimmungen erlassen sein.

Außenhandel: Kräftiger Anstieg des Handelsüberschusses

Der Anstieg der Ölpreise 2018 und eine mäßige Zunahme der Einfuhren dürften den Außenhandelsüberschuss auf über 16 Milliarden US$ angehoben haben (2017: 8,8 Milliarden US$). Für 2019 ist nicht mit einer weiteren Steigerung des Überschusses zu rechnen.

Nach Angaben der Zollbehörde stiegen in den ersten elf Monaten 2018 die Ausfuhren um 32 Prozent auf 39,3 Milliarden US$ (fob). Der Öl- und Gasexport (einschließlich Raffinerieprodukte) erhöhte sich um 44 Prozent auf 24,9 Milliarden US$.

Die Importe expandierten den ersten elf Monaten 2018 nur um 2 Prozent auf 24,4 Milliarden US$ (cif). Starke Zuwächse gab es bei Metallen und Metallwaren (18 Prozent auf 3,9 Milliarden US$) sowie bei Maschinen und Anlagen (8 Prozent auf 6,1 Milliarden US$). Bei Fahrzeugen kam es zu einem Rückgang um 5 Prozent auf 2,8 Milliarden US$.

Außenhandel Oman (in Millionen US$; Veränderung in Prozent)
2015 2016 2017 1) Veränderung 2017/2016
Importe (fob) 26.530 21.260 24.091 13,3
Exporte (fob) 35.636 27.509 32.842 19,4
.Öl 2) 17.831 13.306 16.104 21,0
.Gas (LNG) 3) 3.325 2.629 3.029 15,2
.andere Waren 7.803 6.231 8.249 32,4
.Re-Exporte 6.681 5.340 5.460 2,2
Handelsbilanzsaldo 9.106 6.249 8.751 40,0

1) vorläufig; 2) einschließlich Raffinerieprodukte 3) LNG = Liquefied Natural Gas

Quellen: Central Bank of Oman

Im Elfmonatszeitraum 2018 stiegen die Einfuhren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (vor allem Re-Exporte über Dubai) um 6 Prozent auf 10,8 Milliarden US$. Es folgten die USA mit 1,8 Milliarden US$ (Veränderung gegenüber Vorjahresperiode: +82 Prozent), China mit 1,4 Milliarden US$ (-5 Prozent), Indien mit 1,0 Milliarden (-10 Prozent) und Katar mit 0,8 Milliarden US$ (+246 Prozent). Katar war vorher als Lieferant bedeutungslos, dessen politischer Konflikt mit Saudi-Arabien und den VAE hat aber die Beziehungen zwischen Doha und Maskat intensiviert.

Eurostat zufolge sank der deutsche Oman-Export 2018 um 13 Prozent auf 0,8 Milliarden Euro, im ersten Quartal 2019 wurde ein weiterer Rückgang um 10 Prozent auf 0,2 Milliarden Euro verbucht. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) meldet 2018 eine Verminderung der Maschinenlieferungen um 34 Prozent auf 186 Millionen Euro.

Weitere Informationen (zum Beispiel Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/oman

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Oman Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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