Wirtschaftsausblick

27.02.2019

Wirtschaftsausblick - Pakistan (Februar 2019)

Inhalt

Marktchancen trotz prekärer finanzieller Lage / Von Katrin Pasvantis

Dubai (GTAI) - Pakistan droht eine Zahlungsbilanzkrise. Für deutsche Unternehmen wird das Land trotzdem attraktiver.

Wirtschaftsentwicklung: Attraktivität steigt trotz drohender Zahlungsbilanzkrise

Das Wirtschaftswachstum in Pakistan verlangsamt sich. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet im laufenden Finanzjahr vom 1. Juli 2018 bis 30. Juni 2019 eine reale Zunahme des Bruttoinlandproduktes (BIP) von 4 Prozent nach geschätzten 5,8 Prozent im Vorjahr.

Pakistans Energieversorgung ist in hohem Maße auf Importe angewiesen. Die Ölpreise zogen 2018 an und erhöhten den Druck auf die knappen Währungsreserven. Die Rupie verlor gegenüber dem US-Dollar (US$)im Verlaufe des Jahres 2018 rund 25 Prozent an Wert. Trotz der starken Abwertung sind die Exporte kaum gestiegen.

Dem Land droht eine Zahlungsbilanzkrise. Höhere Energieimportpreise, steigende Importe von Maschinen und Anlagen für Projekte des China-Pakistan Economic Corridor (CPEC) und eine starke Nachfrage nach importierten Konsumgütern verschlechtern das chronische Leistungsbilanzdefizit.

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Die Finanzierungslücken im Lande sind beträchtlich. Die Regierung ist in Gesprächen mit dem IWF und versucht, Gelder aus anderen Quellen zu generieren. Saudi-Arabien griff Pakistan bereits häufiger finanziell unter die Arme und sprang Ende 2018 erneut mit einem 6 Milliarden US$ Kredit und einem Zahlungsaufschub für Öllieferungen bei.

Neben Saudi-Arabien haben auch die Vereinigten Arabischen Emirate einen Zahlungsaufschub bei Öllieferungen gewährt. Mit Katar führt Pakistan Gespräche über günstigere Gaslieferungen und über einen Zahlungsaufschub.

Trotz der prekären finanziellen Lage verbessern sich die Rahmenbedingungen. Dies trifft sowohl auf die Sicherheitslage als auch auf die Energieversorgung zu. Der akute Strommangel ist weitgehend behoben, wenngleich der Investitionsbedarf im Energiesektor hoch bleibt.

Die neue Regierung will notwendige Strukturreformen angehen und die Wahrnehmung Pakistans im Ausland hat sich verbessert. Große ausländische Direktinvestitionen wurden 2018 angekündigt. Es stehen zudem hohe Investitionen im Rahmen des China-Pakistan Economic Corridor (CPEC) an.

Ausländische Unternehmen suchen nach neuen Perspektiven und werden in Pakistan fündig. Viele Sektoren sind weitgehend unterentwickelt. Die Wachstumsraten sind in vielen Marktsegmenten - ausgehend von einer geringen Basis - hoch. Die Bevölkerung bietet langfristig Entwicklungspotenziale.

Wirtschaftliche Eckdaten
Indikator 2016/17 1) 2017/18 Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 2) 305,0 313,0 3.702
BIP pro Kopf (US$) 1.632 1.641 44.791
Bevölkerung (Mio.) 197,3 201,0 82,8
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = pR) 104,7 109,9 -

1) Fiskaljahre Juli bis Juni; Schätzungen; 2) zu Marktpreisen

Quellen: Pakistan Bureau of Statistics; Ministry of Finance

Investitionen: Ausländische Unternehmen kündigen Projekte an

Pakistan ist bestrebt, ausländische Investoren ins Land zu holen und geht weltweit auf Werbetour. Das Board of Investment (BoI) will die Attraktivität des Standorts erhöhen, beispielsweise in Sonderwirtschaftszonen und höherer regulativer Stabilität. Pakistan rangiert 2019 beim Ease of Doing Business Index der Weltbank nur auf Rang 136 von 190 Staaten. Besonders schlecht fällt die Bewertung bei der Stromversorgung (Rang 167), Bürokratie (Baugenehmigungen: 166) und der Durchsetzung von Verträgen (156) aus.

Saudi-Arabien kündigte im Februar 2019 Investitionen in Höhe von 20 Milliarden US$ in Pakistan an. Im Fokus stehen eine Raffinerie mit Petrochemiekomplex für 10 Milliarden US$ in der Küstenstadt Gwadar, in der China einen Hafen baut. Der saudi-arabische Stromerzeuger ACWA soll Investition über 4 Milliarden US$ in Erneuerbare Energien erwägen. Saudische Firmen unterzeichneten außerdem Absichtserklärungen für Investitionen im Agrarsektor und Bergbau.

Das Büro des Premierministers Imran Khan meldete, Pepsico und Coca Cola würden in den nächsten Jahren 1,2 Milliarden US$ beziehungsweise 200 Millionen US$ investieren. Volkswagen, Mercedes-Benz und Renault wollen mit lokalen Partnern Fahrzeuge in Pakistan montieren. Die Gates Foundation soll Interesse an Investitionen im IT- und im Gesundheitssektor geäußert haben.

Das größte Investitionsprogramm ist der auf 60 Milliarden US$ geschätzte CPEC. Der Korridor ist der erste Streckenabschnitt der chinesischen "Neue Seidenstraße". Der CPEC umfasst neue Straßen, Schienen, Pipelines, Kraftwerke und Industrie-Cluster entlang der Route. Erste Projekte wurden abgeschlossen. Die chinesische Seite finanziert die Vorhaben und chinesische Unternehmen setzen sie um. Geschäftschancen ergeben sich durchaus für Unternehmen aus Drittländern, etwa bei Lieferungen von Maschinen oder als Subunternehmer.

Ausgewählte Großprojekte
Projektbezeichnung Summe (Mio. US$) Stand *) Betreiber
Raffinerie und Petrochemiekomplex in Gwadar 11.000 ST Regierung Saudi-Arabien
Offshore Gas Pipeline 10.000 ST Regierungen von Pakistan und Russland
Mohmand Dam Wasserkraftwerk 1.401 ST Ministry of Planning Development & Reform
Jalalpur Bewässerungsprojekt im Punjab 275 ST Asian Development Bank
Khyber Pakhtunkhwa Provinz-Straßenverbesserungsprojekt 164 ST Asian Development Bank/Govt of Khyber Pakhtunkhwa
Pkw-Montagefabrik im Bin Qasim Industrial Park in Faisalabad 140 DE Al Futtaim Renault Pakistan
720 MW Karot Stromprojekt am Jhelum River 40 DU Karot Power Company, CSAIL, CTGI, CTG (China)
Northern Bypass in Dera Ghazi Khan (19 km) 30 ST The National Highway Authority (NHA)
Ausbau des Bannu Airport (Phase-1) 5 ST Ministry of Planning Development & Reform
660 MW Kohlekraftwerk in Bin Qasim k.A. DE SEOCOIII Chinese Company/GE

*) DE = Design, St = Studie, D= Durchführung

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/pakistan , "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Private Ausgaben stützen Wirtschaft

Der Anteil privater Konsumausgaben am BIP in konstanten Preisen betrug 2017/18 rund 81 Prozent. Die Mittelschicht wächst, aber die Einkommensschere bleibt groß. Viele Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze.

Die privaten Konsumausgaben stützten in den letzten Jahren das Wirtschaftswachstum. Für 2018/19 erwartet die Economist Intelligence Unit einen Anstieg von real 3 Prozent, nach 6,3 Prozent im Vorjahr. Das Konsumklima sei dem Vernehmen nach aber weiterhin positiv. Der Automobilmarkt wächst und ausländische Unternehmen berichten von steigenden Exporten von Konsumgütern.

Der private Konsum hängt in hohem Maße vom Agrarsektor ab, da fast die Hälfte der Erwerbstätigen ihre Einkommen aus der Landwirtschaft beziehen. Eine weitere wichtige Quelle sind Überweisungen der im Ausland arbeitenden Pakistaner. Ihre Transfers legten von Juli 2017 bis März 2018 um 4 Prozent auf 15 Milliarden US$ gegenüber der Vorjahresperiode zu. Hauptherkunftsländer der Überweisungen sind Saudi-Arabien (Anteil: 25 Prozent), VAE (22 Prozent), Vereinigtes Königreich (14 Prozent) und die USA (13 Prozent).

Saudi-Arabien ersetzt ausländische Arbeitskräfte allerdings zunehmend durch Einheimische. Oman verfolgt eine ähnliche Politik. Ein Rückgang der Beschäftigung von Gastarbeitern in arabischen Ländern könnte Konsum und Wirtschaftswachstum beeinträchtigen.

Außenhandel: Deutsche Lieferungen legen stetig zu

Das Außenhandelsdefizit stieg nach vorläufigen Angaben 2017/18 um knapp 16 Prozent auf 31 Milliarden US$. Die Regierung versucht bei steigenden Ölpreisen, andere Ausgaben für Importe zu reduzieren, um einen rapiden Abfluss von Währungsreserven zu verhindern.

Die wichtigsten Einfuhrgüter waren 2017/18 mineralische Stoffe (Anteil 26 Prozent), Maschinen (15 Prozent) und chemische Erzeugnisse (11 Prozent). Die Hauptlieferländer waren China (Anteil 20 Prozent), die VAE (16 Prozent), Singapur (8 Prozent), Saudi-Arabien (6 Prozent) und die USA (4 Prozent).

Pakistan: Außenhandel 2014/15 bis 2017/18 (in Millionen US$) 1)
2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 2)
Importe 41.357 41.255 48.683 55.846
.Rohöl und Ölerzeugnisse 12.844 8.812 11.366 14.507
Exporte 24.090 21.972 22.003 24.772
Handelsbilanzdefizit 17.267 19.283 26.680 31.074

1) Fiskaljahre: Juli bis Juni; 2) vorläufig

Quelle: State Bank of Pakistan

Die deutschen Lieferungen legen seit 2014 kontinuierlich zu und stiegen 2018 gemäß Eurostat um 9 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Die Gesamtausfuhren der EU-28-Gruppe nach Pakistan gingen dagegen um 8 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro zurück. Deutschland ist das wichtigste Lieferland der EU-28, die deutschen Hauptliefergüter waren Maschinen mit einem Anteil von 40 Prozent.

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/pakistan

Dieser Artikel ist relevant für:

Pakistan Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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