Wirtschaftsausblick

15.05.2019

Wirtschaftsausblick - Philippinen (Mai 2019)

Inhalt

Wirtschaft wächst weiter mit hohen Raten / Von Alexander Hirschle

Taipei (GTAI) - Die Konjunktur in den Philippinen bleibt dynamisch, trotz einer leichten Abschwächung 2019. Für die kommenden Jahre werden weiterhin hohe Wachstumsraten erwartet.

Wirtschaftsentwicklung: Prognosen leicht nach unten korrigiert

Die Philippinen bleiben eine der dynamischsten Volkswirtschaften in Asien. Seit 2012 lag die Steigerungsrate des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) regelmäßig oberhalb von 6 Prozent. Im Jahr 2018 schwächte sich das Wachstum leicht von 6,7 Prozent im Vorjahr auf immerhin noch 6,2 Prozent ab. Für 2019 schraubte der Internationale Währungsfonds (IWF) im Frühjahr seine BIP-Prognose leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 6,5 Prozent nach unten.

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Für die etwas verschlechterten Perspektiven nennen Konjunkturexperten mehrere Gründe. So bereitet die schwächere internationale Nachfrage nach Exportprodukten ebenso Sorgen wie auch der immer noch nicht ausgestandene Handelskonflikt zwischen den USA und China. Ebenso hemmte der bis April 2019 noch nicht verabschiedete Staatshaushalt für 2019 die Ausgaben des öffentlichen Sektors und verhindert die Umsetzung geplanter Lohnerhöhungen, da weiter auf Basis des Budgets aus dem Jahr 2018 operiert werden musste.

Auch die Regierung korrigierte ihr ursprüngliches Wachstumsziel für 2019 von zuvor 7 bis 8 Prozent auf immerhin noch 6 bis 7 Prozent nach unten. Dennoch sind die obersten Währungshüter überzeugt, dass die Fundamentaldaten der Wirtschaft solide sind und eine gute Basis für einen vorsichtigen Optimismus bilden.

Das Institut EIU (Economist Intelligence Unit) geht bis 2023 von jährlichen Steigerungsraten des BIP von deutlich mehr als 5 Prozent aus. Die Vorhersagen der philippinischen Regierung liegen sogar noch 1 bis 2 Prozentpunkte darüber.

Die Zentralbank Bangko Sentral ng Pilipinas (BSP) könnte im weiteren Jahresverlauf die Leitzinsen wieder senken angesichts des nachlassenden Inflationsdrucks. Im Jahr 2018 musste sie die Zinsen anheben, um die steigenden Preise in den Griff zu bekommen. Leichte Sorge bereiten die Rücküberweisungen der im Ausland tätigen Philippiner, die 2018 nur noch einen Anstieg von 3,1 Prozent aufwiesen - entsprechend der niedrigsten Erhöhung seit 2001.

Wirtschaftliche Eckdaten der Philippinen
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. US$) 313,6 330,9 4.001,5
BIP pro Kopf (US$) 2.995 3.110 48.269
Bevölkerung (Mio.) 104,7 106,4 82,9
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = Philippinische Peso (P)) 50,4 52,7 -

Quelle: Bangko Sentral ng Pilipinas

Investitionen: Infrastrukturausgaben sorgen für kräftiges Wachstum

Die Bruttonlageinvestitionen stiegen 2018 zweistellig und sollen auch 2019 und 2020 beachtliche Steigerungsraten erreichen, allerdings mit rückläufiger Dynamik. Dabei kurbeln vor allem öffentliche Investitionen das Wachstum entscheidend mit an. Die staatlichen Ausgaben für Infrastruktur erreichten 2018 rund 18 Milliarden US-Dollar (US$) und zeichneten damit für 5,4 Prozent des BIP verantwortlich. Dies entsprach dem höchsten jemals gemessenen Anteil in den Philippinen. Triebfeder der Entwicklung ist das staatliche Infrastrukturprogramm "Build, Build, Build".

Trotz der Schwierigkeiten mit der Verabschiedung des Staatshaushalts zogen die öffentlichen Investitionen auch zu Beginn 2019 weiter an. Allein in den ersten beiden Monaten erhöhten sie sich um 26 Prozent im Vergleich mit der Vorjahresperiode. Die ausländischen Direktinvestitionen gingen 2018 jedoch um 4,4 Prozent zurück und erreichten nur 9,8 Milliarden US$. Damit lag der Wert auch unter der offiziellen Zielsetzung der Regierung.

Ausgewählte Großprojekte in Philippinen
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mrd. US$) *) Projektstand Anmerkung
Mega Manila Subway 4,5 Bau 2019 bis 2025; drei der Stationen sollen bis 2022 in Betrieb gehen U-Bahn mit Streckenlänge von 36 km und 14 Stationen; Kapazität: etwa 370.000 Passagiere täglich
Meralco - Atimonan Kohlekraftwerk 2,9 noch kein Baubeginn, da Genehmigung aussteht zwei Anlagen von jeweils 600 MW
New Clark City - National Government Administrative Center (NGAC) sowie Sportstätten 2,6 Grundsteinlegung NGAC Anfang 2018; Fertigstellung Sportstätten zu den Southeast Asian Games im November und Dezember 2019 in Capas, Provinz Tarlac; NGAC: unter anderem Backup-Büros verschiedener Behörden auf 220 ha Fläche; Sportstätten: unter anderem Stadion mit 20.000 Plätzen
LNG-Hub 2 Betriebsbeginn 2023; staatliche PNOC schloss im März 2019 Absichtserklärung mit zwei Partnern ab in der Provinz Batangas; Regasifizierungsterminal, Speicher, Kraftwerk und dazugehörige Infrastruktur
Eisenbahn Subic-Clark 1 Bau 2019 bis 2022 Frachteisenbahn zwischen Clark und dem Hafen in Subic
Mindanao-Visayas Interconnection Project 1 in Bau; Fertigstellung 2020 Verbindung der Stromnetze von Mindanao und den Visayas; größtes Stromübertragungsprojekt des Landes

*) Umrechnung anhand des durchschnittlichen Wechselkurses 2018: 1 US$ = 52,66 P

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Philippinische Projektdatenbanken: http://www.build.gov.ph und https://ppp.gov.ph

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/philippinen, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Wachsende Mittelschicht kurbelt Konsum an

Die Verbraucherstimmung hat sich 2019 erholt: Der Konsumentenindex "Overall Consumer Outlook" der BSP verbesserte sich im 1. Quartal nach einer starken Delle im Herbst des Vorjahres von -22 Prozent auf -0,5 Prozent. Auch für den weiteren Jahresverlauf sind die Währungshüter optimistisch bezüglich der Verbraucherstimmung auf dem Archipel. Der private Konsum zeichnet für zwei Drittel des BIP verantwortlich und wird nach Einschätzung von Ökonomen eine wichtige Hauptantriebsfeder des Wachstums in den kommenden Jahren bleiben.

Anbieter von Konsumgütern können von der expandierenden Mittelschicht profitieren, die jährlich um 200.000 bis 300.000 Menschen wächst. Vor allem das boomende Business Process Outsourcing gilt dabei als Zugpferd und zieht zahlreiche Konsumenten auf eine höhere Einkommensebene. Unternehmensvertreter geben jedoch zu bedenken, dass sich die "Trickle-down-Effekte" des Wirtschaftswachstums vor allem auf niedrige Einkommensklassen noch in Grenzen halten.

Außenhandel: Im- und Exporte legen deutlich zu

Der Außenhandel durchlief zuletzt eine gemischte Entwicklung. Die Exporte stagnierten laut Philippine Statistics Authority 2018 quasi mit einem Plus von 0,9 Prozent, während auf der anderen Seite die Importe um stolze 17,4 Prozent in die Höhe schossen. Daraus resultierte ein deutlich vergrößertes Handelsbilanzdefizit von fast 44 Milliarden US$, entsprechend einer Steigerung um 59 Prozent gegenüber 2017. Die Ausfuhren sollen gemäß den Prognosen des Departments of Trade and Industry 2019 wieder deutlicher um 4 Prozent zulegen.

Mittelfristig positiv auswirken könnte sich das geplante Freihandelsabkommen mit Südkorea, das im November 2019 abgeschlossen werden soll. Die Einfuhren wurden angekurbelt von den stark steigenden Infrastruktur- und Bauinvestitionen sowie dem dynamischen Konsumentenmarkt. Die Exporte Deutschlands in die Philippinen stiegen 2018 Destatis zufolge um starke 32 Prozent. Das Ergebnis wurde aber beeinflusst durch eine enorme Steigerung der Lieferungen von Luftfahrzeugen.

Außenhandel der Philippinen (in Milliarden US$; Veränderung in Prozent)
2017 2018 Veränderung 2018/2017
Importe 96,1 112,8 17,4
Exporte 68,7 69,3 0,9
Handelsbilanzsaldo -27,4 -43,5 -

Quellen: PSA

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/philippinen

Dieser Artikel ist relevant für:

Philippinen Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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