Wirtschaftsausblick

03.06.2019

Wirtschaftsausblick - Polen (Mai 2019)

Inhalt

Polens Wirtschaftswachstum rangiert 2019 auf Platz zwei in Europa / Von Niklas Becker

Warschau (GTAI) - Polens Wirtschaft wächst auch 2019 dynamisch. Der Anstieg wird allerdings geringer ausfallen als im Vorjahr. Wachstumstreiber bleibt der private Konsum.

Wirtschaftsentwicklung: Erstes Quartal 2019 übertrifft Erwartungen

Um 4,6 Prozent wuchs Polens Bruttoinlandsprodukt (BIP) im 1. Quartal 2019. Damit fällt der Anstieg zwar etwas geringer aus als in den Vorquartalen, lag aber gleichzeitig über dem prognostizierten Marktkonsens von 4,4 Prozent. Der im Vergleich zum Vorjahreszeitraum geringere Anstieg des Wirtschaftswachstums wird sich den jüngsten Prognosen zufolge auch in den folgenden Quartalen fortsetzen.

Zuvor war erwartet worden, dass die Entwicklung deutlich schleppender verlaufen würde. Nach Angaben der Europäischen Kommission wird Polens BIP 2019 um 4,2 Prozent zulegen. Im europäischen Vergleich wird lediglich Maltas Wirtschaft nach Einschätzung der Kommission stärker wachsen.

Entscheidender Wachstumstreiber für Polens Wirtschaftsentwicklung wird auch 2019 die private Konsumnachfrage sein, die durch die Anfang 2019 angekündigten höheren Sozialausgaben einen weiteren Schub erhalten dürfte. Gleichzeitig verursachen die steigenden Sozialausgaben ein höheres Haushaltsdefizit. Die 3 Prozent-Marke aus den Maastricht-Kriterien soll jedoch nicht überschritten werden.

Neben dem Konsum der Privathaushalte haben 2018 auch die gestiegenen Investitionsausgaben der öffentlichen Hand sowie der Unternehmen zum Anstieg des Wirtschaftswachstums beigetragen. Dieser Trend wird sich 2019 fortsetzen, wobei insgesamt von einem geringeren Anstieg der Investitionsausgaben als 2018 auszugehen ist. Nach Einschätzung der Europäischen Kommission besteht zudem die Gefahr, dass sich die Kritik am polnischen Justizsystem negativ auf die Investitionsentscheidungen der Unternehmen auswirken könnte.

Abzuwarten bleibt zudem, welche Auswirkungen der Brexit, die internationalen Handelskonflikte sowie die wirtschaftliche Entwicklung der anderen europäischen Mitgliedsstaaten und speziell Deutschland auf Polens Wirtschaft haben werden. Im 1. Quartal 2019 zeigten sich die polnischen Exporte jedoch unbeeindruckt von der Abkühlung der Weltwirtschaft.

MKT201905318002.14

Wirtschaftliche Eckdaten Polen
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. Euro) 467,3 496,5 3.702,4
BIP pro Kopf (Euro) 12.200 12.900 44.791
Bevölkerung (Mio.) 38,4 38,4 82,8
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = ... Zloty) 4,1770 4,3014 -

Quellen: Eurostat; Statistisches Hauptamt (GUS); Deutsche Bundesbank; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Unternehmen erhöhen ihre Ausgaben

Besonders in der zweiten Jahreshälfte 2018 haben sich die Investitionen in Polen erholt. Erheblich dazu beigetragen hat die größere Aktivität der öffentlichen Hand, was darauf zurückzuführen ist, dass deutlich mehr Fördermittel abgerufen worden sind. Zu beobachten ist, dass sich immer weniger Unternehmen an öffentlichen Ausschreibungen beteiligen. Der Grund sind unterschiedliche Vorstellungen von Behörden und Unternehmen über die Preise für Leistungen. Die Kosten der Unternehmen werden auch durch steigende Materialkosten in die Höhe getrieben, das gilt insbesondere für die Baubranche.

Positiv entwickelt haben sich 2018 zudem die Investitionen der Unternehmen in Polen - den vollen Auftragsbüchern sei Dank. Mit einem Auslastungsgrad von mehr als 84 Prozent sind diese so voll wie zuletzt vor der Finanzkrise 2007. In Kombination mit den niedrigen Zinsen und den zunehmenden Problemen bei der Mitarbeitersuche hat die hohe Nachfrage die Firmen zu mehr Investitionen - besonders in den Maschinenpark - geführt. Im Jahr 2019 wird sich diese Entwicklung fortsetzen, wobei der Anstieg voraussichtlich etwas geringer ausfallen wird als 2018.

Ausgewählte Großprojekte Polen Investitionssumme (Mio. Euro) *) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Bau des Zentralhafens im Meereshafen Gdansk 1.400 bis 2.000 Vorbereitungsphase (Konzept): 2019; Umsetzungsphase: ab 2020; Fertigstellung 2027 PPP-Vorhaben; Investor: Zarzad Morskiego Portu Gdansk S.A.
Petrochemische Anlage "Polimery Police" 1.520 Wahl des Generalauftragnehmers: März 2019; Vertragsunterzeichnung: 2. Quartal 2019; Fertigstellung: 4. Quartal Anlage zur Herstellung von Polypropylen (PP) und Propylen (PDH) mitsamt Brennstoff-Terminal und Logistikinfrastruktur; Investor: PDH Polska (Grupa Azoty)
Ausbau der II U-Bahn-Linie in Warschau 1.150 Verträge mit den Generalauftragnehmern: September, November 2018; Fertigstellung: 2023 3 Abschnitte: 3 Stationen zwischen Zacisze & Brodno, 3 Stationen zwischen Lazurowa & Polczynska, 2 Stationen zwischen Wola Park & Powstancow Slaskich;Investor: Metro Warszawskie Sp. z o.o.
Werk für Lithium-Batterien für Elektroautos 1.000 Baubeginn: Juni 2019 Zweites Werk von LG Chem in Polen, in der Nähe von Lodsch oder Opole
Abschnitt der Schnellstraße S1 zwischen Przybedza - Milowka 325 Wahl des Generalauftragnehmers: Mai 2019 Umgehungsstraße für die Ortschaft Wegierska Gorka; 8,5 km Länge, 2 Tunnels;Investor: GDDKiA
Ausbau des Kfz-Werkes in Gliwice 250 Baubeginn: Sommer 2019; Inbetriebnahme: Ende 2021 Vorbereitung zur Herstellung eines neuen größeren Lieferwagen-Modells; neue Produktionshallen und Lackierei; Investor: PSA (Peugeot-Citroën)
Werk für Batterien für E-Autos in Jawor 200 Baubeginn voraussichtlich 2. Quartal 2019 Investor: Mercedes-Benz Manufacturing Poland
Werk für Separatoren für E-Autos in der Woiwodschaft Schlesien 78 Baubeginn: Herbst 2019; Inbetriebnahme: Ende 2021 Herstellung von Batterie-Separatoren und keramischen Separatoren; Investor: SK Innovation
Bau von Straßenbahnlinien unter dem Bahnhof Warszawa Zachodnia 68 Bauauftragserteilung: 2. Halbjahr 2019, Fertigstellung: 2. Halbjahr 2022 Neue Straßenbahnhaltestellen, mehr als 2 km Straßenbahntunnel, Umbau der Bahnsteige, Straßenbahnlinien in mehrere Richtungen, Bau eines Betriebshofs in Annopol, 50 Straßenbahnen; Investor: PKP PLK, Tramwaje Warszawskie
Werk für Schaltschränke in der Nähe von Breslau 50 Inbetriebnahme: Herbst 2019 Investor: Siemens Polska

*) Umrechnung anhand des Wechselkurses 1 Euro = 4,3107 Zloty (Zl) Stand: 23. Mai 2019

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/polen, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Höhere Sozialausgaben sollen Nachfrage stimulieren

Um 7,1 Prozent stieg der durchschnittliche Bruttolohn in Polen 2018. Auch 2019 und 2020 sollen die Gehälter weiter zulegen. In Kombination mit der höheren Beschäftigung steigen die verfügbaren Einkommen, davon profitieren die Einzelhändler im Land. Es wird erwartet, dass die Umsätze im Einzelhandel 2019 um 7,6 Prozent zulegen, das ist deutlich mehr als im Jahr 2018. Insbesondere langlebige Konsumgüter stehen auf der Einkaufsliste.

Neben den steigenden Löhnen werden 2019 aber auch die Sozialausgaben einen erheblichen Teil zur Konsumnachfrage beitragen. Die polnische Regierung hatte Anfang 2019 unter anderem die Erhöhung des Kindergeldes sowie eine Sonderzahlung für Rentner angekündigt. Insgesamt summieren sich die zusätzlichen Sozialausgaben 2019 auf schätzungsweise rund 5 Milliarden und 2020 auf gut 9 Milliarden Euro. Als Reaktion auf die Ankündigung hatten verschiedene Institutionen im Land ihre BIP-Prognosen um 0,5 Prozent nach oben korrigiert.

Außenhandel: Überraschend positive Entwicklung der Exporte

Im 1. Quartal 2019 stiegen die polnischen Exporte um 7,6 Prozent. Aufgrund der schwachen Entwicklung in anderen europäischen Märkten, insbesondere in Deutschland, wurden negative Auswirkungen auf die polnischen Exporte erwartet. Das nun überraschend positive Ergebnis erklären Experten damit, dass europäische Unternehmen teurere Lieferungen durch günstigere Importe aus Polen ersetzt haben. Ob sich diese Entwicklung im weiteren Jahresverlauf 2019 fortsetzen wird, bleibt abzuwarten. Die Europäische Kommission geht davon aus, dass Polen seine Exportanteile auf den wichtigsten Hauptzielmärkten weiter ausbauen wird.

Die starke Konsumnachfrage der Haushalte sowie die steigenden Investitionen der Unternehmen werden auch 2019 zu einem deutlichen Anstieg der Importe beitragen. Mit rund 23 Prozent ist Deutschland weiterhin wichtigster Lieferant für Waren nach Polen.

Außenhandel Polen (in Mrd. Euro; Veränderung in Prozent)
2017 2018 Veränderung 2017/2018
Importe 203,3 226,1 9,7
Exporte 203,7 221,0 7,0
Handelsbilanzsaldo 0,4 -5,1 -

Quelle: Eurostat

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter HYPERLINK "http://www.gtai.de/Polen"http://www.gtai.de/Polen

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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