Wirtschaftsausblick

13.02.2019

Wirtschaftsausblick - Portugal (Januar 2019)

Inhalt

Positive Perspektiven bei moderatem Tempo / Von Miriam Neubert

Lissabon (GTAI) - Portugals Wirtschaft wächst weiter dank des privaten Konsums und der Investitionstätigkeit der Unternehmen. Die Dynamik der Importe bleibt höher als die der Exporte.

Wirtschaftsentwicklung: Wachstum 2018 erstmals über Vorkrisenniveau

Makroökonomisch hat Portugal 2018 das im Zuge der Weltfinanzkrise zehn Jahre zuvor verlorene Terrain wieder gut gemacht. Die volkswirtschaftliche Gesamtleistung erreichte einen neuen Höchstwert. Dazu trugen die sehr guten realen Wachstumsraten des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von jeweils 2,8 Prozent 2017 und geschätzten 2,1 Prozent im Jahr 2018 bei. Für 2019 und 2020 rechnen sowohl die Kommission der Europäischen Union (EU), als auch die portugiesische Zentralbank mit moderateren, aber soliden Zuwächsen um jeweils 1,8 und 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Binnennachfrage entwickelt sich weiterhin dynamisch. Keinen Wachstumsbeitrag dürften die Nettoexporte trotz steigender Waren- und Dienstleistungsausfuhren leisten. Auch das Tourismusgeschäft wächst nicht mehr so rasant, und die Dynamik der Warenimporte übersteigt die der Exporte. Der Brexit macht Sorgen, da das Vereinigte Königreich wichtigster Abnehmer portugiesischer Dienstleistungen (besonders im Tourismus) ist und viertwichtigster bei den Waren. Risiken sieht die Zentralbank im äußeren Szenario, sollten sich das Handelsumfeld oder die Finanzierungsbedingungen spürbar verschlechtern.

MKT201902128002.14

Wirtschaftliche Eckdaten Portugals
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. Euro) 186,5 194,6 3.277,3
BIP pro Kopf (Euro) 18.088 18.911 39.649
Bevölkerung (Mio.) 10,31 10,29 82,7

Quellen: Portugiesisches Statistikamt INE; Statistisches Bundesamt

Im Oktober 2018 hat mit Moody´s auch die letzte der großen Ratingagenturen portugiesische Staatsanleihen wieder in den Investment-Grade-Status gehoben. Essentiell für die Vertrauensbildung bleibt die Haushaltspolitik. Das Etatdefizit soll 2018 nur noch -0,7 Prozent des BIP ausmachen. Dabei unterstützte die gute Konjunktur. Das Defizit soll 2019 auf -0,2 Prozent des BIP schrumpfen. Es ist zugleich ein Jahr, in dem im Herbst Parlamentswahlen anstehen.

Der hohe Verschuldungsgrad geht auf allen Seiten stetig zurück. Bei den privaten Nichtfinanzunternehmen und Haushalten fiel er Portugals Zentralbank zufolge bis September 2018 auf 200,8 Prozent des BIP. Die Staatsverschuldungsquote soll 2019 auf unter 120 Prozent des BIP sinken. Dies sind nach wie vor extrem hohe Quoten, die das Land verletztlich machen. Die Zinslast des öffentlichen Schuldenbergs schätzte die EU-Kommission für 2018 auf 3,5 Prozent des BIP. Innerhalb der EU ist nur in Italien die Belastung größer. Trotz einer erwarteten allmählichen Normalisierung der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank soll die Zinslast auch 2019 weiter nachlassen.

Investitionen: Mehr Tempo, auch dank umprogrammierter EU-Fördermittel

Nach einem besonders schwungvollen Investitionsjahr 2017 hat sich die Dynamik der Bruttoanlageinvestitionen 2018 mehr als halbiert. Dahinter stehen auch Verzögerungen bei öffentlichen Infrastrukturvorhaben, die erst 2019 zu Buche schlagen sollen. Die EU-Kommission rechnet mit einem realen Zuwachs von 4,7 Prozent gegenüber 2018, Portugals Zentralbank mit 6,6 Prozent. Schwungvoller entwickeln sich die Ausrüstungsinvestitionen. Die Privatwirtschaft baut Wasser-, Wind- und Solarkraftwerke. Sie erweitert Produktionsanlagen, modernisiert und digitalisiert. Dazu motivieren neben einer guten Auslastung auch niedrige Zinsen und EU-Fördermittel.

Ohne EU-Gelder läuft bei öffentlichen Investitionen kaum etwas. Portugal hat 2018 beantragt, innerhalb des Förderrahmens bis 2020 umdisponieren zu können, um Schlüsselbereiche wie Innovationen kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU), Aus- und Fortbildung, Unternehmensgründung und soziale Infrastrukturen stärker zu fördern.

Ausgewählte Großprojekte in Portugal
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Flughafenbetreiber ANA, Erweiterung der Flughafenkapazitäten Lissabons durch Umbau des Flughafen Montijo für die zivile Luftfahrt und Investition in den Flughafen Humberto Delgado 1.700 Unterzeichnung des Abkommens zwischen Regierung und ANA (Vinci-Airports) im Dezember 2018; Fertigstellung Montijos ist für 2022 geplant Finanzierung ohne öffentliche Mittel. Konzession reicht bis 2062. Flughafengebühren sollen in Montijo 15 bis 20 Prozent unter denen des Lissaboner Hauptflughafens liegen http://www.ana.pt
Iberdrola, drei Pumpspeicher-Wasserkraftwerke am Fluss Tâmega (Daivões, Gouvães, Alto Tâmega) 1.500 Im Bau; drei von vier Vergaben abgeschlossen; Inbetriebnahme Gouvães 2021, Daivões 2022, Alto Tâmega 2023 Insgesamt 1.158 MW.; Bau von Daivões und Gouvães erfolgt durch Ferrovial und MSF; Efacec liefert Transformatoren; EIB genehmigte 2018 Darlehen von 650 Millionen Euro http://www.iberdrola.pt
Aguas de Portugal, Wasser- und Abwasserprojekte bis 2020, darunter mehrere Kläranlagen 836 Oktober 2017 Unterzeichnung Darlehensvertrag mit EIB über 418 Mio. Euro; Projektplan 2014 bis 2020 In Umsetzung der Wasser- und Abwasserstrategie PENSAAR 2020 http://www.adp.pt / Elektronische Ausschreibungsplattform http://pt.vortal.biz
Metros Lissabon und Porto, Linienerweiterungen 517 Im Dezember 2018 vom Ministerrat genehmigt; Baubeginn geplant 1. Halbjahr 2019, Ende 2023 Umweltministerium plant für Lissabon 210 Millionen, für Porto 307 Millionen Euro http://www.metrolisboa.pt/empresa/contratacao-publica/
Internationaler Südschienenkorridor, Strecke Evora-Caia 510 Ausschreibungsprozesse seit März 2018; läuft in 3 Phasen bis 2020 Projekt zur Verbindung des Hafen Sines und Portugals Süden mit Europa; Teil des Plans Ferrovia 2020 http://www.infraestruturasdeportugal.pt/ferrovia-2020-0
Neues Krankenhaus von Madeira 314 (inklusive Ausrüstung) Planung, Ausschreibung 2019; Teil des Haushalts 2019 Wird je zur Hälfte finanziert von Staat und Region Madeira https://www.madeira.gov.pt/srs/
Bergbaugesellschaft Somincor, Erhöhung der Zinkproduktion 256 In Umsetzung; Fertigstellung geplant 4. Quartal 2019 Sociedade Mineira de Neves-Corvo erhöht Zinkgewinnung in der Mine Neves-Corvo http://www.somincor.com.pt
Netz von Seniorenheimen gehobener Kategorie 200 Phase 1 mit 14 Einheiten in Umsetzung bis Ende 2019 Belgische Gruppe SIS http://www.sisgroup.be
TMG-Automotive, weiteres Werk für Kfz-Textilien, Vila Nova de Famalicão (Braga) 46 Bewilligung von Investitionsanreizen Dezember 2018, Umsetzung 2019 Plant ein zweites Werk für plastifizierte Textilien http://www.tmgautomotive.pt
Galp, Energieeffizienzmaßnahmen in der Raffinerie Sines 45 Umsetzung 2019 bis 2023 Raffinerie in Sines soll eine der energieeffizientesten in Europa werden http://www.galp.com/corp/pt

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Öffentliche Ausschreibungen und Verträge finden sich auf dem nationalen Portal für öffentliche Ausschreibungen: http://www.base.gov.pt, Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Zuwachs des privaten Verbrauchs 2019 etwas niedriger

Wachsende Beschäftigung, sinkende Arbeitslosigkeit und moderate Reallohnzuwächse, darunter die Anhebung des Mindestlohns um 4,1 Prozent, haben den Konsum der privaten Haushalte 2018 um geschätzte 2,3 Prozent zunehmen lassen, genauso kräftig wie bereits im Vorjahr. Die Erwerbslosenrate fiel im 3. Quartal auf 6,7 Prozent und soll im Jahr 2020 bei 5,5 Prozent liegen. Der Einzelhandel merkte dies an seinen Umsätzen, die preisbereinigt zum Vorjahr mit circa 4 Prozent (Januar bis Oktober 2018) in ähnlichem Takt wuchsen wie 2017.

Auch 2019 und 2020 werden die Verbraucher mehr ausgeben, doch etwas verhaltener mit prognostizierten Zuwächsen von 2 und 1,8 Prozent. Das Tempo bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze wird sich verlangsamen. Die mit 4,4 Prozent des verfügbaren Einkommens sehr niedrige Sparrate der Haushalte lässt kaum noch Konsumreserven. Lohnsteigerungen, darunter die Anhebung des Mindestlohns um 3,4 Prozent auf monatlich 700 Euro, könnten dies etwas kompensieren. Doch Löhne bleiben im Schnitt die niedrigsten in Westeuropa. Viel Beschäftigung entsteht im Tourismus.

Außenhandel: Importe schwungvoller als Exporte

Portugals Warenausfuhren sind seit 2010 kontinuierlich auf Wachstumspfad und machen inzwischen 30 Prozent des BIP aus. Auf den Dienstleistungsexport entfallen 12,7 Prozent. Zusammengenommen soll der Exportanteil bis 2021 auf 50 Prozent steigen.

Von Januar bis Oktober haben die Warenexporte nominal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,5 Prozent zugenommen (2017: +10 Prozent). Motor waren die Verkäufe in die EU, die um 9,5 Prozent anzogen, besonders in die neuen EU-Länder (+25,3 Prozent). Hingegen gab der Absatz in Drittländer um 1,7 Prozent nach. Ursache waren zweistellige Rückgänge bei Lieferungen nach Angola, Brasilien, China, aber auch Einbußen im Export nach Algerien und schwächer wachsende Verkäufe nach Marokko und in das Vereinigte Königreich.

Die Wareneinfuhr mäßigte ihren Schwung auf ein Plus von 7,5 Prozent (2017: +13,1 Prozent). Deutschland kommt als Bezugsmarkt für Portugal an zweiter Stelle nach Spanien. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum konnten deutsche Anbieter ihren Lieferwert von Januar bis Oktober 2018 überdurchschnittlich um 8,7 Prozent ausbauen.

Außenhandel Portugals (in Mio. Euro; Veränderung in %) 1)
2016 2017 2) 2018 3) Veränderung 2018/2017 3)
Importe 61.424 69.491 55.441 7,8
Exporte 50.038 55.043 43.617 6,6
Handelsbilanzsaldo -11.386 -14.448 -11.824 12,5

1)Waren; 2) vorläufig; 3) Januar bis September 2018 zum vergleichbaren Vorjahreszeitraum

Quelle: Eurostat

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Portugal

Dieser Artikel ist relevant für:

Portugal Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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