Wirtschaftsausblick

17.07.2019

Wirtschaftsausblick - Portugal (Juni 2019)

Inhalt

Stabiles Wachstum durch Investitionen und Konsum / Von Karl-Heinz Dahm

Lissabon (GTAI) - Dank entschlossener Reformen erlebt Portugal seit vier Jahren einen robusten Wirtschaftsaufschwung. Die Aussichten sind weiter positiv.

Wirtschaftsentwicklung: Reformen zeigen Wirkung

Das Bruttoinlandsprodukt in Portugal wird 2019 und 2020 voraussichtlich um jeweils 1,7 Prozent wachsen. Das prognostiziert die Kommission der Europäischen Union (EU) in ihrer jüngsten Frühjahrsprognose. Im Jahr 2018 lag das reale Wachstum mit einem Plus von 2,1 Prozent wieder auf Vorkrisenniveau.

Das positive wirtschaftliche Panorama ist auch mit Unsicherheiten und Risiken behaftet. Der Brexit und globale Handelskonflikte könnten der offenen Volkswirtschaft Probleme bereiten und das Wachstum bremsen.

Die robuste Inlandsnachfrage und der Privatkonsum werden auch 2019 die Wirtschaft antreiben. Das Jahr begann schwungvoll, bedingt durch die Dynamik der Investitionen. Die Bruttoanlageinvestitionen stiegen laut nationalem Statistikamt Instituto Nacional de Esatistica (INE) im 1. Quartal 2019 um 4,6 Prozent und erreichten damit den höchsten Wert seit Juli 2018. Laut INE ging dies vor allem auf die positive Entwicklung der Sparten Maschinen und Ausrüstungen sowie Bau- und Transportmaterialien zurück.

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Motor des Aufschwungs war in den vergangenen Jahren auch der Tourismussektor. Die Einnahmen daraus haben sich seit 2012 verdoppelt und beliefen sich 2018 auf über 16 Milliarden Euro. Der internationale Tourismusverband World Travel & Tourism Council schätzt, dass die Reisebranche in Portugal 2019 um 5,3 Prozent wachsen wird, mehr als doppelt so viel wie im europäischen Durchschnitt von 2,5 Prozent.

Wirtschaftliche Eckdaten Portugal
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. Euro) 194,6 201,6 3.388,2
BIP pro Kopf (Euro) 18.911 19.618 40.871
Bevölkerung (Millionen) 10,29 10,28 82,9

Quellen: Portugiesisches Statistikamt INE; Statistisches Bundesamt

Eine Schwachstelle der Entwicklung bleibt die öffentliche Verschuldung Portugals, wenngleich die Schuldenquote insgesamt rückläufig ist. Die US-amerikanische Ratingagentur S&P hatte im März 2019 die portugiesischen Staatsanleihen von Kategorie BBB- auf BBB angehoben. Die Ratingagentur Moodys hatte das Land bereits im Oktober 2018 entsprechend besser bewertet. Die Agenturen gehen von einem stabilen Wachstum des Landes in den kommenden Jahren aus, bei weiter rückläufiger Staatsverschuldung.

Ziel der portugiesischen Regierung ist es, gemäß ihres Stabilitätsprogramms die Verschuldung bis 2024 auf 102 Prozent abzuschmelzen. Für 2019 geht der Internationale Währungsfonds von einer Stagnation bei 119,5 Prozent aus. Das Haushaltsdefizit soll 2019 auf -0,4 Prozent des BIP schrumpfen. Im Herbst 2019 stehen in Portugal Parlamentswahlen an.

Investitionen: Digitalisierung und Eisenbahnprojekte

Die Investitionen erfuhren im 1. Quartal 2019 gegenüber dem Vorjahr einen rasanten Anstieg um rund 18 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Dieses Wachstum spiegelt die starke Zunahme der Bruttoanlageinvestitionen im Bausektor sowie bei sonstigen Maschinen und Ausrüstungen. Die Europäische Union (EU) rechnet für das Gesamtjahr 2019 mit einem Anstieg der Anlageinvestitionen von 8,7 Prozent.

Digitalisierung steht auch in Portugal im Fokus. Im Rahmen ihrer Digitalisierungsstrategie will die die Regierung in einer zweiten Phase des Programms Industrie 4.0 (Fase II Industria 4.0) 2019 und 2020 insgesamt für Investitionen in Höhe von 600 Millionen Euro sorgen. Damit soll die Digitalisierung der Wirtschaft vorangetrieben und den Unternehmen der Übergang ins digitale Zeitalter erleichtert werden. Die Maßnahmen beinhalten auch die Qualifizierung der Beschäftigten.

Priorität bei den öffentlichen Investitionen haben zudem Eisenbahn- und Schienenprojekte. Das Programm Ferroviaria 2020 sieht über 2,3 Milliarden Euro für Streckenausbauten (Lissabon-Porto/ Südschienenkorridor Evora-Caia) und rollendes Material vor.

Portugal will sich auch zunehmend als Standort für Start-ups und Hightech-Firmen positionieren. Der Web-Summit, ein Treffen internationaler IT-Unternehmen, wird bereits seit 2016 jährlich in Lissabon ausgetragen. Das Event lockt auch große Unternehmen wie Bosch, Siemens und SAP an, die hier nach qualifizierten Fachkräften suchen.

Ausgewählte Großprojekte in Portugal
Projektbezeichnung Investitionssumme (Millionen Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Vinci Airports, Erweiterung der Flughafenkapazitäten Lissabons durch Umbau des Flughafen Montijo für die zivile Luftfahrt und Investition in den Flughafen Humberto Delgado 1.300 Umweltverträglichkeitsprüfung im April 2019 abgelegt; Aktuelle Lösungssuche zur Kriterienerfüllung; Fertigstellung Montijos ist für 2022 geplant Finanzierung ohne öffentliche Mittel; Konzession von ANA an Da Vinci reicht bis 2062 http://www.ana.pt
Iberdrola; drei Pumpspeicher-Wasserkraftwerke am Fluss Tâmega (Daivoes, Gouvaes, Alto Tâmega) 1.500 Im Bau; drei von vier Vergaben abgeschlossen; Inbetriebnahme Gouvaes 2021, Daivoes 2022, Alto Tâmega 2023 Insgesamt 1.158 MW; Bau von Daivoes und Gouvaes erfolgt durch Ferrovial und MSF; Efacec liefert Transformatoren; EIB genehmigte 2018 Darlehen von 650 Millionen Euro http://www.iberdrola.pt
Aguas de Portugal; Wasser- und Abwasserprojekte bis 2020, darunter mehrere Kläranlagen 836 Oktober 2017 Unterzeichnung des Darlehensvertrags mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) über 418 Millionen Euro; Projektplan 2014 bis 2020 In Umsetzung der Wasser- und Abwasserstrategie PENSAAR 2020 http://www.adp.pt ; Elektronische Ausschreibungsplattform http://pt.vortal.biz
Metros Lissabon und Porto, Linienerweiterungen 517 Im Dezember 2018 vom Ministerrat genehmigt; Fertigstellung bis Ende 2023 Umweltministerium plant für Lissabon 210 Millionen, für Porto 307 Millionen Euro http://www.metrolisboa.pt/empresa/contratacao-publica/
Internationaler Südschienenkorridor, Strecke Evora-Caia 510 Zuschlag für den Bau eines Teilstücks von 20,5 km zwischen Évora und Freixo an Baukonsortium Comsa, Fergrupo und Constructora San José erteilt; Die Ausschreibung für die gesamte Strecke läuft in 3 Phasen bis 2022 Projekt zur Verbindung des Hafen Sines und Portugals Süden mit Europa; Teil des Plans Ferrovia 2020 http://www.infraestruturasdeportugal.pt/ferrovia-2020-0
Neues Krankenhaus von Madeira 314 (inklusive Ausrüstung) Planung, Ausschreibung 2019; Teil des Haushalts 2019 Wird je zur Hälfte von Staat und Region Madeira finanziert https://www.madeira.gov.pt/srs/
Bergbaugesellschaft Somincor, Erhöhung der Zinkproduktion 256 In Umsetzung; Fertigstellung geplant 4. Quartal 2019 Sociedade Mineira de Neves-Corvo erhöht Zinkgewinnung in der Mine Neves-Corvo http://www.somincor.com.pt
Netz von Seniorenheimen gehobener Kategorie 200 Phase 1 mit 14 Einheiten in Umsetzung bis Ende 2019 Belgische Gruppe SIS http://www.sisgroup.be

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Öffentliche Ausschreibungen und Verträge finden sich auf dem nationalen Portal für öffentliche Ausschreibungen: http://www.base.gov.pt, Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Gutes Klima dank mehr Beschäftigung und Einkommen

Der Privatkonsum wird laut portugiesischer Zentralbank in den nächsten Jahren weiterhin stärker zulegen als das reale Wirtschaftswachstum. Für 2019 wird ein Plus von 2,7 Prozent erwartet. Die verfügbaren Einkommen sind dank höherer Beschäftigung und moderater Lohnzuwächse sowie einer Anhebung des Mindestlohns gestiegen. Letzterer wurde 2019 um moderate 3,5 Prozent auf 700 Euro angehoben. Nach wie vor aber sind Portugals Löhne im Durchschnitt die niedrigsten in Westeuropa.

Portugal ist es wie kaum einem anderen OECD-Land gelungen, innerhalb der vergangenen zehn Jahre die hohe Arbeitslosigkeit um 10 Prozentpunkte auf 6,6 Prozent (Stand April 2019) zu reduzieren. Die Beschäftigung erreichte 2018 mit 4,63 Millionen (55 Prozent) den höchsten Stand seit neun Jahren. Die Inflation ging von 1,2 Prozent im Jahr 2018 auf 0,8 Prozent im 1. Quartal 2019 zurück. Die Sparrate der Haushalte bewegt sich mit 4,4 Prozent des verfügbaren Einkommens nach wie vor auf sehr niedrigem Niveau.

Außenhandel: Einfuhren aus Deutschland legen zu

Im 1. Quartal 2019 sind die Warenexporte um 4 Prozent und die -importe um 13,4 Prozent gegenüber dem 1. Quartal 2018 gestiegen. Bereits im Januar hatte es eine bemerkenswerte Zunahme der Einfuhren gegeben, die laut Statistikamt INE auf Zuwächse bei Transportmaterial (hauptsächlich Flugzeuge und deren Teile) um 36,2 Prozent zurückzuführen war. Auch die Einfuhren von Maschinen und anderen Investitionsgütern legten im 1. Quartal 2019 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 17,6 Prozent zu.

Während Exporte in Drittländer um 0,2 Prozent schrumpften, nahmen die Ausfuhren in die EU-28-Länder um 5,2 Prozent zu. Bei den Einfuhren war die Dynamik deutlich stärker. Aus Drittländern stiegen die Importe mit 16 Prozent stärker als diejenigen aus der EU-28 (+12,7 Prozent). Deutsche Exporteure konnten ihre Lieferungen 2018 und im 1. Quartal 2019 weiter ausbauen. Die Lieferungen aus Portugals zweitwichtigstem Bezugsland (hinter Spanien) nahmen 2018 um 9,3 Prozent und im 1. Quartal 2019 um 10,4 Prozent zu. Die Lieferungen nach Deutschland stiegen von Januar bis März 2019 um 8,8 Prozent.

Außenhandel Portugals (in Millionen Euro; Veränderung in %) *)
2017 2018 Veränderung 2018/2017 2)
Importe 69.491 75.033 8,0
Exporte 55.043 57.958 5,3
Handelsbilanzsaldo -14.448 -17.075

*) Waren; Quelle: Eurostat

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Portugal

Dieser Artikel ist relevant für:

Portugal Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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