Wirtschaftsausblick

25.06.2018

Wirtschaftsausblick - Ruanda (Juni 2018)

Inhalt

Ausländische Partner sind willkommen / Von Martin Böll

Nairobi (GTAI) - Ruanda ist wirtschaftspolitisch auf dem richtigen Weg. Das Potenzial des winzigen Binnenlandes aber ist gering und die Abhängigkeit von unzureichenden und teuren Transportwegen durch Kenia und Tansania ist hoch. Noch immer leben zwei Drittel der Bevölkerung in bitterer Armut. Ein verstärktes Engagement deutscher Firmen wäre wünschenswert, die Geschäftschancen aber sind zugegebenermaßen gering.

Wirtschaftsentwicklung: Gesundes Wirtschaftswachstum trotz restriktiver staatlicher Ausgabenpolitik

Ruanda kann 2018 und 2019 mit einem auf 6,8 Prozent beziehungsweise 7,3 Prozent steigenden Bruttoinlandsprodukt rechnen, prognostiziert der Internationale Währungsfonds (IWF). Das ist deutlich mehr als in anderen Staaten südlich der Sahara. Zu der positiven Entwicklung tragen eine sich gut entwickelnde Landwirtschaft sowie Entwicklungshilfeprojekte bei. Die Industrie freut sich über größere Infrastrukturvorhaben wie den neuen Flughafen und Investitionen in die Stromversorgung.

Eine "Made-in-Ruanda-Initiative" ist auf dem richtigen Weg. Aushängeschild ist nicht zuletzt eine Kfz-Montage von Volkswagen, die in der zweiten Jahreshälfte 2018 anlaufen soll. Der Bergbau wird von besseren Weltmarktpreisen begünstigt und sollte angesichts neuer Lizenzen weiter auf Wachstumskurs bleiben. Angesichts dieser ermutigenden Trends bleibt die öffentliche Hand auf ihrem finanziellen Konsolidierungskurs, ein im ostafrikanischen Kontext vorbildliches Verhalten.

Dies alles kann allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass Ruanda als kleines Binnenland in hohem Maße abhängig bleibt: Nahezu der gesamte Außenhandel geht über unzureichende und teure Transferrouten in Kenia und Tansania. Der Nachschub wichtiger Inputs ist mitunter chaotisch, wozu auch immer noch die Stromversorgung zählt, während die Landwirtschaft zu stark von den Wetterverhältnissen abhängig bleibt.

In den meisten internationalen Indizes macht Ruanda eine ausgesprochen gute Figur. Im letzten Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International ist Ruanda mit Platz 48 (von 180 Ländern) eine afrikanische Ausnahmeerscheinung. Gleiches gilt für das "Ease of Doing Business Ranking" der Weltbank, im dem Ruanda mit Platz 41 glänzt (von 190 Ländern).

Politisch ist das Land derweil kein demokratischer Vorreiter. Im Gegenteil: Staatspräsident Paul Kagame führt ein autokratisches Regime an, das nur auf dem Papier eine Demokratie ist. Die Bürokratie funktioniert dafür im regionalen Vergleich recht gut und die Ministerriege setzt sich vornehmlich aus Technokraten zusammen. Kagame hat den Staat so fest im Griff und steht im "Fragile States Index" des Fund for Peace mit Rang 34 deutlich besser da als die Nachbarn Demokratische Republik Kongo (Rang 6), Uganda (24) oder Kenia und Burundi (beide 17; stabilster Staat: Finnland mit Platz 178, instabilster Staat: Südsudan mit Platz 1).

MKT201806228001.14

Wirtschaftliche Eckdaten Ruanda
Indikator 2016 2017 *) Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 8,4 8,9 3.686,7
BIP pro Kopf (US$) 708 730 44.595
Bevölkerung (Mio.) 11,9 12,2 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = ... F.Rw (Ruanda-Franc)) 787,3 831,5

*) Schätzung

Quellen: Economist Intelligence Unit (EIU); Statistisches Bundesamt

Investitionen: Ausländische Direktinvestitionen ein Vertrauensbeweis

Wie kaum ein anderes Land in der Region heißt Ruanda Geschäftspartner und Investoren ehrlich willkommen und ist fortgesetzt bemüht, bürokratische Hürden zu schleifen. Die ersten Erfolge können sich sehen lassen: So konnte Ruanda 2017 nach UNCTAD-Zahlen 366 Millionen US-Dollar (US$) an ausländischen Direktinvestitionen einnehmen. Dies entsprach 54 Prozent dessen, was das sehr viel größere und bevölkerungsreichere Kenia einsammeln konnte. Dabei folgt Ruanda den Ratschlägen von Experten des IWF und versucht, seine Exportwirtschaft zu stärken und die Importabhängigkeit zu reduzieren.

Weil dem Land dazu die Devisen fehlen, werden ausländische Investoren kräftig umworben. Bevorzugter Partner ist dabei die VR China, die durch den Aufbau von lokalen Produktionsstätten ihren Vormarsch in Afrika weiter stärken und ausbauen will. Die Chinesen sind auch der bevorzugte Partner bei Infrastrukturvorhaben, die Ruanda im Rahmen von öffentlich-privaten Partnerschaften (PPP) anstrebt. Dabei liegt der Schwerpunkt im Ausbau der Stromversorgung, ohne die der Aufbau einer Industrie nicht gelingen kann. Ferner setzt Ruanda auf eine Verbesserung seiner Transportinfrastruktur, insbesondere auch auf den Luftfahrtsektor, um das Tourismus- und Konferenzgeschäft weiter anzukurbeln.

Ausgewählte Großprojekte in Ruanda
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
150-km-Normalspureisenbahn von der tansanisch-ruandischen Grenze nach Kigali Mehr als 1.200 Durchführbarkeitsstudien. Angestrebter Baubeginn Ende 2018. Ruanda drückt aufs Tempo und favorisiert eine (deutlich teurere) Elektrifizierung der Strecke.
Bugesera International Airport 818 Erste, 418 Mio. US$ teure Phase im Bau. Antizipierte Fertigstellung: Dezember 2019. Finanzgeber, Bauunternehmer und späterer Betreiber ist die portugiesische Mota-Engil Africa im Rahmen eines PPP-Deals.
147-MW-Ruzizi-III-Wasserkraftwerk 650 Finanzierungsphase noch nicht abgeschlossen. Antizipierte Fertigstellung 2024. Im Mai 2018 formell beschlossenes Gemeinschaftsprojekt von Burundi, Kongo (Dem.) und Ruanda. Betreiber: Energie des Grands Lacs (EGL).
80-MW-Torfkraftwerk im Gisagara-Bezirk 350 Im Bau. Antizipierte Fertigstellung Anfang 2020. Entwickler auf BOOT-Basis (build-own-operate-transfer) ist HQ Power, ein Unternehmen der türkischen Hakan AS.
80-MW-Rusumo-Wasserkraftwerk nebst drei Überlandleitungen 468 Im Bau. Antizipierte Fertigstellung 2021. Auftraggeber: Rusumo Power Company Ltd. (RPCL, ein Gemeinschaftsunternehmen von Ruanda, Burundi und Tansania). Auftragnehmer: CGCOC Group Limited, Jiangxi Water & Hydropower Construction Company Limited (beide VR China), Andritz Hydro GmbH (Österreich), Andritz Hydro PVT Limited (Indien).
106-MW-Methangas-Kraftwerk 370 Absichtserklärung Entwickler: Symbion Energy und Highland Group Holdings (HGHL; beide USA).

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/ruanda, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Keine Kaufkraft für deutsche Verbrauchsgüter

Das Bruttoinlandsprodukt setzte sich 2016 laut EIU wie folgt zusammen: privater Verbrauch 76,8 Prozent, staatlicher Verbrauch 15,2 Prozent, Bruttoanlageinvestitionen 25,6 Prozent, Exporte von Waren und Dienstleistungen 15 Prozent abzüglich Importe von Waren und Dienstleistungen 33,2 Prozent. Weitere Zahlen für die Entwicklung des privaten und staatlichen Verbrauchs liegen nicht vor. Der Staat hat begonnen, seine Finanzen zu konsolidieren und ist nicht mehr so spendabel wie zuvor.

Die Kaufkraft der nationalen Bevölkerung steigt, wenngleich von sehr geringem Niveau aus. Etwa 43 Prozent der Bevölkerung (5,4 Millionen Menschen) leben weiterhin in extremer Armut. Davon können trotz des kleinen ruandischen Wirtschaftswunders im Jahr nur knapp 200.000 ihrer Armut entfliehen, was laut World Poverty Clock für die Erreichung des 2030-Sustainable-Development-Ziel der UN zu wenig ist. Bislang ist in Ostafrika nur Äthiopien auf einem guten Weg, das UN-Ziel zu erreichen. Als Käufer hochwertiger Konsumgüter, wie deutsche Firmen sie herstellen, kommt nur ein kleiner Kreis aus Regierungsvertretern, Repräsentanten der westlichen Entwicklungsindustrie und des Diplomatencorps sowie eine kleine, aber wachsende Mittelschicht in Frage.

Außenhandel: Rückläufige Kapitalgüterimporte

Ruanda importiert "nur" gut doppelt so viel wie es exportiert - im ostafrikanischen Kontext ein vorzeigbares Verhältnis. Eingeführt werden vornehmlich Kapitalgüter für Infrastrukturprojekte, Konsumgüter, Treibstoffe und Nahrungsmittel. Dabei ist der finanzielle Spielraum sehr begrenzt. Die Regierung setzt verstärkt auf Importsubstitution, was angesichts der unzulänglichen lokalen Industrie allerdings leichter gesagt als getan ist. Wenn, dann gehen geringere Importzuwächse wohl nur auf das Konto fertiggestellter Infrastrukturprojekte.

Auf der Exportseite macht sich der expandierende Bergbau zunehmend positiv bemerkbar. Hinzu kommen steigende Weltmarktpreise für wichtige ruandische Exporterzeugnisse wie Coltan, Kassiterit, Wolfram, Tee und Kaffee. Wichtige Lieferländer Ruandas waren 2016 die VR China mit einem weiter zunehmenden Anteil von nunmehr 21 Prozent, gefolgt von Uganda (11 Prozent - rückläufig), Kenia (8 Prozent - rückläufig) und Indien (7 Prozent - rückläufig). Nach den noch vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes lieferte Deutschland 2017 für 40 Millionen Euro Waren nach Ruanda, 2 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die deutschen Importe aus Ruanda beliefen sich 2017 auf bescheidene 12 Millionen Euro, 13 Prozent weniger als 2016 und halb so viel wie noch 2015.

Außenhandel Ruandas (in Mio. US$; Veränderung in %)
2016 2017 *) Veränderung 2017/2016
Warenimporte (fob) 2.045,1 1.929,1 -5,7
Warenexporte (fob) 745,0 1.045,6 40,3
Handelsbilanzsaldo -1.300,1 -883,5

*) Schätzung

Quelle: EIU

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/ruanda

Dieser Artikel ist relevant für:

Ruanda Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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