Wirtschaftsausblick

07.12.2018

Wirtschaftsausblick - Rumänien (November 2018)

Inhalt

Mittelfristig solides Wirtschaftswachstum / Von Guenter Maier

Bukarest (GTAI) - Rumäniens Wirtschaft bleibt trotz abgeschwächter Konjunktur 2019 und voraussichtlich auch 2020 auf Expansionskurs. Höhere Investitionen sichern ein stabiles Wirtschaftswachstum.

Trotz Abkühlung anhaltend robuste Wachstumsphase

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Rumäniens wird laut Schätzungen im Jahr 2018 real um 3,6 Prozent wachsen. Die Herbstprognose der Europäischen Kommission beziffert den BIP-Anstieg für 2019 auf 3,8 und für 2020 auf 3,6 Prozent. Die Konjunkturüberhitzung von 2017 (7,3 Prozent) mündete in eine Abkühlungsphase, besonders beim Privatverbrauch.

Verhärtet haben sich die innenpolitischen Konflikte. Die seit 2016 amtierende Regierung betreibt Maßnahmen, die auf eine gravierende Änderung der Rechtsordnung abzielen und die Rechtssicherheit demokratischer Grundlagen aushebeln sollen. Mit Kontroversen bei Rechts- und Haushaltsthemen hat sich die Regierung Rumäniens 2018 zunehmend in Auseinandersetzungen mit der Europäischen Kommission manövriert. Das Land muss Fehlentwicklungen bei der Rücknahme von rechtstaatlichen Errungenschaften und der Verhinderung weiterer Korruptionsbekämpfung korrigieren.

Rumänien steht in dieser kritischen Phase vor der turnusmäßigen Übernahme der Ratspräsidentschaft der Europäischen Union (EU) Anfang Januar 2019. Es ist die EU-Mitgliedschaft, die gerade in Zeiten innenpolitischer Krisen Chancen für Stabilisierung und Kontinuität der internationalen Wirtschaftsbeziehungen bietet.

Als aufstrebender Absatz- wie auch Beschaffungsmarkt bleibt Rumänien für die deutsche Wirtschaft mittelfristig ein interessanter und bedeutender Partner mit beachtlichem Entwicklungspotenzial für Außenhandel und Investitionen.

Das Defizit im Staatshaushalt ist nicht kleiner geworden. Die Regierung senkte Anfang 2018 den Einkommensteuersatz für Privatpersonen von 16 auf 10 Prozent und erhöhte die Löhne für die öffentlich Beschäftigten. Lag das Defizit 2017 bei 2,9 Prozent gemessen am BIP, so wird es voraussichtlich auf 3,3 Prozent bis Ende 2018 sowie auf 3,4 Prozent 2019 anziehen. Die gesamte öffentliche Verschuldung Rumäniens ist noch überschaubar: 2018 bei 35,1 Prozent des BIP. Sie wird 2019 voraussichtlich 35,9 und 2020 voraussichtlich 38,2 Prozent des BIP betragen.

MKT201812068010.14

Wirtschaftliche Eckdaten Rumänien
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2017 3)
BIP (nominal, Mrd. Euro)1) 188,0 204,2 3.277,3
BIP pro Kopf (Euro)1) 9.596 10.486 39.649
Bevölkerung (Mio.)2) 19,64 19,52 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = RON/Lei) 4,57 4,65

Quellen: 1) Nationale Kommission für Strategie und Prognose; 2) Statistikamt Rumäniens (INS); 3) Statistisches Bundesamt

Investitionen sind entscheidende Triebkraft für Wirtschaftswachstum

Höhere Zuflüsse aus den EU-Struktur- und Investitionsfonds sowie ehrgeizige staatliche Investitionspläne sollen öffentliche Projekte stärken. Zum Ende des EU-Finanzrahmens 2014 bis 2020 muss die Verwendung von EU-finanzierten Projektmitteln im Infrastrukturbereich beschleunigt erfolgen. 'Allerdings bilden Engpässe in der Projektfinanzierung am inländischen Kapitalmarkt ein Wachstumshemmnis.

Die Ausrüstungsinvestitionen kletterten 2018 um 8,5 Prozent. Sie werden 2019 voraussichtlich um 6,5 und 2020 um 5,5 Prozent ansteigen.

Die Regierung erhöhte im November 2018 den gesetzlichen Mindestlohn um 9,5 Prozent von 1.900 auf 2.080 Lei zum 1. Dezember 2018. Diese Maßnahme irritiert internationale und inländische Unternehmen erheblich. Die Stabilität und politische Berechenbarkeit des Geschäftsumfeldes sind in Frage gestellt.

Ausgewählte Großprojekte in Rumänien (Werte in Millionen Euro*))
Projektbezeichnung Wert Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Erweiterung des Atomkraftwerks Cernavoda um zwei Blöcke (CANDU-Reaktoren mit jeweils 720 MW) 5.000 Verhandlungen zwischen Staat und China General Nuclear Power Corporation laufen; Fertigstellung 2030 Chinesische Beteiligung am Projekt von 51 Prozent; http://www.nuclearelectrica.ro
Autobahn Sibiu - Pitesti (122 km) 3.400 Projekt ist bis zum Vorliegen der Umweltgenehmigung im Stocken. Rumänische Gesellschaft für Straßeninfrastruktur: http://www.cnadnr.ro
U-Bahn-Erweiterung in Bukarest: Bau der Linie 7 (25 km) 2.000 Strecke: Bragadiru-Alexandriei-Colentina-Voluntari; Regierung erwägt das Projekt als PPP umzusetzen U-Bahn-Betreiber Metrorex: http://www.metrorex.ro
U-Bahn-Linie 6 von Bukarest zum Flughafen Otopeni (14 km; 12 Stationen) 1.400 Ausschreibung auf Anfang 2019 vertagt U-Bahn-Betreiber Metrorex: http://www.metrorex.ro
Hidroelectrica: Erweiterung und Modernisierung der jetzigen Wasserenergie-Kapazität 1.200 Der Fünfjahresplan wird momentan erarbeitet. Geplant werden u.a. neue Wasserkraftprojekte und Modernisierungen. http://www.hidroelectrica.ro

*) Projektwerte wurden direkt in Euro von Unternehmen/Behörden angekündigt oder die Umrechnung erfolgte mit dem für 2018 geschätzten Wechselkurs der rumänischen staatlichen Prognosekommission 1 Euro=4,65 Lei/RON

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen, Ministerien

Nationale Ausschreibungsdatenbank: http://www.e-licitatie.ro

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum stabilisiert sich auf gemäßigtem Niveau

Nach einem spürbaren Anstieg der Verbraucherpreise wird sich der Konsum gegenüber dem Vorjahr 2018 laut Angaben der EU-Kommission bei 4,6 Prozent einpendeln. Mittelfristig soll sich der Inflationsdruck wieder verringern. Die Kommission rechnet angesichts der schwächeren Inlandnachfrage für 2019 und 2020 mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um 3,5 beziehungsweise 3,3 Prozent. Rumäniens Konsumgütermarkt expandiert deutlich bei zunehmender Angebotspalette.

Die Einzelhandelsumsätze stiegen von Januar bis September 2018 gegenüber dem Vorjahr um 5,2 Prozent, was die niedrigste Wachstumsrate seit Jahren war. Dennoch bleibt der Konsum im Fahrwasser steigender Einkommen mittelfristig ein Wachstumstreiber. Auch 2019 soll der private Verbrauch etwa auf dem Niveau des BIP-Wachstums liegen.

Außenhandel weiterhin deutlich expansiv

Die Importdynamik hat sich 2018 gegenüber dem Verlauf von 2016 und 2017 verlangsamt. Hauptgrund waren die ausgebliebenen großen Investitionen, die weiter auf sich warten ließen. Das Defizit im Warenaußenhandel wird sich voraussichtlich von 6,7 Prozent des BIP im Jahr 2018 über 7,4 Prozent (2019) auf 8 Prozent (2020) erhöhen, schätzt die EU-Kommission.

Rumäniens Außenhandel mit den EU-Ländern bleibt expansiv. In den ersten neun Monaten 2018 entfielen auf die Staaten der EU 77 Prozent des rumänischen Ausfuhrwertes, berichtet das Statistikamt. Dieser Export in die EU betrug 39 Milliarden Euro, was einem Anstieg um 10 Prozent entspricht. Rund 75 Prozent der rumänischen Einfuhr im Wert von 46 Milliarden Euro stammten aus den EU-Ländern. Die Importe aus der EU legten damit um 8 Prozent zu.

Außenhandel Rumäniens (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2017 Januar bis September 2018 Veränderung Januar bis September 2018/2017
Importe 75.562,0 60.799,2 9,5
Exporte 62.613,4 50.848,6 9,1
Handelsbilanzsaldo -12.948,6 -9.950,6 11,8

Quelle: Statistikamt Rumäniens (Stand: 09. November 2018)

Bedeutende Importpositionen waren von Januar bis September 2018 Maschinen, elektrische Anlagen und Ausrüstungen (Anteil 27,6 Prozent) und chemische Erzeugnisse (16,5 Prozent). Deutschland blieb in diesem Zeitraum wichtigstes Lieferland Rumäniens. In den ersten sieben Monaten 2018 betrug der Anteil von Lieferungen aus Deutschland 20,8 Prozent am rumänischen Gesamtimport. Die Einfuhr aus Deutschland stieg um 15,4 Prozent auf knapp 9,9 Milliarden Euro.

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Rumaenien

Dieser Artikel ist relevant für:

Rumänien Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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