Wirtschaftsausblick

27.07.2018

Wirtschaftsausblick - Saudi-Arabien (Juli 2018)

Inhalt

Leichtes Wirtschaftswachstum erwartet / Höhere Öleinnahmen begünstigen öffentliche Investitionen / Von Katrin Pasvantis

Dubai/ Riad (GTAI) - Saudi-Arabiens Wirtschaftswachstum könnte in diesem Jahr wieder leicht zulegen. Die Regierung hat ihren Sparkurs etwas gelockert. Steigende Einnahmen aus den Ölexporten begünstigen öffentliche Investitionen. Die Ölpreise sind in den letzten Monaten wieder etwas gestiegen und die Opec einigte sich jüngst auf eine höhere Ölfördermenge. Das Reformprogramm Vision 2030 nimmt langsam Fahrt auf. Private Investoren zeigen sich noch zögerlich. Das Konsumklima ist weiter gedämpft.

Wirtschaftsentwicklung: Wachstum erwartet

Saudi-Arabiens Wirtschaft könnte 2018 nach dem Rückgang im letzten Jahr wieder leicht wachsen. Das Statistikamt meldet für das erste Quartal 2018 ein reales Plus von 1,2 Prozent im Vorjahresvergleich. Der Ölpreis ist in den letzten Monaten wieder etwas gestiegen, die höheren Einnahmen begünstigen Investitionen. Die Mitgliedsländer der Opec haben sich von Juli an auf eine höhere Ölförderung geeinigt. Private Investoren zeigen sich weiter zögerlich. Keine Besserung zeichnet sich beim Konsumklima ab.

MKT201807268001.14

Dem Vernehmen nach zieht die Projekttätigkeit bereits seit Anfang des Jahres wieder leicht an, wenngleich sich das Projektvolumen sich deutlich unter dem Niveau vor dem Ölpreiseinbruch bewegt. Die Hoffnung auf eine Projektwelle schürt der geplante teilweise Börsengang (IPO - Initial Public Offering) von Saudi Aramco. Ein Termin für den IPO steht noch nicht fest, im Gespräch ist 2019. Der IPO könnte Schätzungen zufolge bis zu 100 Milliarden US$ in die Staatskasse spülen. Geld, das für Investitionen des Staatsfonds PIF im Ausland genutzt werden soll, aber auch in Projekte im Land fließen könnte. Der Börsengang ist ein entscheidender Bestandteil der Vision 2030.

Wirtschaftliche Eckdaten Saudi-Arabien
Indikator 2016 2017 1) Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 646 685 3.686,7
BIP pro Kopf (US$) 20.391 21.141 44.595
Bevölkerung (Mio.) 31,7 32,4 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = ... Saudi-Riyal)2) 3,75 3,75 -

1) vorläufige Daten; 2) Der Saudi-Riyal ist fix an den US-Dollar gekoppelt

Quellen: General Authority for Statistics, IWF, Statistisches Bundesamt

Die Vision 2030 wurde 2016 vorgestellt und um mittlerweile zwölf Unterprogramme, sogenannte VRPs (Vision Realization Programs), darunter das NTP 2020 (National Transformation Program), ergänzt. Der Reformprozess macht laut einem Bericht des Internationalen Währungsfonds von Mai 2018 gute Fortschritte. Die geplanten Privatisierungen und Projekte laufen dem Vernehmen nach aber noch eher langsam an. Die Regierung setzt auf mehr private Investitionen.

Mit der Vision 2030 will Saudi-Arabien seine Abhängigkeit vom Öl reduzieren, die Wirtschaft diversifizieren und die lokale Produktion ausbauen. Die Local Content Anforderungen bei öffentlichen Ausschreibungen werden strikter. Außerdem will sich der Staat als wichtigster Wirtschaftsakteur zurückziehen und den Privatsektor stärken. Die Schaffung von Arbeitsplätzen für die riesige, junge Bevölkerung steht ebenfalls auf der Prioritätenliste. Dazu werden Quotenregelungen eingesetzt. In manchen Bereichen dürfen gar keine ausländischen Arbeitskräfte mehr beschäftigt werden, wie etwa beim Verkauf von Mobiltelefonen oder in Kürze beim Verkauf von Autos.

Aus der deutschen Unternehmerschaft werden seit ein paar Monaten Stimmen laut, die von Oderrückgängen bei öffentlichen Kunden berichten. Die meisten der Unternehmen sind im Gesundheitssektor aktiv, einige vermuten politische Motive. Beim Großteil der deutschen Unternehmen scheint das Geschäft dem Vernehmen nach aber wie üblich zu laufen beziehungsweise Einbußen werden nicht mit etwaigen Spannungen in Verbindung gebracht. Viele fürchten jedoch künftige Beeinträchtigungen.

Investitionen: Hoffnung auf Vision 2030 Projekte

Projekte in Milliardenhöhe sind in der Planung, viele verzögern sich jedoch oder werden vertagt. Der Staat ist traditionell der größte Investor, aber wegen den eingebrochenen öffentlichen Einnahmen sollen Projekte verstärkt mit Beteiligung der Privatwirtschaft umgesetzt werden. Private Investoren sind noch zurückhaltend, dem Vernehmen nach wegen Unsicherheit bezüglich stabiler Rahmenbedingungen. Zudem sollen vor allem KMU Schwierigkeiten haben, Bankenfinanzierungen zu erhalten.

Aber es geht leicht aufwärts: Von Januar bis Mai 2018 wurden laut Meed Projects Hauptaufträge für Projekte im Gesamtwert von 17 Milliarden US$ vergeben, in den fünf Monaten zuvor waren es 14 Milliarden US$, von Januar bis Mai 2017 etwa 15 Milliarden US$). Das ist aber noch weit unter dem Level vor dem Ölpreiseinbruch.

Die Projekte der Vision 2030 könnten auch deutschen Unternehmen Chancen zur Beteiligung eröffnen, besonders wenn sie im Königreich investieren möchten. Das Augenmerk vieler Unternehmen richtet sich auf die prominentesten Vorhaben: die neue Megacity Neom mit einem geschätzten Investitionsbedarf von 500 Milliarden US$, das Unterhaltungszentrum Qiddiya bei Riyadh und das Tourismusvorhaben Red Sea Project. Informationen zur Vision 2030 sind unter http://vision2030.gov.sa/en abrufbar.

Ausgewählte Großprojekte Saudi-Arabien
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mrd. US$) Projektstand *) Anmerkung/Ansprechpartner
Neom: Infrastructure and Utilities 100,0 ST Public Investment Fonds (PIF)
Yanbu Oil-To-Chemical Complex 25,0 FEED Saudi Aramco / Sabic JV
Riyadh Dammam High-Speed Rail 14,0 ST Saudi Railways Organisation (SRO)
Roua Al Madinah (pilgrim accomodation) 10,0 DE PIF
Le Jardin d´Eau in Riyadh (mixed use) 8,8 DE SST Holding
Nuclear Power Reactor: Reactor - Package 1 8,0 ST King Abdullah City for Atomic & Renewable Energy (KA-CARE)
Jeddah Metro: Orange & Blue Lines 8,0 PQ Jeddah Metro Company
Saudi Landbridge 7,0 PQ Saudi Railway Co (SAR)
Renewable Energy Program: Round I - Phase 3: power plants at 10 different site locations (1730 MW) 4,0 ST Renewable Energy Project Development Office (REPDO)

*) Projekte in Frühstadien (Design/Studie) werden häufig nur in stark modifizierter Form realisiert, teilweise ganz gestrichen; ST = Studie, DE = Design, FEED= Front End Engineering and Design, PQ = Präqualifizierung Hauptauftrag

Quellen: Meed Projects, Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Konsum: Keine Besserung in Sicht

Die Einführung der Mehrwertsteuer (VAT) zum 1. Januar 2018 trübt die Kauffreude der privaten Haushalte ebenso wie der im Januar 2016 begonnene Abbau von Subventionen bei Benzin, Strom und Wasser. Der Einzelhandel berichtet von einem schwierigen Jahr 2017, das sich fortsetzt. Autohändler verzeichneten dem Vernehmen nach erhebliche Umsatzeinbußen im gehobenen Preissegment.

Fast eine halbe Million Ausländer haben allein im letzten Quartal 2017 das Land verlassen, vor allem wegen der schlechten Auftragslage. In den nächsten Monaten ist zudem mit einem Exodus der ausländischer Fahrer zurechnen, weil Frauen nun selbst fahren dürfen. Gleichzeitig ersetzen wegen strikterer Quoten zur Beschäftigung Einheimischer immer saudi-arabische Arbeitskräfte ausländische, vor allem in höheren Positionen. Berichten zufolge soll die Arbeitslosenquote trotz der Quotenregelungen nahezu unverändert sein. Der öffentliche Sektor, in dem die meisten Einheimischen beschäftigt sind, dürfte wegen Sparzwängen die Beschäftigung kaum erhöhen.

Konsumsteigernd dürften sich die Pläne zum Aufbau einer Unterhaltungsindustrie auswirken. Bislang reisen viele Saudi-Araber regelmäßig zur Unterhaltung oder zum Einkaufen in Nachbarländer. In Zukunft soll dies in die eigene Wirtschaft fließen.

Außenhandel: Importe sind rückläufig

Die schwache Wirtschaftsentwicklung bremst die Importnachfrage. Die Einfuhren gingen der Zentralbank zufolge 2017 um rund 7 Prozent auf 119 Milliarden US$ zurück. Detaillierte Informationen der saudi-arabischen Zollstatistik liegen noch nicht vor. Mit einem Anstieg der Einfuhren ist erst zu rechnen, wenn Konjunktur und Projekttätigkeit wieder anziehen.

Mittelfristig will Saudi Arabien die lokale Produktion ausbauen und die Importabhängigkeit reduzieren. Bei öffentlichen Beschaffungen soll lokal produzierten Waren und Dienstleistungen der Vorzug vor Importen gegeben werden.

Außenhandel Saudi-Arabiens (in Mrd. US$; Veränderung in %)
2015 2016 1) 2017 1) Veränd. 2017/2016
Importe (fob) 159 128 119 -6,7
Exporte (fob) 204 184 221 20,4
.Öl (cif)2) 153 136 170 25,0
.Nichtölprodukte (cif) 51 47 50 6,1
Handelsbilanzsaldo (fob) 44 56 102 82,3

1) Aktualisierte und vorläufige Angaben; 2) einschließlich Raffinerieprodukte

Quelle: Saudi Arabian Monetary Authority (Zentralbank)

Deutschland meldet für 2017 einen Rückgang der Exporte ins Königreich um etwa 8 Prozent (in US$). 2018 startete ebenfalls mit einem satten Minus von 13 Prozent im ersten Quartal. Deutschland ist wertmäßig der drittwichtigste Lieferant.

Auch die anderen Top-Lieferländer melden für 2017 Einbußen, wobei die Rückgänge bei der VR China mit 2,3 Prozent (auf 18,2 Milliarden US$) deutlich geringer ausfielen als für Deutschland (-8 Prozent auf 7,3 Milliarden US$). Die USA melden -9,5 Prozent (auf 16,3 Mrd. US$), Korea (Rep.) -8,8 Prozent (auf 5,1 Mrd. US$). Japans Lieferungen gingen um ein Viertel auf 3,7 Milliarden US$ zurück.

Eine Prognose der Entwicklung interessanter Märkte finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/branchencheck,t=branchencheck--saudiarabien-juli-2018,did=1949478.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Saudi-Arabien Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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