Wirtschaftsausblick

21.11.2018

Wirtschaftsausblick - Schweden (November 2018)

Inhalt

Das Wachstum verliert an Tempo / Von Michal Wozniak

Stockholm (GTAI) - Die schwedische Konjunktur scheint ihren Zenit überschritten zu haben. Der wachsende Konsum und der Brexit könnten aber neue Chancen für deutsche Anbieter öffnen.

Wirtschaftsentwicklung: Konsum bleibt Wachstumsfundament

Die seit 2015 andauernde Verlangsamung des schwedischen Wirtschaftswachstums wird 2018 nur einer kurzen Erholung weichen. Nach 2,1 Prozent in 2017 soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des größten skandinavischen Landes 2018 laut Prognosen der Europäischen Kommission und des schwedischen Konjunkturinstituts (KI) um 2,4 Prozent zulegen. In den beiden Folgejahren werden aber Werte knapp unter der 2 Prozent-Marke erwartet.

Gründe dafür liegen vor allem in der vergleichsweise schwachen Investitionsentwicklung. Die Industrie zeigte sich im 1. Halbjahr 2018 vor allem an Transportmitteln und Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) interessiert. Der Preisverfall bei Wohnimmobilien zum Jahreswechsel 2017/2018 verheißt nichts Gutes für die Baubranche.

Das Standbein des Wachstums bleibt der private Konsum. Die Verbraucher zeichnen bereits heute für etwa 45 Prozent der Wirtschaftsleistung verantwortlich. Die kommenden Jahre dürften diese Stellung noch stärken.

Wenig zum Wirtschaftswachstum trägt der Außenhandel bei. Einzig bei Dienstleistungen wird weiterhin einen schnell wachsender Positivsaldo Schwedens erwartet. Insgesamt soll das Exportgeschäft bis mindestens 2020 um etwa 3 Prozent jährlich zulegen. Die Importnachfrage wird aber eine ähnliche Dynamik erreichen.

Die Exportprognosen sind zudem mit Risiken behaftet. Zum einen könnte der Brexit Ausfuhren im Wert von über 8 Milliarden Euro jährlich ins Vereinigte Königreich komplizierter gestalten. Etwa 28 Prozent davon entfallen auf Maschinen und Transportmittel, jeweils etwa 18 Prozent auf mineralische Brennstoffe sowie bearbeitete Waren.

Zum anderen sorgt die Handelspolitik der USA für Ungewissheit. Dabei geht es aber nicht nur um die direkten Exporte aus Schweden in die USA im Wert von über 9 Milliarden Euro per anno, bei denen vor allem Maschinen- und Autobauer, Hersteller bearbeiteter Waren sowie Chemie- und Pharmafirmen betroffen wären. Zahlreiche schwedische Unternehmen beliefern den größten Markt der Welt auch aus Werken in Asien. Volvo Cars hat bereits angekündigt einen Teil seiner China-Produktion zurück zu verlagern.

MKT201811208008.14

Wirtschaftliche Eckdaten Schwedens
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. Euro) 463,1 475,2 3.277,3
BIP pro Kopf (Euro) 46.700 47.300 39.649
Bevölkerung (Mio.) 10,0 10,1 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = ... skr) 9,4689 9,6351 -

Quellen: Eurostat; Deutsche Bundesbank

Investitionen: Ausgaben auf dem Prüfstand

Sowohl beim Staat als auch bei Unternehmen scheint die Investitionslust begrenzt. Die öffentliche Hand versucht trotz Haushaltsüberschüssen weiterhin die Habenseite zu stärken. Insofern sind für 2018 bis 2020 Steigerungen der Investitionsausgaben von etwa 1 Prozent jährlich vorgesehen. Die Zersplitterung der politischen Szene nach den Parlamentswahlen im September 2018 könnte dazu beitragen, dass neue Vorhaben länger auf ihre Umsetzung warten müssen.

Die Firmenwelt bereitet sich derweil auf die drohende Abkühlung der Weltkonjunktur vor. Nachdem zwischen 2015 und 2017 die Bruttoanlageinvestitionen durchschnittlich um 5,7 Prozent pro Jahr zunahmen, soll die Dynamik 2019 und 2020 laut Europäischer Kommission auf etwa 2 Prozent fallen. Analysten von KI und der Bank DNB gehen bei den Bruttoanlageinvestitionen von nur 1 Prozent Wachstum aus. Alleine in der Baubranche könnte das Investitionsvolumen binnen der nächsten zwei Jahre um 10 Prozent fallen.

Ausgewählte Großprojekte Schweden
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) *) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Bau der Batteriefabrik Northvolt 1 in Skelleftea 3.877 Baustart April 2019, Fertigstellung erste Etappe 2020, komplette Fertigstellung 2023 Bauherr: NorthVolt AB, http://www.northvolt.com
Frihamnen, Älvstaden; Neubau für die Innenstadtentwicklung in Göteborg 2.908 In der Planung, Bauerlaubniserteilung geplant 2019 Planung: Göteborgs Stad Stadsbyggnadskontoret; Kontakt: Älvstranden Utveckling AB, alvstranden.com
Skeppsbron, Etappe 1; Revitalisierung eines Industriegebiets, Jönköping 1.939 bis 4.847 Geplanter Baustart 2019 Bau von Wohn-, Büro- und Handelsflächen; Bauherr: Södra Munksjön Utvecklings AB, sodramunksjon.se
Varbergstunneln; Ausbau eines Eisenbahntunnels mit Güterbahnhof, Varberg 368 Baustart Januar 2019 Bauherr: Trafikverket Region Väst; Planung: AF-Infrastructure AB; Kontakt: Trafikverket Region Syd Lokalkontor Malmö, http://www.trafikverket.se/en
Stormyrberget; Onshore Windpark, Örnsköldsvik 242 Baustart 2019 Bauherr: Vattenfall Vindkraft AB, corporate.vattenfall.se; Planung: Örnsköldsvik Kommun
Taggen Vindpark; Offshore Windpark, Hanöbucht 194 Turbinenlieferung, Bau des Fundaments und Netzanbindung 2021, Installation und Fertigstellung 2022 Bauherr: Taggen Vindpark AB, http://www.taggenvindpark.se; Projektleitung: Vattenfall Research and Development AB
Stromleitung CityLink, Danderyd-Skanstull 165 bis 194 Baustart frühestens 2019 Auftraggeber: Svenska Kraftnät, http://www.svk.se; Planung: Züblin Scandinavia AB; Projektleitung: SWECO Management AB, http://www.sweco.se/en
Innovationszentrum, Lindholmen, Göteborg 97 bis 194 Geplanter Baustart 2019, geplante Fertigstellung 2021 Investor: Geely Group; Architekt: Tyréns AB; Kontakt: CEVT AB, http://www.cevt.se

*) Umrechnung gemäß Referenzkurs der Europäischen Zentralbank (1 Euro = 10,3165 skr; Stand: 16.10.18)

Quellen: Sverige Bygger; Recherchen von Germany Trade & Invest

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Höhere Einkommen werden nur teilweise ausgegeben

Die sinkende Arbeitslosenquote erhöht den Druck auf Lohnsteigerungen, was mehr Geld in den Portemonnaies verspricht. Insofern wird mittel- bis langfristig ein Nachfragewachstum von 2 bis 2,5 Prozent jährlich erwartet. Laut KI werden 2018 und 2019 vor allem Wohnungsausgaben dazu beitragen, die jeweils um knapp 4 Prozent steigen werden. Die Nachfrage nach Dienstleistungen soll um etwa 2 Prozent jährlich zulegen. Gebrauchsgüteranbieter haben weniger zu feiern: 2019 soll mit prognostizierten 1,3 Prozent nur knapp mehr als die Hälfte der Vorjahresdynamik erreicht werden.

Langfristigen Prognosen zufolge wird die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt schwieriger. Zum Jahreswechsel 2017/2018 wurde ein sichtbarer Preisverfall beobachtet. Experten warnen vor einer möglichen, stärkeren Korrektur - trotz bestehenden Wohnflächenmangels. Da die Schweden durch Wohnungskäufe zu den am höchsten verschuldeten Europäern gehören, könnte ein Wertverfall die allgemeine Kauflust hemmen.

Außenhandel: Brexit könnte Bedarfslücke aufreißen

Das Importwachstum hat sich 2017 gegenüber dem Vorjahr mehr als verdreifacht und erreichte knapp 7 Prozent. Im 1. Halbjahr 2018 sank das Wachstum auf 6 Prozent und soll im Gesamtjahr auf unter 4 Prozent fallen.

Einfuhren aus Deutschland entwickeln sich leicht unterdurchschnittlich, dennoch ist Deutschland nach wie vor der größte Lieferant für die Schweden. Die stärksten Konkurrenten sind die Niederlande, Norwegen, Dänemark sowie das Vereinigte Königreich. Je nach Ausgang der Brexit-Verhandlungen könnte sich hier eine Nachfragelücke von 7 Milliarden Euro öffnen. Von der Insel werden hauptsächlich Maschinen und Transportmittel (2,7 Milliarden Euro) sowie Chemieprodukte (1,1 Milliarden Euro) bezogen.

Außenhandel Schwedens (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2016 2017 Veränderung 2017/2016
Importe 127.462,6 136.301,2 6,9
Exporte 125.901,1 135.523,2 7,6
Handelsbilanzsaldo -1.561,4 -778,0 -

Quelle: Eurostat

Die schwedischen Exporte legten 2017 um 7,6 Prozent zu, im 1. Halbjahr 2018 um 5,5 Prozent. Exportschlager sind Maschinen, Kraftfahrzeuge sowie Chemieerzeugnisse. Neben Deutschland heißen die wichtigsten Abnehmer Norwegen, Finnland, USA und Dänemark.

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/schweden.

Dieser Artikel ist relevant für:

Schweden Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität, Brexit

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